Insolvenzanfechtung – Wichtig für die Unternehmer unter Euch

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 10:44 vor 3784 Tagen 3104 Views

Mittlerweile fechten Insolvenzverwalter vermehrt Rechtshandlungen an, die vor Insolvenzantrag erfolgten.
Nach der aktuellen Rechtsprechung hat der Insolvenzverwalter die Möglichkeit Zahlungen der letzten 10 Jahre von den Gläubigern zurückzufordern, sofern „subjektive Tatbestandsmerkmale“ vorlagen, die eine drohende Insolvenz des Schuldners vermuten ließen. Prominentes Beispiel: Teldafax.
In der Praxis heißt das: wer zulässt, dass seine Kunden das Zahlungsziel überschreiten, riskiert eine Rückforderung aller Umsätze durch den Insolvenzverwalter, wenn der Kunde binnen der nächsten 10 Jahre Insolvenz anmeldet.
Für die Insolvenzverwalter ist das ein lukratives Geschäft, und sie ziehen das tatsächlich durch.
Dass reihenweise Unternehmen in einer Kettenreaktion damit in die Insolvenz getrieben werden, wird in Kauf genommen.
Die Insolvenzverwalter suchen in den Archiven gezielt nach Mahnungen, Ratenzahlungsvereinbarung, Telefonnotizen etc..

Es gibt zwar rein theoretisch die Möglichkeit das Risiko zu versichern, aber nur zu horrenden Prämien und mit hohen Eigenbeteiligungen (ich habe über Creditreform und Versicherungsmakler angefragt). Die Versicherer haben noch keine Praxiserfahrung mit dem Thema.
Beispiel: Deckungssumme 250.000 Euro = Jahresprämie 9.100 Euro, 10.000 Euro Eigenbeteiligung, weitere 10.000 Eigenbeteiligung beim ersten Schadensfall im Jahr und außerdem generell nochmal 20% bei jedem Schadensfall.

Wie geht Ihr damit um? In den Köpfen unserer Geschäftspartner ist das Risiko noch nicht präsent.

https://de.wikipedia.org/wiki/Insolvenzanfechtung

Betrifft das auch Banken und das FA?

baisse-man @, Donnerstag, 17.09.2015, 11:03 vor 3784 Tagen @ Sylvie 1960 Views

Da dürfte dann eine MENGE zu holen sein! Wenn ich so an die letzten zehn Jahre denke...
[[zwinker]]
bm

Zumindest das Hauptzollamt durfte zahlen

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 11:14 vor 3784 Tagen @ baisse-man 2030 Views

Da dürfte dann eine MENGE zu holen sein! Wenn ich so an die letzten zehn
Jahre denke...
[[zwinker]]
bm

Im Fall von Teldafax mußten sie satte 25 Millionen an Energiesteuern zurück erstatten.

Danke für den Link

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 15:05 vor 3784 Tagen @ Michael Krause 1278 Views

Die einzelnen kleinen Forderungen scheinen damit vom Tisch zu sein.

Aber was ist mit dem regulären Tagesgeschäft? Man pflegt langjährige Geschäftsbeziehungen, schreibt regelmäßig Rechnungen im Bereich mehrerer Tausend Euro, der Kunde befindet sich regelmäßig im Verzug (1-3 Mahnstufe), gelegentlich wird sogar ein Lieferverzug angedroht.

Habe davon gelesen / Nachtrag

Dragonfly @, Donnerstag, 17.09.2015, 12:07 vor 3784 Tagen @ Sylvie 1748 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 17.09.2015, 12:21

Ich habe davon gelesen, als ich in Deutschland war. Da war dbz. ein Artikel, ich glaube in der FAZ.

Die Insolvenzverwalter suchen in den Archiven gezielt nach Mahnungen,
Ratenzahlungsvereinbarung, Telefonnotizen etc..

Angeblich soll eine Gesetzesaenderung geplant sein.

Wie geht Ihr damit um? In den Köpfen unserer Geschäftspartner ist das
Risiko noch nicht präsent.

Ich habe kein Unternehmen in Deutschland, von daher betrifft mich das nicht. Wenn es sich um eine Ueberschaubare Summe handelt ist das eine Sache. Interessant sind die Faelle, in denen die Forderung zum Bankrott des Unternehmens fuehren koennten, bzw. fuehren. Auch nachtraeglich laesst sich durch geschickte Unternehmensstrukturen eine "poison pill" in das Unternehmen einbauen. Ich hatte sogar ueberlegt mal ein paar Unternehmen in dieser Situation anzusprechen, hatte das dann aber nicht mehr weiter verfolgt, da ich nicht in Deutschland wohne und es auch ausgesprochen schwierig finde mit deutschen Unternehmern zu arbeiten.

Das hier was es:

Insolvenzanfechtung - Wie ein Blitz aus heiterem Himmel
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/insolvenzanfechtung-wie-ein-blitz-aus-heiterem-hi...

Hier ist die Interessengemeinschaft
http://www.mittelstand-vs-inso133.de/

Danke für den Link zur Interessengemeinschaft

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 15:06 vor 3784 Tagen @ Dragonfly 1269 Views

Ich habe mir das noch nicht durchgelesen, aber es durchlaufen wohl noch einige Verfahren grade die Instanzen.
Wir hatten einen Fall in 2012, damals galten meiner Erinnerung nach noch 3 Monate Frist. Der Insolvenzverwalter hat tatsächlich die in dem Zeitraum geleisteten Zahlungen zurück gefordert. Zum Glück handelte es sich nur um einen Kunden mittlerer Größe.

Versicherung gegen Risiken

HansMuc, Donnerstag, 17.09.2015, 13:37 vor 3784 Tagen @ Sylvie 1496 Views

Es gibt zwar rein theoretisch die Möglichkeit das Risiko zu versichern,
aber nur zu horrenden Prämien und mit hohen Eigenbeteiligungen (ich habe
über Creditreform und Versicherungsmakler angefragt). Die Versicherer
haben noch keine Praxiserfahrung mit dem Thema.
Beispiel: Deckungssumme 250.000 Euro = Jahresprämie 9.100 Euro, 10.000
Euro Eigenbeteiligung, weitere 10.000 Eigenbeteiligung beim ersten
Schadensfall im Jahr und außerdem generell nochmal 20% bei jedem
Schadensfall.

Wir wollten mal Warenlieferungen an etablierte deutsche Firmen (seit vielen
Jahrzehnten im Geschäft) gegen mögliche Zahlungsausfälle versichern.

Forget it ;)

1) Die Versicherung wollte nur bis zu einem maximalen Betragsrisiko von
80 000,- EUR versichern.

2) Die Jahresprämie wäre so hoch gewesen, dass die Firmen alle paar
Jahre pleite gehen müssten, damit sich die Versicherung für uns rentiert
hätte.

Fazit: Versicherung nur, wenn der Schadensfall zum KO der eigenen Firma
führen würde. Die übrigen Risiken selbst tragen.

Grüße
HansMuc

Versicherungsprämien sind utopisch!

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 15:07 vor 3784 Tagen @ HansMuc 1340 Views

In unserer Unternehmensgröße bekommen wir keine Einzelfallversicherung, die nur die Risiken einzelner Kunden abdeckt. Um unseren größten Kunden abzusichern, wäre demnach eine Prämie in Höhe von 36% seines Jahresumsatzes fällig. Ganz davon zu schweigen, dass bei einer Rückforderung von 10 Jahren Umsatz schon die Eigenbeteiligung tödlich wäre.

Darf man fragen…

Dragonfly @, Donnerstag, 17.09.2015, 15:56 vor 3784 Tagen @ Sylvie 1400 Views

In unserer Unternehmensgröße bekommen wir keine Einzelfallversicherung,
die nur die Risiken einzelner Kunden abdeckt. Um unseren größten Kunden
abzusichern, wäre demnach eine Prämie in Höhe von 36% seines
Jahresumsatzes fällig. Ganz davon zu schweigen, dass bei einer
Rückforderung von 10 Jahren Umsatz schon die Eigenbeteiligung tödlich
wäre.

…um welche Summen es geht und was es kosten darf?

Wenn man um die 100.000 Euro einmalig "schultern" kann, sieht die Welt schnell anders aus.

Kannst Du mir eine PN schicken? (oT)

Sylvie @, Donnerstag, 17.09.2015, 16:17 vor 3784 Tagen @ Dragonfly 1210 Views

- kein Text -

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