Der Schrei nach Souveränität ist mindestens so uralt wie Asbach ohne Cola
Hallo,
es scheint wohl eine "teutsche Tugend" zu sein, immer wieder veralteten Denkmustern anheim zu fallen. Anders kann ich mir jedenfalls die reihenweise sich berauschenden Forenschreiber dieser Tage nicht erklären. Gerade vom Gelben hätte ich da schon mehr erwartet, nämlich eine nüchterne Sichtweise auf die sich abspielenden Konzentrationsprozesse. Warum habt Ihr all die Jahre diskutiert, wenn am Ende die gleiche Quintessenz destilliert wird, wie sie im teutschen Reich schon immer irgendwo destilliert wurde?
Souveränität, Heureka!
Ja klar, Souveränität… als wäre nie etwas vorgefallen, als wäre die Zeit stehen geblieben spätestens Anfang bis kurz vor Mitte des letzten Jahrtausends!
Mit der heiß begehrten Souveränität verhält es sich auch und gerade in Deutschland nun einmal so, dass man sie entweder hat (und sie zu verteidigen in der Lage ist!) oder eben nicht. Danach schreien kann man bis zum Stimmversagen und kommt ihr mit diesem heiseren Unterfangen doch keinen Schritt näher. Vom deutsch-österreichischen größten Schreimeister aller Zeiten konnte man diese Lektion doch lernen.
Überhaupt stellt sich – ganz debitistisch und so – die Frage, ob es echte Souveränität eigentlich gibt auf der Erde? Wenn, dann jedenfalls nur in Teilbereichen, denn von irgendetwas oder irgendjemandem ist irgendwie jedes Leben abhängig.
Was Staaten betrifft, scheint hier noch nicht wirklich durchgesickert zu sein, dass auch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nach dessen Ende einen ganz überwiegenden Teil ihrer Souveränität mit Erfindung der Atombombe eingebüßt haben. Ich denke ja, dass es nur deshalb so viele Atombombenversuche gab, weil man die Zeitenwende in den Führungsstäben einfach nicht wahrhaben wollte. Die interne Kommunikation stelle ich mir in den USA und der Sowjetunion jedenfalls ganz ähnlich vor:
Präsident: "Und, war die Explosion wieder so stark?"
Atombombentester : "Nein, sie war diesmal noch viel, viel stärker!"
Präsident: "Verdammt, das gibt's doch nicht, was ist das nur für Teufelszeug! Zünden Sie bitte noch eine."
Atombombentester : "3... 2... 1... Deins!"
<<<KABOOOOOM!!!>>>
Präsident: "Oh man, die anderen haben sie auch! Was machen wir jetzt bloß mit den ganzen Kriegsschiffen, Panzern und Soldaten?"
Womit ich zu meinem persönlichen Fazit komme. Nachdem Staaten im 21. Jahrhundert nur noch in vergleichsweise sehr engen Grenzen miteinander ringen können, ansonsten nämlich der ganze Erdball pulverisiert würde, müssen die Verwerfungen und Schieflagen dieser Staaten (bzw. die Schieflage der Institution Staat) anderweitig kompensiert werden.
Und wer sitzt schon wieder auf dem Präsentierteller, immer bereit, sich instrumentalisieren zu lassen, immer bereit, die Zeche zu zahlen, immer bereit, die kleine, persönliche Souveränität für ein "höheres Ziel" kurzerhand über Bord zu werfen? Der gemeine Bürger, leider auch in diesem Forum scharenweise antreffbar, und nicht zu verwechseln mit dem Individuum.
Aber das Internet ist halt entstanden in der Demokratie, der perfidesten Form der Machtverschleierung. Da konnte wohl auch nichts anderes bei rumkommen, als eine gleichschaltende Durchleuchtungs- und Manipulationsmaschine aller erster Güte. Die Amis haben es halt drauf, mischen kurzerhand Asbach mit Cola und strecken die Angelegenheit. Ein geordnet ablaufender Bürgerkrieg, mehr könnte man sich als Staatsführer im Jetzt nicht wünschen.
Wer das nicht möchte, mag vielleicht in erster Linie an und für sich selbst arbeiten. Dem Staat begegnet man heute doch am besten als Individuum, als der abgeschlossene Zellhaufen, der man ist. Mir fällt die Entscheidung ziemlich leicht.
Gruß