... d.h. der ungefaehre Umfang des gewuenschten Personalabbaus steht eher vorher fest, dann wird eine externe Beratung ins Haus geholt, die ueberall alles zuunterst/zuoberst dreht und dann wird ein Kommunique seitens der Geschaeftsleitung lanciert, in dem ungefaehr das steht, was man vorher bereits errechnet hat.
Daher meine Vermutung:
ob folgende Maßnahme auf einen aktuellen Strategen, eine führende UB (PWC?) oder gar ein Lehrbuch/Handbuch der Unternehmensführung rückführbar ist?
Ich unterschätze den GF vielleicht, meine aber klar die Handschrift externer Beratung zu erkennen.
Meine Vermutung, dass der "Chef" das selbst - evtl. mit seinem Kuechenkabinett- ausgekocht hat.
Denn normalerweise bleiben einem eine Masse einheitlich gekleideter, etwas verloren, aber gleichzeit etwas arrogant dreinblickender Externer nicht verborgen, es sei denn, man arbeitet zufaellig in der Latrine, wo sich so einer nicht hin verirrt.
Mein Rat:
a) Solche Massnahmen sind i.d.R. einem empfundenen Druck der Geschaeftsleitung geschuldet. Die macht das ja i.d.R. nicht, weil es ihr Spass macht. Entweder sie taugt nix - dann besser schleunigst woanders bewerben, bevor man gekuendigt wird. Oder ... sie taugt etwas (d.h., den Eindruck hatte man bislang), dann sollte man sich zuerst fragen:
1) Wenn "alle Mann an Bord" bleiben und der Betrieb dadurch unrentabel wuerde, was habe ich davon?
2) Wenn er "gerettet" werden kann durch Kosteneinsparungen, und sei das um den Preis des Personalabbaues, dann waere das vielleicht die bessere Loesung?
(Falls das so klingt, als redete da ein Unternehmensberater - so falsch ist solch ein Eindruck nicht.)
b) Warum aber dann nicht mit dem Chef reden?
c) -Zusammen mit evtl. dem Betriebsrat und z.B. dem Betrieblichen Vorschlagswesen- sich fragen: welche Kostenbloecke druecken so sehr auf die Rentabilitaet, dass diese negativ wird? Gibt es statt Entlassungen (die auch meist etwas kosten, nicht nur wegen Sozialplan/Abfindungen, aber auch wegen meist enormer Reibungsverluste waehrend der Umstrukturierung!) andere Kosten, die man stattdessen abbauen koennte, die aber vielleicht der Geschaeftsleitung so gar nicht bewusst sind?
d) Ist die Kostenrechnung auf dem Stand der Wissenschaft?
Ein paar Anekdoten:
I) In einem Unternehmen wurde eine Baracke abgerissen, in der vorher jahre/jahrzehntelang die Produktionsvorbereitung/der Leiter eines bestimmten Produktionszweiges beheimatet waren. Der "Chef" hatte sich schon seit mehreren Jahren (!) beschwert ueber ein lautes Hintergrundrauschen in seinem Buero, das ihn fast zum Wahnsinn trieb. Aber keiner konnte was feststellen. Beim Abriss stellte sich heraus - ein Wasserrohrbruch. Die Wasserkosten des gesamten Werkes sanken schlagartig um zwei Drittel!!!
II) In einem anderen Werk wurde von einer externen Unternehmensberatung ermittelt, dass rechnerisch ca. 50 "Koepfe" eingespart werden koennten (also ggf. 30 Voll- und 40 Teilzeitstellen).
Das Werk hatte vielleicht ca. 300 Mitarbeiter(innen).
Das ganze ging relativ glatt ueber die Buehne. Da ich dort in einem anderen Beratungsprojekt stationiert war (in einer anderen Beratungsorganisation), bekam ich das mit (z.B. sehr hilfreich war es, wenn einer meiner Ansprechpartner ploetzlich verschwand und ich nun teilweise mehr wusste als dessen Nachfolger, den ich eigentlich interviewen sollte).
Ich hatte mich aufgrd. fachlicher Affinitaet dort mit einem Leiter eines der drei Produktionsstraenge etwas angefreundet, einem Diplom-Chemiker. So standen wir ab und zu in der Kantine beim Mittagessen zusammen und fachsimpelten.
Da sagte er mir: "die Firma sucht haenderingend nach Ersatz fuer die meisten 'Gefeuerten', weil das Pensum so nicht zu schaffen ist. Auch alte Mitarbeiter werden wieder eingestellt - aber ueber die Zeitarbeit. Erstens wollen die nicht mehr, zweitens duerfen wir niemand neu einstellen und drittens haben die ja grade eine Abfindung erhalten".
Das Ende vom Lied: es wurden binnen Jahresfrist praktisch genau so viele wieder ueber Zeitarbeitsfirmen "eingestellt", als vorher "abgebaut" worden waren.
Ich fragte: "Sagen sie mal, das muss doch in der Konzernmutter in USA jemandem auffallen?" Er: "Nein, Zeitarbeit wird ja anders abgerechnet, das merkt man fruehestens nach einem Jahr, wenn Zeitarbeiter aufgrd. gesetzlicher Vorschriften uebernommen werden muessten - und wissen Sie was - der Deutschlandchef, der das verbockt hat, wird in der Zwischenzeit noch zum Europachef befoerdert fuer seine strategische Weitsicht."
So kam es dann auch.
So koennte ich bestimmt ein Buch schreiben ueber weitere Faelle.
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Fazit: Die Massnahmen von Geschaeftsleitungen, die "mit dem Ruecken zur Wand" stehen, sind nicht immer rationaler, als die "normaler Menschen" in aehnlichen Situationen.
Wie oben gesagt: entweder es gibt andere Einsparpotentiale, und die kennt oft niemand besser, als die Arbeitenden vor Ort, oder es gibt sie nicht, die Einsparungen sind aber dennoch notwendig (alles muss man natuerlich hinterfragen), dann wird ein Hinauszoegern u.U. dazu fuehren, dass am Ende noch mehr eingespart werden muss, bis hin zur Insolvenz, Uebernahme etc. pp.
Leider herrscht gerade in vielen deutschen Unternehmen der Eindruck vor, der "Chef" sei unnahbar. Oft ist er das nicht (ist er es tatsaechlich, ist das oft Teil der Misere).
Dies als Anregungen. Jedenfalls tun sich viele Unternehmen keinen Gefallen mit der undiskutierten Entlassung vieler Mitarbeiter. Da findet der Grosskunde ploetzlich seinen Kundenberater nicht mehr, und kauft bei der Konkurrenz. Da kuendigt ein Teil der besten Leute, die man behalten wollte, zusaetzlich, weil eben "die Ratten das sinkende Schiff" verlassen. Am Ende steht man mit einer ganz anderen "Sozialauswahl" da, als man auf den Power-Points ausgemalt hatte.
Dann kommen teure und langwierige Arbeitsgerichtsverfahren, die die Befoerderung manches Verbliebenen blockieren etc. pp.
Drum: reden, reden, reden. Entweder es geht jemandem wirklich um's "grosse Ganze" - dann macht der/die mit - oder es ist besser, man geht. Je eher, desto besser.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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