Bei bloßen Behauptungen bitte nicht mit dem dem Präsens arbeiten (Edit)

azur, Freitag, 11.09.2015, 22:06 (vor 3788 Tagen) @ igelei2157 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 11.09.2015, 22:26

Hallo igelei,

danke, gut von Dir zu lesen. Sehe ich auch so, nur dass ich mir diese Gehirnwäschen einfach nicht antue (es reicht schon, was man zu lesen bekommt - kann aber sein, dass es in Diskussionen günstig ist, wenn man etwas auch gesehen hat):

Grade der ARD Brennpunkt
zur Flüchtlingskrise, kaum auszuhalten. Gesetze werden gebrochen, alle
Kritiker der Politik, die hier jeden ungebildeten willkommen heisst, sind
Nazis. Es ist unfassbar.

Wenn man den Präsens der Behauptung übernimmt, dann gibt man ihm Macht. Man wiederholt das, was der Behauptende als Tatsache sehen lassen will, wie eine Tatsache. Dabei ist es nur ein Behauptung.

Darf ich bitte vorschlagen, es hier auch so zu halten, wie anderswo, wo unbewiesene Behauptungen ausschließlich mit dem Konjunktiv dargestellt werden, wobei zugleich klar wird, dass man die Ansicht nicht gesichtert ist, sondern eine Behauptung.

Also nicht:

die hier jeden ungebildeten willkommen heisst, ̶s̶̶i̶̶n̶̶d̶
Nazis

Sondern besser:

die hier jeden ungebildeten willkommen heisst, seien
Nazis

Damit entziehst Du der Behauptung die Macht, und kannst dennoch berichten, was sich zugetragen hat bzw. was irgendwer bzw. irgendjemand behauptet hat.

Dieser will (lediglich), dass es so gesehen wird.

Wenn man sich davon distanzieren will, benutzt man weit besser den Konjunktiv: Habe, sei, wäre...*

Man kann natürlich auch sagen, sie meinte dass... (sie erschien und gab an, dass...), aber dann könnte man die Behauptung vielleicht in Anführungszeichen setzen.

Die Verwendung des Konjunktives ist aber imho weit besser.

Viele freundliche Grüße

azur

Edit:

"Die Beherrschung der mittelbaren Rede im Konjunktiv (Möglichkeitsform) ist für die Darstellung streitiger Fragen unerläßlich. Dagegen ist der Irrealis (Unwirklichkeitsform) in der Regel nur im Konjunktiv des Imperfekts zulässig.
...
Beachten Sie den Unterschied zwischen

wolle und wollte
habe und hätte
werde und würde
könne und könnte
sein und wäre
scheine und schien"

Edit: Es ermöglicht, wie gesagt, eine klarere gedankliche und sprachliche Trennung.

http://www.uni-potsdam.de/u/ls_rechtsgeschichte/lehre/stilregeln.php

*) "sie seien", "diese seien", "er hätte", "er sei ein", "er wäre ein", "sie sei ein", "sie wären ein" usw. usf. (wird wohl auch unter Konjunktiv II erfasst

Fakultativ [[zwinker]] [[freude]]: http://www.hispanoteca.eu/Lexikon%20der%20Linguistik/mo/MODALIT%C3%84T%20%20%20Modalida... ).

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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.


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