Ost- oder West-Deutschland egal. Auch in Simbabwe wohnend verdient er 40-60 Eu pro Stunde.
Das halte ich fuer Theorie, aus mehreren Gruenden:
Es gibt eine Art "oberen Dollpunkt" fuer Uebersetzungshonorare, das ist der amtliche Tarif fuer Gerichtsuebersetzungen in Deutschland:
https://de.wikipedia.org/wiki/Normzeile
Noch mehr zahlt freiwillig meiner Kenntnis nach niemand.
Es gibt auch Empfehlungen des BDUe, Bundesverbandes Dolmetscher und Uebersetzer (fuer Mitglieder).
Risiken fuer Buecher werden "auf dem Ruecken der Uebersetzer ausgetragen" (vgl. auch "Prekariat und stolz darauf"). Dem deutschen literarischen Uebersetzer droht Altersarmut ("In Schweden oder Finnland erhalten Übersetzer, ... eine Ehrenrente vom Staat, die sie vor der Altersarmut schützt, ...").
Wenn aber selbst ein so begnadeter, kongenialer Uebersetzer wie Harry Rowohlt davon nicht leben konnte, so hat das einen einfachen Grund:
Jeder weiss, wenn er ein Mietauto mietet, dass ihm eine Zusatzversicherung angeboten wird fuer "saemtliche Schaeden ohne Selbstbehalt". Allein diese kostet i.d.R. einen zweistelligen Betrag pro Tag. Dennoch schliesst man sie u.U. ab, wenn man fuer einen Tag mietet. Auch mal fuer zwei. Da faellt der Betrag nicht so auf.
Aber wer einen ganzen Monat mietet, der ueberlegt sich das.
Ebenso zahlt ein Auftraggeber durchaus fuer eine beglaubigte Uebersetzung eines vereidigten Uebersetzers mal fuer zwei Seiten, auch fuer vier (typischer Umfang von Befaehigungsnachweisen oder Papierkram im Zusammenhang mit Auslaender-Ehen) den Norm-Preis oder das o.g. Honorar.
Aber kaum ein Verlag zahlt auch nur ein ZEHNTEL (!!!) fuer die Uebersetzung eines Taschenbuches.
Es kommt haeufiger vor, dass ein auslaendisches Buch im Deutschen in der Erstauflage in voellig unzureichender Uebersetzung erscheint, weil, insbes. im Zeitalter des gepflegten Denglisch, "jede(r)" meint, er/sie koenne uebersetzen, noch dazu in die Muttersprache.
Die zweite Auflage, nachdem manchmal der Rest der Erstauflage eingestampft (!) werden musste, hat dann u.U. einen besseren Uebersetzer. Das koennte sogar der urspruengliche sein, wenn man ihn nur von Anbeginn an besser bezahlt ...
Haeufig konkurrieren um diese Dienstleistungen auch vollkommene Laien oder Leute, die ein Sprachstudium absolviert haben, das aber nicht zum Uebersetzen befaehigt. Ein Architekt kann ja auch nicht mauern ...
D.h. die im Eingangs-Beitrag genannten Honorare betragen leider oft nur ein Zehntel, gerade dann aus Zimbabwe, so dass ich paraphrasieren darf:
"Auch in Simbabwe wohnend verdient er 4-6 Euro pro Stunde."
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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