Vor-Ort-Bericht: Ankunft der Asylanten in Saalfeld
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 06.09.2015, 13:40
Moin zusammen,
ich kam gestern Abend aus dem Urlaub zurück. Während des letzten Monats hatte ich praktisch keinen Kontakt mit Medien/Internet. Einmal die Woche nach SMS geschaut und mal kurz ins Gelbe Forum, sonst nichts.
Auf der Heimfahrt DLF gehört, irritiert die Emotionalsierung und Verunsachlichung der ganzen Asyldebatte zur Kenntnis genommen. Dann ein Interview mit irgendeinem SZ Redakteur, welcher sich dafür rechtfertigte, das Bild vom toten Kind nicht gedruckt zu haben. Würde der Toten war sein Argument. 2 Sätze später sagt er sinngemäß, dass Bilder von Flüchlingskindern jedoch okay und nötig seien, weil sie den Rezipienten emotional ansprechen. Der letzte Satz, bevor ich das Radio ausgeschaltet habe: Wir (SZ) werden alles Nötige tun, um die Willkommenskultur zu fördern und die Akzeptanz und Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen...
Am Abend führte mich mein Weg an Saalfeld vorbei. Ich beschloss, am Bahnhof vorbeizufahren und mir vor Ort anzuschauen, wie die angekündigte Ankunft der Sonderzüge aus Ungarn und München aussah.
Erster Eindruck: massivstes Polizeiaufgebot, 4 schwere Zugmaschinen mit Tiefladerhängern beladen mit Riot-Zäunen, Blaulicht überall, nervös funkende Polizisten, insgesamt ca. eine Hundertschaft.
Das Auto abseits geparkt und zu Fuß zum Bahnhof. Davor eine fröhlich singende und tanzende Menschentraube, ca. 200 zuzüglich einem halben Dutzend Kamerateams. Leichte Irritation meinerseits. Ich frage Passanten, was die letzten Stunden passiert ist. "Die Nazis hat die Polizei alle schon weggefangen." Meine Frage, ob es Gewalt oder Parolen oder irgendendeinen ersichtlichen Grund dafür gab, wird verneint.
Ich mische mich unter die Menschen, spreche mit einigen, jeder erklärt mir, dass das endlich die Lösung fürs Demographie- und Wirtschaftsproblem ist. Wow, exakt die gleichen Argumente, wie eben noch auf DLF, aber im Brustton der Überzeugung vorgetragen. Mir wird unwohl. Anmerkungen meinerseits, dass die "Argumentation" sich weitestgehend auf Hoffnung stützt und darüber hinaus komplett auf "wenn" und "falls" aufbaut, führt zum Themenwechsel.
Wo bin ich denn hier gelandet, wer hat die alle dressiert? Egal, ich gehe weiter vor zum Eingang, da wo der Gesang herkommt. Am ehesten vergleichbar mit gesungenen Mantras. Ich verstehe Textfragmente, wie "ihr seid willkommen" und "hier könnt ihr bleiben".
Ich noch näher ran, Menschen mit Blechen voll selbstgebackenem Kuchen, Tüten mit Klamotten in den Händen, alle mit einem Gesichtsausdruck, wie ein kleiner Junge, der den Weihnachtsmann erwartet. Ich will nicht zynisch klingen - wenn ich die Umstände mal ausblende, war das wirklich eine sehr schöne herzerwärmende Stimmung. Und eine völlig irrationale. So etwas hab ich in Deutschland auf der Straße noch nicht erlebt. Das kannte ich bisher nur von Yoga- und spirituellen Festivals.
Dann kommen die Flüchtlinge. Der Gesang wird ekstatisch.
Junge Frauen mit Tränen in den leuchtenden Augen, Applaus, wildes Gejohle. Wird sicher bereits in den Nachrichten laufen (obwohl ich einige Szenen für nicht sendefähig halte, weil das niemand glauben würde/könnte(?)).
Ich treffe im innersten Kreis Menschen, die ich gut genug kenne, um einzuschätzen, dass die freiwillig und unbezahlt da sind, dass sie wirklich an das glauben, was hier gerade passiert. Und ich sehe, dass sie sich dabei so gut fühlen, wie schon lange, nein, sehr lange nicht mehr.
Ich fühle mich wie der Typ auf der Autobahn, der im Radio hört, dass ein Geisterfahrer unterwegs ist. "Was? Einer? HUNDERTE!"
Etwas entfernt vom ganzen Treiben stehen vereinzelt alte Menschen, teils unberührt, teils ratlos, einer schüttelt schweigend den Kopf und verschränkt seine Arme.
Ich verlasse die Szene, steige wieder ins Auto, fahre weiter. Und frage mich, wie das alles weitergeht. Ob mir nur die Phantasie fehlt, ob ich einfach nicht an Wunder glauben kann. Ob sich die optimistischen Hoffnungen der Menschen vielleicht erfüllen könnten. Oder ob das Aufwachen nach dem Kater gnadenlos hart sein wird. Ob hier das Fundament für Bürgerkrieg durch das Installieren inkompatibler Parteien gelegt wird, oder ob Multikulti tatsächlich das erste Mal in der Praxis funktionieren könnte.
Sorry, ich schweife ab. Was mich (der mit der Funktion und dem Einsatz von Psychologie, Gruppendynamik, Kybernetik, NLP, Medien,... durchaus vertraut ist) gerade bewegt, ist die Frage, was hier im letzten Monat passiert ist, um so viele Ressourcen zu mobilisieren, soviel Hoffnung zu verbreiten, so viele Menschen zu aktivieren, die hier am Bahnhof herzlicher auftreten, als gegenüber ihrer eigenen Familie(?). Was hat den Knopf gedrückt und welchen eigentlich? Ein Abarbeiten der indoktrinierten dt. Schuld? Ich verstehe es gerade nicht.
Diese euphorische Stimmung macht mir Angst. Natürlich ist es ein erhebendes Gefühl, wenn man mitten drin steht, aber ich sehe leider auch, was passieren kann, wenn das in Enttäuschung und Wut umkippt.
Nüchterne Grüße,
Positiv.
P.S. Gerüchten zufolge wurden die Migranten (zügeweise) erstmal im 6000 Einwohner Kaff Gorndorf untergebracht.
Der Schuldkomplex wird sehr schnell aus den Köpfen verschwinden, wenn offensichtlich wird, was sich uns nachdenkenden Menschen bereits heute offenbart. Und an dieser Stelle kommen nun wir ins Spiel.![[image]](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/16/Azteken-Menschenopfer.jpg)
Puuhh, Glück gehabt, erfolgreich weggeduckt.![[[sauer]]](images/smilies/sauer.gif)
![[image]](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9f/Columbus_landing_on_Hispaniola_adj.jpg)
![[image]](https://assets.zerohedge.com/s3fs-public/styles/square/public/2021-10/rome-fire.jpg?itok=98EmFf6V)