"Barriere-Freiheit": Tagesthemen in "Einfacher Sprache"

Mercury @, Donnerstag, 03.09.2015, 20:24 vor 3794 Tagen 3464 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.09.2015, 20:27

Hallo allen,

die ARD haben seit kurzem ein neues Angebot: "nachrichtenleicht" fasst die Nachrichten der Woche in "einfacher Sprache" zusammen.

Was ist "nachrichtenleicht"?

Ein Beispiel für das gerade im Internet so wichtige Angebot, zitiert aus der o.g. Beschreibung:
"Die Nachrichten auf der Seite nachrichtenleicht kommen vom Radio-Sender Deutschlandfunk. Der Deutschlandfunk sendet für ganz Deutschland. Die Redakteure vom Deutschlandfunk arbeiten in Köln."

Also aus Deutschland für Deutschland.

"nachrichtenleicht ist eine Hilfe für Menschen, die schwierige Sprache nicht gut verstehen können. Manche Menschen können zum Beispiel nicht so gut lesen. Manche können auch nicht so schnell Neues lernen. Für diese Probleme gibt es verschiedene Gründe. Der Grund kann zum Beispiel eine Lern-Schwäche oder eine Lern-Behinderung sein. Manche alte Menschen werden sehr vergesslich. Auch diese alten Menschen können dann Einfache Sprache besser verstehen als schwierige Sprache."

Eine sehr schnell wachsende Ziel-Gruppe also.

Die Regeln der "Einfachen Sprache" folgen einer Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung. Einen download habe ich nicht gefunden. Dafür die Broschüre des Netzwwerk Leichte Sprache.
Sie empfehlen, ähm, raten, auf den Genitiv zu verzichten. "Das Haus des Lehrers" ist "schlecht". "Das Haus vom Lehrer" ist "gut".
Der Konjunktiv soll nicht sein. Positive Sprache wird geraten. Ohne Rede-Wendungen und bildliche Sprache. Statt "1867" soll man "lange her" sagen. Der Vor-Schlag (? Ob ich das jetzt richtig geschrieben habe?), auf Prozentzahlen zu verzichten und lieber "einige" oder "viele" zu sagen, wird jeden Kreditverkäufer sicher entzücken.

Gerade in Gymnasial-Klassen mit Inklusion wichtig.

Noch ein Zitat: "Leichte Sprache ist für alle gut".

Winke-winke,

Mercury

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„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren." Ivan Illich

Sprachverstümmelung

Rotweintrinker @, Donnerstag, 03.09.2015, 20:46 vor 3794 Tagen @ Mercury 2427 Views

Und ob am Ende dieser Entwicklung, also wenn nur noch geblökt, gegrunzt und gebellt wird, auch wieder Schwänze wachsen werden?

Neusprech 2.0 (oT)

Benjamin @, NRW, Donnerstag, 03.09.2015, 21:44 vor 3794 Tagen @ Mercury 1802 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.09.2015, 21:53

Eloi-Sprache

Sylvia @, Donnerstag, 03.09.2015, 22:20 vor 3794 Tagen @ Mercury 2351 Views

Also aus: "1933 entdeckten Paläontologen die Knochen eines vor 200 Millionen Jahren ausgestorbenen Trilobiten."
Wird dann: "Lange ist es her da fanden kluge Menschx die Knochen von einem ganz, ganz, ganz lange toten, hässlichen Tier."
So in etwa?

Klingt wie Eloi-Sprache [[zwinker]].

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"Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral." (John Osborne)
"Der Gutmensch ist die logische Rückentwicklung des Menschen: Moral ohne Intelligenz." (unbekannt)

Eloi-Sprache - Herrlich, bringt es auf den Punkt. Aber der Satz ist viel zu lang. (oT)

Mercury @, Donnerstag, 03.09.2015, 23:22 vor 3794 Tagen @ Sylvia 1669 Views

- kein Text -

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„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren." Ivan Illich

Das Angebot finde ich gut

Martino @, Freitag, 04.09.2015, 00:03 vor 3794 Tagen @ Mercury 1894 Views

Guten Abend zusammen,

das Angebot finde ich eigentlich ganz gut.

Meine Frau hat damit ganz gut in den deutschen Alltag gefunden und sich an die deutsche Sprache gewöhnt. Sie gehört nicht zu den künftigen Nobelpreisträgern, hat aber 3 Studienabschlüsse in 3 verschiedenen Ländern absolviert- was nix heißen muss, sie ist aber bestimmt nicht die Dümmste.

Die deutsche Sprache ist sehr verschachtelt, oft bürokratisch und technisch verkünstelt. Wenn dann noch Metaphern, Insider-Witze, Zweideutigkeiten und "Political Correctness" hinzukommen, versteht jemand mit Migrationshintergrund oder mit wenig Leseübung gar nichts und verliert die Lust.

Im Gegensatz zu dem was Piter gerne mal in den Raum stellt, halte ich es für fast ausgeschlossen, dass jemand in 6 Monaten den C2-Level erreicht, ohne Vorkenntnisse UND ohne aussergewöhnlich hohem Talent... absoluter Quatsch. 90% der deutschen Bevölkerung lernt wohl im Schnitt kontinuierlich (!) 6 Jahre Englisch in der Schule und redet im Ergebnis wohl auch nicht viel besser wie der Öttinger! Aber die Synapsen der Ausländer wachsen ja schneller, oder wie?

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=367574

Mit C1 wirst du beamteter Dolmetscher bei der Europäischen Commission! Also laut Piters Theorie, so mal schnell in 6-9 Monaten.

Wenn es also durch extern hinzugekommene Menschen oder intern leistungsschwächere Menschen eine Nachfrage gibt, finde ich es gut, den Menschen den Einstieg ins Lesen zu ermöglichen.
Muss ja nicht gleich die Endstation sein.

Zielgruppe ist halt nicht "das Gelbe" und auch nicht eine Literarische Gruppe alla "La Pléiade".

Gruß
Martino

Falsch verstanden

Piter @, Freitag, 04.09.2015, 15:59 vor 3794 Tagen @ Martino 1450 Views

Hallo Martino,

Im Gegensatz zu dem was Piter gerne mal in den Raum stellt, halte ich es
für fast ausgeschlossen, dass jemand in 6 Monaten den C2-Level erreicht,
ohne Vorkenntnisse UND ohne aussergewöhnlich hohem Talent... absoluter
Quatsch.

Du hasst mich da leider falsch verstanden. Ich schrieb: "In der Theorie kann man die deutsche Sprache in 6 Monaten erlernen (C2).

Aber damit lässt sich keine hochqualifizierte Arbeitsstelle erreichen. (Anmerkung: Weil eben nur in der Theorie tiefe Sprachkenntnisse vorhanden sind)

Bei mir, ich bin vielleicht ein schlechtes Beispiel, hat es doch einige Jahre gedauert, um mich fließend mündlich und schriftlich in gutem Deutsch auszudrücken.

Die Theorie bezog sich auf die angebotenen Sprachkurse, welche in 6 Monaten das Level C2 in Aussicht stellen.

Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der das geschafft hat.

Vielleicht kann ein Sprachwissenschaftler dies erreichen, der vielleicht Latein und Griechisch perfekt beherrscht.

Gruss
Piter

Behindertengerechte oeffentlich-rechtliche Medien

Positiv @, Freitag, 04.09.2015, 10:18 vor 3794 Tagen @ Mercury 1583 Views

Hallo Mercury,

und ich Idiot dachte all die Jahre, das Angebot der ARD (und anderer GEZ finanzierter Medien) richte sich hauptsaechlich an Menschen mit Lern-Schwaeche, Lern-Behinderung und Alte. Wie dumm von mir.

Es gruesst einer von wenigen:

Positiv.

Leichte Sprache ist Teil des Globalisierungsplanes von Thomas Barnett

zip @, Freitag, 04.09.2015, 11:57 vor 3794 Tagen @ Mercury 1940 Views

Hallo,

wir erinnern uns: „Das Endziel ist die Gleichschaltung aller Länder der Erde, sie soll durch die Vermischung der Rassen herbeigeführt werden, mit dem Ziel einer hellbraunen Rasse in Europa. Hierfür sollen in Europa jährlich 1,5 Millionen Einwanderer aus der dritten Welt aufgenommen werden. Das Ergebnis ist eine Bevölkerung mit einem durchschnittlichen IQ von 90 – zu dumm, um zu Begreifen, aber intelligent genug, um zu Arbeiten.“ Siehe hier:
http://pressejournalismus.com/2015/08/die-wichtigsten-zitate-zu-den-fluechtlingsursachen/

Die Vereinfachung der deutschen Sprache ebnet den Weg dorthin. Die Leichte Sprache wird umfangreich gefördert und hat sich an den wichtigsten Schaltstellen der Behörden bereits fest etabliert:
http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/LeichteSprache/leichteSprache_node.html

Mit Leichter Sprache lässt sich zudem gutes Geld verdienen. Der Preis für die „Übersetzung“ von Umgangsdeutsch in die Leichte Sprache liegt bei einer Normseite in der Größenordnung von 120 bis 150 € (netto):
http://www.nachrichtenwerk.de/uebersetzungen-leichte-sprache.html

Zum Vergleich: Die Übersetzung eines anspruchsvollen deutschen Textes in eine Fremdsprache kostet nur rund 30 €:
http://carelesswriting.com/preise-uebersetzung.php

Es hat sich bereits ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt, der Seminare ausrichtet und entsprechende Gütesiegel verteilt, die dem „Übersetzer“ ein Mäntelchen der Kompetenz umhängen:
http://www.steinbach-pr.de/wo-leichte-sprache-draufsteht-soll-auch-leichte-sprache-drin...
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/31832/Leichte-Sprache-mit-Gütesiege...

Ursprünglich handelt es sich bei der Leichten Sprache um eine Fortentwicklung der „People-first language“, um im Rahmen der um sich greifenden political correctness auch minderbemittelte Menschen Anteil haben zu lassen:
https://en.wikipedia.org/wiki/People-first_language

In Deutschland waren im Jahr 2011 rund 14 Prozent der Bevölkerung vom funktionalem Analphabetismus betroffen, siehe Fußnote hier:
http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition

Wie hoch dieser Prozentsatz im Jahr 2016 wohl sein wird?

Beste Grüße vom

--
.zip

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