Neuvorstellung: papi

papi @, Mittwoch, 26.08.2015, 21:33 vor 3802 Tagen 2477 Views

Hallo Gemeinde,

ich bin neu hier und stelle mich kurz vor: mit Börse hab ich z.Zt. nix am Hut, lese aber schon seit Jahren hier mit, um für meine Meinungsbildung ein Gegengewicht zu MSM und Verwandschaft zu erhalten. Nachdem ich bisher nur "indirekt" mit der augenblicklichen Zuwanderungsproblematik in Berührung kam, häufen sich in letzter Zeit hier (=Bielefeld) negative Erfahrungen mit den bunten Bereicherungen, über die ich mich gerne mit anderen austauschen würde. Am Rande: die Hälfte meiner Verwandschaft kommt aus der Türkei.

Meine persönlichen Erlebnisse: Die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung an der Gütersloher Str. praktizieren sonntagnachmittagliches Biertrinken und Kacken (!) direkt am Fussweg an der Gütersloher Strasse. Meine Frau wurde heute von einem schwersttraumatisierten, fahrradfahrenden Syrer verbal massiv sexuell belästigt (auf türkisch). Genaueres wollte mir sie nicht schreiben, weil es ihr "zu abartig gewesen sei".

Leider arbeite ich unter der Woche weit weg von zu Hause und fühle mich da "etwas" hilflos. Naja, vielleicht öffnet ja das letzte Ereignis die Augen meiner maximal-toleranten Verwandschaft etwas. Zumindest durfte ich heute überraschenderweise schon lesen: "Ja, nich 800000. das ist echt ne Zumutung" :)

Viele Grüsse papi

-Textende-

Willkommen! Die vier zentralen Ehrbegriffe der Orientalen (ed - Pispers tippt auf Neid der deutschen Machos)

azur @, Mittwoch, 26.08.2015, 22:49 vor 3802 Tagen @ papi 2619 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 26.08.2015, 23:13

Hallo papi,

Willkommen. Es ist doch ganz egal, woher jemand stammt: Für dieses Forum zählt der Ausstausch kluger Idee, wenn ich es recht verstand. Auch wenn das unten ein Leser nicht verstehen kann: Natürlich wird alles kritisch zerhakt. Genau so muss es sein.

Und: Nur weil Deine halbe Verwandschaft auf der Türkei stammt (habe viele tolle Türken kennen lernen dürfen), heißt es doch nicht, dass Du das kennst, was ich da unlängst las (interessanterweise dieses Mal in einer Studiersitzung von Monet, bis zu Anton Tschechow !! und Levitan - das ist was für Russlandliebhaber!):

Namus

Namus ist in vielen orientalischen Gesellschaften neben Achtung, Respekt, Ehre und Würde ein zentraler Wert. Im weiteren Sinn bezeichnet Namus die Familienehre und ist für die innerfamiliären Autoritätsbeziehungen von großer Bedeutung. Im engeren Sinn bezieht sich Namus auf die sexuelle Unberührtheit der unverheirateten weiblichen Familienmitglieder und ist damit stark geschlechtsspezifisch. Da die Überwachung der weiblichen sexuellen Unversehrtheit jedoch traditionell den männlichen Verwandten (Väter, Brüder) obliegt, bedeutet die Verletzung der weiblichen Namus zugleich eine Verletzung des öffentlichen Ansehens der männlichen Verwandten.

Eine Verletzung der Familienehre bzw. Namus, sei es von innen heraus durch unangepasstes Verhalten eigener Verwandter (sexueller oder krimineller Art), oder von außen durch Fremde (zum Beispiel in Form von tätlichen oder verbalen Angriffen auf Verwandte), bedroht stets auch die persönliche Ehre der übrigen Familienmitglieder. usw."

"Åžeref

Åžeref (türkisch Ehre, Ansehen, Achtung) ist eine der vier ethischen Kategorien, die für das Wertgefüge in der traditionell-islamisch-türkischen Kultur von zentraler Bedeutung sind. Der Begriff steht für die persönliche Würde des einzelnen Individuums; darüber hinaus gestaltet er die Beziehungen eines Haushaltes zu anderen Haushalten. usw."

"Sevgi

Sevgi (türkisch: Liebe) ist eine der vier ethischen Kategorien, die für das Wertgefüge in der traditionell islamisch-türkischen Kultur von zentraler Bedeutung sind. Sie bezieht sich auf die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder bzw. die Verantwortung der älteren Geschwister für die jüngeren. Im Gegenzug schulden die jüngsten den älteren Familienmitgliedern Achtung und Respekt in Form von Saygı."

usw. und toleriert ihr bestimmtes Verhalten und bestimmte Unarten nicht, wie Du schreibst.

Und was bedeutet Verwandschaft wirklich, jeweils individuell, traditionell, modern, liebevoll, ent- und gespannte Verhältnisse...

Freue mich natürlich, wenn Du uns was dazu sagen kannst, aber verstehe ebenso, wenn Du sagst, dass andere Dinge eher Dein Thema sind.

(Sowie: auch für die Korandiskutanten unten - ein weiteres altes furchterregendes Buch, geschrieben immer nur durch Menschen, noch diese Geschichte https://de.wikipedia.org/wiki/Bacha_bazi . Nun muss man aufpassen, um nicht schräge Dinge - oder zumindest welche, die einen hier oder nun so vorkommen; die es in der Geschichte nahezu jeder Kultur gibt, nicht zum allein Kennzeichnenden einer Kultur macht. Das macht keinen Sinn, denn eine Gesellschaft ist, zumal eine schier ewigwährenden Entwicklung durchlaufen zu haben und komplexe Zustände schaffend, eben vielschichtig - und Reduktionen machen, zum Glück auch erfahrungsgemäß, wenig Sinn.)

Wie auch immer: Freue mich auf den Austausch, gern auch zu anderen Sachen.

Aber wenn Du etwas zu den hier Vorgelegten sagen willst, dann wäre das natürlich Klasse. Du kennst es vielleicht aus der eigenen Anschauung.

Viele freundliche Grüße

azur


Edit: Vergass ja den 'mit am besten Text', das vierte Element:

Saygı

Saygı (türkisch: Achtung, Respekt) ist eine der vier ethischen Kategorien, die für das Wertgefüge in der traditionell islamisch-türkischen Kultur von zentraler Bedeutung sind. Sie regelt die Beziehung der Jüngeren zu den Älteren beziehungsweise der Kinder zu den Eltern.

Laut Werner Schiffauer schulden Kinder in ländlichen islamischen Gesellschaften Eltern Respekt und Achtung. "Diese Forderung gründet sich auf die Tatsache, dass das Kind sein Leben den Eltern verdankt und von diesen während der ersten Lebensjahre genährt und gepflegt wird. Diese einseitige und prinzipiell nicht wiedergutzumachende Gabe der Eltern begründet auf der Seite des Kindes die Pflicht der Achtung (saygı)", wobei im Türkischen mit Achtung weniger ein Gefühl gemeint sei als "eine umfassende Verpflichtung, die neben Gehorsam und Respekt auch die Verpflichtung der Unterstützung im Alter umfasst und die durch zahlreiche und detaillierte Handlungsvorschriften ausgedrückt wird". So beispielsweise durch "das Verbot, in Gegenwart derjenigen, denen man Achtung schuldet, Alkohol zu trinken, zu rauchen, generell sich gehenzulassen, ihnen zu widersprechen etc.". Entsprechend sei nie die Rede davon, dass "Achtung ‚empfunden‘ (duymak bzw. hissetmek) werden müsse", sondern immer nur davon, dass sie "‚gezeigt‘ (göstermek) werden müsse". Ebenso, wie es gelte, die "Integrität des anderen zu respektieren" (es sei denn, man lege es auf eine Auseinandersetzung an), sei es notwendig, "dem anderen keinen Zweifel an der eigenen Integrität zu geben". Dies gebe dem Handeln einen repräsentativen und formalen Zug. Eine Familie müsse vor allem darstellen, "dass die Beziehungen nach innen der Norm gehorchen". So werde die Achtung (saygı), die die Familienangehörigen dem Vater schuldeten und die als Garant für die Geschlossenheit der Familie gelte, "ebenso gefühlt wie gezeigt (göstermek). Man raucht nicht in Gegenwart des Vaters; setzt sich nicht entspannt hin, wenn er im Raum ist; schweigt, wenn Dritte anwesend sind; widerspricht ihm nicht". (Die Bauern von Subay, S. 27f., 55.)
Literatur

Die Bauern von Subay. Das Leben in einem türkischen Dorf, Werner Schiffauer, Klett-Cotta, Stuttgart, 1987"

Interessant, oder?

Viele Zugezogene, vor Jahren oder nun, haben offenbar nicht den Eindruck, dass die Menschen hier Respekt verdient haben.

Und wenn sie dann Sorge haben, z. B. alte Leutchen in Heidenau, dann müssen sie "Rechte" sein, nur weil irgendwelche Dummköpfe es anders nicht verstehen können oder man die Bürger dort gern mundtot machen will. Deren Protest sich aber ebenso gegen ein dummes Straßen- oder Erschließungsprojekt richten würde, ohne dass sie dafür irgendwie links oder rechts oder sonst-etwas sein müssen. Dabei wollen die einfach ihre Ruhe, und gefragt werden, wenn ihre Verhältnisse beeinträchtigt werden. Zumal es sich ja, wie alle Stellen von Oben vermelden, nur die Anfänge sind. Ist das so schwer nachzuvollziehen? Ist das nicht legitim, wenn die ihre friedlichen Verhältnisse verteidigen wollen? Sind die egal?

Achja: und der Pispers tippt in einem Video darauf, dass die, die "ausländerfeindlich seien" (vemrutlich reicht auch da schon Skepzis und Hinterfragen), nur neidisch auf das Verhältnis von türkischen Männern zu türkischen Frauen sein. Das ist doch mal ne Logik. Der erzählt hin und wieder mal richtigen Schwachsinn. Na wenigstens ihm scheint die Erklärung zu reichen.

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Na, da hab ich Glück gehabt :)

papi @, Mittwoch, 26.08.2015, 23:15 vor 3802 Tagen @ azur 1792 Views

Hallo Azur
und danke für Dein Statement. Glücklicherweise sind die Eltern
meiner Frau sehr liberale Aleviten und die 4 Kinder eher atheistisch
eingestellt.

Ich bin gespannt, wie sich das heutige Vorkommnis auf die Diskussions-
bereitschaft innerhalb der Familie auswirkt. Bisher war jegliches
Hinterfragen bzgl. Finanzierung und Auswirkungen der jetzigen Situation
auf unsere Gesellschaft immer begleitet von einem "Geschmäckle"
- ihrerseits.

Normalerweise "Liken" die grundsätzlich jede Absonderung von
Til Schweiger, Claudia Roth und Konsorten.

VLG
papi

Interessant. Na bring Dich nicht in überflüssigen Familienstress - Sind diese Werte verankert?

azur @, Donnerstag, 27.08.2015, 00:30 vor 3802 Tagen @ papi 1592 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 27.08.2015, 00:59

Hallo papi,

danke sehr (es fällt mir jetzt erst auf: Es gibt hier übrigens einen sehr beliebten Schreiber, der sein Post so abkürzte, wie Dein nick. Leider schreibt @papillon wenig - herzliche Grüße!).

und danke für Dein Statement.

Statement? So war es nicht gemeint. Es war vor allem auch der Wunsch zu fragen und zu diskutieren. Obschon, stellenweise... gebe es ja zu. Es ist eben auch ein Forum, wo es sich immer zugleich auch an viele richtet.

Glücklicherweise sind die Eltern
meiner Frau sehr liberale Aleviten und die 4 Kinder eher atheistisch
eingestellt.

Naja, das hat ja nicht direkt mit Werten zu tun. Die in den Artikeln beschriebenen Dinge wirken vielleicht auch über Glaubensdinge hinaus (der christliche Einfluss auf unsere Gesellschaft wird ja auch von Atheisten nicht in Abrede gestellt).

Es interessiert mich wirklich, wie diese Begriffen bzw. Dinge im Bewusstsein verankert sind. Scheinbar scheinen viele türkische und arabische Familien dannach zu leben [[freude]].

Kennt man die? Wird sich darauf berufen? Wird man darin unterwiesen, wie hierzulande in Sitten (ob es Begrüßungen sind, oder Verhalten anderen gegenüber, was die Sittlichkeit regulieren soll)?


Ich bin gespannt, wie sich das heutige Vorkommnis

Welches? Meine Antwort?

auf die Diskussions-
bereitschaft innerhalb der Familie auswirkt. Bisher war jegliches
Hinterfragen bzgl. Finanzierung und Auswirkungen der jetzigen Situation
auf unsere Gesellschaft immer begleitet von einem "Geschmäckle"
- ihrerseits.

Das hat man sicher überall.

Fraglich ist ja, wie man sich eine eigene Meinung bildet und was man sich von was erwartet, nach allen Erfahrungen.


Normalerweise "Liken" die grundsätzlich jede Absonderung von
Til Schweiger, Claudia Roth und Konsorten.

Nun, wenn die sich von den protegiert fühlen, ist das kein Wunder.

Aber weißt Du, Familie ist für mich auch etwas, wo man im besten Falle Unterstützung genießt, sich und die Familie achte, und den Frieden besonders wart. Familie zeigt ja eben, was vergängliche Aufregung ist, und was bleibt.

Gleich aller vergänglichen Aufregungen zu Themen von Gott und der Welt usw., was bleibt?

Blut sie dicker als Wasser, sagt man da doch hier oft, und liegt zumindest vom Gesetz her nicht daneben (z. B. gemäß reichlichen Regelungen zu Unterhalts- und Fürsorgepflichten, bis hin zur Bestattungspflicht - die auch Kostengründe haben).

Außerdem sind viele unreife Konflikte nicht geeignet, sich zu verständigen. Da hilft manchmal nur Geduld, und manches Mal eben nichts - genau wie bei anderen Dingen.

Der innere Friden und der in der Familie und der Umgebung, sind ein hohes Gut. Ein Segen, wenn es gut klappt. Das lohnt gefördert zu werden.


VLG
papi

VGLG

azur


https://de.wiktionary.org/wiki/Blut_ist_dicker_als_Wasser

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Herzlich willkommen. Nur: die Aleviten sind Schiiten und daher in der sunnitischen wie der saekularen Tuerkei ein Sonderfall. (oT)

CrisisMaven ⌂ @, Donnerstag, 27.08.2015, 00:58 vor 3802 Tagen @ azur 1428 Views

- kein Text -

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Diese Werte scheinen aber nicht nur für eine Gruppe zu gelten

azur @, Donnerstag, 27.08.2015, 01:08 vor 3802 Tagen @ CrisisMaven 1499 Views

Hallo CM,

selbst wenn das so ist, die hier genannten Werte sind doch in allen orientalischen Gruppen zu finden:

"Namus

Namus ist in vielen orientalischen Gesellschaften neben Achtung, Respekt, Ehre und Würde ein zentraler Wert."

"Åžeref (türkisch Ehre, Ansehen, Achtung) ist eine der vier ethischen Kategorien, die für das Wertgefüge in der traditionell-islamisch-türkischen Kultur von zentraler Bedeutung sind."

Sevgi, Saygı.

Das seien die türkischen Worte, heißt es zu den letztgenannten 3en in Wiki. Gibt es das nicht auch auf z. B. persisch, arabisch, agyptisch, marokanisch usw.?

Jedenfalls scheint mir, dass man manches etwas besser versteht, wenn man diesen Wertekanon kennt. Ohne, dass man im Entferntesten daran denkt, sich danach richten zu wollen, um es sicherheitshalber hinzugefügt zu haben.

So nun wirklich tausendundeinmal gute Nacht.

Viele freundliche Grüße

azur

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Absolut, die Werte gelten in Sunna und Schia i.d.R. gleich viel ...

CrisisMaven ⌂ @, Donnerstag, 27.08.2015, 01:34 vor 3802 Tagen @ azur 1604 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 27.08.2015, 01:46

... auch wenn man sich, mit diesen Werten "bewaffnet", dann gegenseitig die Kehle durchschneidet.

die ...genannten Werte sind doch in allen orientalischen Gruppen zu finden:

Ich bezog mich mehr darauf, dass @papi seine haelftige tuerkische Verwandtschaft ins Feld fuehrte.

Diese Aleviten sind aber ueberwiegend grossstaedtische gebildete Ober- und Mittelschicht in der Tuerkei, die "ihr eigen Ding" machen, um mit dem saekularen wie dem mehr und mehr sunnitischen tuerkischen militanten Staatsapparat nicht aneinanderzugeraten, denn sie sind Schiiten.

Fuer Deutsche, die das nicht wissen, klingt das "meine halbe Familie sind Tuerken" aber so, als waeren damit die "klassischen" tuerkischen Gastarbeiter gemeint, die in den sechziger Jahren etc. aus Afyon und Anatolien hierher einwanderten, und ueberwiegend sunnitisch sowie grossteils Analphabeten waren.

Auch wenn jeder Vergleich hinkt: das ist fast so, als wuerde jemand sagen "die halbe Familie sind Suedafrikaner", aber im Unklaren laesst, ob er Buren oder Zulus meint ...

(Und nichts gegen anatolische Analphabeten - das waren hart arbeitende, zupackende, sparsame Leute, die ihr meistes Geld nach Hause geschickt haben und, da aus religioesen Gruenden dem Alkohol abgeneigt, die deutsche Bauwirtschaft vor dem Zusammenbruch durch den Alkoholismus gerettet haben.)

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