Danke - und dazu aus Italien:

modesto, Samstag, 22.08.2015, 09:09 (vor 3808 Tagen) @ helmut-13813 Views
bearbeitet von modesto, Samstag, 22.08.2015, 09:22

Lieber Helmus-1,

Deine Worte treffen direkt ins Herz.

Und so wie Du in Rumänien beobachtest, dass Auswanderer ankommen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, so beobachten wir das auch hier.

Vor einigen Jahren klagte mein Herzdame, dass sie nie mit jemandem in ihrer Muttersprache einfach nur Quasseln konnte.
Heute sind wir weiträumig von Menschen umgeben aus den verschiedensten Regionen Deutschlands.
Manche bauen, andere sanieren, wiederum andere haben nur Land gekauft, einen Brunnen gebohrt, eine Minisickergrube gesetzt und einen Wohnwagen stehen.

Alle haben eines gemeinsam - sie liegen Italien nicht auf der Tasche und ernähren sich selbst.
Sogar zwei Rentner haben sich mit einem Wohnwagen niedergelassen, mutig in dem Alter. Aber sie sind nicht alleine, andere Deutsche und Schweizer werden ihre Häuser beziehen und man ist füreinander da.

Auch Deinen inneren Zwiespalt - "Geh ich zurück nach D. oder bleibe ich?" - kann ich lebhaft nachvollziehen.

Denn alles strebt nach der "idealen Fluchtburg", ich habe sie, Du hast sie.
Und um uns herum entstehen immer mehr Fluchtburgen, ganz klein, mittel und auch recht groß. Jeder wie er kann.

Alle, die hier ankommen, haben diesselbe Wellenlänge in wichtigen Bereichen und würden Dein Posting direkt unterschreiben.

Bei Dir in Rumänien gibt es das Problem der Eindringlinge nicht, denn sie haben dort nichts zu gewinnen.
Hier bei mir im tiefen, ruhigen Süden Italiens gibt es das Problem nicht, denn sie kommen über Lampedusa an, ihre Route nach Norden geht nicht über unseren Stiefelabsatz und können in Italien gehen wohin sie wollen.

Hier gibts nichts zu holen. Also konzentrieren sie sich auf den überfüllten Norden und dort auf die großen Städte.
Denn der Süditaliener auf dem Dorf ist zwar herzlich und offen, aber auch mißtrauisch und sehr konservativ - und wehrhaft.
Persönlich kenne ich fast nur Männer mit Waffenschein und zumindest Gewehren, die Fuchsjagd ist so verbreitet, dass es einen in der Jagdsaison schon annervt, wenn Hinz und Kunz überall herumlaufen und ballern.
Offiziell übrigens, um die Hühner und Gänse vor dem Fuchs zu schützen.

Es gibt hier nichts zu mausen und keine Sozialleistungen, die Frauen sind nicht zugänglich und die Töchter werden bewacht bis zur Heirat.

Nebenbei - ein deutscher Mann ist das Größte, was sich die jungen Damen hier vorstellen können, so einen guten Ruf genießen sie hier ;)
Fleiß, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit - das sagt man den Deutschen nach.
Meine kleine beglaubigte Dolmetscherin, die ich für notarielle Dinge, die Deutsche brauchen, buche, hat meine Herzdame letztens angesprochen, ob sie nicht einen netten, jungen Mann kennt..
Die junge Frau ist eine Schönheit, gebildet und humorvoll - aber ein deutscher Mann, der sicher auch über die hier üblichen 1,65cm herausgewachsen ist, wäre ihr Traum :D

..

Der Gedanke, Europa könnte zerbrechen, wirft sofort Fragen auf bezüglich des eigenen Lebensplans.
Ich kann nicht für Deine Gegend sprechen.
Aber hier gingen die Uhren immer langsam.

An der Küste zeugen Miniwehrtürme davon, dass man im Krieg das Meer beobachtete, ob Feine angeschippert kommen.
Sie kamen aber nie.
Denn es gibt bis heute keinen großen Hafen. Es gibt keine Autobahn, um Kriegsgerät zu transportieren. Die Autobahn hört 60 km vor uns auf.
Es gibt keine Industrie, die es sich zu zerstören lohnen würde.
Die Menschen leben von ihrem regionalen Konsum, den Feldern, dem Wein, der Vermietung an Touris und dem Handwerk.

So haben alle damals vom Krieg gehört, aber nichts mitbekommen.
Man ging aufs Feld, in den Wein, in den Ziegenstall und aufs Meer fischen.
Und so ist es noch heute, nur dass der Individualtourismus dazugekommen ist als Einnahmequelle. Und der "Export" begehrter, unverfälschter Erzeugerlebensmittel in den Norden. Da sei vor allem Pecorinokäse genannt, Produkte aus Feigen, Obst und Gemüse, Wein und die spezielle apulische Pasta Orecchiette, die in rauhen Mengen von hier weggefahren wird.

Auch der durch den Euro anfangs forcierte, kreditfinanzierte Bauboom ist hier nie angekommen, so dass ein Zerbrechen des Euros auf den Immobiliensektor keine Auswirkung hätte.
Häuser mit mehr als 2 Etagen waren und sind verboten, wenn gebaut wird, dann klein mit viel Land ringsherum, der Bauindex liegt bei 1% - bei einer Grundstücksgröße ab 5.000m².
So beschaulich wie es war - so bleibts.

Die Renten sind so winzig, es sei denn, man arbeitete für Vadder Staat, dass die Menschen es gewohnt sind, mit wenig auszukommen und ein Großteil ist seit Jahrzehnten Selbstversorger in puncto Obst und Gemüse, Olivenöl, Wein und Hühner.

Wo es vor einiger Zeit noch schien, dass die Jugend sich von der Landwirtschaft abwendet, ist eine Trendwende eingetreten. Inzwischen verkaufen die Jungen kaum noch das Feld der Alten zum Bebauen, sie halten das Land und etliche bewirtschaften es auch weiter.
Vielleicht dem Umstand geschuldet, dass die Jugend sich über Internet informiert und die Entwickung verstanden hat - Erde und Trinkwasserbrunnen in diesen Zeiten bringen doch langfristig mehr als eine einmalig Einnahme in immer wertloser werdenden Euros.

Bricht also der Euro auseinander, wird es chaotisch - aber für die Verwaltung in Italien ist das der Normalzustand.
Schätze, dass Du davon in Rumänien auch Lieder singen kannst.
Mal gereicht es einem zum Vorteil, denn es birgt auch Freiheiten, die in Deutschland unmöglich sind, einmal gereicht es zum Nachteil und man lässt gut Nerven.

Aber auch ein Zerbrechen der Eurozone, (nicht Europas, das bleibt ja), auch einen Krieg in Europa, würde meine verschlafene Ecke hier in der ionischen Meeresbucht, verkraften. Wenn man das überhaupt spüren würde.

Schwarz sehe ich wie Du für den Norden, nicht nur die "reicheren" Länder wie Deutschland, in denen der Reichtum aber so ungerecht verteilt ist, dass es sich schon ohne unkontrollierte Zuwanderung zum gesellschaftlichen Sprengstoff entwickelt.
Genauso in Italien in den Metropolen wie Rom und Milano und anderen.
Wir haben wir jeden Sommer Zigtausende Touristen aus dem Norden. Alle singen dasselbe Lied: Man kann kaum noch aus dem Haus gehen.

Dort bevölkern ganze Horden Illegaler die Parks, Drogenhandel auf offener Straße. Die Rumänen sind vor allem im Bereich Raub und Prostitution unterwegs und besetzen ganze Straßenzüge.
Die Camps, die sie sich selber errichten, führen im Umland zum Wegzug der Einheimischen, wenn es sich die Bewohner leisten können.
Das Fernsehen ist voll von klagenden, wütenden Menschen, die tagtäglich damit leben müssen: Vermüllung, Vergewaltigung, Straßenraub, Straßenstrich, Drogen.

Die Polizei kommt nicht hinterher, No-Go-Areas gehören zu den Städten schon länger als in Deutschland.

Die Politik?
Renzi klopft viele Sprüche, nichts passiert.
Italien ist als erster Anlaufpunkt völlig überfordert und kann seit langem nur noch durchwinken. Auf dem Weg nach Norden bleiben dann einige in den italienischen Großstädten hängen, der Großteil kommt nach Deutschland.

Sicher wird sich in unglaublich kurzer zeit in Europa vieles zum Negativen ändern, wir sind schon mittendrin - und ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels.
Es kommt wohl nur noch drauf an, wie man selber positioniert ist - und die Sicherheiten schwinden.
Wie Du schreibst - das eigene Haus und die Ersparnisse fürs Alter sind wohl eine trügerische Sicherheit.
Sei es durch immer neue diktatorische Gesetze im Bereich "energetische Sanierung" und neue Vorschriften und Auflagen, die es einem kaum ermöglichen, das Haus auch im Alter zu erhalten, sei es durch die Bereicherung um die Ecke.

Du und ich und andere, die sich schon verkrümelt haben, sollten wohl dankbar sein für den Umstand, dass wir eine Wahl haben.
oder zumindest die Chance, den großen Bumm irgendwo auszusitzen.

Denn ich bin überzeugt, dass es so nicht mehr unendlich weitergeht, da braut sich was zusammen. Und wenns rummst, danke ich dem Herr, wenn er mir hier statt meiner großen eine kleine Hütte lässt und die Möglichkeit, den Nachwuchs herkommen zu lassen.

Aber vielleicht sehe ich auch zu schwarz und es geht noch lange, lange nach unten. Der deutsche Gutmensch ist sehr leidensfähig und badet gern in seiner "unendlichen Schuld".

Dazu noch ein Satz:
Hier sind die Leute patriotisch, feiern ihr "bell paese" mit Fahnen und Hymne.
Und aus diesem selbstverständlichen Patriotismus heraus sind sie eben auch offen und gastfreundlich Fremden gegenüber, solange die sich selber ernähren.
Meine Gute hat nur positive Erfahrungen im Privaten gemacht als Deutsche.

Dass dem Deutschen der Patritismus verboten wird, er als Nazi beschimpft wird, entfacht erst recht die Wut und das Bedürfnis nach Identifikation über seine Nationalität.
Je mehr Überfremdung, je mehr political correctness, desto mehr werden sich die Menschen auf sich und ihre Nationalität besinnen und versuchen, darin noch Halt und Zusammenhalt zu finden.
Mal schauen, ob die Gesinnungsdiktatur sich so durchsetzt, wenn wir auf deutschen Straßen die Prophezeiung erfüllt sehen, dass man auf der Straße die Menschen, die einem begegnen, nicht mehr versteht.

Dir und Deinen Lieben wünsche ich von Herzen alles Gute!

modesto

edit: der obligatorische Schreibfehler


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