Hallo!
Es gibt eine Welt, die außerhalb von uns existiert und bestimmten, ewigen Gesetzen folgt.
Nur ist es uns als innenliegender Teil des Ganzen, des "Systems", nicht möglich, sie objektiv, aus der Außenperspektive, abschließend und widerspruchsfrei zu beschreiben.
Vielmehr bringt jeder seine durch seinen Blickwinkel geprägte Innenwahrnehmung zum Ausdruck.
Man müßte schon Gott sein, um alles beschreiben und verstehen zu können. Daher: Credo, quia absurdum est.
Freilich läßt sich obige Annahme eben aufgrund des genannten Problems nicht beweisen. Sie erscheint mir aber instinktiv vernünftig, also aus irrationalen Gründen. Hier kommen wir den Bereich der Religion, der zumeist unausgesprochenen und unhinterfragbaren, weder beweisbaren, noch widerlegbaren Axiome, die Empfinden, Denken und Handeln jedes Menschen bestimmen.
Es ist das Problem des reinen Verstandes, daß er alles, was er sich denkt, mit seinen eigenen Mitteln auch wieder zerlegt. Solange nicht Herz, bzw. Intuition beteiligt sind, eine Empfindungsfähigkeit, die über das Materielle hinaus und mit dem Ewigen in Fühlung geht, kommt man zu keinem Ergebnis. Zugleich ist das Ergebnis nicht mit dem Verstand "wasserdicht" zu bekommen. Es ist rein subjektiv.
Exkurs: Das Leugnen einer objektiven Welt führt letztlich zum Solipsismus. Das ist reiner Nihilismus. Alles scheint möglich, nur weil es sich denken läßt. Etwas äußeres, höheres, formgebendes existiert nicht. Folglich muß alles, was vorstellbar ist, auch verwirklichbar sein, weil die Welt durch das Bewußtsein ja überhaupt erst geschaffen wird. Ändern sich die Ideen, ändert sich die Welt. Das scheint mir die gedankliche Grundlage der Gesellschaftsexperimente in Kombination mit massiver Umerziehung zu sein, die uns gerade zugrunde richten. Religion ist hier der völlig gottlose Ichbezug.
Zurück zum gedanklichen Faden.
Eine abschließende Philosophie kann es nicht geben. Eine Philosophie gilt nur für die Zeit, in der ein Lebewesen, sei es ein Mensch oder eine Kultur, eine bestimmte Perspektive in Raum und Zeit einnimmt. Sie ist sowohl von Lebewesen zu Lebewesen, als auch innerhalb eines einzelnen Lebenslaufes nie ganz dieselbe.
Da ich mir aber die Welt als außerhalb meiner selbst objektiv vorhanden, jedoch nur subjektiv beschreibbar vorstelle, kann ich jeder Philosophie ein Körnchen Wahrheit zugestehen. Die Größe dieses Körnchens hängt von der Übereinstimmung mit meiner Perspektive ab. Aber auch objektiv dürfte es Grade der Annäherung geben, Denksysteme, welche die Wirklichkeit mehr oder weniger treffen. Ohne die Ketten zu zerschlagen, die uns in unserer platonischen Höhle binden, ist den Grad der Annäherung zu bestimmen unmöglich.
In diesem Sinne gehe ich davon aus, daß Spengler mit dem Lebenslauf der Kulturen eine Gesetzmäßigkeit entdeckt und auf seine eigene Art und mit seinen Begrenzungen beschrieben hat, wobei man ihm natürlich nicht auf ganzer Linie zustimmen muß.
Gruß
Taurec
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Weltenwende