Als "Grenzproduzent" kann Fracking schon einen erheblichen Einfluss ausüben
Hallo Piter!
Dennoch möchte ich beim Fracking darauf hinweisen, dass die
US-Ölproduktion erst bei 9 Mio. Barrel pro Tag liegt. Das war in den 70er
Jahren schon einmal der Fall. Wogegen weltweit 80-90 Mio. Barrel Öl
verkauft werden.Darum glaube ich nicht daran, dass die marginale Ölproduktion von 10% des
weltweiten Angebots, den Preis drücken kann.
Doch, das kann sie. Das "letzte Barrel" auf dem Markt bestimmt den Preis (Theorie der Grenzkosten). Jedenfalls bei vollkommener Konkurrenz (ok, die haben wir so nicht).
Zumal es bei Rohstoffen auch immer wieder Preise, weit über den
Produktionskosten gibt.So stimme ich zu, dass es auch beim Fracking Ölquellen gibt, die bei
35-40 US$ noch profitabel sein können. Aber die Maße der Ölunternehmen
wird nicht mit den allerletzten technischen Errungenschaften ausgestattet
sein und auch nicht alle besitzen die gleichen Vorkommen. Da wird es von
Bohrloch zu Bohrloch große Unterschiede geben.Daher würde ich eher davon ausgehen, dass die Förderkosten bei 60 US$
liegen dürften.
Klar, als Mittelwert. Einige sind besser, andere schlechter. Aber "vor kurzem" ging man noch davon aus, das die Kosten deutlich höher liegen. Ich glaube im Zusammenhang mit den Saudis und deren Angriff auf die Fracking-Industrie wurden mind. 75$ genannt.
Wobei meistens die Kosten, für das bereits erschlossene
Feld gemeint sind. Beim Fracking gibt es aber viele außerplanmäßige
Abschreibungen und Explorationskosten. Denn bis man erst einmal ein
Portfolio an profitablen Quellen erschlossen hat, vergeht viel Zeit. Diese
Kosten sind damit also nicht gedeckt.
Ich habe das alles "all inclusive"-Kosten verstanden.
Das heißt, dass in 2-3 Jahren auch wieder eine Unterversorgung möglich
ist und der Ölpreis dann wieder über die Kosten steigen müsste.2007 lagen die Kosten für Tiefseeölproduktion bei 50 US$, trotzdem lief
der Ölpreis auf 150 US$.
Der Ölpreis ist ein Spekulationsobjekt. Genau wie der Goldpreis. Eine ökonomische Untergrenze stellen wohl kurzfristig nur die variablen Kosten des billigsten Produzenten dar. Wo die liegen? Keine Ahnung. Aber in den 90er-Jahren gab's das Barrel eine Zeitlang für ca. 10$.
Das heißt wir können eigentlich nur relativ sicher sein, dass der
Ölpreis sich zwischen 2015 und 2020 in einem Band zwischen 30-40 US$ auf
der Unter- und 180 US$ auf der Oberseite bewegen wird.
Naja, sicher ist nichts. Aber die Bandbreite könnte stimmen (wenn man die reale Inflation, nicht die veröffentlichte, für die Untergrenze betrachtet).
Mehr sagt der Artikel nicht aus. Klar es wäre möglich, dass das
Preisband, für die nächsten 5 Jahre, nach oben, bei 60-70 US$ eingegrenzt
wird. Aber nur wenn die Nachfrage aus China und Indien hinter den
Erwartungen zurückbliebe, was ich mir bei der schwachen Wirtschaft
vorstellen könnte.Jedenfalls spricht nichts dagegen, dass beim Öl eine Bodenbildung unter
50 US$ erfolgen könnte.
Falls China wirklich abschmiert, wird's TIEF runtergehen.
Gruß
Piter
Gruß,
Phil.M.
ps: Lese deine Einblicke in die russische Wirtschaft, die russische Politik und die "russische Seele" übrigens sehr gerne. Eines der Highlights in diesem Forum!