Fracking: Doch alles ganz anders? Energiequelle der Zukunft?

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Sonntag, 16.08.2015, 18:09 vor 3812 Tagen 4444 Views

Ich habe den neuen Newsletter von John Mauldin gelesen, und der zeichnet ein äußerst positives Bild des Frackings:
http://www.mauldineconomics.com/frontlinethoughts/riding-the-energy-wave-to-the-future

Kurz:
- Neue Technologien steigern den Output der Quellen dramatisch:
[image]

- Die (neuen) Quellen sind im Durchschnitt schon ab einem Preis von 60$ pro Barrell profitabel, einige schon ab 40$

- Die Stratgie, der Saudis, die Fracking-Industrie mit Niedrigpreisen zu bekämpfen, wird nicht aufgehen

- Die klassischen Ölexporteure werden Probleme bekommen

Bisher war der Konsens im Gelben, dass Fracking zu teuer ist, die Quellen bald versiegen usw.

Vielleicht kann sich einer mit vertiefter Ahnung vom Thema den Newsletter einmal durchlesen?

Gruß,
Phil.M.

Ich vermute eher, Grundwasser wird so zum neuen Öl!

Reffke @, Sonntag, 16.08.2015, 19:54 vor 3812 Tagen @ Philip Marlowe 3265 Views

Nämlich indem man es so künstlich knapp macht [[sauer]]
Sorry, düstere Gedanken von mir, aber jedesmal wenn ich im Getränkemarkt die meterlange Phalanx von Eau%So betrachte, fällt mir auf, daß viele Wässerchen inzwischen schon sehr viel mehr als Bier und Wein kosten! [[motz]]
Da werden also "Chemiecocktails" kilometerweit in die Erde "injiziert", ohne daß überhaupt bekannt ist, was das für "Zeug" ist, und was es langfristig anrichtet [[wut]]
Dagegen ist ein "Endlager" ja womöglich noch zugänglicher.
In den Golfstaaten wird Erdgas - wie übrigens üblich - als lästiges, weil explosives "Nebenprodukt" einfach "abgefackelt".
Da sollte man eher Gas nutzen, anstatt mit kurzsichtigen Schnellschüssen für ewig unsere Lebensgrundlagen zu vergiften.

--
Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit, weil die Wahrheit so verlogen ist. André Heller
------------------------------
==> Fundgrube zur Lage: www.paulcraigroberts.org

Stimmt! Deshalb investiere ich nur in Länder mit massenhaft Trinkwasser

Hasso, Sonntag, 16.08.2015, 20:39 vor 3812 Tagen @ Reffke 3348 Views

bearbeitet von Hasso, Sonntag, 16.08.2015, 21:09

lieber Reffke,
wir beiden verstehen uns auch abseits der Musik[[top]]

Als Investor stecke ich meine Rente deshalb intuitiv nur in die Aktien der wasserreichsten Länder der Welt (D, Ö, NL, GB, NOR, FIN, RUS und F).
Nach meinem bescheidenden "Aus-dem-Kopf-Wissen" sind Deutschland und Russland unter den "wirklich großen Ländern" die Spitzen-Trinkwasser-Eigentümer[[freude]]
Als Bill Gates oder Warren Buffett würde ich mir noch Finnland dazu kaufen.

In ein paar Jahren verkaufen wir den trockenen Ländern unser (manchmal zu reichliches) Trinkwasser zu 100 Euro/Barrel?
Bei uns in der Pfalz regnet es heute endlich mal wieder... ich machte mir schon Sorgen[[sauer]]
Vielleicht bettelt die Welt (z.B. das durstige Kalifornien) "beim Putin" demnächst um Trinkwasser?

Könnte ich mir durchaus vorstellen.
Beste Grüße
Hasso

Fracking meiner Meinung nach unwirtschaftlich

twc-online @, Sonntag, 16.08.2015, 20:54 vor 3812 Tagen @ Philip Marlowe 3275 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 16.08.2015, 21:09

....

- Die (neuen) Quellen sind im Durchschnitt schon ab einem Preis von 60$
pro Barrell profitabel, einige schon ab 40$

....


Etwas ältere Daten gibt es z.B. hier (Dez 2014, unter den gegebenen Annahmen wären bei 66USD je Barrel nur die Hälfte der Bohrungen wirtschaftlich):
http://www.zerohedge.com/news/2014-12-19/guest-post-calculating-breakeven-price-median-...

Von 2010 bis Ende 2014: Negative Cash Flows für Fracking insgesamt:
http://srsroccoreport.com/condition-red-fracking-is-destroying-oil-gas-companies-balanc...

Juli 2015: Schulden zerreißen Fracking Revolution
http://wolfstreet.com/2015/07/21/its-happening-debt-is-tearing-up-the-fracking-revolution/

Market Vectors Unconventional Oil & Gas (FRAK) als Fracking ETF, siehe:
http://www.investopedia.com/articles/investing/082814/fracking-etfs-or-drilling-service...
Der Chart von FRAK zeigt sowohl in den letzten 12 Monaten als auch in den letzten 3 Monaten einen deutlichen Abwärtstrend (Symbol FRAK z.B. bei bigcharts.com eingeben). Eine (aktuell) hohe Profitabilität müßte im Aktienchart meiner Meinung nach anders aussehen.

Also müßte entweder der Ölpreis sehr deutlich steigen oder die Fracking-Technologie müßte zum heutigen Stand deutlich verbessert werden, damit Fracking wirtschaftlich wird. Ich glaube also nicht, dass der im Ausgangsposting dargestellte Chart mit der Steigerung der "Average Oil Production per Shale Well" kurzfristig viel mit der Profitabilität der Fracking-Industrie zu tun hat.

Und wenn Fracking wirtschaftlich werden würde, dann bleiben immer noch die Umweltprobleme, die die Allgemeinheit trägt.

Entscheidend sind die neuen Projekte

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Montag, 17.08.2015, 23:16 vor 3810 Tagen @ twc-online 2225 Views

Juli 2015: Schulden zerreißen Fracking Revolution
http://wolfstreet.com/2015/07/21/its-happening-debt-is-tearing-up-the-fracking-revolution/

Was bewirken Schulden und eventuelle Bankrotte? Letztendlich nur einen Eigentümerwechsel. Die Produktion geht dann mit weniger oder sogar ohne Schulden weiter.


Market Vectors Unconventional Oil & Gas (FRAK) als Fracking ETF, siehe:
http://www.investopedia.com/articles/investing/082814/fracking-etfs-or-drilling-service...
Der Chart von FRAK zeigt sowohl in den letzten 12 Monaten als auch in den
letzten 3 Monaten einen deutlichen Abwärtstrend (Symbol FRAK z.B. bei
bigcharts.com eingeben). Eine (aktuell) hohe Profitabilität müßte im
Aktienchart meiner Meinung nach anders aussehen.

Man könnte auch aktuell eine Bodenbildung erkennen...


Also müßte entweder der Ölpreis sehr deutlich steigen oder die
Fracking-Technologie müßte zum heutigen Stand deutlich verbessert werden,
damit Fracking wirtschaftlich wird. Ich glaube also nicht, dass der im
Ausgangsposting dargestellte Chart mit der Steigerung der "Average Oil
Production per Shale Well" kurzfristig viel mit der Profitabilität der
Fracking-Industrie zu tun hat.

Für neue Projekte schon.


Und wenn Fracking wirtschaftlich werden würde, dann bleiben immer noch
die Umweltprobleme, die die Allgemeinheit trägt.

Also DAS hat die Amis noch nie interessiert. Jedenfalls nicht, wenn es um's Geld verdienen geht.

Gruß,
Phil.M.

Ein bisschen träumen

Rybezahl, Sonntag, 16.08.2015, 21:26 vor 3812 Tagen @ Philip Marlowe 2868 Views

"Furthermore, fracking is only the beginning of this revolution. "
Quelle: http://www.mauldineconomics.com/frontlinethoughts/riding-the-energy-wave-to-the-future

Hallo!

Wie ist das zu verstehen?

Die beschleunige Durchsiebung der Erde überholt die Ölförderung? Das klingt ja so, als ob damit die Energiequelle der Zukunft gefunden worden wäre.

Kann der nicht mehr als 10 Jahre in die Zukunft schauen?

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

"Fracking umgekehrt" wurde K+S verboten

Hasso, Sonntag, 16.08.2015, 21:42 vor 3812 Tagen @ Philip Marlowe 3168 Views

Hallo Phil,
Du kennst doch die K+S ganz gut.
In den 80er Jahren wollte K+S "Fracking umgekehrt" machen.
Also die salzhaltigen Abwässer "unten im Platten-Dolomit" verpressen.
Perfekte Idee... endlich war das giftige Zeugs für immer weg[[top]]

Nach ca. 20 Jahren Jahren spritzte das Salz-Zeugs aus den Wiesen um Bad Hersfeld. Da gab es dann "Salz-Seen"[[freude]]

Feierabend mit dem "Verpressen"[[sauer]]

Es dauert eben immer etwas länger, bis die Wahrheit ans Tageslicht kommt.
Grüße
Hasso

Enthalten diese Preise auch den Kapitaldienst für die HY-Bonds?

FOX-NEWS @, fair and balanced, Montag, 17.08.2015, 06:30 vor 3811 Tagen @ Philip Marlowe 2474 Views

- Die (neuen) Quellen sind im Durchschnitt schon ab einem Preis von 60$
pro Barrell profitabel, einige schon ab 40$

IMHO ist Fracking auch ein Kind künstlich für die Wallstreet niedrig gehaltener Zinsen. Mainstreet hat derweil schon mächtige Probleme!

Grüße

--
[image]
** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

Nehme ich an. Ich verstehe die Werte als "all inclusive"-Kosten für neue Projekte (oT)

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Montag, 17.08.2015, 23:12 vor 3810 Tagen @ FOX-NEWS 2067 Views

- kein Text -

Fracking ist marginale Ölproduktion

Piter @, Montag, 17.08.2015, 10:45 vor 3811 Tagen @ Philip Marlowe 2428 Views

Hallo Philip Marlowe,

Danke für den Link zu Mauldin. Den kannte ich bisher nicht, er schreibt sehr interessante Texte.

Dennoch möchte ich beim Fracking darauf hinweisen, dass die US-Ölproduktion erst bei 9 Mio. Barrel pro Tag liegt. Das war in den 70er Jahren schon einmal der Fall. Wogegen weltweit 80-90 Mio. Barrel Öl verkauft werden.

Darum glaube ich nicht daran, dass die marginale Ölproduktion von 10% des weltweiten Angebots, den Preis drücken kann.

Zumal es bei Rohstoffen auch immer wieder Preise, weit über den Produktionskosten gibt.

So stimme ich zu, dass es auch beim Fracking Ölquellen gibt, die bei 35-40 US$ noch profitabel sein können. Aber die Maße der Ölunternehmen wird nicht mit den allerletzten technischen Errungenschaften ausgestattet sein und auch nicht alle besitzen die gleichen Vorkommen. Da wird es von Bohrloch zu Bohrloch große Unterschiede geben.

Daher würde ich eher davon ausgehen, dass die Förderkosten bei 60 US$ liegen dürften. Wobei meistens die Kosten, für das bereits erschlossene Feld gemeint sind. Beim Fracking gibt es aber viele außerplanmäßige Abschreibungen und Explorationskosten. Denn bis man erst einmal ein Portfolio an profitablen Quellen erschlossen hat, vergeht viel Zeit. Diese Kosten sind damit also nicht gedeckt.

Das hieße bei unter 60 US$ Ölpreis, dass die Exploration zurückgeht und mit Verzögerung auch die Förderung.

Das heißt, dass in 2-3 Jahren auch wieder eine Unterversorgung möglich ist und der Ölpreis dann wieder über die Kosten steigen müsste.

2007 lagen die Kosten für Tiefseeölproduktion bei 50 US$, trotzdem lief der Ölpreis auf 150 US$.

Das heißt wir können eigentlich nur relativ sicher sein, dass der Ölpreis sich zwischen 2015 und 2020 in einem Band zwischen 30-40 US$ auf der Unter- und 180 US$ auf der Oberseite bewegen wird.

Mehr sagt der Artikel nicht aus. Klar es wäre möglich, dass das Preisband, für die nächsten 5 Jahre, nach oben, bei 60-70 US$ eingegrenzt wird. Aber nur wenn die Nachfrage aus China und Indien hinter den Erwartungen zurückbliebe, was ich mir bei der schwachen Wirtschaft vorstellen könnte.

Jedenfalls spricht nichts dagegen, dass beim Öl eine Bodenbildung unter 50 US$ erfolgen könnte.

Gruß
Piter

Als "Grenzproduzent" kann Fracking schon einen erheblichen Einfluss ausüben

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Montag, 17.08.2015, 23:07 vor 3810 Tagen @ Piter 2173 Views

Hallo Piter!

Dennoch möchte ich beim Fracking darauf hinweisen, dass die
US-Ölproduktion erst bei 9 Mio. Barrel pro Tag liegt. Das war in den 70er
Jahren schon einmal der Fall. Wogegen weltweit 80-90 Mio. Barrel Öl
verkauft werden.

Darum glaube ich nicht daran, dass die marginale Ölproduktion von 10% des
weltweiten Angebots, den Preis drücken kann.

Doch, das kann sie. Das "letzte Barrel" auf dem Markt bestimmt den Preis (Theorie der Grenzkosten). Jedenfalls bei vollkommener Konkurrenz (ok, die haben wir so nicht).


Zumal es bei Rohstoffen auch immer wieder Preise, weit über den
Produktionskosten gibt.

So stimme ich zu, dass es auch beim Fracking Ölquellen gibt, die bei
35-40 US$ noch profitabel sein können. Aber die Maße der Ölunternehmen
wird nicht mit den allerletzten technischen Errungenschaften ausgestattet
sein und auch nicht alle besitzen die gleichen Vorkommen. Da wird es von
Bohrloch zu Bohrloch große Unterschiede geben.

Daher würde ich eher davon ausgehen, dass die Förderkosten bei 60 US$
liegen dürften.

Klar, als Mittelwert. Einige sind besser, andere schlechter. Aber "vor kurzem" ging man noch davon aus, das die Kosten deutlich höher liegen. Ich glaube im Zusammenhang mit den Saudis und deren Angriff auf die Fracking-Industrie wurden mind. 75$ genannt.

Wobei meistens die Kosten, für das bereits erschlossene
Feld gemeint sind. Beim Fracking gibt es aber viele außerplanmäßige
Abschreibungen und Explorationskosten. Denn bis man erst einmal ein
Portfolio an profitablen Quellen erschlossen hat, vergeht viel Zeit. Diese
Kosten sind damit also nicht gedeckt.

Ich habe das alles "all inclusive"-Kosten verstanden.

Das heißt, dass in 2-3 Jahren auch wieder eine Unterversorgung möglich
ist und der Ölpreis dann wieder über die Kosten steigen müsste.

2007 lagen die Kosten für Tiefseeölproduktion bei 50 US$, trotzdem lief
der Ölpreis auf 150 US$.

Der Ölpreis ist ein Spekulationsobjekt. Genau wie der Goldpreis. Eine ökonomische Untergrenze stellen wohl kurzfristig nur die variablen Kosten des billigsten Produzenten dar. Wo die liegen? Keine Ahnung. Aber in den 90er-Jahren gab's das Barrel eine Zeitlang für ca. 10$.


Das heißt wir können eigentlich nur relativ sicher sein, dass der
Ölpreis sich zwischen 2015 und 2020 in einem Band zwischen 30-40 US$ auf
der Unter- und 180 US$ auf der Oberseite bewegen wird.

Naja, sicher ist nichts. Aber die Bandbreite könnte stimmen (wenn man die reale Inflation, nicht die veröffentlichte, für die Untergrenze betrachtet).

Mehr sagt der Artikel nicht aus. Klar es wäre möglich, dass das
Preisband, für die nächsten 5 Jahre, nach oben, bei 60-70 US$ eingegrenzt
wird. Aber nur wenn die Nachfrage aus China und Indien hinter den
Erwartungen zurückbliebe, was ich mir bei der schwachen Wirtschaft
vorstellen könnte.

Jedenfalls spricht nichts dagegen, dass beim Öl eine Bodenbildung unter
50 US$ erfolgen könnte.

Falls China wirklich abschmiert, wird's TIEF runtergehen.


Gruß
Piter

Gruß,
Phil.M.

ps: Lese deine Einblicke in die russische Wirtschaft, die russische Politik und die "russische Seele" übrigens sehr gerne. Eines der Highlights in diesem Forum!

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