Selbstversorgung

Dieter, Freitag, 14.08.2015, 22:19 (vor 3815 Tagen) @ Reffke3517 Views

Wie sieht es denn mit Selbstversorgern aus?
Das federt ja sehr oft erheblich ab.
Viele müßten doch Pendler vom Lande/Küste sein oder haben sicherlich
Verwandtschaft auf dem Lande/Küste oder?

Die Region, von der ich schilderte, ist gut 100km von Lissabon entfernt, es besteht eine Schnellbusverbindung mehrmals täglich in beide Richtungen, sodaß auch Personen der Gegend ohne Mobilität innerhalb von 2 Stunden an jedem beliebigen Ort Lissabons sein können. Es führt dazu, daß viele in Lissabon ihr Geschäft oder Arbeitsstelle haben, dort ne Mietwohnung und am Wochenende sich im Kreis der Familie am alten Eigenheim (meist älteres einfaches Haus) treffen und leben. Zu so einem Haus gehört natürlich auch ein Garten, ein Nutzgarten. Die Grundstücksgrößen sind meist mehr als ausreichend, sodaß nur so viel genutzt wird, wie benötigt wird. Geerntet werden kann praktisch 12 Monate im Jahr, zumindest solange im Sommer Pumpen Brunnenwasser fördern.

Diejenigen, die täglich vor Ort sind haben meist auch Tiere, also ggf. ein/zwei Schweine, Hühner, Enten. Dazu Hunde, die die Gemüse- und Obstflächen vor Wildschweinen, oder Hühner vor Füchsen, Mardern, z.T. auch Greifvögeln schützen sollen.

Ansonsten gehe ich davon aus, daß in der Mehrzahl der ländlichen Haushalte mind. eine Waffe und ne Angel vorhanden sind. Jagen und Angeln ist frei. Beim Jagen werden jährlich Schutzgebiete ausgewiesen, in denen nicht gejagt werden darf. Wildschwein-Treibjagd ist eher eine Veranstaltung der Dorfgemeinschaft. Die vielen Flüsse und Stauseen sind sehr fischreich, und mit einer minimalen Jahresgebühr kann jeder im ganzen Land so viel angeln wie er möchte. So etwas wie einen Angelschein gibt es nicht - und an der Küste darf ohnehin jeder angeln.

Viele machen nebenbei ihren Wein selbst und destillieren die Gartenreste zu Stärkerem, und von der Menge her meist für die Großfamilie. Der Feigenschnaps meiner Nachbarn ist z.B. ausgesprochen lecker. Viele haben Olivenbäume, die zumindest die Menge eines Jahresbedarfs an Öl abdecken. Obst fällt oft achtlos auf den Boden, weil mehr vorhanden ist, als die Großfamilie benötigt.

Problematisch ist es auf dem Land eher in Bezug auf ärztliche Versorgung. Der Weg zu den Krankenhäusern ist weit, gute ärztliche Versorgung manchmal nur mit Barem zu erreichen. Vom Staat angestellte Ärzte bekommen nur Zeitverträge. - Also das Gesundheitssystem ist beschissen, zumindest für den armen Teil der Bevölkerung.

In den Städten, bei Bevölkerungsteilen ohne familiären Anhang auf dem Lande, stelle ich mir die Situation weitaus dramatischer vor. Hier wird es oftmals echte Härten und Verzweiflung geben.

So sind meine Eindrücke innerhalb meines mir bekannten Umfeldes.

Gruß Dieter


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