Du wirst feststellen, dass ich Deiner These ganz unten nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe.
Wie Du das begründest finde ich aber zu absolut, zu schwarzweiß. Daher kann ein möglicher Kompromiss aus meiner Sicht auch nicht genauso schwarzweiß ausfallen. Hier ein paar Gedanken dazu...
aber vieles nur auf den ersten Blick.
Wie das Piratenexperiment eindrucksvoll belegt hat, setzen sich nicht die
Informierten durch, sondern zu 100% die Schwafelanten, die Integranten, die
Ideologen , meist in einer Gruppe vereint, die sich für was besseres
hält.
Soso, zu 100 Prozent also.
Ich halte das Denken in so absolutistischen Dichotomien für falsch und gefährlich.
Wenn Du so über Piraten urteilst: 100 Prozent Schwafelanten, Integranten oder Ideologen, ist das genauso falsch und unklug, wie beispielsweise zu sagen:
"Die Reichen sind zu 100 Prozent Ausbeuter, Beutelschneider und Ideologen."
Leute im Anzug haben die Welt mehrmals in den Abgrung getrieben und Leute im Blaumann haben sie wieder aufgebaut.
NATO-kriegstreiber Rasmussen, der jetzt bei Goldman Sachs als Berater anfängt, hat in Deinem Modell sicher viel zu sagen.
Ich finde aber nicht, dass er per se mehr Einfluss haben sollte als beispielweise meine Oma, die nachhaltig denkt und auch was beizutragen hätte. Die würde sich gerne noch einbringen und hat dieses Land schon mal wieder mitaufgebaut. Das Beispiel-Ar*chloch Rassmussen braucht aus meiner Sicht auch nicht mehr Mitbestimmungsrechte als der fleißige Tischler oder Maurer von nebenan.
Wenn Du Dich intensiver mit dem Konzept der flüssigen Demokratie beschäftigen würdest, könntest Du erkennen, dass reine Auflaberei nicht belohnt wird.
Und warum sollten die Informierten entscheiden?
Ist es nicht langsam wieder mal an der Zeit, wo die Betroffenen
entscheiden, also die, die den Spaß erarbeiten und bezahlen?
Alle Informierten sind betroffen und alle Betroffenen können sich informieren. Es gibt diesen Gegensatz nicht.
Sollen die Leute nach Steuerlast gestaffelt entscheiden, wenn es schon
eine Demokratie sein muss. Denn von denen hängt es ab, ob die
Veranstaltung "nachhaltig" ist. Ausgenommen natürlich die, von Steuern
bezahlt werden.
Prinzipiell kann ich mir schon vorstellen, dass den Steuerzahlern, die einen hohen Beitrag leisten, mehr Entscheidungsbefugnis (Budgethoheit) zugestanden wird. Das heißt aber nicht, dass nur sie alles bestimmen sollen. Das wäre unvernünftig und auch für die gesamte Volkswirtschaft schlecht.
Die Welt ist nicht gerecht, wenn extreme Armut und extremer Reichtum gleichermaßen steigen. Das wäre aber der Fall, wenn sich "die Reichen" ihre Welt nach gutdünken basteln können.
Für die Volkswirtschaft ist das auch Kacke. Debitisten könnte ich das mit der Urschuld erklären, aber das wäre nur ein Teilaspekt und ich finde daher die Begrifflichkeit "Konsumquote" besser. Oder ganz plump formuliert: Wenn Geld in einer Region ist, geht es der Region konsumbedingt gut. Daher ist beispielsweise eine Unterbezahlung der Arbeitnehmer für die einzelne Firme vielleicht gut. Für die Volkswirtschaft wegen fehlender kaufkraft aber langfristig total schlecht. (Binnenkonjunktur -> das haben gerade wir Deutschen sträflich vernachlässigt.)
Es sollte nur berücksichtigt werden, dass diese Interessensgruppe - nennen wir sie plakativ "die Reichen" - bei alleiniger Entscheidungsmacht etwas noch schlimmeres als die USA konzipieren würden. (Die USA ist bereits jetzt laut Princeton.Studie nur noch ein Hüllenstaat, der die Interessen seiner Oligarchen vertritt.)
Das kann man nicht ernsthaft wollen, in Hinblick auf die brave Oma und den fleißigen Maurer. Die sind nicht weniger wert, als beispielsweise ein Banker, der mehr Geld verdient, aber Leute über den Tisch zieht.
Ich glaube aber Dein Beitrag war eh einfach etwas überspitzt formuliert und nicht 100-prozentig ernst gemeint.
Gruß, Bernadette