"Abschreckungsvideo" des Innenministeriums zur Rückführung von Flüchtlingen – ein Witz!

zip, Samstag, 08.08.2015, 16:43 (vor 3819 Tagen)4815 Views

Hallo werte Foristen,

das Bundesministerium des Innern hat ein deutliches Zeichen gesetzt. In einem rund 4 Minuten langem Aufklärungsvideo wird beschrieben, wie die so genannte Rückführung von Personen aus dem Balkan erfolgt, die hier keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. So schön, so gut.

Interessanter sind jedoch die hierbei gewählten technischen Rahmenbedingungen. Folgt man diesem Link, gelangt man zur entsprechenden Seite des Ministeriums:

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Videos/DE/05-MigrationIntegration/rueckfuehrung-westb...

Dort ist ein Standbild des Videos zu sehen. Wenn man darauf klickt, startet jedoch nicht (wie heutzutage erwartet) eine Medienwiedergabe im Browser. Vielmehr wird ein Download der Videodatei angestoßen. Die maximale Downloadrate vom Server der Bundesregierung ist 924 Kb/s, der Download der 258,2 MB großen Datei zieht sich somit über 4 Minuten hin – also so, als hätte man nur DSL 1000.

Und die hat es dann in sich: Der vierminütige Content wurde im .VOB ("DVD Video Object File") Format bereit gestellt. Codiert wurde mit dem technisch überholten MPEG-1/2 Codec und einer Auflösung von 720x576 Pixeln, der Ton in AC3 mit 48 kHz Abtastrate.

Diese Datei kann von einem Großteil der existierenden Mobilgeräte nicht abgespielt werden. Hierfür braucht man am PC oder Mac den VLC Player oder ein Programm zur Wiedergabe von DVDs.

Abschreckend sind somit nicht die Maßnahmen der Bundesregierung zur Aufklärung hinsichtlich der Abschiebung von nicht asylberechtigten Personen. Abschreckend ist vielmehr die technische Umsetzung, die eine Weiterleitung des Contents zur direkten Wiedergabe im Browser (streaming, siehe YouTube) kategorisch unterbindet. Abschreckend ist zudem die Wahl eines Dateiformats, welches nach spezieller Software fragt, um den Film abspielen zu können.

Das ist klassische "Feigenblatt-Mentalität". Es wird zwar seitens der Bundesregierung informiert und alle Verantwortlichen können sich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Andererseits wird die Information so angeboten, dass sie über das Internet nicht jene Personen erreichen kann, für die sie eigentlich gedacht ist. Der Wahnsinn hat Methode, befürchte ich.

Beste Grüße vom

--
.zip


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