Lieber Helmut,
@Gaby hat das mal gut und kurz angerissen.
Auf der einen Seite hast Du den zur KV-Prämien-Zahlung verpflichteten Arbeitnehmer/Arbeitgeber – der dafür Maximalleistung erwartet.
Dann hast Du den Moloch „Krankenversicherungen“, der sich ausschließlich! aus diesen Beiträgen finanziert (Personal- und Sachkosten kann man googeln) .
Dann hast Du den Moloch „Kassenärztliche Vereinigungen“, der sich aus Mitgliedsbeiträgen der Ärzte finanziert (also letztlich auch aus den Beiträgen der KV-P-Zahler (Personal- und Sachkosten kann man googeln).
Erst dann hast Du die verschiedenen Dienstleister (Ärzte, Heiler, xxxologen, Krankenhäuser, Kur-/Rehakliniken, Ambulanzen usw.) die sämtlich wirtschaftlich arbeiten müssen (von ihrer Verschuldung runter müssen, bzw. bezuschusst werden ) in einem Umfeld mit steigendem Bedarf (Alterung der Gesellschaft, Zivilisationskrankheiten, Pseudo- und echter Fortschritt, Modediagnosen, Marktverzerrung durch Health hazard, Pharmalobby, behandlungssüchtige Patienten/ Ärzten und Maschinenmedizin usw.)
Kein Selbstbehalt, keine Risikozuschläge, keine Rechnung in die Hand so wie bei jedem anderen Handwerker und Künstler oder bei der KFZ-Versicherung, kein "Nein" für viele nicht sinnvolle Therapien.
So wie ich das lese, Silke, bist Du vom Fach. Hoffentlich nimmst Du meine
ablehnende Haltung zu der weißen Zunft nicht persönlich, - sie hängt
einfach mit meinen persönlichen Erlebnissen zusammen.
Ich kenne Pfarrer, die sind herzensgute aufopferungsvolle Menschen und ich kenne Gläubige, die viel Gutes tun – trotzdem lehne ich Götteranbetung ab.
So kenne ich auch Heiler und Heilsuchende unterschiedlichster Art.
Am Eindrucksvollsten war dabei für mich ein Erlebnis, das ich in jungen
Jahren hatte, als ich meinen Schwiegervater bis zum Ende begleitete. Damals
war ich 2 1/2 Wochen Tag und Nacht im Krankenhaus, - ich schlief auf der
Intensiv in einem Bett neben ihm. Bis ich bemerkte, dass es gar nicht so
der Mensch war, den man mit Hilfe des familiären Beistands retten wollte,
sondern mehr der Patient xy, der in dieser Abteilung eine bestimmte
Krankheit bis jetzt am Längsten mit sich rumgetragen hat und man weitere
Erfahrungen sammeln wollte.
Ja. Pro Tag pro belegtes Bett gibt es den und den Geldbetrag – egal, was man tut. Ein Unding.
Als Assistenzärztin lernst Du schnell, dass nur belegte Betten gute Betten sind (darauf drängt die Leitung)und nur nicht arbeitsintensive Patienten gute Patienten sind weil Du von den anderen leider sowieso zu viele hast – Krankenhäuser geben sich als Wirtschaftsunternehmen, egal ob kirchlicher kommunaler oder privater Träger.
Lies mal “House of God†von Samuel Shem.
Seit damals wußte ich, dass ich - sollte man mich mal in sowas
einliefern, es nicht 5 vor 12 bei mir ist, sondern eher 5 nach 12. Was man
als Gesunder dabei mitkriegt, - was den Kranken zumeist entgeht, - es
spottete oft jeder Beschreibung.
Dann sorge vor. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament haben bei jedem Volljährigen für vertrauenswürdige Angehörige greifbar bereitzuliegen.
Vordrucke gibt es im Internet. Anwalt und Notar braucht man prinzipiell nicht.
Ich entscheide im Vorfeld, was mit mir passieren soll, wenn ich nicht mehr entscheiden kann.
Meine jahrzehntelangen Beobachtungen danach aber waren von der
Oberflächlichkeit geprägt, die man bei Bekannten hinsichtlich der
medizinischen Behandlung feststellen konnte.
Das liegt auch mit im Auge des Betrachters.
Die Krankenschwestern und Ärzte die routiniert alles richtiger machen nimmt man weniger wahr als die Versager.
Die von Dir genannte systemische Problematik ist aber auch wichtig, da dem Debitismus geschuldet. Urschuld muss bedienbar gehalten werden. Wer erkrankt ist, sollte besser gesund werden, weil er sonst bankrottiert =stirbt oder arbeitsunfähig von Anderen mitversorgt werden muss. Die Kosten für die Heilung werden Nachschuldnern auferlegt. In einer vergreisenden Gesellschaft mit zu wenig Nachkommen werden andere Menschen weltweit herangezogen werden müssen. Entstehen Schulden und vergeht Zeit...steigen die Schulden unaufhaltsam wenn man sie nicht so schnell wie möglich aus der Welt schafft.
Auch ich war mal davon in
jüngeren Jahren betroffen, als man mir ein Medikament verschrieben hat,
das mich an den Rand der Berufsunfähigkeit gebracht hat. Gottseidank ist
das Medikament seit Langem vom Markt. Geholfen hat mir nur der logische
Hausverstand sowie die Feststellung der verzögerten zeitlichen
Zusammenhänge mit der Einnahme des Medikamentes. Der Mediziner verneinte
natürlich jedwelchen Zusammenhang.
Es ist wie mit jedem anderen Handwerker oder Künstler. Meine Familie und ich lassen uns nichts aufschwatzen und erzählen sondern wir arbeiten bei jeder Problembehebung mit dem Dienstleister aktiv mit, machen uns kundig über ihn und unser Problem, sind polytechnisch gebildet und haben ein gesundes Misstrauen/Vertrauen.
Dafür reicht Dein erwähnter „Hausverstand“, Informationsmaterial, eine Familie, ein Bekanntenkreis, ein soziales Umfeld, Zweit- und Drittmeinungen von anderen Dienstleistern, Internetforen u.a. Quellen.
Damit sind wir am Punkt: Der überwiegende Teil, schon bedingt durch den
numerus clausus, studiert Medizin und wird Mediziner. Die allerwenigsten
davon werden auch Ärzte. Unter letzterem Begriff verstehe ich genau das,
was Du als ganzheitliches Denken beschrieben hast. Deshalb war der frühere
legendäre Landarzt meist der beste Heiler, weil er die Familien kannte,-
wußte, was dort abgeht und wo der Schuh drückt.
Es gibt Mediziner auf die der Spruch von Voltaire zutrifft:
„Ärzte schütten Medikamente, von denen sie wenig wissen, zur Heilung von Krankheiten, von denen sie noch weniger wissen, in Menschen, von denen sie gar nichts wissen.“
Es gibt aber auch richtig gute Heiler und Hausärzte, die natürlich viel mehr das Umfeld des Patienten kennen und wissen, dass eine Rücken- oder Bauchschmerzproblematik ganz andere Ursachen haben kann als WS, Magen oder Darm .
Manchmal half eine Stunde
intensives Gespräch (was eigentlich Sache des Pfarrers wäre), verbunden
mit ein paar Placedo-Tabletten wesentlich mehr als sonst was.
Ja, oder Sache des Partners, der Familie, der Nachbarn oder einfach anderer einfühlsamer Menschen.
Erst wenn derjenige, der nach dem Prinzip des Hippokrates dem Kranken
helfen will, die Gesamtheit sieht, ähnlich wie Ayurveda, dann kann er
ansetzen. Körper, Geist und Seele, - wenn dieses Dreieck gestört ist,
dann fangen die Beschwerden an. Die Grundvoraussetzung ist eine umfassende
Anamnese. Ohne die ist eine dauerhafte Heilung sowieso nur wie ein 6er im
Lotto. Ein alter siebenbürgischer Bauer sagte mir einmal: "Der Mensch muß
sein eigener Arzt sein, sonst ist er verloren". Wie soll denn der Arzt
wissen, was mit mir los ist, wenn ich ihm nicht eine umfassende
Vorinformation aufgrund meiner Selbstbeobachtung gebe?
Meine Inanspruchnahme von Kollegen ist wegen überwiegend nicht guter Erfahrungen nur auf Notfälle begrenzt. In meiner Familie wurden aber in der Vergangenheit auch schon richtig gute medizinische Sachen geleistet.
Wer ungesund lebt, wird nicht gesund sein und auch nicht gesund werden.
Wenn meine Frau Beschwerden hat und sie einen Facharzt aufsuchen muß,
dann bekommt der Arzt vorher meine Beobachtungen zu lesen, - strukturiert
zusammengefaßt und auf das Wesentliche beschränkt. Bevor er das nicht
gelesen hat, erfolgt keine Vorsprache des Patienten, wäre ja auch sinnlos.
Das ist nicht gerade üblich aber sehr, sehr hilfreich für alle Vertragspartner.
Wer Hilfe vom Arzt will muss ihm helfen, helfen zu können.
Eigen-und Fremdanamnese, Vorbefunde und Behandlungsprotokolle sind der Kern sinnvollen gemeinsamen Handelns. Ich hoffe Deine Frau gibt ihre Beobachtungen auch zu Protokoll.
Was sagst Du: 3 - 4 Stunden Anamnese? Das wäre ja was Göttliches. Leider
geht das vom Gesundheitssystem nicht mehr. Der Mediziner muß seine
Patienten im 10- Minutentakt durchpeitschen, - die
Haupt-Sprechstundenhilfe, die eigentlich Buchhalterin ist, muss dabei so
viel wie nur möglich Schlüsselzahlen für die Abrechnung aufschreiben
können, - damit sich das alles rechnet.
Ich sprach von der Zeit meines Studiums und als ich im sozialistischen Gesundheitswesen tätig war. Da hatten wir einfache Mittel – die viel leisten konnten aber eben auch keine Wirtschaftlichkeit des Systems, dass dann auch bankrottierte.
Wenn Du heute bereit bist, den Stundensatz Deines Mechatronikers an Deinen Leistungserbringer in Gesundheitsfragen zu zahlen, kannst Du prinzipiell auch auf eine anständige Anamnese und Untersuchung samt Auskultation, Perkussion, Palpation, Funktionsprüfung hoffen, ohne das eine einzige Maschine angeschaltet wurde. Die kommen dann erst nach sinnvollem Bedarf zum Einsatz
Für einen 20,- bis 25,- € "Scheinwert" für eine 1/4 jährliche Behandlung pro Patient kannst Du allerdings nicht viel erwarten.
Zumal die Leute ja oft bescheuert sind. Da macht ein neuer Arzt eine
Praxis auf. Die alten Omas, die sowieso nichts zu tun haben, kommen gleich
mit ihren Wehwehchen angetanzt, - nicht , weil sie Beschwerden haben,
sondern, weil sie neugierig sind. Dann wird gecheckt, - was da im
Behandlungsraum drinnensteht, welche Apparaturen, etc. Dann wird
rumerzählt, - ach Gott, der hat ja nicht einmal das oder das Gerät- was
soll denn das für ein Arzt sein.
Ja. Omi‘s gehören in den Kreis von Familie, Arbeit, Bekannten und anderen Menschen, am besten unter Kinder, Sportler, Landfrauen und nicht vorrangig in eine Arztpraxis - aber sie haben doch die Beiträge bezahlt...
Wenn ein Internist wo aufmacht, - auch schon ein Allgemeinmediziner, -
dann bedarf das einer Investition von ca. 1 Mio €. Deshalb muß der
10-Minuten-Rhythmus funktionieren, - am besten mit einer
Gemeinschaftspraxis. Ich kenn genügend Mediziner, die wirklich "Ärzte"
waren und deshalb bankrott gemacht haben.
Vorfinanzierungsproblem. Das nennt sich Debitismus.
Ich muss mich hoch verschulden bevor ich den ersten Patienten anfassen darf. Vergütung bekomme ich dann erst ein paar Monate später, wenn ich nicht alternativ gleich als Privatarzt (Risiko, keine Patienten zu bekommen) oder als Praxisvertreter (Risiko, nicht in Anspruch genommen zu werden) tätig werde.
Mit einem schwierigen Rückenproblem ist meine Frau auch grade bei einem
Spezialisten. Oberarzt in einem großen Krankenhaus bei der Orthopädie.
Mit den 10 Minuten kommt man ja auf keinen grünen Zweig, - deshalb bedarf
es eines längeren Prozedur. Man kann 10 mal eine KV haben, wie z.B. meine
Frau, - das produktive Gespräch, das ca. 1 Std. dauert, geht nur über
cash. Jedesmal 120 €. Klar, der Porsche muß ja auch bezahlt werden.
Wie beim Heizungsmonteur auch.
Du, Deine Frau und Deine Familie wären als Team vielleicht die besseren und günstigeren „Ärzte“ als der Orthopäde?
Professionelle psychosomatische/ alternative / anthroposophische Vorgehensweise führt auch oft zu interessanteren Ergebnissen. ( ich habe sowohl in der Orthopädie als auch in der Psychosomatik gearbeitet unter teils erstaunlich klugen Chefärzten).
Ärzte fahren übrigens eher BMW…
http://www.iww.de/va/zivilrecht/statistik-aerzte-fahren-bmw-maler-fahren-opel-stichprob...
Hier Beispiel für Brutto – und Nettogehalt nach 6 Jahren Studium + früher AIP-Zeit (halber Lohn für ganze Arbeit):
https://www.thieme.de/viamedici/arzt-im-beruf-weiterbildungs-coach-allgemeine-infos-157...
Kann man sich drüber beklagen, muss man aber nicht.
Ich arbeite sowieso nur noch so viel, wie mir Spaß macht und genau so, dass mein Verdienst gering genug bleibt, um all die Abgreifer von Staat bis zu Rententräger zu unterfliegen. Das geht nur als freie Praxisvertreterin.
Was aber noch als Wesentliches dazukommt, was Du auch angesprochen hast, -
das ist das Hamsterrad unserer Zeit. Die Leute fühlen sich zumeist unter
Druck gesetzt, - sehen kaum einen Ausweg, - und diese psychische Belastung
ist oftmals der Grund für alle möglichen Beschwerden, die letztlich dann
chronisch werden.
Das alles kommt nicht so aus heiterem Himmel.
Deshalb mein PS. von Nietzsche.
Meine These bleibt: Wer Staat braucht, ist krank. Heilung geht nur durch Loslösung von Staat.
@Vatapitta geht da scheinbar unverkrampfter ran als viele andere Heiler und sieht mehr Zusammenhänge, die er richtigerweise hier postet, mag aber an die Krankheitsursache Nr.1 nicht so recht ran.
Eine bestimmte These habe ich von jemanden übernommen, der wesentlich
gescheiter war als ich. Weiß aber nicht mehr, von wo ich das aufgeschnappt
habe: "Kein Mensch muß krank sein. Der Mensch kann ein Leben lang ohne
Krankheit auskommen. Krankheit ist der Hilfeschrei des Körpers, wenn wir
etwas falsch machen." Wie richtig das ist, merke ich an mir selbst.
Der Mensch als autopoietisches System ist ständig auch schädigenden Umwelteinflüssen ausgesetzt. Bei der Abwehr entwickelt er sogenannte Krankheitssymptome (z.B Fieber, dass die verursachenden Erreger abtötet). Wehrt er richtig ab, vergehen die Symptome und er wird stärker, lernt dazu.
Lebe ich aber unter dauernd lebensfeindlichen Bedingungen wie in staatlicher Gesellschaft ist die Chance auf Nachlassen bestimmter Krankheitssymptome = 0. Ich laufe Gefahr, der Panzerung und der Chronifizierung von Symptomen zu erliegen, die wie bei einem hochtourig im Leerlauf heulenden und sich nicht von der Stelle bewegenden Auto…den Motor zerstören.
Was auch richtig ist, sind die Worte von Nietzsche, - die Du angeführt
hast. Bei Zarathustra konnte ich immer nur maximal drei Seiten lesen, -
damit ich diese schwierige Sprachform überhaupt aufnehmen konnte. Aber es
ist mir in Erinnerung geblieben.
Ja ist schwierigere Kost als andere Bücher – brachte mich aber auf den Punkt meines Krankseins. Jedes erneute Lesen lohnt.
Nicht vor lauter Hamsterradlerei das Ziel aus den Augen verlieren…
Mal ein Stück neben dem Hamsterrad verbringen.
Dann überlegen, ob man echt wieder einsteigen will.
Liebe Grüße
Silke