Wer hat es gesagt: "...und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates?" - und Spengler (ed: @Bernadette)
Hallo allen,
in einer Leserdikussion wird in etlichen Beiträgen diskutiert, von wem folgende Zitat stammt:
"Wenn eine Lüge oft genug wiederholt wird, dann wird die Wahrheit daraus."
Der Satz stammt von Stalin. Er ist bis heute der Leitfaden russischer Medien."
Nun ist es ja oft so, dass Zitate aufgerufen werden, deren Echtheit und Urheberschaft nicht abgeklärt wird, weil es ja bereits zu lesen ist. Man zitiert sich dann gegenseitig (und meit nicht nachgeprüft)in Zitierkartellen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zitieren_von_Internetquellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Zitationsanalyse#Problematik
https://de.wikipedia.org/wiki/Zitationsanalyse#Fehlerquellen
siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitationsanalyse#Science_Impact_Index
Das ist in der Wissenschaft ein Problem, aber auch in Medien und Diskussion in Foren usw. Da gilt als wahr, weil es z. B. die Nutellafrau (Umschreibung eines Beispieles) schrieb, oder ein anderer Blog, der das sagte, was man hören oder denken will. So z. B., wie oft dargelegt, auch zu einer Reihe von Rechtsthemen, wo es dann Fachleuten auffällt (oft schon an Zitierweise und Wortwahl, aber auch Kontext).
So auch bei dem hier im Text o. g. Zitat.
Zu finden auch hier (auch an sich interresanter Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Ad_nauseam
"Zum „Beweis durch Wiederholung“ wird oft das Lenin zugeschriebene (wahrscheinlich aber nicht von ihm stammende) Zitat angeführt: „Eine Lüge, die oft genug erzählt wird, wird irgendwann zur Wahrheit.“."
Bei der Suche findet man dann via Google oft sehr unterschiedliche Quellen, und nicht immer, welche, die man kennt oder einordnen kann (denn auch in den MSM gab es da irrtümer, so z. B. über das angeblich von Tucholsky stammende Geicht über die Boerse* - leider ist es auch bei z. B. einer Reihe von sehr interessanten Churchillzitaten nicht ganz sicher).
Hier das vollständige Zitat aus dem Betrefff:
"Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge so lange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates."
Joseph Goebbels**
nach Angaben dieser Seite:
http://www.de.wikimannia.org/Wahrheit_%28Zitate%29
und ohne weiter Quellenangabe.
Auch hierfür ist die Quellenangabe unzureichend, aber die Sätze sehr interessant:
"Was ist Wahrheit? - Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, sie ununterbrochen zu wiederholen."
Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes
Das erste Zitat hier im Texte: "Wenn eine Lüge oft genug wiederholt wird, dann wird die Wahrheit daraus." deckt sich nicht mit dem von Goebels.
Vom wem stammt es? Und sind die anderen 2 hier gebrachten korrekt?
Übrigens sind auch verschiedentliche, sprichwörtlich gewordene Sätze aus Dramen und anderen Texte, im Netz (und vermutlich anderswo) verschiedenen , meist berühmten, Autoren zugewiesen.
Man kann wohl nur vorsichtig und wachsam bleiben, denn sonst verbreitet man schnell Unwahrheiten (Abweichendes von der Wirklichkeit, z. B. dem wirklichen Urheber und/oder der richtigen Quelle), und das auch noch in dem Glauben der Wahrheit und Aufklärung anderer dienend.
Danke für die Beantwortung der Frage - und bitte schön nachschlagen, ehe man etwas glaubt, einfach zustimmt (weil es einem passt) und ungeprüft weiter verbreitet.
Edit: Geschäftsidee: Eine App, die einem Urheber und Quelle anzeigt (oder gibt es das schon @Bernadette? http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=363201 - danke, für Lieferungen
)
Viele freundliche Grüße
azur
*) " http://neoprene.blogsport.de/2009/01/09/zu-tucholsky-wenn-die-boersenkurse-fallen/ -
NUR:
siehe auch die Erklärung darunter: es ist ein Fake, dem dann auch der Autor aufgesessen ist.
siehe auch hier: http://www.sudelblog.de/?p=378
Andere halten es immer noch für echt: http://www.drmotte.de/wordpress/2009/03/kurt-tucholsky-wenn-die-borsenkurse-fallen/ (Amerkung azur 29.07.15: nun nicht mehr auffindbar)
Dieser nicht - hat aber ein anderes - echtes - Zitat:
http://www.fr-online.de/kultur/freiheitlich/-/1472786/3292316/-/index.html "
Das Zitat des angeblichen Tucholskygedichtes, in dem Fachbegriffe verwendet werden, die erst später aufkamen, erfolgt sogar mal in einer Wirtschaftskolumne einer Überregionalen. Der Verfasser hat sich dann sehr freundlich bei denen entschuldigt, die ihn darauf hinwiesen, in Zeitung, aber auch per Email.
**) das ist eine spannende Konstellation: Der Verfasser sagt hier eine Wahrheit oder Meinung, die geeignet ist, gegen die Lüge und Unwahrheit vorgehen zu können (und gegen eine Verklärung des Staates). Aber der Text ist doch (eher) eine Erklärung und Entschuldigung für Staat und Lüge.
PS: siehe dabei auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsr%C3%A4son
BONUS - zum Thema passend: Herrschafthäuser des frühen Adels, des heutigen Hochadels, haben sich oft versucht, durch Legenden zu legitimieren. Dazu gehört u. a.
https://de.wikipedia.org/wiki/Origo_gentis
"Die Origo gentis stellt keine eigene literarische Gattung dar, sondern ist Bestandteil teilweise recht umfangreicher Werke, die beispielsweise die Geschichte der jeweiligen gens beschreiben. Ebenso können sie aber auch Bestandteil von Heldenepen oder Biografien sein.[2] In den Origines wurden zahlreiche zumeist fiktive, oft allgemeingültige (Topoi)-Elemente vermischt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Herkunftsmythos des jeweiligen gentilen Verbandes (etwa der Goten, Langobarden, Angelsachsen oder Franken), der zumeist anfangs mündlich überliefert und erst später schriftlich niedergelegt und mit Elementen antiken Bildungsguts angereichert wurde. Neben einer mythisch verklärten Herkunftssage wurden in der Regel auch besondere und für die gens „typische“ sittliche und charakterliche Eigenschaften angeführt. ...
„Wandersagen“ spielten in einer Origo oft eine wichtige Rolle: Eine gens wandert aus und erreicht schließlich ein anderes Land, von dem (zumeist mit Gewalt) Besitz ergriffen wird. Obwohl bisweilen ein historischer Kern vorhanden ist (wie bei der Einwanderung der Angelsachsen nach Britannien), beinhalten andere hingegen offenbar meist rein fiktive Erzählungen.[4] Dies gilt beispielsweise für eine angeblich „trojanische Abstammung“ oder (wie inzwischen die Mehrheit der Forschung annimmt) bei den Goten für ihre Herkunft aus Skandinavien, wofür archäologische Belege fehlen. Die Schilderung der Herkunft der Goten in den Getica des Jordanes (der sich auf die verlorene Gotengeschichte Cassiodors gestützt hat) wird heute meistens als topisch-ethnographische Erzählung aufgefasst, in die zahlreiche fiktive Elemente einflossen. Ein recht häufiges Motiv einer Origo war außerdem die sogenannte „primordiale Tat“. Dabei handelte es sich um ein zentrales Ereignis einer gens, wie ein bedeutender Sieg, die Überschreitung eines Gewässers, ein angeblich seit Urzeiten existierendes Königtum göttlichen Ursprungs und andere. Kerngedanke war eine identitätsstiftende Tat bzw. Etablierung einer „neuen Ordnung“, die für die gens fortan galt.
Die Origo konnte als wichtiges Verbindungselement innerhalb einer gens dienen, das die ethnisch ansonsten inhomogenen Verbände zusammenhalten konnte oder erst identitätsstiftend wirkte (siehe auch Völkerwanderung). So wurden diese poly-ethnischen Verbände durch die Herkunftsgeschichte zu einer ideellen Einheit verbunden. Dies spielte eine wichtige Rolle im schwierigen Prozess der spätantiken und frühmittelalterlichen Ethnogenese, wobei die Verfasser der schriftlichen Darstellungen in der Regel gut gebildet waren und oft Kenntnisse der antiken Ethnografie hatten."
(Man denke auch an Ahnengalerien, die Linien der Herkunft aufzeigen sollten, um auch z. B. Machtanspruch und Rechte an Ländern, Dingen usw. wiederzuspiegeln (Fremden, aber auch sich selbst, Gefolge, Familie und Nachkommen gegenüber).
In der sogenannt alternativen Geschichtsschreibung, spielt die Berücksichtigung diese Umstandes eine große Rolle, wie auch bei der: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_zur_Rekonstruktion_der_Menschheits-_und_Natu... , unter Beteiligung Heinsons.
Es ist bekannt, dass eine Reihe von Urkunden (und nicht zu vergessen religiöser Texte, dort sogar oft im Glauben, etwas wichtiges und richtiges zu tun) Auftragswerke waren. Schreiber, Juristen usw. erstellten solche Machwerke. So alt wie die Urkunde, ist vermutlich auch die Fälschung.
Man denke an die Redensart: "Wer schreibt, der bleibt".
- siehe auch: die Auslöschung der Erinnerung (bzw. der Analen):
>> https://de.wikipedia.org/wiki/Damnatio_memoriae
https://de.wikipedia.org/wiki/Annalen
- stellenweise spielen Legenden- und Sagen-Schätze verschiedener Kulturen eine ähnliche Rolle, und sind teils auch aus ähnlichen Gründen entstanden.
(Übrigens kennen die Leute aus dem WWF diese Dinge nur zu gut. Bei den Überprüfungen sieht man oft, dass angeblicher Origiginalquellen nicht existierten, erfunden wurden, im Sinne des Mitteilenden über- oder umgeformt wurden und weiter werden; nicht berücksichtigt wird, dass Motive, Sätze und Ideen aus anderen Quellen (sofern diese nicht, wie nicht selten, selbst eine "Fake" sind) damit "zufälligerweise" übereinstimmen usw.
Die wandern dann dort in eine eigens eingerichtete Tonne. Auch andere könnten eine Sammlung auf- bzw. abgeklärter Irrtümer gut gebrauchen, denn vieles kommt ja stetig wieder, und man könnte dann auf solche Sammlung verweisen.)
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