Wusstest Du das mit Wolf Biermann und Margot? (Edit und @Hasso) Bonus: Zugroulett

azur, Samstag, 25.07.2015, 23:41 (vor 3832 Tagen) @ DT4105 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 26.07.2015, 00:17

Hallo DT,

sehr schön.

Irgendwo hatte mal wer alte (historisch) Filmberichte von BDI- und DIHK-Tagungen gebracht, die auch etwas gespenstisch sind.

Kanntest Du dieses Gerücht schon? Im Osten wurde davon viel erzählt:
http://www.bild.de/news/2007/affaere-margot-honecker-2989750.bild.html

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/havemann-sohn-behauptet--was-er-wolf-biermann-nic...

Der Havemannsohn ist ein Renegat. Alles klar, Herr Kommissar!

Aber was liest man da: http://www.sopos.org/aufsaetze/3da8953e06b88/1.phtml
"Gerüchte, wonach Biermann durch Vermittlung seiner Milchschwester Margot Honecker (beide waren in derselben Familie aufgewachsen) die Ausreise vorher mit der DDR-Regierung abgesprochen habe, tauchten erst viel später auf, galten jedoch allgemein als unglaubwürdig. Schließlich wußte jeder, daß den Sänger das Verbot, von einer kurzen West-Stipp-Visite zurückzukehren, völlig überraschend getroffen hatte. So sieht es heute auch die Geschichtsschreibung."
Und Kittner war nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen, stand in der DDR in hohem Kurs und hatte vermutlich früh guten Zugang zu den hohen Kreisen.


Es gibt ein tolles Bändchen, mit einem klasse Gespräch mit BK Traglehn (letzter Schüler Brechts, nach dem größten Theaterskandal der DDR in die Produkion/Braunkohle verbannt, und danach fast nur noch im Westen tätig): http://edition-ornament.de/trag.htm

Die haben zum Spass, wie er u. a. erzählt, Worte wie Ulbricht und vor allem Onkel Ete, wie Honecker auch genannt wurde (wie zuvor Addi), vernuschelt.

Wie im berühmten Rumbalotte-Witz, steht Resozismus für real existierender Sozialismus.

Ganz klasse Gespräch, mit (und ein sehr feiner Verlag, der u. a. für Sammler Wertobjekte schafft): https://de.wikipedia.org/wiki/B._K._Tragelehn

Sehr kreativer, freier Geist.


Kennst Du den Witz, wo im Resozismus im der SU in Moskau ein Stripteaseclub eröffnet werden soll, um den Gästen aus der westlichen Welt etwas bieten zu können?
Die Journalisten aus dem Ausland fliehen sofort nach Beginn.
Auswertung:
Liegts am Ambiente? Nein, teuere Originale aus Paris.
Liegts am Champagner? Nein, das Teuerste und Beste aus Frankreich.
Liegts an der Reizwäsche? Neine, teuerste Spitze, auch aus dem Westen.
Liegts an der Striperin? Nein, die Genossin XY hat sich schon verdient gemacht in der Oktoberrevolution.

Der könnte auch Hasso gefallen.


Hab ein wunderschönes Wochenende!

Viele freundliche Grüße

azur


Auflösung: Rumbalotte


PS: die Melodie der SU- und Russlandhymne, ist noch beeindruckender!

Ein mal relativ beliebter FDJ-Song: Ham se nich noch Altpapier (bei YT nur mit Entsperren möglich - dafür sind Rechte gesperrt?) https://www.youtube.com/watch?v=qp1Pl3Er8is&pxtry=1 oder https://www.youtube.com/watch?v=ueYqYLITeJw&pxtry=2 (mit Schrader-Zeichnungen, zum im Osten cultigen Ottokar Doma: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_H%C3%A4user

BONUS für Hasso: MTS - Tamara 1976

(die stecken u. a. hinter dem "letzten Kunden"*, der dann mit Silly im Osten und mit Frank zander im Westen Hit wurde - ähnlich wie sieben Brücken: Im Osten berühmt un dbeliebt mit der dort sehr populären "Gruppe" - Band durft eine Zeit lang nicht gesagt werden, es wurde sogar eine berühmte Band wieder umbenannt, wegen Anglizismen: Team 4, Karat. Im Westen Maffay: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_sieben_Br%C3%BCcken_mu%C3%9Ft_du_gehn )

In dem schönen Sibirien
war ich mal in den Ferien.
Lief ich dort durch große Wälder,
und mir wurde immer kälter.
Plötzlich sass, man glaubt es kaum,
sie auf einem hohen Baum.

Tamara, Tamara, so schön bist du.
Tamara, Tamara, ja debja ljublju.
Tamara, Tamara, so schön bist du.
Tamara, Tamara, js otschen ty ljublju.

Und es tropften dicke Tränchen
vom Gesicht ihr auf die Beenschen.
Mädchen kann ich helfen Dir,
doch sie sagte nur zu mur:
Der Dimitri ist ein chwastun
(zu deutsch: Angeber),
der wollte mir was Schlimmes tun.

Tamara, Tamara, so schön bist du.
Tamara, Tamara, ...

Pflückte ich sie von der Tanne,
später nahm sie mich zum Manne.
Die DSF hat uns getraut,

(Deutsch Sowjetische Freundschaft -
in diesem Verein waren fast alle,
weil es dafür z. B. Brigadeprämie gab)

mich und meine Taigabraut.
Und mir qualem noch die Socken
von den vielen Kasatschocken.

Tamara, Tamara, so schön bist du.
Tamara, Tamara, ja debja ljublju.
Tamara, Tamara, so schön bist du.
Tamara, Tamara, ja otschen ljublju.

(gern gegröhlt: Du alte Taigakxh.)

MTS - TAMARA (Putin Edit)


*) Ich bin der letzte Kunde - Finale 40 Jahre MTS

Achja: Hiervon gibt es dann auch eine Fassung nach dem Abzug der Russen, denn das ist tatsächlich eine Fassung aus DDR-Zeiten (war, mit vielen weiteren ihrer Spitzen, auf LP):

Zugroulette
- Duo Sonnenschirm,

Geldverdienen, bitte schön, doch wehe,
wenn du nichts dafür tun musst.
Man sieht ja, dass der Ofen brennt,
auch nur daran, dass die Esse rußt.
Und wenn in uns kein Feuer brennt,
verraucht auch keine Wut.
Wenn jedoch die Wut verraucht,
dann quillt der Übermut.
Das weiß am besten Sezuan,
der Streckenwart war bei der Eisenbahn.

Der Nebel steigt vom Schotter auf
und Sezuan aufs Dienstfahrrad zur Schicht.
Sein Stellwerk steht auf freier Flur,
salpeterwändig riecht es drin nach Pflicht.
Er schnauzt nach seinem Vorstehhund,
der steht ihm in nichts nach,
und beißt ihm prompt den Daumen wund
so geht das jeden Tag
draußen auf dem Schienenstrang
im Stellwerk 13 bei der Eisenbahn.

Der Weichenhebel blinkert matt,
poliert mit Bohnerwachs und 40 Watt.
Die blenden Meister Sezuan,
der früh um acht schon Langeweile hat.
Jetzt kommt der Zug aus Halberstadt
und dann der Zug nach Binz.
Die Fleppe hängt, sie fahrn vorbei,
drin schwatzen Kunz und Hinz,
beachten nicht den Sezuan,
den Streckenwärter bei der Eisenbahn.

Er taucht den Sieder in den Topf
exakt um acht Uhr neun zum Kräutertee.
Inzwischen nieselt’s, und vom Sitzen hinterm Schaltschrank
tut ihm schon der Rücken weh.
Mählich tropft der Wasserhahn
und ebenso die Zeit.
Sachte schläft der Fuß ihm ein,
der Feierobnd ist weit.
Er fingert an dem Hebelarm
der Weiche 13 von der Eisenbahn.

Oha – da ist der Zug aus Schmölln
nach Birmingham mit Zwischenhalt in Köln.
Es stinkt ihm, dass man nicht versteht,
dass er da hätte auch mal hinfahrn wöll’n
So hockt er, der Geheimnisträger,
trägt an seinem Frust.
Und plötzlich überkommt ihn
wieder die perverse Lust
Er äugelt nach dem Streckenplan:

Zugroulette spieln mit der Eisenbahn.

Vergessen ist der Kräutertee,
dem Sieder glüht die letzte Wendel aus.
Da surrt der Telegraph,
und Meister Sezuan riecht einen Leichenschmaus.
“In zehn Minuten Sonderzug
mit Panzern vom Ural!
Stoppen Sie den Gegenzug
aus Oberwiesenthal!”
Da grinst der böse Sezuan,
der Satansbraten bei der Eisenbahn.

Nun eine Runde Zugroulette,
in neun Minuten kommt der D-Zug an.
Der Panzerzug in zehn,
mal sehn,
ob sich der D-Zug selber retten kann.

Alle Signale grün gestellt,
das Schicksal wird bemüht
und die Scheibe blank geputzt,
damit man auch was sieht.
So spielt der Meister Sezuan
Zugroulette mit der Eisenbahn.

Wenn der D-Zug pünktlich ist,
dann hat er eine ganz reelle Chance.
Von weitem heult der Panzerzug schon,
Sezuan denkt kribblig: “Vielleicht langt’s!”
Der Oberwiesenthaler kommt zwar jeden Tag zu spät.
Doch heute hat er Rückenwind
das heißt, wenn der nicht dreht.
Und dreht er, komm ich halt in’n Kahn -
besser noch als ewig bei der Eisenbahn.

Mit 130 rast der Ex,
noch anderthalb Minuten bis zum Ziel.
Der Panzerzug rollt langsamer,
denn fünfzig Panzer sind kein Pappenstiel.
Das Wetter hört zu nieseln auf,
und die Sonne späht.
Ein Rabe plustert sich und
sperrt den Schnabel auf und kräht.
Und Sezuan im Spielerwahn
starrt fasziniert auf seine Eisenbahn.

Von beiden Seiten rasen nun
die Züge einer auf den andern zu.
Der Streckenwart ist aufgeregt,
er fiebert, und die Socke kocht im Schuh…

Rien ne va plus ….

Die Züge rasen immer noch im Tempo unvermindert aufeinander los.
Ahnungslose Kinder winken,
Sezuan, den würgt im Hals ein Kloß.
Der Ex erwischt die Weiche knapp
vor dem Panzerzug,
und nur ein einsam’ Panzerrohr
ins letzte Fenster schlug
Erleichtert setzt sich Sezuan
auf seinen Inventarstuhl
bei der Eisenbahn.

Und Hinz und Kunz im Ex,
die fläzten beide locker plaudernd im Coupé
und ahnten wie die tausend andern nichts
von dem gewagten Zugroulé.
Und wie der böse Sezuan
sein Mütchen hat gekühlt,
so hat man auch mit unserm Leben
schon Hasard gespielt.
Doch das Gute ist daran:
wir wissen’s nicht – wie bei der Eisenbahn.

(Text: Dieter Beckert / Jürgen B. Wolff
die Musiken sind auch immer superklasse, aber leider diese nicht online)

Weiter genial aus Sachsen - über die Lage und so:

Duo Sonnenschirm - "Der Mövenschiss"

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.


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