Die Euro-Krise: Ursachen und Prognosen

Gladiator @, Samstag, 25.07.2015, 16:50 vor 3832 Tagen 4500 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 25.07.2015, 17:12

Hallo allerseits,

nachdem ich längere Zeit hier nichts mehr geschrieben habe, hier mal mein Senf zur sog. Eurokrise, wobei ich mich in letzter ständig frage, was in Sachen EU in den nächsten Jahren passieren wird:

Zunächst einmal muss man die Ursachen der Eurokrise kennen, um überhaupt 1. richtige Lösungsvorschläge machen zu können und 2. prognostizieren zu können, wie es mit der EU in den nächsten Jahren - zumindest ungefähr - weitergehen wird. Die Kenntnis ist auch in dem Sinn wichtig, um festzustellen, ob die von der EU und den anderen involvierten Organisationen verschriebenen "Medikamente" den schwächelnden Staaten helfen können oder nicht. Wenn sie es nicht tun können oder gar das Gegenteil zur Folge haben, dann hat das entsprechende Auswirkungen auf die mögliche Zukunft.

Hier ist zunächst festzustellen, dass die Eurokrise, die derzeit nur in Griechenland besonders akut ist, privatwirtschaftliche Ursachen hat. Zwar wird in Politik und Medien immer wieder gebetsmühlenartig behauptet, dass die Ursachen vorwiegend beim griechischen Staat zu suchen seien, der ineffizient, korrupt, völlig aufgebläht usw. sei, das ist aber Unsinn. Von daher sind auch die geforderten "Therapiemaßnahmen" für Griechenland Quatsch.

Das Hauptproblem Griechenlands ist, dass es - relativ gesehen - zu wenig produziert. Um es genauer zu sagen geht es um das Export/Import-Verhältnis. Griechenland importiert permanent aus den anderen Euro-Ländern mehr als es in diese exportiert. Das bedeutet, dass aus Griechenland permanent mehr Geld herausfließt, als nach Griechenland hineinfließt. Griechenland erhält Produkte aus dem Ausland und bezahlt sie im Gegenzug mit Geld. Wenn Griechenland nicht in etwa in gleicher Höhe ins Ausland exportiert, um das ans Ausland herausgeflossene Geld wieder hereinzuholen, dann nimmt das im Inland vorhandene Geld ständig weiter ab. Man kann dann, um den Lebensstandard weiter aufrechtzuerhalten und um eine Krise zu vermeiden, dieses Missverhältnis durch Kreditaufnahmen auszugleichen versuchen. Das ist ja auch in Griechenland geschehen. So wurden die Importe letztlich immer mehr auf Pump finanziert. Das hat dann den Ausbruch einer Krise zeitlich verschoben. Aber irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht und die Kreditaufnahmefähigkeit stößt an ihre Grenzen. Erst recht wenn man vorher schon einen relativ hohen Schuldenstand hatte bzw. nur eine "eingeschränkt gute Bonität" vorweisen konnte.

Der relative Produktionsmangel ist in Wirklichkeit das Hauptproblem in Griechenland. Natürlich gibt es daneben noch eine Reihe von weiteren Problemen. Diese sind aber relativ unwichtig und fallen überhaupt nicht ins Gewicht. Wenn zum Beispiel darüber gemeckert wird, dass die Strukturen der Staatsverwaltung reformiert werden müssten, so mag das an sich richtig sein, nur behebt eine solche Reform nicht das eigentliche Problem. Mit anderen Worten: selbst wenn die Staatsverwaltung perfekt durchstruktuiert wird und besser wird als alle anderen Staatsverwaltungen in der Eurozone, so ändert das kaum was an dem erheblichen Produktionsrückstand gegenüber den anderen (vor allem mittel- und nordeuropäischen) Euroländern. Produzieren tut aber die Privatwirtschaft und nicht der Staat. Der Staat nimmt primär Verwaltungsaufgaben wahr. Wenn also der Staatsapparat reformiert wird und die Privatwirtschaft aber nicht konkurrenzfähig gemacht wird, bleibt das Problem im Kern bestehen. Denn Griechenland wird weiter Waren aus dem Ausland importieren müssen. Wenn es nicht in etwa gleicher Höhe Gegenleistungen anbieten kann, dann wird der Geldabfluss und der Zwang zur Netto-Kreditaufnahme gegenüber dem Ausland im Grunde weiter bestehen bleiben.

Von daher sind die diesbezüglichen Programmauflagen der sog. "Institutionen" letztlich Kappes. Das gleiche gilt, wenn es darum geht, die Korruption in Griechenland zu bekämpfen. Natürlich ist Korruption in Griechenland ein Problem, keine Frage. Aber 1. gibt es Korruption, auch schwere Korruption ebenso in vielen anderen Ländern, und zum Teil auch in der Eurozone. Und 2., und das ist wichtiger, löst ihre Beseitigung allenfalls ein Nebenproblem, aber nicht das Hauptproblem. Auch ein nicht-korrupter Staat kann konkurrenzunfähig sein. Und ein korrupter Staat kann konkurrenzfähig sein. Das Problem ist zwar vorhanden, aber sekundär. Die Behebung des Problems Korruption würde wohl "etwas" helfen, aber nach meiner Einschätzung sicher nicht genügend, um die allgemeine Krise zu überwinden. Vor allem kann dieses Problem nicht innerhalb kurzer Zeit gelöst werden. Vor allem wenn die Korruption in einer sagen wir harmloserer Form, nämlich dem Klientelismus, quasi eine Struktur im System geworden ist. Die Zeit aber ist äußerst knapp, denn die Eurokrise hat eine ihr eigene Dynamik. Die Zeit ist zu knapp, um das Problem wirklich zu beseitigen. Sie reicht nicht aus. Und wenn sie ausreichen würde, wäre dadurch auch kaum etwas gewonnen.

Wir können also festhalten: die Politiker in Deutschland haben die tatsächlichen Ursachen der Eurokrise und insbesondere der Griechenland-Krise nicht - oder zumindest nicht im ausreichenden Maße - erkannt. Nach ihrer Auffassung seien die von ihnen verordneten Reformprogramme die richtige Lösung. Aber auch hier verlässt sie allmählich der Glauben. Stattdessen gibt man in der Politik, respektive der Bundesregierung, die Hoffnung immer mehr auf und will den "Patienten" immer mehr für "unheilbar" erklären. Daher kommt die in letzter Zeit immer wieder von Herrn Schäuble vorgebrachte Grexit-Forderung. Er glaubt nicht mehr wirklich an eine Gesundung Griechenlands. Das kann aber auch nichts werden, wenn bereits die Diagnose überwiegend falsch ist. In der Tat haben die umgesetzten Reformen das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt war. Man glaubte (und wollte das auch glauben), dass der griechische Staat die Hauptursache der Probleme sei und verordnete daher Austerität. Nur hat man dabei nicht beachtet, dass die griechische Wirtschaft schon seit vielen Jahren vorrangig durch Konsum aufrecht erhalten wurde. Diese "Konsum-Wirtschaft" war zwar ganz erheblich eine Wirtschaft "auf Pump" und daher ohnehin "zum Platzen" verurteilt, aber sie hielt die griechische Wirtschaft aufrecht. Mit Ausbruch der Krise wurde nicht nur die Kreditvergabe extrem zurückgefahren, sondern jetzt musste der griechische Staat auch noch stark einsparen. Dadurch ging die Inlandsnachfrage insgesamt stark zurück mit dem Ergebnis, dass das BIP um fast 30 % gesunken ist. Die in anderen Euroländern (insbesondere in Deutschland) einsetzende Griechenlandhetze tat und tut ihr übriges, um die Tourismuswirtschaft ebenfalls zurückgehen zu lassen. Von daher bleibt im Ergebnis festzuhalten: es wurde durch die Politik der Troika und Deutschlands gegenüber Griechenland so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Und es wird weiterhin so ziemlich alles falsch gemacht. Und die Dinge, die hilfreich sind, helfen nicht genug und können auch nicht genug helfen, um die Eurokrise zu beheben.

Jetzt kann man mal - rein hypothetisch - schauen, ob es überhaupt noch Möglichkeiten gibt, die Eurokrise in Griechenland zu beheben: Meines Erachtens ist das nicht möglich. Der Zug dafür ist meiner Meinung nach schon lange, lange abgefahren. Denn eine wirkliche Wirtschaft aufzubauen, dauert viele, viele Jahre und geht nicht im Handumdrehen. Bis dahin aber werden weiterhin Defizite über Defizite im Außenhandel eingefahren, was entsprechend einen weiteren Geldabfluss aus Griechenland hinaus bewirkt und zu weiteren Kreditaufnahmen zwingt - die inzwischen kaum noch jemand bewilligen will. Und da kann ein "Primärüberschuss" des griechischen Staates gar nichts gegen helfen. Der Primärüberschuss des Staates, den Herr Schäuble als magisches Zauberwort beschwört - ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine Schimäre. Mit anderen Worten, die Eurokrise in Griechenland wird sich weiter verschärfen, schon allein weil die Politiker die Ursachen der Krise nicht hinreichend erkennen und wenig effiziente Maßnahmen dem griechischen Staat diktieren, die nebenbei noch das Image der EU weiter nach unten ziehen. Griechenland wird weiter aus dem Ausland defizitär importieren müssen, da man selbst nicht genug produziert. Der Tourismus kann das nicht ausgleichen.

Was könnte Griechenland tun? Die "alten Möglichkeiten" gibt es nicht mehr. Früher konnte man die Währung einfach abwerten, also inflationieren. Das geht nicht mehr. Stattdessen wird man von einer Gemeinschaftswährung "erwürgt". Man könnte sonstige Kontrollen einführen und quasi Protektionismus betreiben (Zölle erheben etc.). Das geht auch nicht, solange man in der EU ist. Griechenland hat bereits gegen EU-Recht Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die schlimmeres verhindern. Noch deutlich schärfer kann man gegen EU-Recht nicht verstoßen ohne dass die EU-Grundsätze zu einer Farce werden. Andere Möglichkeiten für Griechenland sehe ich nicht, solange man im Euro bleiben will.

Was wäre auf europäischer Ebene möglich? Man könnte den Euro an sich inflationieren. Dagegen würde sich aber vor allem Deutschland "mit Händen und Füßen" wehren. Die Deutschen sind ohnehin nicht bereit, wirklich Kompromisse in Sachen Euro einzugehen. Der damalige Finanzminister Hans Eichel hatte das deutsche Volk ANGELOGEN, als er meinte, der Euro würde wie die DM werden, nur größer. Das ist völliger Unsinn und eine glatte Lüge, wenn man eine Gemeinschaftswährung mit zahlreichen traditionellen Weichwährungsländern herstellt. Da muss man die Festigkeit einer DM aufgeben. Tut man es nicht, kommt es in den Weichwährungsländern zu Krisen. Das ist logisch und nunmehr Realität.

Man könnte eine Art Länderfinanzausgleich einführen auf Euro-Ebene. Das wird aber voraussichtlich auch nicht passieren. Man sehe sich nur das Beispiel Deutschland an: hierzulande beklagt man sich ja schon über die ungeheure finanzielle Last, die Griechenland dem deutschen Steuerzahler koste, obwohl Deutschland noch keinen einzigen Euro an Griechenland gezahlt hat. Zwar wurde in den deutschen Medien schon mindestens tausend mal etwas anderes behauptet, es bleibt aber falsch. Alle Kredite im Rahmen der vermeintlichen "Griechenland-Rettung" sind an Griechenland AUSSCHLIESSLICH über EZB und IWF an Griechenland geflossen. Alle. Kein einziger Cent kam aus Deutschland. Deutschland hat lediglich eine Bürgschaft unterschrieben, im Falle der Staatspleite für 27 % der Kreditausfälle zu haften. Im Gegenzug hat Deutschland aber bereits seine Banken aus dem Schlamassel gezogen, die eigentlich bereits 2010 für die Kreditausfälle hätten haften müssen. Also nicht der schlechteste Deal für Deutschland. Nachdem man die deutschen Banken erfolgreich gerettet hat, kann man jetzt den deutschen Steuerzahler, der von der deutschen Regierung die Haftung aufgezwungen bekam, schön gegen Griechenland aufhetzen und selbst das Opfer mimen. Bei einem solchen Land mit einer solchen Regierung kann man keinen "Finanzausgleich" auf europäischer Ebene erwarten. Meines Erachtens wird das nicht kommen. Wahrscheinlich kommt sie auch nicht irgendwie "durch die Hintertür", denn dafür sind die deutschen Banker und Ökonomen viel zu schlau, um das nicht irgendwie zu merken.

Unter Umständen könnte man eine Art "Marschall-Plan" für Griechenland beschließen, der dem Land wirtschaftlich auf die Beine hilft. Aber auch das halte ich für unwahrscheinlich. Denn wenn das wirklich gewollt wäre, hätte man das schon vor Jahren machen können. Damals war man aber zu sehr damit beschäftigt, sich selbst beziehungsweise seine Banken zu retten, um das in Angriff zu nehmen. Und außerdem: das Interesse für dahin gehende Programme ist relativ gering. Denn wer baut schon gerne eine Konkurrenz gegen sich selber auf? Je mehr die Griechen selbst produzieren, desto weniger importieren sie aus dem Ausland, was natürlich schlecht für diese anderen Länder ist. Mal davon abgesehen, dass es in Griechenland kaum was zum Aufbauen gibt, da schon die zarten Pflänzchen teilweise gar nicht da sind, die man entsprechend zum Sprießen bringen könnte. Zwar geht man jetzt die sogenannte "Privatisierung" an, diese sieht mir aber eher nach einer Plünderung eines am Boden liegenden Staates aus. Und dazu wäre das Risiko des Scheiterns eines solchen "Marschall-Plans" natürlich ein direkter Ausfall für diese ausländischen Privatinvestoren und Staaten, weshalb es wohl nicht viele ernsthafte Interessenten gibt. Das Land ist ja schon strukturell ziemlich kaputt und ich glaube für längerfristige Großinvestitionen ziemlich riskant. Von daher kommen wohl größtenteils nur die Plünderer.

Alles in allem sehe ich keine Hoffnung für Griechenland in der Eurozone. Selbst, wenn man nunmehr alles richtig machen würde. Vielleicht gibt es eine Chance. Die Politik der letzten Jahre zeigt aber, dass die Ergreifung dieser wenn überhaupt kleinen Chance nicht passieren wird. Zumal die Krise eine dynamische ist und keine statische. Das heißt sie entwickelt sich mit einer ihr eigenen Bewegungskraft, gegen die man sich nur schwer stemmen kann. Erst recht wenn man, wie die meisten Politiker, nicht weiß, wie man das überhaupt wirksam macht.

Das beste wäre daher ein Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung. Genauer gesagt könnte Griechenland in wenigen Jahren wieder auf die Beine kommen, wenn es 1. die Insolvenz erklärt und 2. zeitgleich aus dem Euroraum austritt. Dies würde natürlich eine starke Abwertung der nunmehr eigenen nationalen Währung bedeuten, die aber das einzige wirkliche Heilmittel gegen die Krise ist. Das war immer so, dass sich Staaten auf diese Weise "geheilt" haben. 3. Müsste Griechenland mit ausländischen Organisationen, insbesondere mit der EU insoweit zusammenarbeiten, als dass die lebenswichtigsten Güter wie Medikamente und Öl weiter aus dem Ausland importiert werden müssten. Die Preise für diese wichtigen Güter müssten zumindest für 1-2 Jahre künstlich, durch Subventionierung, niedrig gehalten werden. Griechenland würde sich aber schnell erholen. Man bedenke, dass das griechische BIP in den letzten Jahren um fast 30 % zurückgegangen ist. Allein dieses Loch ansatzweise wieder aufzufüllen, hätte schon eine erhebliche Verbesserung der allgemeinen Lage zur Folge.

Soweit meine Sicht auf die Dinge. Was wird in den nächsten Jahren nun in Sachen Euro praktisch passieren?

Hier muss man zunächst beachten, dass Zukunftsprognosen immer unsicher sind, denn: man muss eine Vielzahl von Faktoren beachten, manche davon sind nicht sichtbar oder zumindest unauffällig. Zweitens haben Entwicklungen in Sachen Euro eine Art Dynamik, die schwer zu vorauszusehen und teilweise "unkontrollierbar" werden kann. Drittens muss man sehen, dass es Mehrzahl von Interessen gibt, viele davon haben eine Art "Selbsterhaltungstrieb", die Prognosen erschweren. Daher sind zum Beispiel die meisten Prognosen der "Crashpropheten" falsch. Sie sehen die Angelegenheit zu statisch und berücksichtigen zu wenig, dass gewisse relevante Akteure im Spiel unbedingt sich selbst erhalten wollen. So will zum Beispiel die EU als Organisation unbedingt überleben. Und wenn sie ihr Überleben gefährdet sieht, kann sie sehr erfinderisch werden. Vielleicht auch brutal, wer weiß? Das gleiche gilt natürlich für die einzelnen Mitgliedsländer der EU. Man hat auch andere Player in dem Spiel. Wir wissen ja denke ich so ziemlich alle hier, dass einige den Planet Erde als ein "global chessboard" sehen. Manche Staaten kämpfen um ihre Unabhängigkeit, andere um globale Vorherschaft.

Ich sehe die Zukunft des Euro und der EU nun folgendermaßen:

Die Eurokrise ist kein auf Griechenland beschränktes Problem, sondern der Euro an sich ist ein Fehler. Es geht primär um die permanent in der Eurozone stattfindenden grenzübergreifenden Geldzu- und abflüsse. Das ist wie ein Meer mit vielen verschiedenen Strömungen. Wegen dieser völligen Fehlkonstruktion der "Gemeinschafts"währung (wo ist sie gemeinschaftlich, wenn manche Staaten vorwiegend egoistische Wirtschaftsinteressen verfolgen, die der "Gemeinschaft" direkt und indirekt schaden können?) werden noch mehrere andere Staaten allmählich in die Krise rutschen. Die unmittelbarsten Kandidaten sind: Italien, Spanien, Frankreich, Portugal. Vielleicht auch wieder Irland, das weiß ich nicht.

Italien hat bereits eine extrem hohe Staatsverschuldung und befindet sich in einer Dauerrezession. Gemäß den angesprochenen Dynamiken wird Italien bald vielleicht in einer ähnlichen Situation sein wie Griechenland ab 2008/2009. Und Italien wird die bitteren Pillen, die Griechenland schlucken musste, wahrscheinlich nicht schlucken. Sie haben ja deutlich vor Augen, was diese "Medizin" den Griechen gebracht hat, nämlich eine Verarmung und Verelendung der Bevölkerung und ein BIP-Rückgang von fast 30 %. Und mit Italien kann man nicht so umspringen wie mit Griechenland. Italien ist deutlich mächtiger und lässt sich nicht so leicht unterdrücken. Es lässt sich auch nicht so leicht mit Füßen treten und als Staat zweiter Klasse behandeln. Auch wird die massive Medienpropaganda gegenüber Italien nicht so leicht greifen. Die These von den "faulen, korrupten Griechen" ist schon teilweise ausgelutscht. Und eine Ausweitung dieser Propaganda auf andere Euroländer wird mit der Zeit unglaubhaft. Es wird den Leuten schon bewusst werden, dass die Eurokrise andere Ursachen haben muss als bloß Faulheit und Korruption. Die italienische Wirtschaft ist auch etwas zu groß, um hier mit vermeintlichen "Hilfsprogrammen" die Krise lösen zu können. Zumal das Geld ja teilweise für Griechenland schon weg ist. Also ich glaube Italien wird eine verdammt harte Nuss für die EU. Darüber hinaus darf man neugierig sein, wie die nächsten italienischen Wahlen ausfallen werden. Dass die Euroskeptiker in Italien an die Macht kommen, glaube ich zwar derzeit eher nicht. Aber möglich wäre es. Zumindest eine Regierungsbeteiligung. Vor allem gäbe es in Europa neben Griechenland in den nächsten Jahren einen zweiten Krisenherd, der für die EU bereits zu viel werden könnte.

Ähnliches gilt für Spanien. Und hier ist der Ausbruch einer Krise bereits abzusehen. Dies erkennt man daran, dass die spanischen Großunternehmen an der Börse teilweise völlig überbewertet sind. Das kann nur früher oder später platzen. Und dann ist wohl Ende mit der "Euro-Rettung".

In Frankreich wäre der Ausbruch einer schweren Wirtschaftskrise besonders schlimm, denn dieses Land gilt neben Deutschland als "Kernland" des Euro und der EU überhaupt. Eine EU ohne Frankreich ist überhaupt nicht vorstellbar. Frankreich gilt neben Deutschlands als in der EU-Politik "das" mitbestimmende Land. Wenn hier eine Spaltung der Interessen mit Deutschland passiert, dann könnte das ebenfalls der Untergang des Euro sein. Einige prognostizieren, dass Marine LePen die nächste französische Präsidentin wird. Ob das eintrifft, weiß ich nicht. Vielleicht werden "die Mächtigen" in der EU Wege finden, um das zu verhindern. Aber möglich wäre es. Wie dem auch sei, ist es meines Erachtens eine Frage der Zeit, dass die Eurokrise in Frankreich akut wird. Selbst wenn LePen nicht Präsidentin werden sollte, wird eine politische Interesen-Spaltung mit Deutschland sehr wahrscheinlich kommen.

Daneben gibt es noch das "Problem" Großbritannien, das zwar kein Mitglied der Eurozone ist, aber möglicherweise die EU ganz verlassen wird. Dies sind jedenfalls Töne, die aus London deutlich zu hören sind. Und die Töne werden lauter. Ich glaube, dass nur noch wenige Briten eine weitere Integration in die EU befürworten. Denn sie erscheint ihnen 1. vorwiegend von Deutschland regiert und 2. zunehmend als Fehlschlag. Die Briten sehen in der EU wohl immer weniger ihre Zukunft.

Auf der anderen Seite hat die EU kaum noch Erfolge vorzuweisen. Stattdessen überhöht man sich inzwischen als Großmacht, die sich mit Russland anlegt und an der Ukraine herumzerrt. Dabei ist Russland eine Nuklearmacht, die wohl im schlimmsten aller Fälle halb Europa an einem Tag zerstören könnte. Die EU betreibt hier ekelhaften kriegszündelnden Größenwahn. Die von der USA dominierte NATO macht da natürlich allzu gerne mit, zumal die USA bei einem europäisch-russischen Konflikt selbst nicht viel zu befürchten hätte.

Die EU ist damit insgesamt betrachtet auf dem Weg in den Abgrund. Es handelt sich nur um eine Frage der Zeit. Die Fahrtrichtung ist klar und der Zug lässt sich in Sachen Eurokrise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr bremsen.

Was für Folgen wird der Untergang, oder zumindest teilweise Untergang der EU haben? Hierzu enthalte ich mich an dieser Stelle mal und will hier nur feststellen, dass einige Länder eine extrem dumme Politik gemacht haben. Mich erinnert das an die Zeit von 1890 bis 1914. Aber muss ja jeder selber wissen, was er macht.

Gruß

grossartiger Artikel ! (o.T.) (oT)

rattrap @, Samstag, 25.07.2015, 19:16 vor 3832 Tagen @ Gladiator 2074 Views

- kein Text -

--
it's a rat trap Judy, and you've been caught!

Eurokrise / Öl- und Gasvorkommen

Leserzuschrift @, Samstag, 25.07.2015, 20:48 vor 3832 Tagen @ Gladiator 2639 Views

Guten Abend,

vielen Dank für die Darlegung Ihrer Gedankengänge. Einige Fragen möchte ich gerne in den Raum stellen. Was ist mit den prognostizierten, teilweise bereits festgestellten Öl- und Gasvorkommen im ägäischen Hoheitsgebiet Griechenlands? Warum werden diese nicht thematisiert zur Schuldentilgung oder gar zum "Aufbau einer neuen, funktionierenden Wirtschaft"? Wer oder was, steck/t/en dahinter, dass diese Ressourcen "verheimlicht" - nicht offensiv diskutiert, werden?

Die Eurozone, gar die EU, zu zerschießen, wer hat daran Interesse, welche Interessen? Die EU als Wirtschaftsblock Konkurrenz)auszuschalten, allein, kann es wohl nicht sein?!

Beste Grüße
Balu

Wie oft noch?

CalBaer @, Samstag, 25.07.2015, 22:16 vor 3832 Tagen @ Leserzuschrift 2613 Views

Sind z.T. bereits verkauft: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=361781

ich gerne in den Raum stellen. Was ist mit den prognostizierten, teilweise
bereits festgestellten Öl- und Gasvorkommen im ägäischen Hoheitsgebiet
Griechenlands? Warum werden diese nicht thematisiert zur Schuldentilgung
oder gar zum "Aufbau einer neuen, funktionierenden Wirtschaft"? Wer oder
was, steck/t/en dahinter, dass diese Ressourcen "verheimlicht" - nicht
offensiv diskutiert, werden?

Verheimlicht wird nichts, es ist bei den derzeitigen Preis-Kosten-Verhaeltnissen einfach nicht relevant. Genausowenig machte es Sinn die gewaltigen Goldvorkommnisse in der Aegaeis zu thematisieren.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

Gegenprognose

TurnAround @, Sonntag, 26.07.2015, 11:17 vor 3831 Tagen @ Gladiator 2040 Views

Servus Gladiator,

meiner Meinung nach wird es aufgrund der freimaurerischen Ziele eines Paneuropa mit einer eurasisch-negroiden Zukunftsrasse dazu kommen:
- Abschaffung der europäischen Nationalstaaten als Völkerrechtssubjekte und damit Eleminierung der Staatsschulden/-guthaben untereinander und gegenüber Dritten (USA). Somit spielt die Staatsverschuldung in der Gegenwart und nahen Zukunft keine Rolle.
- Schaffung einer eurasisch-negroiden Zugrunftsrasse durch ungehinderten Zuzug von Menschen aus anderen Kulturkreisen. Jegliche nationale Strömung in den Staaten Europas wird dauerhaft unterdrückt, diffamiert und behindert -notfalls mit Gewalt-, bis keine Widerstandskraft mehr vorhanden ist.

Der medial zelebrierte Hickhack um Schulden ist eine riesige Nebelkerze genau wie das Gutmenschentum.

Einen schönen Sonntag wünscht
TurnAround

--
Erkenne die Umwelt, erkenne die Menschen, erkenne dich selbst.

Nur lauter Nebelkerzen

BBouvier @, Sonntag, 26.07.2015, 11:32 vor 3831 Tagen @ TurnAround 2124 Views

Der medial zelebrierte Hickhack um Schulden ist eine riesige Nebelkerze ...

Einen schönen Sonntag wünscht
TurnAround

Durchaus einverstanden, TurnAround!

Auf "Seehofer" sei diesbezüglich verwiesen:
=>
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=362822

Solche markige Sprüche und Stammtischparolen höre ich von der CSU
seit langen Jahrzehnten ... und die können von Politikern
auch ganz sorgenfrei abgesondert werden, weil ihnen völlig
klar ist, daß es bei Worten bleibt - die genasführten Schafe
werden jedoch auch bei der nächsten "Wahl" wieder brav ihr Kreuzchen
bei den Blockparteien hinterlassen. [[freude]]

Grüße,
BB

Heisse Luft

TurnAround @, Sonntag, 26.07.2015, 13:15 vor 3831 Tagen @ BBouvier 1915 Views

von Seehofer.

Servus BB,

"Nicht an ihren Worten, sondern ihren Taten sollt ihr sie erkennen ..."

Dem hektischen Treiben der Politjunta nach zu urteilen, scheint einiges aus dem Ruder zu laufen. Da taucht nun einer weit im Osten auf und verbreitet den Anschein, nationale Interessen seines Volkes vertreten zu wollen. Das könnte Vorbildwirkung haben und steht einem Paneuropäismus freimaurerischer Prägung diametral gegenüber. Um die diesbezüglich bereits erreichten "europäischen" Fortschritte zu sichern und unumkehrbar werden zu lassen, nun die Flutung der europäischen Nationalstaaten mit Einwanderern aus fremden Kulturkreisen unter Inkaufnahme von Volksaufständen. Die eventuell zur Niederschlagung und Unterdrückung benötigten "Fremdsoldaten" werden wegen der inszenierten Bedrohung aus dem Osten ja bereits eingeflogen. "Volksarmeen" im Sinne von Armeen aufgrund Wehrpflicht sind weitestgehend abgeschafft, so dass hieraus keine Bedrohung der "europäischen Idee" erfolgt.
Weiterer erwünschter Nebeneffekt: Deutschland ist für Russland in absehbarer Zeit kein begehrenswerter Partner mehr, da als Nationalstaat nicht mehr existent.

Grüsse
TurnAround

--
Erkenne die Umwelt, erkenne die Menschen, erkenne dich selbst.

Eurokrise / Ergänzungen

Leserzuschrift @, Sonntag, 26.07.2015, 13:05 vor 3831 Tagen @ Gladiator 1858 Views

Der umfangreiche und gut formulierte Kommentar von @Gladiator zur Situation Griechenlands und des Euro wird inhaltlich imho der Lage nicht gerecht und enthält wenig Prognostisches.

Einnahmen aus dem Tourismus, aber auch große Zwangskäufe von Rüstungsgütern aus der EU (Ausgaben) bleiben unerwähnt, des weiteren die geografisch-militärische Lage und Situation des Vielinselstaates weitgehend unberücksichtigt.

Selbstverständlich sind auch riesige, bestätigte Öl-und Gasvorkommen, die Goldreserve und die großen Auslandsguthaben der Griechen in eine Sanierung mit einzubeziehen.

Auch Sondersituationen wie diese: Weiß hier noch jemand, dass die Griechen nur an ihrem Geburtsort wählen bzw. ein Referendum bestätigen können? Möglich wird das nur, weil alle Griechen kostenfreie Fahrt auf den Fähren haben - was ursächlich die vielzitierte, staatsvertraglich festgeschriebene Steuerfreiheit der Reedereien begründet.

Trotzdem stimmt die Erkenntnis, dass nur eine eigene Währung den Griechen aus der Patsche helfen kann - sowie ein Schuldenschnitt,i. e. die Gewinnrückzahlung der leichtfertigen und gierigen Kreditgeberbanken, verbunden mit großen EU-Leistungen zur Grenzsicherung der griechischen Sondersituation (mit einem Zaun ist es hier nicht getan).

Gruß! webmax

Dazu meine 5-Cents

Apostroph @, Down Town (Switzerland), Sonntag, 26.07.2015, 14:15 vor 3831 Tagen @ Gladiator 1866 Views

Erlebnisse am ATM in Athen :
Moderne Zeiten!

Der Geldspuk-Automat ist jetzt des oeftern leer,
der Kunde erschrickt: ‚ Er gibt nichts mehr her‘?
Und ausserdem bleiben die Banken geschlossen:
In Brüssel hat man dies in der Nacht beschlossen.

Es scheint, hier wird erneut ein Exempel statuiert,
vertrauensvoll wird der Kontoinhaber angeschmiert:
was in den Allgemeinen Bestimmungen geschrieben,
wird staatlich abgewürgt, ausnahmslos hintertrieben.

So steuert Europa von Monat zu Monat Zieles sicher,
davon zeugen immer mehr die vielen langen Gesichter;
unausweichlich, dem längst maroden Ende entgegen :
Politiker von links und rechts geben dazu ihren Segen.

Gerade erleben wir noch die allerletzte Prolongation:
Griechenland liegt weiter auf der Intensiv-Station!
Denn man will unbedingt und dringend vermeiden,
ein Vorrücken der Pleite bringt ungeheures Leiden.

In der Vergangenheit wurde schon Alles versucht :
Schulden wurden monatlich Milliardenhoch umgebucht.
Zinsen gleich auf unter Null abgesenkt und gestrichen:
All dies half nichts, die Defizite sind nicht gewichen!


Die Zentralbanken und ihre sakrosankten Strategen:
Stehen jetzt zunehmend, ganz ohne Schirm, im Regen.
Am Ende des Lateins angekommen, sie nun sinnieren :
Ein Bargeld-Verbot! Werden diese uns bald zitieren !

Der Anfang dazu ist längstens in trockenen Tüchern:
Wenn 100 Prozent für alle erfolgt, in deren Büchern ,
wird über Nacht, dazu ohne Voranmeldung, geklickt:
virtuell abgebucht, der Bürger längstens hat abgenickt!

Noch bleiben Tage, vielleicht ein paar wenige Wochen,
Das Wenn und das Wie wird jetzt in Brüssel besprochen:
Die Trägheit der Menschen ist nun so weit fortgeschritten,
unverhohlen fallen wir vom einst sicheren Banken-Schlitten !

Die Fernseh-Anstalten werden bald geistreich verkünden:
Dass wir längstens vor einem grausigen Abgrund stünden,
weshalb notwendig erforderliche Massnahmen getroffen ;
bevor das Finanz-System wäre ausnahmslos abgesoffen !

26. Juli 2015 (im Sommermonat)


Wie beruhigend :-)

Apo'

--
"Wir können nicht alle Helden sein, weil ja irgendeiner am Bordstein stehen und klatschen muss, wenn sie vorüber schreiten."

W. Adair

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