Campact verbreitet folgendes zur Problematik mit Griechenland in den Nachwirkungen der Finanzkrise

Carausius @, Montag, 20.07.2015, 21:51 vor 3838 Tagen 3784 Views

https://www.youtube.com/watch?v=mi8RmbPAX6s

Hallo alle,

mich würde interessieren, welche Meinungen Ihr zu den Behauptungen in diesem Video habt.

EDIT: Es ist kein Tippfehler. Es handelt sich um Campact, nicht um Compact.

Würde dieses Video sicher nicht weitergeben

Odysseus @, Montag, 20.07.2015, 22:55 vor 3838 Tagen @ Carausius 2765 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.07.2015, 12:38

Warum?
Weil die Beiträge auch nicht ansatzweise der komplexen Situation gerecht werden.

Der Prof. meint das offenbar ernst, wenn er sagt, daß "der Beginn der Euro-Krise ganz eindeutig auf die Finanzmarktkrise zurückzuführen ist".
Auch sein Hinweis, daß "internationale Ökonomen und Nobelpreisträger" ein Ende der deutschen Sparpolitik fordern suggeriert, daß nicht weiter erwähnte Alternativen in der heutigen Situation das Richtige wäre.

Die Herausgeberin des Missy-Magazins (mal gogglen) glänzt durch die Aussage "Bisher ist noch kein einziger Euro vom Steuerzahler bezahlt worden", um später noch "Deutschland verdient Zinsen an den ausgeliehenen Geldern an Griechenland" nachzulegen. Das ist etwa genauso naiv, als wenn jemand aus dem 100. Stock springt und beim 40. twittert: Bislang bin ich völlig unverletzt und die frische Luft tut mir gut.[[zwinker]] .
Die Schuldenschnitt-Alternative und ihre folgen kennt sie offenbar nicht.

Daß die Frau von der TAZ den Grexit als teuerste Lösung von allen (welche anderen bleibt unerwähnt) ist, wird eben nur behauptet.
Sauber recherchierte Zahlen oder eine wirkliche Debatte dazu, was ein Grexit kostet, habe ich bis heute nicht gefunden.

Auch die "humanitäre Katastrophe" für ein Land so groß wie Hessen mit 10 Millionen Einwohnern scheint ein völlig unabwendbares Ereignis zu sein.

Mein Fazit: Ein Filmchen, das nur Unwissenden eine andere, aber genauso einseitige Sicht der Dinge vermittelt, wie es ARD/ZDF und BILD machen.

Erfolgreich, wie die meisten Kommentare zeigen.

Also...

Carausius @, Montag, 20.07.2015, 23:16 vor 3838 Tagen @ Odysseus 2302 Views

Also vorab: Ich habe noch immer nicht wirklich eine eigene Meinung zu dem Problemgebäude, da ich noch so vieles nicht verstehe oder einfach nicht weiß.

Insofern kann ich nur wiedergeben, was ich anderen Orts gelesen oder gehört habe.

Der Prof. meint das offenbar ernst, wenn er sagt daß "der Beginn der
Euro-Krise ganz eindeutig auf die Finanzmarktkrise zurückzuführen ist".

Flassbeck hat 2013 auch die Meinung vertreten, dass die Finazkrise von 2008 noch bis heute nachwirkt und die "Euro-Krise" nur ein weiteres Symptom davon ist.

Auch sein Hinweis, daß "internationale Ökonomen und Nobelpreisträger"
ein Ende der deutschen Sparpolitik fordern suggeriert, daß nicht weiter
erwähnte Alternativen in der heutigen Situation das Richtige wäre.

Flassbeck verteufelt ja geradezu die "Sparpolitik" und behauptet, dass eben diese der Todesstoß für Griechenland seien wird. Mir ist aber bewusst, dass es da auch ganz andere Meinungen von renomierten Ökonomen gibt.

Die Herausgeberin des Missy-Magazins (mal gogglen) glänzt durch die
Aussage "Bisher ist noch kein einziger Euro vom Steuerzahler bezahlt
worden", um später noch "Deutschland verdient Zinsen an den ausgeliehenen
Geldern an Griechenland" nachzulegen.

Das hat mich auch sehr gewundert. Leider habe ich das bisher nirgends als bestätigt gefunden oder irgendwie erklät bekommen können. Kann da evtl. jemand noch mehr zu sagen?

Dazu sollte man aber auch sagen, dass bisherige Finanzhilfen, die an griechische Banken (und nicht den Staat oder die Menschen) flossen, ja zurück an die deutschen und französischen Gläubiger gegangen ist, die sich hauptsächlich aus Finanzunternehmen zusammensetzen. Oder habe ich da etwas falsch verstanden bzw. falsche Informationen?

Das die Frau von der TAZ den Grexit als teuerste Lösung von allen (welche
anderen bleibt unerwähnt) ist, wird eben nur behauptet.
Sauber recherchierte Zahlen oder eine wirkliche Debatte dazu, was ein
Grexit kostet habe ich bis heute nicht gefunden.

Mit Zahlen kann ich dazu auch nicht aufwarten. Aber Flassbeck sieht ebenfalls darin den GAU für Deutschland. Da nach seinen Angaben dann ja Schulden in einer neuen nationalen Währung zurückgezahlt werden würden (wenn überhaupt).

Erfolgreich, wie die meisten Kommentare zeigen.

Ja, vom Format her sehr massentauglich und wirksam wie Wochenschau und Bildzeitungsüberschrift :)

Die griechische Schuldenkrise

Orlando ⌂ @, Dienstag, 21.07.2015, 00:45 vor 3838 Tagen @ Carausius 2327 Views

Ich musste das Video leider bei der Grinsekatze abschalten.

Griechenland war schon immer ein notorischer Schuldner. Aus Ottos Zeiten haben die Bayern immer noch Geld zu kriegen. Nach dem Krieg wurden sie erst von Großbritannien, dann von den USA finanziert. Jetzt ist die Eurogruppe dran.

Nach der Aufnahme in den Euro bekamen sie verstärkt Kredit von französischen und deutschen Banken und Versicherungen. Deren Forderungen wuchsen besonders rasant von 2000-2008 auf 95 Mrd, Löwenanteil F mit 60 davon. Diese Entwicklung kann man sich schön auf den Schaubildern des parlamentarischen Schuldenberichtes anschauen, den @Mabraton hier unten verlinkt hatte, zB p15:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=358015

Als sich 2010 plötzlich zeigte, dass GR diese Schulden nicht mehr BEDIENEN kann (nicht tilgen, das sowieso nicht), beschlossen Merkel und Sarkozy, die Schulden GRs ihren eigenen Banken abzunehmen, indem sie auf öffentliche Gläubiger übertragen wurden, anstatt GR in den Staatsbankrott gehen zu lassen und dann ihre Banken zu retten (rekapitalisieren). Letzteres traute man sich wohl nicht dem Volk zu vermitteln; dass kurz nach 2008 schon wieder Bankenrettung in großem Stil nötig ist.

Seit 2010 hat es praktisch keine weiteren Kredite an GR gegeben, es wurde nur mehrmals auf andere Gläubiger umgeschuldet.

Um nichts anderes geht es jetzt wieder, die in den nächsten drei Jahren fälligen Staatsanleihen und sonstigen Schulden auf andere Gläubiger zu verlagern, jetzt auf den ESM. Letzterer wurde ja extra dazu geschaffen.

Man sieht auf p15 wie sich der Anteil der europäischen Banken an den Schulden über die letzten Jahre vermindert hat und auf p22, dass von 312 Mrd Staatsschuld 2015, also heute, ca 243 Mrd von anderen europ. Ländern und öffentl. Institutionen gehalten werden.

Dh erstens, die gr. Staatsschulden sind seit 2009 nicht mehr gewachsen, sondern nur auf andere Gläubiger gelegt worden.

Und natürlich zweitens, dass der Zufluss von Kapital von außerhalb in den Jahren 2000-2008, an den sich GR gewöhnt hatte, jetzt einfach fehlt. Das ist leider bei Schuldenfinanzierung immer so, dass einem irgendwann die Gläubiger ausgehen für frisches Geld.

Sehr schön auch auf p13 die gegenläufige Entwicklung von Staatsausgaben und Steuereinnahmen in der goldenen Zeit.

Das ist eigentlich alles, das ganze Austeritätsgerede ist Quatsch, es gibt keinen Anspruch GRs an das Ausland, es permanent zu finanzieren. Das wurde bis 2008 zwar gemacht, warum auch immer, aber jetzt halt nicht mehr.

Über den Bailout GR vs. Bailout Gläubigerbanken kann man sich streiten, gerettet hätte der Staat auf jeden Fall.

Die Griechen sind halt außerdem sauer, weil sie bei einem Staatsbankrott die Schulden los gewesen wären, jetzt hängen sie ihnen ewig an, auch wenn sie gerollt werden.

Ein paar Tipps und Links

Odysseus @, Dienstag, 21.07.2015, 00:50 vor 3838 Tagen @ Carausius 2133 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 21.07.2015, 12:44

Problemgebäude, da ich noch so vieles nicht verstehe oder einfach nicht
weiß.

Insofern kann ich nur wiedergeben, was ich anderen Orts gelesen oder
gehört habe.

Der Prof. meint das offenbar ernst, wenn er sagt daß "der Beginn der
Euro-Krise ganz eindeutig auf die Finanzmarktkrise zurückzuführen

ist".

Flassbeck hat 2013 auch die Meinung vertreten, dass die Finazkrise von
2008 noch bis heute nachwirkt und die "Euro-Krise" nur ein weiteres Symptom
davon ist.

Die Voraussetzungen, daß es durch die Finazkrise zur Eurokrise in diesem Ausmaß kommt, wurden in der Zeit vor der Finanzkrise 2008 gelegt.

Das wird ganz gut hier dargelegt (wenn auch einige Mitglieder des Sachverständigenrats sehr umstritten sind):

http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/ziffer/z12...

Flassbeck verteufelt ja geradezu die "Sparpolitik" und behauptet, dass
eben diese der Todesstoß für Griechenland sein wird. Mir ist aber
bewusst, dass es da auch ganz andere Meinungen von renomierten Ökonomen
gibt.

Daß die vorgenommene Sparpolitik fatal ist, sehe ich auch so.
Nahezu niemand sieht aber die Ursache, warum das alles nicht dauerhaft funktionieren wird. Weil man nicht bereit war, die fundamentalen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Währungsunion zu schaffen, d.h. die Menschen/Gesellschaften/ Volkswirtschaften vorzubereiten /zu überzeugen UND sich die dafür erforderliche Zeit zu nehmen.

Eine prohetische Rede von Gysi aus 1998 macht da gerade mal wieder die Runde.

https://www.youtube.com/watch?v=x1ef0BBtuYA

Die Herausgeberin des Missy-Magazins (mal gogglen) glänzt durch die
Aussage "Bisher ist noch kein einziger Euro vom Steuerzahler bezahlt
worden", um später noch "Deutschland verdient Zinsen an den

ausgeliehenen

Geldern an Griechenland" nachzulegen.


Das hat mich auch sehr gewundert. Leider habe ich das bisher nirgends als
bestätigt gefunden oder irgendwie erklät bekommen können. Kann da evtl.
jemand noch mehr zu sagen?

Dazu sollte man aber auch sagen, dass bisherige Finanzhilfen, die an
griechische Banken (und nicht den Staat oder die Menschen) flossen, ja
zurück an die deutschen und französischen Gläubiger gegangen ist, die
sich hauptsächlich aus Finanzunternehmen zusammensetzen. Oder habe ich da
etwas falsch verstanden bzw. falsche Informationen?

Letztlich ist die Aussage von "Missy" auf den heutigen Tag bezogen "richtig". In Bezug auf die tatsächliche Rückzahlung in der Zukunft sieht das aber eher sehr düster aus.
Bei den Rückflüssen an deutsche Gläubiger stellt sich die Frage, ob und wieweit der Gläubiger mit dem Steuerzahler identisch ist.
Einfach gesagt, aber da weiß ich auch zu wenig zu. Da können hier einige Cracks viel mehr zu sagen.

Mit Zahlen kann ich dazu auch nicht aufwarten. Aber Flassbeck sieht
ebenfalls darin den GAU für Deutschland. Da nach seinen Angaben dann ja
Schulden in einer neuen nationalen Währung zurückgezahlt werden würden
(wenn überhaupt).

Man wird die Guthaben der Griechen in einem festzulegenden Verhältnis in die neue Währung tauschen. Wie die schulden in Euro dann behandelt werden, muß ausgehandelt werden. Hier wird sicher ein Teilschuldenschnitt vorgenommen.
Der kommt sowieso, wird nur so gestaltet werden, daß man das Kind nicht so nennen muß.

Wenn du erst im Anbeginn bist, dich da reinzuarbeiten, dann würde ich dir ein Buch empfehlen, welches zurecht sehr erfolgreich ist. Keine Bibel oder die absolute Wahrheit, aber gut zu verstehen und zum Überblick perfekt.

Der Crash ist die Lösung

(Und auch die Literaturangaben nutzen)

Auch "Der größte Raubzug der Geschichte" der gleichen Autoren ist gut, um einen einfachen Einstieg in die Zusammenhänge der Entstehung der Finanzkrise zu bekommen.

Ansonsten zu gezielten Themen hier um Literatur-/Film-/Videotipps bitten UND natürlich über die Suchfunktion hier suchen.


Du wirst schnell merken, was noch alles an der Krise dranhängt und das es um soviel mehr geht.

Aber Vorsicht: Den Deckel kriegst du nie wieder zu im Kopf - das ist eine Einbahnstraße [[lach]]


Gruß odysseus

Danke, Orlando und Odysseus

Carausius @, Dienstag, 21.07.2015, 08:41 vor 3838 Tagen @ Odysseus 1671 Views

Danke an Euch beide für Infos und Links!

Werde mir die Einzelheiten heute Nachmittag genauer ansehen.

Campact ist ein Attac-ableger...

Fidel @, Montag, 20.07.2015, 23:12 vor 3838 Tagen @ Carausius 2704 Views

Campact positioniert sich geschickt und medienwirksam.
Man darf staunen, wenn arte Reporter zur Stellungnahme bei Demonstrationen zu Wort kommen lassen.
http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/attac-ableger-campact-will-deutschland...

Natürlich finanziert sich Campact völlig selbstlos...als NGO.

Nachdem Attac von Trotzkisten unterwandert wurde, bin ich mir über die Motive von Campact nicht im Klaren.

Die Aussagen aus dem Video sind unmissverständlich politisch motiviert und verhindern mit ihrer Polemik Verständnis
- man erheischt Empörung.

Gut zu wissen

Carausius @, Montag, 20.07.2015, 23:26 vor 3838 Tagen @ Fidel 2188 Views

Campact positioniert sich geschickt und medienwirksam.
Man darf staunen, wenn arte Reporter zur Stellungnahme bei Demonstrationen
zu Wort kommen lassen.
http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/attac-ableger-campact-will-deutschland...


Natürlich finanziert sich Campact völlig selbstlos...als NGO.

Nachdem Attac von Trotzkisten unterwandert wurde, bin ich mir über die
Motive von Campact nicht im Klaren.

Ah, danke! Das sind neue und interessante Infos zum Hintergrund.

Die Aussagen aus dem Video sind unmissverständlich politisch motiviert
und verhindern mit ihrer Polemik Verständnis
- man erheischt Empörung.

Auf jeden Fall ist das eine vertretene Meinung und keine objektive Analyse. Das macht schon dieses missionarisch wirksame Format klar.

Aber ob man damit Empörung erheischt, würde ich so nicht sagen.

Andersherum würde ich eher sagen, dass der Mainstream gerade versucht, volles Pfund Empörung gegen ausländische Politiker oder gleich ganze Völker zu schüren und dabei die deutsche Politik völlig unreflektiert darstellt. Dazu werden auch ganz klar nationalistische Gefühle genutzt.

Dieses Video könnte man propagandistisch als Gegenpol betrachten. Wobei ich das jetzt nicht bewerten oder Inhaltlich bestätigen will/kann.

Nebenbemerkung: Greece’s Parliament Cannot Override the NO Vote

FESTAN, Dienstag, 21.07.2015, 12:55 vor 3838 Tagen @ Carausius 1797 Views

meint Michel Chossudovsky:

http://www.globalresearch.ca/greeces-parliament-cannot-override-the-no-vote-the-agreeme...


FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Griechisches Parlament auf den Spuren der Assemblée nationale

Monterone @, Dienstag, 21.07.2015, 13:23 vor 3838 Tagen @ FESTAN 1640 Views

Hallo FESTAN,

was die Nationalversammlung Frankreichs kann, kann das griechische Parlament schon lange, sich mit dem Ergebnis einer Volksabstimmung den demokratischen A... abwischen.

So jedenfalls erwarte ich es. Ob's dann tatsächlich so kommt, müssen wir sehen.

Zu Michael Chossudowskys Artikel darf ich ein paar Anmerkungen machen und bitte schon mal um Entschuldigung, daß es sich um Wiederholungen handelt.

Wie wichtig es wäre, endlich zu verstehen, was genau es mit der Demokratie auf sich hat, sehen wir wieder einmal am Beipiel Professor Chossudowskys.

On Sunday July 5, the Greek people voted in a historic referendum to refuse the Troika’s draft agreement. The Referendum was an outright ”ritual of democracy”.

Das Referendum war das exakte Gegenteil eines *Rituals der Demokratie*, weshalb das Ergebnis von Tsipras und der Athener Regierung prompt ignoriert wurde.

The Greek people were betrayed. On Monday morning, July 6, on the day following the referendum, Prime minister Tsipras put forth a 13 page draft proposal which included most of the demands of the creditors.

Jetzt sind wir wieder in der Demokratie angekommen, deren wichtigste Machtmittel in Lüge und Betrug bestehen sowie der grenzenlos bösartigen und zynischen Mißachtung des Volkswillens.

Monterone

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