Was macht Tsipras da eigentlich?

Revoluzzer @, Montag, 13.07.2015, 14:22 vor 3843 Tagen 4532 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.07.2015, 14:35

Am Wochenende standen wir offenbar kurz vor dem Grexit.

Was mich verwundert, ist die Haltung von T.

Es ist klar, dass Syriza als staatsführende Partei in der EU nicht akzeptiert werden kann, es sei denn, Syriza gibt ihre Werte auf und wird zur SPD 2.0.

Es ist weiter klar, dass G im Euro keine ökonomische Zukunft hat. Der Grexit ist unvermeidbar - wenn nicht jetzt, dann später.

Persönlich halte ich eine Wende Gs nach Osten für die einzig tragfähige Lösung, idealer Weise mit eigener Währung und trotzdem EU-Mitgliedschaft, so dass G für CH und RU ein optimales Sprungbrett in die EU ist (und ggf. bestimmte EU-Beschlüsse per Veto blockieren kann).

Was mich inzwischen überrascht, ist die Rolle, die T spielt. Die einzige Chance für T und Syriza ist, wenn der "Deal" vom Wochenende auseinander fällt und T Griechenland nach Osten führen kann.

Aber offensichtlich will er das tatsächlich nicht. Er ist vielmehr bereit, "sein" Land praktisch vollständig zu verschachern (Eigentumsübertragung von 50 Mrd. produktivem Volksvermögen an die Gläubiger).

V und damit T müssen jedoch wissen, dass ein 3. Bailout nie und nimmer funktioniert (und die Geberländer doch genauso).

Also ist die Frage: Was macht T da eigentlich?

Natürlich kann man Kopf- und Strategielosigkeit annehmen. Oder irgendwelche Erpressungsszenarien entwerfen. Aber damit kann man Alles und damit Nichts erklären.

Meine Frage ist: Wie kann man das Verhalten von T rational und strategisch-intentional erklären? Zumal wir von V gesagt bekommen, dass G schon seit Monaten weis', dass Deutschland G aus dem Euro werfen will.

Warum macht T sich nicht zum Helden der griechischen Befreiung?

Die Teile passen einfach nicht zusammen (es sei denn, T. kriegt noch die Kurve). Und im Moment ist für mich die sinnvollste Erklärung die Eichelburg'sche: Griechenland wird benutzt, um die EU zu untergraben. T und G haben entsprechend keine eigene Strategie, sondern sind nur Mittel zum Zweck.

Und T wird am Ende vielleicht von seinem eigenen Volk zum Grexit gedrängt.

Revo.

@ Gaby: Wie beurteilst Du die Stimmung vor Ort?

Nachtrag: T schreibt gerade heute: "However, we prevented the transfer of public property abroad,..." und " we managed to gain the restructuring of the debt and a financing process for the medium-term." Hat T sich dann am Ende doch durchgesetzt und die 50 Mrd. "Treuhand" ist nur Show für die Zahlerländer?

NIcht zuviel hineingeheimnissen

Montgomery Burns @, Montag, 13.07.2015, 14:58 vor 3843 Tagen @ Revoluzzer 3403 Views

Hallo,

ich denke, T geht einfach der sprichwörtliche A auf Grundeis. Wenn die Banken nicht in absehbarer Zeit wieder aufsperren und die Bankomaten leer bleiben, geht's ihm nämlich an den Kragen, nicht nur im übertragenen Sinn.

Sobald das Volk wieder zum Geld Zugang hat, beruhigt sich die Szene auch wieder eine Weile.

T ist natürlich genauso Egoist wie alle anderen Politiker, ausgenommen vielleicht jene mit nationalem Sendungsbewusstsein (so einen gabs ja schon mal, und auch der hat gewaltig danebengegriffen), und wird schon irgendwo auch nach der politischen Karriere einen guten Posten zu ergattern wissen.

Für die EU und G gilt gleichermaßen, dass zumindest die Problematik wieder ein Stück in die Zukunft verschoben werden konnte, ganz egal, ob es überhaupt so lange funktioniert oder eben nicht.

Und für die Geberländer gilt, dass sie (noch) niemandem Rechenschaft darüber ablegen müssen, dass, was zwar jeder weiß, aber nicht jeder gerne sagt - die Kohle schon längst endgültig jemand anderer hat (weg ist sie ja bekanntlich nicht).

Gruß

Zeit gewinnen.

Beo2 @, NRW Witten, Montag, 13.07.2015, 15:01 vor 3843 Tagen @ Revoluzzer 3608 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.07.2015, 15:40

Es geht ihm darum, Zeit für die Vorbereitung eines GRexit aus der Eurozone und evtl. aus der EU vorzubereiten. Dafür benötigt er mindestens 1 Jahr ohne allzuviel Stress.
Im Moment wäre es wirtschaftlich und politisch sehr riskant (wenauch nicht unmöglich) .. und ginge ohne russische Hilfe und Anbindung gar nicht. Das könnte zu einem Militärputsch oder Rebellion der Bevölkerung in GR führen.

Ob ihm die eigene Bevölkerung die benötigte Zeit dafür gibt, ist schwer abzuschätzen. Es wird ja nun heftig privatisiert und gespart ...
Wer hauptsächlich davon profitieren wird, ist unschwer zu erraten. Bald sind die Griechen wieder dort, wo sie bereits sind .. dann allerdings ohne gemeinschaftliches Volksvermögen. Das hat "System & Programm".

Gruß, Beo2

Welches Vermögen?

Heinz @, Montag, 13.07.2015, 15:25 vor 3843 Tagen @ Beo2 3364 Views

Tut mir leid, aber ich weiß nicht, wo die Treuhand in Griechenland die 50 Milliarden herbekommen soll.

--
Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?

Einfach mal TAIPED-HRADF googeln (oT)

Silke, Montag, 13.07.2015, 17:05 vor 3843 Tagen @ Heinz 2744 Views

- kein Text -

ergoogelt

Heinz @, Montag, 13.07.2015, 20:00 vor 3843 Tagen @ Silke 2613 Views

3 Zockerbuden, 2 Energie Explorer und die Post. Und dann wären ja noch, 2 Wasserversorger, ein paar Häfen (den Besten hat man verkauft) und etwas Eisenbahn. Ich bezweifle, ob das 50 Milliarden wert ist.

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Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?

Griechenland ist ja nicht wertlos

Silke, Dienstag, 14.07.2015, 12:57 vor 3842 Tagen @ Heinz 1742 Views

bearbeitet von Silke, Dienstag, 14.07.2015, 13:57

Lieber Heinz,

3 Zockerbuden, 2 Energie Explorer und die Post. Und dann wären ja noch, 2
Wasserversorger, ein paar Häfen (den Besten hat man verkauft) und etwas
Eisenbahn.

Ja, aber prinzipiell kann fast das ganze Staatsgebiet mit allem drin und drauf privatisiert werden.
Privateigentum kann bekanntlich beliehen und bewirtschaftet werden, wenn keine bedingungslosen Transferleistungen mehr fließen.
Im chinesischen Hafenanteil soll es doch auch schon besser laufen?
Oder dieser alte Hut:
http://www.neopresse.com/politik/griechischer-minister-bietet-usa-erdoelvorkommen-an/

T.A.I.PE.D. hat mit der Treuhandtätigkeit auf traditionelle Art begonnen:
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4618743/Schlussverkauf-auf-Griechisch
14 griechische Regionalflughäfen an die deutschen Fraport...
ehemaligen Athener Flughafens Elliniko für 915 Millionen an...
Inselchen...
und wurde gestoppt.

So wie die Treuhand in der DDR nach dem Ableben von Herrn Rohwedder unter Frau Breuel mit unglaublichen Verlusten tätig war.
http://www.deutschlandfunk.de/der-grosse-ausverkauf.724.de.html?dram:article_id=99752

Dem wird jetzt versucht, durch den Treuhandfond einen EU-Riegel vorzuschieben.
Ich finde das alles nicht sehr appetitlich aber Filzläuse kann man besser bei Licht begrenzen.

Ich bezweifle, ob das 50 Milliarden wert ist.

Andere bezweifeln das nicht:
http://www.bruegel.org/nc/blog/detail/article/1610-will-greece-run-out-of-cash/
Ich weiß es nicht.

@Gaby u.a. könnten da sicher mehr sagen.

Mir geht es um das Prinzip:
Wenn schon geschlachtet wird, beleben viele Fleischer und mehr achtsame Augen das Geschäft.

Dottores damaliger Vorschlag für das Vermögen eines illiquiden Landes:
Alles in Aktien wandeln und pro Kopf verteilen ohne wenn und aber.
Die Schulden dann aber auch. Alle haben es zugelassen, alle haben ihren eigenen kleinen Schnitt gemacht in den Jahrzehnten, so wie es in BRD auch üblich ist...

Dann kann jeder Grieche privat wirtschaften, wenn er wirtschaften will, bzw. als Anteilseigner den Mafioso seines Vertrauens zur Bewirtschaftung auswählen oder seine Anteile verkaufen wenn er lieber "faulenzen" will.
Gaby wäre ohne die Bürokraten mit ihrem Projekt schon weiter.
Aber so lange weiter Transfer aus sinnlosen "Rettungen" ohne Sicherheiten möglich war, wurde das auch versucht.

Pigbonds Vorschlag von den konkurrierenden Regionen ist auch wie andere Vorschläge von ihm sinnvoller, als das, was geschieht.

Das ist in den russischen 90igern leider schief gegangen.

Liebe Grüße
Silke

Ich erwarte baldige Neuwahlen in GR ..

Beo2 @, NRW Witten, Montag, 13.07.2015, 20:17 vor 3843 Tagen @ Beo2 2549 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.07.2015, 20:24

von Tsipras selbst angestrengt, um sich ein demokratisches Okay der Wähler für seine vorübergehende Neuausrichtung zu holen. Ob er es auch bekommt, ist sehr fraglich.

Gruß

Zeit gewinnen

eastman @, Paltz, Montag, 13.07.2015, 20:40 vor 3843 Tagen @ Beo2 2382 Views

Ich meine, T. ist an der Übermacht der Pro-Euro-Reformierer im Verhandlungsmarathon einfach eingeknickt, einer gegen viele Mächtige. Die Neue Drachme ist seit 2013 bereits gedruckt. Er braucht keine Zeit gewinnen, im Gegenteil, die Zeit rennt ihm davon. Zuviele Optionen sind offen, von der Revolte in der eigenen Partei bis zum Militärputsch.

Den Griechen wünsche ich heute nur das eine: Bewahrt Euren Stolz und lehnt das "Hilfspaket" ab, stimmt im Parlament dagegen. Nur zu offensichtlich zeigen sich im Wirrwarr des Hin-und-Her die wirklichen Interessen der Strippenzieher im Hintergrund: Geopolitisch darf GR jetzt nichts gefährden, koste es die EU-Länder, was es solle und wolle, der beschleunigte Niedergang des Welthegemons steht auf dem Spiel, und was bleibt weiter zu sagen als "Fuck the EU".

GR schliesst sich Moskau und China, den BRICS an - undenkbar für US..el. Deshalb keine Illusionen - T. hat wie die EU-Kommission die Anweisungen erhalten - sonst: Siehe Ukraine, Syrien, Irak, Algerien ...
Und ein Pipeline-Deal mit Russsland, dazu reiche Öl- und Gasvorkommen - GR ist trotz der nur etwa 10 Mio. Bevölkerung zu wichtig für die Finanzmafia.
Und Europa ebenso - wir sind dabei, von Dritten aufgehetzt einander ans Leder zu gehen, so, wie man das deutsche Volk gegeneinander hetzte, in Ost und West.
Einfach abscheulich, aber die Geschichte wiederholt sich facettenreich - nur, dass unsere Kinder/Jugendlichen davon kein Gespür vermittelt bekamen - staatlicherseits [[kotz]]

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Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

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