Die Verblödung hat Methode, Teil 3

Sylvia @, Dienstag, 07.07.2015, 09:10 vor 3849 Tagen 5594 Views

"Alle waren sie da. Gleich nachdem das Wunder geschehen war, kamen sie. Die Bildungsexperten, Bildungspolitiker, Bildungserklärer und Bildungsverklärer. Heerscharen. Alle Parteien und Verbände. Sie alle sind in den letzten 15 Jahren mindestens einmal nach Finnland gereist. ... "Wir Grünen wollen Schulen nach finnischem Vorbild schaffen. Wir nennen dieses Modell Neue Schule." Dieser Satz stammt aus dem Wahlprogramm der niedersächsischen Grünen 2010. Heute regiert die Partei in dem Bundesland und nicht nur dort. ..."

Doch leider: Finnlands Pisa-Wunder entpuppt sich als Irrtum. Jetzt stellt sich heraus: Der Erfolg beruhte doch auf Strenge statt auf modernen Methoden.

Was, wenn sich eines Tages auch noch herausstellt, dass heterosexuelle Paare mehr Kinder zeugen als homosexuelle Paare? Oder das Geschlecht doch nicht sozial konstruiert ist? Nicht auszudenken! Die ganze, schöne Cargo Cult Science fürn Lokus.

in der Tat ...

Watson @, Dienstag, 07.07.2015, 10:39 vor 3849 Tagen @ Sylvia 3509 Views

Tatsächlich stellt dies eine Verblödung dar ... gleich auf mehreren Ebenen:

Verblödet ist der, der denkt, ein gutes PISA-Ergebnis wäre gut (im Sinne von Berufsaussichten) für die Schüler. Denn verblödet ist zu glauben, das westliche Schulsystem wäre heutzutage noch in irgendeiner Form eine gute Vorbereitung auf das Leben. Es ist hilfreich, sich in Erinnerung zu rufen, dass dieses Bildungssystem zu großen Teilen noch immer auf Anforderungen des British Commonwealth beruht. Es hatte in erster Linie zum Ziel, Beamten zur Verwaltung des Weltreichs eine geeignete Grundlage zu bieten. Und die bestand nun mal aus Rechtschreibung inklusive "guter" Schrift, Grundrechenarten etc pp - alles, was so ein kleiner Kolonialbeamter nun mal braucht, um seine Bücher zu füllen. Bürokratische Grundausbildung - nach wie vor für alle unsere Kinder.

Alle? Nein. Die wirklich erfolgreichen "Kinder" unserer Tage hatten zum großen Teil Eltern, die Ihnen den Zugang zu diesem System versagt haben. Als Alternative sticht hier besonders die Montessori-Schule hervor. Zahlreiche Tech-Milliardäre - mal 'Montessori Mafia' googln - wie Larry Page, Sergei Brin, Jeff Bezos oder Jimmy Wales gingen durch diese Form des Lernens. Es scheint, als wäre diese Ausbildung in der Welt, die vom linearen in exponetielle driftet, die weit überlegene. Die Veränderungen in unserer Zeit sind eben nicht mehr so, wie der gute deutsche Ingenieur sie liebt "Wir optimieren hier und da, modellieren des Prozess ist schaffen dann 7 anstatt 6 Einheiten pro Stunde", sondern diese Leute skalieren die Welt. Nach 6 kommt nicht mehr 7, sondern 7000!

Konservativ und streng ist das Rezept für das Versagen im 21. Jahrhundert.

Und was homophobe Seitenhieb am Schluß soll, weiß wohl nur die Verfasserin.

Sei klug - bleib doof! (oT)

der_Chris @, Nördl. Ruhrgebiet, Dienstag, 07.07.2015, 11:07 vor 3848 Tagen @ Watson 3145 Views

- kein Text -

--
Gruß
Der_Chris

Verhaltensregeln gegenüber deutschen Politkern:
*Verachten* Auslachen* Verhöhnen* Ignorieren*
Und niemals Aufmerksamkeit schenken!

Hinweg mit der protestantischen Ethik!

Brauer @, Dienstag, 07.07.2015, 11:24 vor 3848 Tagen @ Watson 3029 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 07.07.2015, 11:30

Alle? Nein. Die wirklich erfolgreichen "Kinder" unserer Tage hatten zum
großen Teil Eltern, die Ihnen den Zugang zu diesem System versagt haben.
Als Alternative sticht hier besonders die Montessori-Schule hervor.
Zahlreiche Tech-Milliardäre - mal 'Montessori Mafia' googln - wie Larry
Page, Sergei Brin, Jeff Bezos oder Jimmy Wales gingen durch diese Form des
Lernens. Es scheint, als wäre diese Ausbildung in der Welt, die vom
linearen in exponetielle driftet, die weit überlegene.

[/b]

Auf jeden Fall!
Immer wieder erstaunt mich die weit überlegene Zerstörungskraft (z.B. gegenüber bekletterten Bäumen) der total befreiten Montessori-Kinder hier im Park.
Nicht dass ich was gegen Bäumeklettern hätte und auch mir sind dabei schonmal Äste abgebrochen.
Wer aber auf Bäume klettern will, hat im Stadtpark nichts verloren.
Hier wird oftmals asoziales Verhalten gefördert, obwohl das nicht einmal mit der Montessori-Lehre vereinbar sein dürfte.
In Großstädten tritt der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft am krassesten zu Tage. Aber wegziehen will halt auch niemand.
An sich ist das menschenunwürdig.

"Wir optimieren hier und da, modellieren des Prozess ist schaffen
dann 7 anstatt 6 Einheiten pro Stunde", sondern diese Leute skalieren die
Welt. Nach 6 kommt nicht mehr 7, sondern 7000!

Was will man denn mit 6 oder 7€ pro Stunde, oder 6 oder 7 Billionen Euro Schulden.
Wir brauchen 7000!
Und wir brauchen auch alle Daten aller, statt nur die nötigsten.
Ein "Hoch" dem Exponenten!

Konservativ und streng ist das Rezept für das Versagen im 21.
Jahrhundert.

Definiere bitte "Versagen".
Vor allem gegenüber was denn?

Konservativ und streng ist gesellschafts- und staatstragend. Meinetwegen.
Aber was kommt danach?

Interessant wäre, was das "Rezept für das Versagen im 20. Jahrhundert" war

Sylvia @, Dienstag, 07.07.2015, 11:34 vor 3848 Tagen @ Watson 2972 Views

Und die bestand nun mal aus Rechtschreibung inklusive "guter"
Schrift, Grundrechenarten etc pp...

Wer braucht schon noch Handschrift, wenn eh alles der Computer macht? Die Chinesen sicher nicht! [[zwinker]]

Und Grundrechenarten? Ja mei, dass kann man zur Not auch Tanzen.

"Wir optimieren hier und da, modellieren des Prozess ist schaffen
dann 7 anstatt 6 Einheiten pro Stunde", sondern diese Leute skalieren die
Welt.

Jetzt verstehe ich was Du meintest mit "Rechtschreibung/Schrift wäre nicht mehr so wichtig".

Nach 6 kommt nicht mehr 7, sondern 7000!

Und jetzt verstehe was Du meintest mit "Pah! Grundrechenarten!" [[zwinker]]

Und was homophobe Seitenhieb am Schluß soll, weiß wohl nur die
Verfasserin.

Was meinst Du mit "homophob"?

Passend dazu ein Buchtipp

Leserzuschrift @, Mittwoch, 08.07.2015, 12:01 vor 3847 Tagen @ Sylvia 2462 Views

Anthony Esolen: Ten Ways to Destroy the Imagination of Your Child

Web-Seite des Verlages: www.isibooks.org

Geschrieben in einem geschliffenem Englisch regen zumindest die ersten Kapitel dieser Satire zum Nachdenken an. Von der vor allem (aber nicht nur) in den Kapiteln 5 bis 8 durchschimmernden katholisch-konservativen Weltsicht des Autors sollte man sich nicht abschrecken lassen.

Aus dem Inhalt:

Method 1: Keep Your Children Indoors as Much as Possible
Method 2: Never Leave Children to Themselves
Method 3: Keep Children Away from Machines and Machinists
Method 4: Replace the Fairy Tale with Political Clichés and Fads
Method 5: Cast Aspersions upon the Heroic and Patriotic
Method 6: Cut All Heroes Down to Size
Method 7: Reduce All Talk of Love to Narcissism and Sex
Method 8: Level Distinctions between Man and Woman
Method 9: Distract the Child with the Shallow and Unreal
Method 10: Deny the Transcendent


Aus der Einleitung:

For the first time in human history, most people are doing things that could never interest a child enough to make him want to tag along. That says less about the child than about us. If someone should say to us, “How would you like to spend most of your waking hours, five days a week, for the next four years, shut within four walls,” we should go mad, that is if we had an imagination left. It is only by repressing that imagination that many of us can stand our work. Some years ago, American feminists, in their own right no inconsiderable amazons against both childhood and the imagination, invented something called Take Your Daughter to Work Day. “See, Jill, this is the office where Mommy works. Here is where I sit for nine hours and talk to people I don’t love, about things that don’t genuinely interest me, so that I can make enough money to put you in day care.”

A vast enterprise like McDonald’s can only function by ensuring that no employee, anywhere, will do anything sprightly and childlike in the way of cooking. I sometimes think that if a single boy at the grill tossed paprika into the french fries, the whole colossal pasteboard empire would come crashing down. {...}
We must, then, kill the imagination. The ideal, of course, would be to cease having children, but that might have some adverse effect upon long-range economic prosperity, besides threatening certain industries with extinction — the manufacturers of tasteless clothing, for instance, and importers of refined sugar. Since we must have children, we should be sure to subject them to all the most efficient and humane techniques to fit them for the world in which they will live, a world of shopping malls all the same everywhere, packaged food all the same, paper-pushing all the same, mass entertainment all the same, politics all the same. We owe it to them, and, what is more important, they owe it to us. Now we have been doing a fine job of this for many decades.


"Die größte E-Book-Bibliothek der Welt" hatte das Buch vor kurzem im virtuellen Regal stehen.

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