Warum Landwirte keinen Kunstdünger und keine Spritzmittel brauchen - Teil 2

Leser68 @, Donnerstag, 02.07.2015, 23:41 vor 3852 Tagen 3169 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 02.07.2015, 23:55

So gerade noch rechtzeitig vor "Abgabetermin" um Mitternacht ( [[zwinker]] ) kommt hier die Fortsetzung meiner Gedanken zum Thema biologische Landwirtschaft als einzige Chance und Zukunft.

Wir haben also im letzten Teil gesehen, dass nur ein sogenannter Totalaufschluss, keine(!) Bodenprobe, wirklich Auskunft über die Mengen an Mineralien im Boden geben kann. Die genaue Analyse einer Bodenprobe mit Hilfe von Flusssäure wird übrigens von den Mitarbeitern der entsprechenden Labors nur sehr ungern gemacht, weil eben die Flusssäure so gefährlich ist.

Wieviel ist denn davon jetzt wirklich im Boden vorhanden und wie kann man diese Mineralien freisetzen?

Dazu eine eine bundesweite Untersuchung (BZE - Bodenzustandserhebung, speziell der Waldböden) die im Jahr 2010 durch die sächsische Landesforstverwaltung im Auftrag des Johann Heinrich von Thünen-Institut (in Braunschweig?) durchgeführt wurde (das Dokument stammt allerdings von der FH Eberswalde in Brandenburg, nördlich von Berlin), allerdings nur mit Königswasser:

„Analyse der Elementgehalte der BZE I-Humusproben mittels Königswasseraufschluss [Aqua-Regia-Methode]“
Zentrale Aufgabe der BZE ist die Untersuchung und Quantifizierung des chemischen Zustands der Waldböden. Obligatorisch sind im Rahmen der BZE I (1987-1993) die Elementgehalte [also die Gewichtsmengen der Elemente in Reinform] von Kalium (K), Magnesium (Mg), Calcium (Ca), (...)Phosphor (P) (...) und Cadmium (Cd) in der Humusauflage bestimmt worden.(...) Zur Ermittlung der Elementgehalte im Humus sind in der Arbeitsanleitung zur BZE I 1 der HNO 3 -Druckaufschluss, der Königswasseraufschluss und der Gesamtaufschluss mit Flußsäurezusatz und Perchlorsäureaufschluss zugelassen.(...) Der GAFA [Gutachterausschuss für Forstliche Analytik] sprach deshalb für die Folgeinventur (BZE II) die Empfehlung aus, den Königswasseraufschluss als einzige zulässige Aufschlussmethode in der Arbeitsanleitung zur BZE II 3 festzulegen, da dieser auf nationaler sowie internationaler Ebene die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet.(...) Als Referenzmaterial wurde das vom GAFA für die Aqua-Regia-Methode zur BZE II validierte Mineralbodenmaterial SAC (Sa1) aus der Ringanalyse MB 2005 (siehe BZE_II_RingBoden_1A.pdf) verwendet (...)
________________Probe__Merkmal__Einheit_Mittelwert_Std.-abw.
[hier der Phosphor]SAC___KW_P_____mg/g___1,08________0,057
[hier das Kalzium] SAC___KW_CA____mg/g___1,65________0,092

http://bfh-web.fh-eberswalde.de/bze/upload/begleitStudien/nach_jahre/2010/Koenigswasser...

Wenn man für die Dichte der Humusauflage des Waldbodens einen Wert von etwa 1,5 Kilogramm pro Liter Waldboden annimmt, kommt man auf einen Wert von 0,67 Litern für ein Kilogramm Waldboden. In diesem Kilogramm sind also etwa 1,1 Gramm reines Phosphor bzw. 1,65 Gramm reines Kalzium enthalten. 0,67 Litern entsprechen 10 cm (L) x 10 cm (B) x 6,7 cm (T). Für ein Volumen von einem Quadratmeter x 0,5 m, d.h. 50 cm Tiefe (ein halber Kubikmeter), wären das 100 x 50/6,7 = 100 x 7,5 kg Erdboden = 750 kg (Wald)Erdboden was wiederum etwa 810 g elementarem Phosphor entsprechen würden. Für einen Hektar mit 0,5 m Tiefe wären das schon 10.000 x 0,81 kg = 8100 kg.
Das Ganze kann man dann auch mit Kalzium durchrechnen. Allerdings muss man noch folgendes berücksichtigen:
In dem im letzten Beitrag erwähnten Abschlussbericht des geologischen Dienstes NRWs bezüglich der Elementgehalte im Boden steht (S. 63), dass mit einem Königswasseraufschluss nur etwa 70% des insgesamt vorhandenen Phosphors aus dem Boden gelöst werden kann. Komplett geht das nur mit Flusssäure. D.h. die Phosphor-Werte oben in der Tabelle müssen noch mit 1,43 multipliziert werden womit man dann z.B. 11.583 Kilogramm reinen Phosphor in einer Erdschicht von einem Hektar mal 0,5 Meter Tiefe hätte.

Wie sieht das jetzt weltweit mit anderen Böden aus?

In ihrem diesjährigen Vortrag, "The Roots of Your Profits", erwähnt Frau Ingham, dass in jedem Geologie Buch die Werte an Mineralien weltweit aufgelistet sind. Sie hat als Beispiel die Tabelle des Buchs "Environmental Soil Chemistry" von Donald L. Sparks in ihrem Vortrag verwendet.

Und siehe da, auch dort findet man ähnliche Werte wie die BZE I in Deutschland im Waldboden gefunden hat:
Mittlere Werte in den Böden dieser Welt (Folie Nr. 5):

______________Soils-Median (mg/kg)
Phosphor (P) _____800
Calcium (Ca)___15.000

Dies ist beim Kalzium sogar deutlich mehr als in Deutschland, was darauf schließen lässt, dass es in der Welt große Flächen mit Kalkgestein gibt.

Die Folien zu dem Vortrag gibt es hier:
http://orfc.org.uk/wp-content/uploads/2014/11/Oxford-Keynote-2014.pptx

Diese Werte zeigen aber auch, dass es weltweit kein Problem mit dem Vorkommen an Phosphor gibt, sondern nur ein Problem damit, dieses im Boden vorhandene Phosphor pflanzenverfügbar zu machen.

Und wie werden jetzt all diese Elemente für die Pflanzen verfügbar gemacht?

Die Lösung liegt im Bodenleben bzw. in der ausreichenden Biologie im Boden.
Dieses Bodenleben besteht u.a. aus folgenden Lebewesen: Flechten, Bakterien, Pilze, Nematoden, Athropoden, Regenwürmern, Wühlmäusen (ja auch die!) oder Maulwürfen.

Was genau machen eigentlich die Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien?

Lithobiont
Durch chemisches Herauslösen bestimmter Gesteinsbestandteile besteht die Oberfläche eines Steines, auf dem sich Lithobionten angesiedelt haben, nach einiger Zeit aus einem schwammartig durchlöcherten Silikatgerüst mit einer um ein vielfaches vergrößerten Oberfläche. Der Pilz Aspergillus niger zersetzt sogar Glas.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lithobiont

Flechten sind übrigens eine Symbiose aus grünen Algen oder Cyanobakterien, die Sauerstoff und Kohlenhydrate oder Stärke produzieren, sowie Pilzen. Wovon leben diese Steinbesiedler? Vom Wasser, vom Stickstoff, dem Kohlendioxid und dem Sauerstoff in der Luft?
Nicht nur. Allein das Chlorophyll enthält z.B. auch Magnesium. Für die Photosynthese, d.h. für die dabei verwendeten Stoffe ADP und ATP (Adenosintriphosphat) wird neben Stickstoff auch Phosphat benötigt.
Woher nehmen und nicht stehlen? Zum Teil werden eventuell diese Elemente durch Staub herangeweht. In Spalten und Rissen im Stein sammeln sich die Elemente und der Dreck an, so dass dann irgendwann eine kritische Masse an Humus bzw. Boden für das Wachstum für eben Flechten oder auch schon kleine Pflanzen, genauer Unkräuter entsteht. Flechten können sich aber auch auf nacktem Stein ansiedeln. Sie gehören zu den Erstbesiedlern von Lavafeldern. Flechten lösen sich ihre ansonsten benötigten Stoffe aus dem Stein heraus.

Dazu einige Quellen, die dieses Herauslösen von Elementen durch Mikroorganismen, hier vor allem Bakterien, genauer erklären:

Metals, minerals and microbes: geomicrobiology and bioremediation
By Geoffrey Michael Gadd1
Correspondence Geoffrey Michael Gadd, g.m.gadd@dundee.ac.uk
Microbiology, March 2010 156: 609-643, doi: 10.1099/mic.0.037143-0
MICROBES AS GEOACTIVE AGENTS
Microbes interact with metals and minerals in natural and synthetic environments, altering their physical and chemical state, with metals and minerals also able to affect microbial growth, activity and survival. In addition, many minerals are biogenic in origin, and the formation of such biominerals is of global geological and industrial significance, as well as providing important structural components for many organisms, including important microbial groups such as diatoms, foraminifera and radiolaria (Ehrlich, 1996; Gadd & Raven, 2010).
...
Microbes are also capable of mediating metal and mineral bioprecipitation, e.g. by metabolite production, by changing the physioco-chemical microenvironmental conditions around the biomass, and also by the indirect release of metal-precipitating substances from other activities, e.g. phosphate from organic decomposition or phosphate mineral solubilization.
...
Silicate minerals are unstable in the biosphere and break down readily to form clays (Adamo et al., 2002; Tazaki, 2006). Many kinds of bacteria, fungi and lichens play an important role in the dissolution of silicates, and therefore in the genesis of clay minerals, and in soil and sediment formation (Barker & Banfield, 1996, 1998; Rodriguez Navarro et al., 1997; Banfield et al., 1999; Adamo & Violante, 2000; Arocena et al., 1999, 2003; Tazaki, 2006; Theng & Yuan, 2008; Cockell et al., 2009a, b; Ehrlich & Newman, 2009). Even silicates of great physical and chemical resistance can be attacked, e.g. quartz sand, crystalline quartz and commercial glass (Brehm et al., 2005).

http://mic.sgmjournals.org/content/journal/micro/10.1099/mic.0.037143-0#tab2


Biology and Fertility of Soils
February 2010, Volume 46, Issue 2, pp 185-190
Date: 21 Oct 2009
Response of alfalfa (Medicago sativa L.) to single and mixed inoculation with phosphate-solubilizing bacteria and Sinorhizobium meliloti
Lorena Belén Guiñazú, Javier Alberto Andrés, María Florencia Del Papa, Mariano Pistorio, Susana Beatriz Rosas

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00374-009-0408-5

Soil Science:
February 1963 - Volume 95 - Issue 2 - ppg 105-114
SOLUBILIZATION OF MINERALS AND RELATED MATERIALS BY 2-KETOGLUCONIC ACID-PRODUCING BACTERIA.
DUFF, R. B.; WEBLEY, D. M.; SCOTT, R. O.

http://journals.lww.com/soilsci/Citation/1963/02000/SOLUBILIZATION_OF_MINERALS_AND_RELA...

Im nächsten Teil beschreibe ich dann wie diese gelösten Stoffe letztendlich in die Pflanze kommen.

Kann dem keinen Sinn entnehmen

J. v. Liebig @, Freitag, 03.07.2015, 08:46 vor 3851 Tagen @ Leser68 2246 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 03.07.2015, 14:05

Hallo Leser68,

kann Deinem Werk keinen Sinn entnehmen.
Warauf willst Du hinaus?

Gruß v.L.

Die endgültige Auflösung kommt im nächsten und vielleicht letzten Teil

Leser68 @, Freitag, 03.07.2015, 09:13 vor 3851 Tagen @ J. v. Liebig 2186 Views

Man benötigt aber das Wissen aus den beiden vorherigen Teilen, um die Schlussfolgerungen im nächsten Teil zu verstehen.

Er meint, man braucht keinen Duenger

Dragonfly @, Freitag, 03.07.2015, 10:23 vor 3851 Tagen @ J. v. Liebig 2266 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 03.07.2015, 13:02

Was stimmen mag, solange man den Ertrag nicht beruecksichtigt....

Wer weiss denn schon, dass Landwirte selbst normale Wiesen düngen? (oT)

Leser68 @, Freitag, 03.07.2015, 10:47 vor 3851 Tagen @ Dragonfly 2013 Views

- kein Text -

Nicht nur Landwirte mkT

day-trader @, Freitag, 03.07.2015, 11:27 vor 3851 Tagen @ Leser68 2230 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 03.07.2015, 13:04

Moin,

neben viel Ackerfläche haben wir ca. einen Hektar Wiese direkt an unserem Grundstück, die für den Bauern nur zur Heugewinnung dient.
Im Frühjahr wird eine Probe entnommen, dann wird gedüngt, NPK-Volldünger.
In der Regel wird dann zweimal gemäht.

Ein Nachbar, kein Landwirt, hat ein paar Pferde, die Wiese, auf der die Pferde sommers stehen, wird von ihm ebenfalls mit Kunstdünger abgestreut.

Ich selbst verwandele gerade knapp 2000 qm in eine Streuobstwiese. Die Fläche wurde zuvor über ca. 15 Jahre immer nur gegrubbert, wenn der "Unkraut"-Druck zu groß wurde. Meistens war der Boden also ungeschützt der Erosion preisgegeben. Dementsprechend sieht er jetzt auch aus: Verdichtet ohne Ende, beim Pflanzen der Bäume nicht einen Wurm gesehen. Jetzt erstmal Samenmischung für Pferdewiese eingebracht, über den Winter werden wir ordentlich Mist drüberstreuen. Ich bin gespannt, wie lange das dauert, bis da wieder Leben in die Bude kommt.

--
Best Trade!!!

Aus der Ferne

Domac @, Montag, 06.07.2015, 05:43 vor 3848 Tagen @ day-trader 1802 Views

schwierig zu beurteilen.
Eine nicht bewirtschaftete Fläche neigt über die Jahre zur Versauerung, wenn sie nicht schon von Beginn an im pH zu niedrig lag.
Die schlechte Bodenstruktur ist ein Hinweis darauf.
Ich würde mal eine Bodenprobe mit mehreren Einstichen 0-30 cm machen (lassen) und pH-Wert, Phosphat und Kalium untersuchen lassen.

Aktionen

StillerLeser @, Donnerstag, 06.08.2015, 23:15 vor 3817 Tagen @ Leser68 1925 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 06.08.2015, 23:39

Wollte nur mitteilen:

Hab Plochers (http://plocher.de) "Träger"substanzen angeschafft:
Magnesiumsulfat, Calciumcarbonat, Zuckerrohrmelasse, Dolomit. Preis alles zusammen 80 Euro für einen Jahrzehntevorrat (je 2kg, pro Anwendung braucht man ein paar Gramm).
Dazu einen Dosierspritzer (Aquamix), 35,-, sehr komfortabel.

Beim Plocher sind die Sachen teuer, da sie mit "Informationen geprägt" sind, darauf hab ich verzichtet. Ich hab die Prägung durch eigene, positive Gedanken selbst vorgenommen. Wehe, es lacht einer!
Der von Hopi verlinkte Film

Intentions: T H O U G T and H E A R T - E N E R G Y:
https://www.youtube.com/watch?v=rFvqLLN8BfA

bestärkt mich darin.
Erste Bodenbelebungs- und erste Blattspritzung sind gemacht. Mal sehen.

Im Freundeskreis gibt es einige EM-ler, das heißt in diesem Fall "effektive Mikroorganismen". EM-ler im anderen Sinn sind die aber auch :-)
Ich glaube, das ist dasselbe, wie das, was die Ingham seit 40 Jahren predigt. Ich glaube weiter, daß ich nicht bestimmte Bakterien (die Urlösung) aus Japan einfliegen lassen muss, damit mein Garten in Schuß ist. Ich glaube, daß wir solche Bakterien selbst haben, und daß man die nur etwas herfüttern muß (dafür ist die Melasse)


Außerdem habe ich meinen ersten Heißkompost angesetzt, zum Bodenimpfen nach Elaine R. Ingham. 1 Kubikmeter, das ist ein Haufen Zeug, der ganze Garten ist blankgefegt. Er erwärmt sich leider nicht richtig, bisher nur 40°, irgendwas stimmt noch nicht.
Auch da: mal sehen!

Eigentlich ist es uneffektiv, daß ein fast 60-jähriger (gefühlt gerade mal 30) solche Sachen jetzt erst lernt. Sowas sollten 10-Jährige lernen!

Edit: Damit Ihr Euch nicht alle durch Plochers Videos kämpfen müßt, hier meine Übersetzung:
1-2-3 ist Magnesiumsulfat-Melasse-Dolomit. Zur Bodenbelebeung je 2 Gramm pro qm spritzen.
Blattaktiv ist das Selbe, nur ohne Melasse. Je 1 Gramm pro Liter, die Pflanzen tropfnass spritzen.
Calciumcarbonat kommt in Kompost und Jauche, verhindert, daß was stinkt. 40 Gramm pro Kubikmeter/ Jauchefass.

Danke für die Rückmeldung! Hört sich ja gut an!

Leser68 @, Freitag, 07.08.2015, 00:40 vor 3817 Tagen @ StillerLeser 1762 Views

Hallo Stiller Leser,
so weit habe ich es noch nicht gebracht.

Ich glaube weiter, daß ich nicht bestimmte Bakterien (die Urlösung) aus Japan einfliegen lassen muss, damit mein Garten in Schuß ist.

Genau das denke ich auch. Allerdings ist es heutzutage wohl ziemlich schwer, aufgrund der vielen Umweltgifte und auch sonstigen Beschädigung der Natur, noch Fleckchen zu finden wo es alle lokalen Bakterien/Mikroorganismen gibt, die für einen wirklich guten Boden vorhanden sein müssen. Für einen einfachen Komposthaufen wollte ich guten Waldboden verwenden. Aber im Wald in der Nähe gab es für mich nicht so wirklich einen Unterschied zum Boden im Garten. Ob da im nahen Wald auch schon mal gekalkt wurde und wie oft und ob da schon Harvester und/oder anderes Gerät durchgefahren sind weiß ich leider nicht.

Außerdem habe ich meinen ersten Heißkompost angesetzt, zum Bodenimpfen nach Elaine R. Ingham. 1 Kubikmeter, das ist ein Haufen Zeug, der ganze Garten ist blankgefegt. Er erwärmt sich leider nicht richtig, bisher nur 40°, irgendwas stimmt noch nicht.

Ich kenne da bisher auch nur die Theorie. Vielleicht hilft ja ein bischen Brainstorming weiter?
Wurde der Kompost gut gewässert?
Wurde das Kompostmaterial gut/fein gehäckselt?
Ist das Kompostmaterial eine Mischung aus allem (hoffentlich ohne Gifte, Antibiotika etc.)?
Ist das Material schon älter, d.h. ist es beispielsweise schon kräftig verpilzt, d.h. aufbereitet?
Das Verroten von Rinde/Holz geht leichter wenn ein bischen Stickstoff (Urin, Gesteinsmehl(?)) dabei ist, weil die dazu nötigen Mikroorganismen/Pilze wohl Stickstoff brauchen.
Wurde der Kompost bewegt? Besser wohl nicht, damit die Mikroorganismen in Ruhe arbeiten können.

Absolut richtig: die "Effektiven Mikroorganismen" sind quasi ueberall ...

CrisisMaven ⌂ @, Freitag, 07.08.2015, 00:49 vor 3817 Tagen @ StillerLeser 1819 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 07.08.2015, 01:10

Ich glaube, das ist dasselbe, wie das, was die Ingham seit 40 Jahren predigt. Ich glaube weiter, daß ich nicht bestimmte Bakterien (die Urlösung) aus Japan einfliegen lassen muss, damit mein Garten in Schuß ist. Ich glaube, daß wir solche Bakterien selbst haben, und daß man die nur etwas herfüttern muß (dafür ist die Melasse)

Als ich vor (gefuehlt) einem halben Jahrhundert mich mit Mikrobiologie auseinanderzusetzen begann, hiess es da (sinngemaess): 'Man braucht nur einen Kubikzentimer Erde (Boden) von irgendwoher nehmen, dann kann man mit den geeigneten Techniken jedes (aerobe oder mikroaerobe) Bakterium (oder fast jeden Pilz) kultivieren'. (Anaerobe etwas tiefer und der Naehrboden muss dann Luftabschluss bieten.)

Das betraf ca. 99% der damals bekannten Bakterienarten.

Diese sind ueberall, und der Unterschied, warum sie an bestimmten Stellen mal mehr, mal weniger auftreten, liegt ausschliesslich im Naehrsubstrat.

In der (damaligen) Mikrobiologie hat man das Zeug erst auf einen Naehrboden gegeben, der fuer die gewuenschte Bakterienart optimal, fuer andere weniger geeignet war. Dadurch vermehren sich die gewuenschten tendenziell staerker, die andern kuemmern vor sich hin.

Dann wird mit spitzen Nadeln oder mit Oesen der Bakterienrasen "vereinzelt" (sog. Ausstrich), und, nach mehreren Iterationen, erwischt man mit der Nadelspitze schliesslich mal eine Reinkultur und kann diese dann weiter zuechten.

Der Satz mit den 99% gilt heute nicht mehr, weil man an verschiedensten Stellen neue Bakterienarten gefunden hat, die nicht in jedem Kubikzentimeter Erde vorkommen, die man damals aber aus verschiedensten Gruenden noch nicht entdecken konnte.

Da sind zum einen die an den heissen Quellen der Tiefsee, die z.T. einen ganz anderen Chemismus haben und dann z.B. die 500 neuen Arten, die man erst kuerzlich im menschlichen Bauchnabel entdeckt hat - auf einen Schlag. Das liegt u.a. an den modernen Verfahren der Gensequenzierung, mit denen man Bestimmungen vornehmen kann, die frueher so nicht moeglich waren und daran, dass es eben doch "Naehrboeden" gibt, die so spezifisch sind, dass deren Bewohner in der normalen Gartenerde doch nicht vorkommen und deren Existenz man daher so nicht gewahr wurde.

Langer Rede, kurzer Sinn: diese effektiven Mikroorganismen kann man, so wie auch jeder Sauerteig oder Essig "aus der Luft" beziehen kann, selbstverstaendlich selbst "herstellen", d.h. durch geeignete Naehrboeden gezielt so beguenstigen, dass das Endprodukt dem kommerziellen beliebig nahe kommt. Anders haben es deren Hersteller auch nicht gemacht. Nur, wie beim Sauerteig, ist es mit dem Kauf einer Packung gezielter moeglich. Aber bei der hohen Vermehrungsrate von Mikroorganismen handelt es sich da, immer vorausgesetzt man hat den optimalen Naehrboden, um einen Vorsprung von Stunden, hoechstens Tagen!

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Heißkompost

Morpheus ⌂ @, Dienstag, 18.08.2015, 12:20 vor 3805 Tagen @ StillerLeser 1789 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.08.2015, 12:50

Hallo StillerLeser,

sorry für die späte Antwort, aber ich dachte vielleicht nützt sie trotzdem noch für's nächste Mal. Habe leider nur wenig Zeit für Beiträge hier.

Im Freundeskreis gibt es einige EM-ler, das heißt in diesem Fall
"effektive Mikroorganismen". EM-ler im anderen Sinn sind die aber auch :-)
Ich glaube, das ist dasselbe, wie das, was die Ingham seit 40 Jahren
predigt. Ich glaube weiter, daß ich nicht bestimmte Bakterien (die
Urlösung) aus Japan einfliegen lassen muss, damit mein Garten in Schuß
ist. Ich glaube, daß wir solche Bakterien selbst haben, und daß man die
nur etwas herfüttern muß (dafür ist die Melasse)

Nur am Rande:
Zu den EM habe ich inzwischen eine etwas andere Meinung. Die führen zu einer Konservierung und du kannst sie z.B. nutzen, um deinen Bio-Abfall zu konservieren, damit er beim Kompost-Ansatz noch seine Inhaltsstoffe hat und nicht schon vorher zu viele Verluste hatte. EM werden bei der Silage eingesetzt, um diese für den Verzehr zu konservieren. Auf lebenden Pflanzen ist das eher weniger günstig und für den Boden auch nicht. Die obere Schicht beim Boden, ist die Abbau-Schicht und die sollte stets funktionieren und auch wirklich das abbauen, was dort ankommt. Aber war wie geschrieben eigentlich nur ein Randthema.

Außerdem habe ich meinen ersten Heißkompost angesetzt, zum Bodenimpfen
nach Elaine R. Ingham. 1 Kubikmeter, das ist ein Haufen Zeug, der ganze
Garten ist blankgefegt. Er erwärmt sich leider nicht richtig, bisher nur
40°, irgendwas stimmt noch nicht.

Für die Temperatur beim Kompost ist Wasser der entscheidende Faktor. Kann es sein, dass es zu feucht angesetzt wurde oder dass ein Regenguss zu viel Wasser gebracht hat? Hast du den Kompost mit einem Fließ abgedeckt? Es gibt da spezielle Materialien, die die !wichtige! Sauerstoffzufuhr garantieren und trotzdem das Wasser raus halten.

Sollte es nicht am Wasser gelegen haben, kann es auch an zu wenig frischem Grün gelegen haben. Mehr frischer Rasenschnitt (ein prozentual höherer Anteil) o.ä. sollten dann helfen, die richtige Temperatur zu bekommen. Über 60° Celsius sollte es aber nicht steigen, da sonst auch die guten Mikro-Organismen absterben und das willst du sicher nicht. In diesem Fall musst du die Temperatur gut kontrollieren und dann ggf. bei zu starker Hitze Wasser (fein verteilt) zuführen. Die heiße Phase sollte so ca. eine Woche dauern, dann ist genug. Sie ist aber nur erforderlich, wenn du kritische Abfälle (mit Bakterien) dabei hast, die du abtöten willst/musst, also Hühnermist oder unbekannte/bakteriell verseuchte Bio-Tonnen-Abfälle. Bei über 50°C und innerhalb von einer Woche, bei zwei bis dreimaligen Durchmischung sollten alle kritischen Erreger abgetötet sein.
Hast du keine kritischen Bestandteile dabei, geht es auch mit geringere Temperatur, allerdings dann langsamer.

Wichtig ist nach dieser ersten (heißen) Woche, die regelmäßige Durchlüftung, die eine Lockerung / Umsetzung des Kompost erforderlich macht. Wenn der Kompost keine Luft bekommt, bleibt Fäulnis und Abbau (stets anaerob). Die guten Mikro-Organismen brauchen alle Sauerstoff und wenn der fehlt, sterben sie ab, anstatt, dass sie sich vermehren. Das ist leider aufwendig, weil das Kompostmaterial natürlich schrumpft und sich dadurch verdichtet, kommt man um die Lockerung nicht herum.
Wenn alles richtig läuft, sollte dein Kompost nach sechs bis acht Wochen fertig sein. Dann darf aber kein Holz dabei gewesen sein, was den Prozess erheblich verzögert.

Grüße
Morpheus

--
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