Frage an die Experten: Wie funktioniert eine Währungsanbindung technisch?

Gaby @, Mittwoch, 01.07.2015, 10:20 vor 3853 Tagen 3732 Views

Moin,

sorry für den neuen Thread, aber das ist ein neues Thema. Wenn Griechenland zur Drachme zurück kehrt, würde die Anbindung der Drachme an den Euro eine gewisse Stabilität bringen. Es gibt ja Beispiele, siehe Bulgarien oder damals schon Estland (ich glaube, es war Estland) mit der Bindung an die Mark.

Frage: Wie funktionert so etwas technisch? Was muss die Zentralbank tun?

Danke und viele Grüße

Gaby

--
"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Heinsohnaufsatz zur Zweitwährung

Fidel @, Mittwoch, 01.07.2015, 10:51 vor 3853 Tagen @ Gaby 3071 Views

Hallo Gaby,

vielleicht kennst Du diesen Aufsatz v. Heinsohn zur Zweitwährung in Griechenland noch nicht:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zweitwaehrungen_sind_gutes_geld_od...

Eine Anbindung macht nur Sinn, wenn der Wechselkurs frei ist - mit allen Folgen für die Kaufkraft in Griechenland.....
Das ist natürlich nur meine Meinung - ohne Expertenanspruch.


Grüsse
fidel

Ja, guter Aufsatz; und der Unterschied zu Bulgarien und Estland

Zarathustra, Mittwoch, 01.07.2015, 11:36 vor 3853 Tagen @ Fidel 2925 Views

bearbeitet von Zarathustra, Mittwoch, 01.07.2015, 13:40

... ist der, dass in Griechenland viel zu viel Geld (=Schulden) im System ist.
Erst wenn dieses vielzuviele Geld (in Relation zur Produktivität) aus dem System wegdeflationiert/ausgebucht ist, kann die Währung angebunden werden. Nur ist es dann nicht mehr unbedingt nötig. Oder alternativ eben die Heinsohn-Variante: Nur wenn die Griechen es schaffen, die immensen Vermögen der Kirche und anderer in den Wirtschaftskreislauf (Zentralbank/Geschäftsbanken/Behörden) zu überführen, können die aktuellen Geld-/Schuldensummen im System bleiben, aber das geht nicht ohne Vertrauen der Bevölkerung in die Leute an den Schalthebeln. Es gibt jedenfalls keine zentralbanktechnische Lösung für dieses Problem.

Verschuldung von sich nicht zum Allgemeinwohl verschuldenden Eigentümern @Dottore

Silke, Mittwoch, 01.07.2015, 13:40 vor 3853 Tagen @ Zarathustra 2631 Views

bearbeitet von Silke, Mittwoch, 01.07.2015, 15:26

Lieber Zara,

Ist gesetzlich unproblematisch.
Eigentum verpfichtet.
Wer sich nicht verschulden will, obwohl er kann, dem wird mit Zwangshypothek geholfen.
Wer investiert, bekommt X % Bonus.

... ist der, dass in Griechenland viel zu viel Geld (=Schulden) im System
ist.

Und nicht belastetes Eigentum = gute Pfänder = verschuldungsfähig.

Darf halt nur nicht so eine korrupte Bande wie die Privatisierungsbehörde (TAIPED-HRADF) machen (von T&V gestoppt - ärgerlich für die Mafiosos), wie damals die Treuhand in der DDR oder die Oligarchenmafia in UdSSR sondern privat haftende Profis mit voller Transparenz und privater Gewinn-/Verlustbeteiligung über Jahrzehnte hinweg. Die können dabei ruhig richtig Gewinn machen, aber haften eben auch für generierte Verluste.
- Elektrizitätsgesellschaft DEI
- Häfen von Piräus und Thessaloniki
- griechischen Eisenbahnen
- staatlicher Raffinerien
- Fraport-Deal
- Athener Flughafens Elliniko an Lakis
usw.

T.A.I.PE.D. (griechisch: ΤΑΙΠΕΔ / Τ.Α.Ι.ΠΕ.Δ. = Ταμείο Αξιοποίησης Ιδιωτικής Περιουσίας του Δημοσίου)
Wörtlich: Kasse für Verwertung privaten Vermögens des Staates = dem griechischen Finanzministerium unterstehender Privatisierungsfond für Nutzung und Verwerten privaten staatlichen Vermögens Griechenlands.
"Griechenland entlässt die PrivatisierungsChefs"

Das läuft in BRD privat doch auch gut in Gemeinden.
Bauland gibt es nur mit der Auflage, innerhalb von 2 Jahren zu bauen + Spekulationsverbot sonst Rückgabe mit Strafe.

Es gibt
jedenfalls keine zentralbanktechnische Lösung für dieses Problem.

Niemals...
...immer nur eine "geldpolitische" da ja bekanntlich die ZB vom Machthalter und seiner Gesetzgebung abhängt.
Siehe Brief der Reichsbank an die Naziregierung.
http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2012/07/16/schachts-brief-von-...
Hat Dottore auch in seinem Buch drucken lassen.

Liebe Grüße
Silke

Wechselkurs

Domac @, Mittwoch, 01.07.2015, 16:29 vor 3853 Tagen @ Fidel 2210 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 17:07

Servus fidel,

das bringt mich auf etwas: Was wäre, wenn die Hüter der "gemeinsamen Sache" Griechenland erlauben, die Drachme wieder einzuführen, dann aber als Taschenspielertrick den Wechselkurs festschreiben?

GrüßeD

Die Antwort ist einfach: eine Waehrungs"anbindung" funktioniert gar nicht ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 01.07.2015, 11:40 vor 3853 Tagen @ Gaby 3324 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 11:43

Wenn Griechenland zur Drachme zurück kehrt, würde die Anbindung der Drachme an den Euro eine gewisse Stabilität bringen.

Nein, wieso??? Das waere so fatal wie bisher auch, als sie aufgrund des Nicht-Abwerten-Koennens nie auf einen gruenen Zweig kamen, da ihre Loehne und Nebenkosten der landestypischen Produktivitaet weit voraus waren und sie daher nur durch eine Abwertung (oder reale Lohnsenkungen in Euro, politisch/arbeitsvertraglich nicht durchsetzbar ausser durch ... Kuendigung des zu teuren Arbeitnehmers) wieder haetten wettbewerbsfaehig werden koennen. @Zarathustra hat das auch des oefteren erlaetert.

Es gibt ja Beispiele, siehe Bulgarien oder damals schon Estland (ich glaube, es war Estland) mit der Bindung an die Mark.

Ja, wenn die aehnlich konkurrenzfaehig sind, kann das funktionieren, waere dann aber i.W. unnoetig. Das verstellt die Blick dafuer, warum es i.d.R. NICHT funktioniert.

Frage: Wie funktionert so etwas technisch? Was muss die Zentralbank tun?

Gar nicht. Der Begriff ist schon falsch. Man kann eine griechische Ziege anbinden, aber keine Waehrung!

Was eine in ihren Entscheidungen freie Zentralbank kann, ist, ihre Waehrung abwerten. Bis hin zu (fast) null. Das funktioniert dadurch, siehe Schweizer Nationalbank bis vor kurzem, indem sie ihre eigene Waehrung zu Stuetzungskaeufen fuer Fremdwaehrungstitel verwendet. Sie wirft also mit gutem Geld nach schlechtem.

Das geht unter Goldbindung gar nicht (lange) und ist auch unnoetig, wenn alle anderen Waehrungen ebenso zu 100% goldgedeckt waeren und es geht mit fiat-Waehrungen unendlich lange, solange man aufpasst, dass die gedruckten physischen Geldscheine nicht beginnen, mehr Papierwert zu besitzen, als die aufgedruckte Einheit noch an "Wert" repraesentiert. Drum muss man regelmaessig eine Zehnerpotenz mehr aufdrucken.

Wenn aber die Zentralbank ihre eigene Waehrung stuetzen muesste, kann sie das nur und genau so lange tun, wie sie Fremdwaehrungstitel verkaufen kann.

Drum hat Soros damals gegen die Britische Nationalbank die Oberhand behalten. Weil er die vier Grundrechenarten beherrschte. Das hat weder mit Finanzgenie was zu tun noch mit boesem Spekulantentum. Wenn ich weiss, wie lange ein Mensch ohne Wasser aushaelt, bis er stirbt, dann muss ich nur solange warten, wenn ich sicher sein kann, dass er kein neues Wasser irgendwo herbekommt. Und wenn ich weiss, wie hoch die (Fremd-) Waehrungsreserven einer Zentralbank sind und wieviel sie laufend ausgeben muss, um ihr selbst dummerweise angestrebtes Ziel ("currency peg") einzuhalten, weiss ich, wann sie den Wechselkurs nolens volens wieder freigeben muss. Genau das hat Soros getan. Das war weder gut noch boese, noch sonderlich intelligent. Er hatte nur den Mut dazu und die Finanzen, davon zu profitieren [mit dem Kurs hatte er nichts zu tun!].

Was passiert nun im umgekehrten Fall, d.h. wenn die Zentralbank beliebig Geld "druckt", um fremde Waehrungen/fremd denominierte Papiere aufzukaufen? Sie exportiert Inflation. Denn entweder ist sie maechtig genug, alles aufzukaufen und so den Preis stabil zu halten, dann bedeutet das, wenn es nicht wieder aufhoert, weil eine Paritaet erreicht wird, die Bestand hat (bei CHF/EUR war das ja wohl nicht so[[freude]]), dass sie endlos so weiter machen muss. Dann muessen entweder irgendwann ALLE fremden Papiere sich in ihren Depots befinden oder es werden laufend neue begeben.

Am Ende sitzt sie auf einem immer hoeheren Berg fremder Waehrungen, und muss zuschauen, wie diese weiter verfallen, etwa so, wie wenn jemand lauter Loecher in seinen Schiffsrumpf haut, dann immer mehr pumpt, bis er irgendwann erschoepft aufgibt. Merke: das Meer hat mehr Wasser als man pumpen koennte.

Daher ist der Begriff Waehrungsanbindung nicht nur Augenwischerei, er ist auch unsinnig. Lidl bindet auch nicht den Wert seiner Damenbinden an die Preise fuer Pulverkaffee bei ALDI?!?!?!

Darum hat die Schweizer Nationalbank irgendwann die Reissleine gezogen.

Eine Diskussion einer Drachmen-Stabilisierung dient nur zur propagandistischen Beeinflussung der Bevoelkerung vor einem Referendum ...

Fuer die Schweizer Nationalbank hatte ich das im Mai 2014 hier prognostiziert:

The Swiss Central Bank Conundrum: Fighting Fire with Kerosene

Und warum das alles keinen Sinn gibt und es keine (natuerlich) unter- oder ueberbwerteten Waehrungen gibt, hier:

Economic Fallacy I: Harmful Currency Undervaluation?

Beides in Englisch, aber das Wesentliche steht hier oben in Deutsch.

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Ja, guter Witz

pigbonds @, Mittwoch, 01.07.2015, 12:14 vor 3853 Tagen @ CrisisMaven 2812 Views

Wenn aber die Zentralbank ihre eigene Waehrung
stuetzen muesste, kann sie das nur und genau so lange tun,
wie sie Fremdwaehrungstitel verkaufen kann.

Sehe alles wie Du.

Was die Griechen wollen, ist natürlich, dass die EZB die Drachme stützt, dh
die EZB kauft Drachmen ohne Ende, aber endlich können die Griechen völlig
ungehindert "drucken".
Das ist ein feiner Plan von T&V, das finden sicher die meisten Griechen auch
toll!

Eines sollte man begreifen:

Drachme bedeutet:
- gr. Bankensystem könnte gerettet werden, non-performing loans werden *einfach*
in Drachme überschrieben
- Rentner und andere mit Ansprüchen gegenüber dem Staat werden getoasted
- Griechenland behält fiskalische Kontrolle, Eliten können weiter in die
Töpfe greifen

Euro bedeutet:
- gr. Bankensystem wird getoastet resp. unter Frankfurts Kontrolle gestellt
- Rentner, etc. werden von Europa subventioniert, evtl. einige Abstriche
- Griechenland verliert fiskalische Kontrolle, es wird schwieriger, in die
Töpfe zu greifen

ELA und Hellas sind so was von phonetisch verwandt ... ;-)

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 01.07.2015, 12:32 vor 3853 Tagen @ pigbonds 2611 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 12:37

Mieses von Ludwig hat's ja auch schoen zusammengefasst, inkl. Sonderlocken wie Zinspolitik, um das Schwein Drachme mit Lippenstift aufzuhuebschen - nur, dass dann der Oliven-Bauer seine Kredite nicht bezahlen kann angesichts Volckerscher Zinsen.

Was die Griechen wollen, ist natürlich, dass die EZB die Drachme stützt, dh die EZB kauft Drachmen ohne Ende, aber endlich können die Griechen völlig ungehindert "drucken".

Ja.

Aber der Witz fuer mich ist noch dazu:

a) ENTWEDER die Griechen gruenden eine neue Zentralbank und lassen ihre bisherige, die im Euro-System die nationale Clearingstelle und "Waehrungshueterin" darstellt, im Regen stehen - dann hat die neue Zentralbank kein Grundkapital, ausser der griechische Staat steuert ein Grundkapital "ex nihilo", mittels beruechtigter Ausgleichsforderung/Staatstitel, bei; das wuerde ich mal gleich wieder "odious debts" nennen[[zwinker]] ... Dann bleibt das Eurosystem, und Deutschland zu mindestens ca. einem Fuenftel, auf den in den letzten Wochen verstaerkt ausgereichten ELA- (Zahlungsfaehigkeitshilfen) -Krediten sitzen.

Oder

b) die bisherige Zentralbank bleibt die Ausgeberin der neuen Drachmen - dann ist sie wegen der ELA-Ausgleichsforderungen gleich mal am ersten Tage ueberschuldet.

Und: man muss das alles weiterhin in (nie vorhandenen) Euro zurueckzahlen.

Jedenfalls: an Stuetzungskaeufe zur "Stabilisierung" der Drachme ist dann ueberhaupt nicht zu denken.

Wenn aber die EZB es richten soll - na dann kann man alles lassen, wie es ist und im Euro bleiben.

There is no free lunch, bzw. der wurde schon vor Jahren aufgegessen ...

--
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Was ich für sinnvoller gehalten hätte: Inselwährungen

pigbonds @, Mittwoch, 01.07.2015, 12:53 vor 3853 Tagen @ CrisisMaven 2524 Views

Wenn aber die EZB es richten soll - na dann kann man alles lassen, wie es
ist und im Euro bleiben.

There is no free lunch, bzw. der wurde schon vor Jahren aufgegessen ...

Ja.

Was man hätte versuchen können: einzelne gr. Inseln geben eine eigene Währung aus,
die durch lokale Steuern gestützt würden - diese könnten den lokalen Bedingungen angepasste
Besteuerungsgrundlagen haben, z.B. Grund-, Tourismus-, Kopf- etc.

Damit hätten zumindest jene Regionen ökonomisch funktionieren können, die eine gewisse
Disziplin aufgebracht hätten. Über die Zeit könnte GR so ein funktionierendes System
aufbauen, ohne dass die Troika in Athen "einmarschieren" muss.

Direktes Stützen der Drachme wäre der EZB verboten

sensortimecom ⌂ @, Mittwoch, 01.07.2015, 15:13 vor 3853 Tagen @ pigbonds 2828 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 15:19

Es hat alles seine Grenzen. Das wäre ein glatter Bruch der EU-Verträge, da spielt nicht einmal der EUgh. mit... denn da kämen auch die anderen Nicht-Euroländer und würden vorstellig. <img src=" />

Das Einzige, was gangbar wäre, sind Hilfen zur Erlangung der Konvergenz, wie in den 90ern.

Was die Griechen wollen, ist natürlich, dass die EZB die Drachme stützt,
dh
die EZB kauft Drachmen ohne Ende, aber endlich können die Griechen
völlig
ungehindert "drucken".

Ich glaube viel eher, dass die Griechen in äußerster Not beginnen würden, den EURO illegal zu drucken, sozusagen ELA ohne Sanktus der EZB. Dann wirds besonders lustig (ich hab das früher schon mal gepostet..). Dann müsste die EU hergehen und auf alle Euroscheine gucken, ob ein Y drauf steht. <img src=" /> Auch im letzten "N8chtwächter"-blog findet sich ein Artikel drüber...

Griechen printen sich reich mit Euronoten.

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 01.07.2015, 19:32 vor 3853 Tagen @ sensortimecom 2448 Views

Hall sensortime.com!

Ich glaube viel eher, dass die Griechen in äußerster Not beginnen
würden, den EURO illegal zu drucken, sozusagen ELA ohne Sanktus der EZB.

Ja!

Dann wirds besonders lustig (ich hab das früher schon mal gepostet..).
Dann müsste die EU hergehen und auf alle Euroscheine gucken, ob ein Y
drauf steht. <img src=" />

Nein. Dann passiert etwas anderes.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Anbindung ist Augenwischerei

Mieses von Ludwig @, Mittwoch, 01.07.2015, 12:12 vor 3853 Tagen @ Gaby 2870 Views

Hallo Gaby,

obwohl andere schneller waren, hier meine Antwort:

Voraussetzung für einen Peg ist, dass die Zentralbank des Landes, das seine Währung an eine andere binden will, seine Geldpolitik auf die Stabilisierung des Wechselkurses ausrichtet. Wenn der Devisenmarkt die neue Drachme niedriger bewerten würde als mit dem offiziellen Wechselkurs, muss die griechische Zentralbank das Angebot an Drachmen verknappen, um dem entgegen zu wirken (per Leitzinsanhebung, Erhöhung der Mindestreservesätze, Ankauf von Drachmen gegen Fremdwährungsreserven). Der letztgenannte Weg (Ankauf von Drachmen gegen Fremdwährungsreserven) ist jedoch verstellt, da kaum Fremdwährungsreserven vorhanden sind. Blieben also nur noch die beiden anderen Wege, die aber deflationäre Auswirkungen hätten und die Vorteile, die man sich von der Einführung einer neuen Drachme erhoffen kann, unterminieren würden.

Den umgekehrten Fall, dass der Devisenmarkt die Währung höher bewertet als mit dem offiziellen Wechselkurs gibt es auch, siehe z.B. die (mittlerweile aufgegebene oder informell nur gesenkte?) Wechselkursuntergrenze bei EUR/CHF. Hier muss die Zentralbank natürlich genau umgekehrt vorgehen, was die SNB ja auch getan hat (negative Leitzinsen, massiver Ankauf von Euros gegen Franken). Das kann sie theoretisch ad infinitum tun (weil sie dafür keine Fremdwährungsreserven benötigt, sondern diese ja gerade erwirbt), aber dadurch wird ihre eigene Solvenz abhängig von der Stabilität der Fremdwährung – und dann wird es immer teurer, aus der Anbindung wieder auszusteigen.

Viel häufiger ist jedoch der erstgenannte Fall, und so wäre es sicherlich auch bei der neuen Drachme. Bekannte Beispiele dafür sind die Anbindung des argentinischen Peso an den Dollar in den 90ern, die Anbindung des Dollars an Gold bis 1971 und viele andere. Kam Druck vom Markt auf, so wurden zur Kursstützung regelmäßig Fremdwährungsreserven verkauft – bis keine mehr da waren. Dann crashte die eigene Währung.

Und jetzt kommt’s: Die Griechenlandkrise ist bereits selber ein Beispiel für einen gescheiterten Peg.

Der Euro selber ist nämlich eigentlich gar keine eigenständige Währung und die EZB keine echte Zentralbank, sondern eher sowas wie eine Clearingstelle. Der Euro ist die „Vollendung“ des europäischen Währungssystems EWS, das selber wiederum nur ein System von Pegs war. Die Wechselkurse der heutigen Euroländer waren alle aneinander gepegged. Das einzige, was sich mit der Euroeinführung geändert hat, sind die Namen der Währungen – alle nationalen Währungen wurden in „Euro“ umbenannt, was aber nichts daran geändert hat, dass sie zusammen mit ihren Zentralbanken eigentlich immer noch existieren – als deutsche Euros, französische Euros, griechische Euros usw. Allerdings ist es dank des einheitlichen Bargelds seitdem nicht mehr möglich, an den „festen“ Wechselkursen Änderungen vorzunehmen, was vorher ja immer wieder gemacht wurde, wenn der Druck vom Devisenmarkt zu groß wurde. Das war natürlich ein Paradies für Arbitrageure und sollte eigentlich mit der Euroeinführung verschwinden. Dafür hätten aber zumindest Geld- und Fiskalpolitik zentralisiert werden müssen, was aber nur in Ansätzen geschehen ist (z.B. über die Maastricht-Kriterien), und wie wir alle wissen, blieben Verstöße gegen diese Vereinbarungen von Anfang an nahezu folgenlos.

Im Eurosystem wurde nun der Kurs des griechischen Euros de facto permanent gestützt – und zwar von allen Zentralbanken des Eurosystems, indem diese verpflichtet waren, griechische Euros 1:1 gegen eigene Euros einzutauschen (technisch alles noch ein wenig komplizierter wegen des Umwegs über die EZB, die Auswirkungen sind aber dieselben). Der mögliche Austritt Griechenlands aus dem Euro würde nun bedeuten, dass genau das aufhört. Wenn die neue Drachme an den Euro gepegged werden soll, müsste die griechische Zentralbank dies also alleine sicherstellen. Wie? Siehe erster Absatz. Keine gute Idee.

Gruß
Ludwig

stimme zu. Kopplung macht keinen Sinn

Sundevil @, Mittwoch, 01.07.2015, 13:02 vor 3853 Tagen @ Mieses von Ludwig 2374 Views

Gaby,
es ist doch so. Griechenland kann nur intern seine Probleme lösen, heisst Geld umverteilen. Das geht nur mittels Abwertung nach aussen, sonst würden die Leute vor Gericht klagen.

Bleibt also nur die Drachme, was aber natürlich kaum jemanden daran hindern wird, weiterhin Devisen zu halten.

Würde der Ludwig von Mises noch leben...

sensortimecom ⌂ @, Mittwoch, 01.07.2015, 15:25 vor 3853 Tagen @ Mieses von Ludwig 2452 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 15:40

... dann hätte er zur Lösung des ganzen Desasters folgenden einfachen Rat erteilt:

Neue Währung in allen nördlichen Euroländern einführen, dafür Griechenland, IT, SP, P, CY, drinnen lassen. Und den Draghi als Präsidenten dort gleich mit übernehmen<img src=" />

... dann würde er sich MvL wohl anschließen

Mieses von Ludwig @, Mittwoch, 01.07.2015, 17:03 vor 3853 Tagen @ sensortimecom 2373 Views

... dann hätte er zur Lösung des ganzen Desasters folgenden einfachen Rat
erteilt:

Neue Währung in allen nördlichen Euroländern einführen, dafür
Griechenland, IT, SP, P, CY, drinnen lassen. Und den Draghi als
Präsidenten dort gleich mit übernehmen<img src=" />

Das hat der umgekehrte LvM schon im März 2010 geschrieben: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=153143

Zwar kannte er da die Funktionsweise des Eurosystems noch nicht so richtig, aber im Grunde stimmte die Analyse.

Der Gag mit der Parallelwährung wäre allerdings deutlich komplizierter als damals angedeutet.

Gruß
Ludwig

durch gegenseitige unbegrenzte Intervention zu Gunsten eines festgelegten Kurses

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 01.07.2015, 19:15 vor 3853 Tagen @ Gaby 2339 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.07.2015, 19:52

Liebe Wahlgriechin,

Moin,

sorry für den neuen Thread, aber das ist ein neues Thema. Wenn
Griechenland zur Drachme zurück kehrt, würde die Anbindung der Drachme an
den Euro eine gewisse Stabilität bringen. Es gibt ja Beispiele, siehe


das ist komplett sinnfrei, denn das ist genau der heutige Zustand!

Stabilität gibt es nur, wenn die Neue Drachme frei "floaten" kann.

Dann nämlich wird der Konsumhunger der Griechen auf Auslandsgüter nämlich mit einer fallenden Neuen Drachme bestraft, so dass die Auslandsgüter teurer werden. Das hört erst auf, wenn die Griechen sich nur noch im Inland selbst versorgen oder Güter exportieren, z.B. Öl und Gas über die sie ja mutmaßlich verfügen.

Das Tolle an freien Währungen ist, dass sie Angebot und Nachfrage von alleine regeln. Es braucht dazu keine staatlichen Kurpfuscher oder Zentralbankinterventionisten, was traurig ist für regelungswütige Bürokraten mit geminderter Intellektausstattung.

Bulgarien oder damals schon Estland (ich glaube, es war Estland) mit der
Bindung an die Mark.

Frage: Wie funktionert so etwas technisch? Was muss die Zentralbank tun?

Die griechische Notenbank muss lediglich Neue Drachmen auf dem Devisenmarkt verkaufen, wenn der Kurs der Neuen Drachme ansteigt.

Umgekehrt muss sie, wenn die Neue Drachme unter den gewünschten Wechselkurs fällt, Drachmen gegen Gold und Devisen kaufen.

Gold und Devisen hat die griechische Notenbank nur in beschränktem Maße zur Verfügung. Sind die alle verkauft, fällt der Kurs der Neuen Drachme.

Nun könnte sich die griechische Nationalbank auch Devisen leihen, aber das ist ein rein hypothetischer Fall, wer wollte ihr Kredit einräumen?!

(Deutschland lieh Frankreich während der Währungskrise 1993 cira 100 Mrd. DEM, mit deren Verkauf die Banque de France den Franc stützen konnte.)

Es bräuchte also noch die Mithilfe der zweiten Zentralbank mit der die griechische Zentralbank eine Währungsunion eingehen will. Diese müsste, wenn die Neue Drachme fällt, unbegrenzt Neue Drachmen kaufen.

Aber welche Zentralbank würde das freiwillig tun?

Beides passiert aber heute schon im Eurosystem, mit dem Unterschied, dass nicht zwei, sondern viele Zentralbanken beliebig viel Währung eines anderen Euromitgliedsland ankaufen - ein beklagenswerter Zustand, der den deutschen Arbeiter um die Früchte seiner Arbeit betrügt, die darin bestehen, dank starker DEM jedes Jahr im Ausland billiger Urlaub machen zu können und von einem Energie- und Nahrungsmittelpreisanstieg nur begrenzt geschädigt zu werden.

Gruß
paranoia

P.S.:
Du weißt ja hoffentlich, dass Deine Rettung kostenpflichtig wird, wenn das Auswärtige Amt eine Einreisewarnung für Griechenland ausspricht.

Nachtrag:
Ich bin begeistert von der aktuellen Inszenierung mit den Geldautomaten und dem Rest. Die beiden Bankräuber könnten genauso gut auch als Dramaturg arbeiten oder Bayreuth inszenieren.
Im nächsten Akt kommt so eine Art Brutkastenszene. Gezeigt wird eine Szene aus einem griechischen Krankenhaus. Da werden noch einmal alle Register gezogen und auf die Tränendrüse gedrückt.

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Das mit "Rettung kostenpflichtig" gilt m.W. nicht fuer Migranten/"Expats" ...

CrisisMaven ⌂ @, Mittwoch, 01.07.2015, 20:09 vor 3853 Tagen @ paranoia 2376 Views

P.S.:
Du weißt ja hoffentlich, dass Deine Rettung kostenpflichtig wird, wenn das Auswärtige Amt eine Einreisewarnung für Griechenland ausspricht.

Das gilt m.W. fuer Touristen und ggf. fuer Geschaeftsreisende, die nach Ausgabe der Reisewarnung in ein solches Land reisen, nicht aber fuer Arbeitsmigranten wie @Gaby.

Wobei ... m.W. auch der normale Buerger sich "angemessen" an Rueckholkosten beteiligen muss, wenn er in solcher Situation ueberrascht wurde, d.h. vor der Warnung ausreiste.

Das gilt auch fuer Eigenbeteiligung an Kosten fuer Geiselbefreiungen etc.

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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