Tsipras - ein Wendehals?

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 24.06.2015, 06:01 vor 3862 Tagen 2893 Views

Die letzte aktuelle Meldung aus Athen bekam ich gestern:

Tsipras hat den Kreditgebern eine Reformliste eingereichtet, die eine harte Verteuerung für uns (7,3 Milliarden) plus Privatisierungen beinhaltet. Er hat sich für den Euro entschieden, der sowieso gescheitert ist, nur die Löhne und Renten hat er nicht berührt. Es sieht so aus, das wir ein drittes Memorandum bekommen, d.h. weitere harte Sparmaßnahmen, für ein Volk, das ganz am Ende ist, harte Sparmaßnahmen für einen weiteren Kredit, das aus Geldern der europäischen Steuerzahler kommt, das wiederum Banken kassierten, egal ob griechische , deutsche oder französische . Und der westliche Bürger begreift immer noch nicht, dass er nicht uns, sondern das EU-Bankensystem rettet und dass auch er selber bald das gleiche Elend wie mit uns erleben wird.

Hier schläft keiner mehr ruhig. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wenn ich mir überlege, dass mein Mann immer noch eine feste Arbeit hat, regelmässig und für die heutigen Verhältnisse gut bezahlt wird und ich auch dieses Jahr gearbeitet habe und dass wir trotzdem unsere Lebenskosten ohne zusätzliche Hilfe von meinen Eltern nicht hätten decken können, wie schlimm muss es erst bei den anderen sein.

Ich treffe immer Leute vor dem Supermarkt, auch in der U-Bahn, die mich ansprechen und zu mir sagen "wir möchten kein Geld, nur Lebensmittel, das billigste, was es gibt..." Und ich helfe, alle helfen, man kann aber das Problem nicht mit Almosen lösen. Und ich kann nicht ruhig schlafen ...Ich komme mir wie eine Egoistin vor. Ich habe ein Dach über meinem Kopf, ich kann in einem Bett schlafen, ich kann duschen, ich habe genug zu Essen...Es ist gegen die Würde des Menschen, das was hier passiert.

Ich verstehe Tsipras nicht. Wir wissen nicht, was für einen Plan er hat. Er informiert das Volk nicht. Hat man ihn bedroht und deswegen hat er nachgegeben? Manche sagen hier, dass die Kreditgeber seine Reformliste nicht akzeptieren werden, weil sie eben alles haben wollen.

Die Kreditgeber üben einen übermässigen Druck auf uns aus, der nicht auszuhalten ist. Das ist deren Fehler. Wenn der Druck so hoch ist, steht man auf. Man hat nichts mehr zu verlieren, weil man alles verloren hat. Und wenn man alles verloren hat, hat man keine Angst mehr.

Macht nachdenklich, was ich da lese. Paßt aber mit dem Inhalt des links zusammen, den ich bereits weiter unten veröffentlicht habe:

http://www.goldseiten.de/artikel/249272--Griechenland-eroeffnet-Ihnen-einen-Blick-in-di...

70 % der Griechen wollen Lt. Umfragen immer noch den €uro

FOX-NEWS @, fair and balanced, Mittwoch, 24.06.2015, 09:18 vor 3862 Tagen @ helmut-1 1841 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 24.06.2015, 16:28

Damit sind sie also für ein "Weiter So" ... mit 25 % Arbeitslosigkeit ... ohne Hoffnung. Ich sag mal so: Die bekommen exakt das, das sie verdienen! Von mir daher kein Mitleid.

Daß die nicht ganz klar ticken, wurde mir bewusst, als sich der Typ auf dem Syntagma-Platz selbst erschossen hat. Sich selbst und keinen korrupten Politiker!

Grüße

--
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** Keiner soll hungern ohne zu frieren! **

Alte Zahlen

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 24.06.2015, 11:40 vor 3862 Tagen @ FOX-NEWS 1498 Views

70 % war früher, die letzten seriösen Umfragen liegen bei 55%.

Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast, oder?

Leser68 @, Mittwoch, 24.06.2015, 11:44 vor 3862 Tagen @ FOX-NEWS 1515 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 24.06.2015, 14:04

Vor allem sollte man solchen Statistiken nicht trauen, die regierungs-genehm sind bzw. unsoziale Verhältnisse zementieren.

Macht mich nachdenklich und mehr; Schuldenbildchen-Starrerei

BillHicks ⌂ @, Wien, Mittwoch, 24.06.2015, 11:38 vor 3862 Tagen @ helmut-1 1674 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 24.06.2015, 14:08

Hallo helmut-1,

Macht nachdenklich, was ich da lese.

das macht mich nachdenklich und mehr.

Paßt aber mit dem Inhalt des links
zusammen, den ich bereits weiter unten veröffentlicht habe:

http://www.goldseiten.de/artikel/249272--Griechenland-eroeffnet-Ihnen-einen-Blick-in-di...

Wer Schuldenbildchen zeigt ohne dazuzusagen, dass die Schulden des einen die Guthaben des anderen sind, ist für mich nicht ernst zu nehmen.
Ist es nicht folgerichtig, dass wenn man ausschließlich auf Schuldenbildchen starrt und die Schulden für zu hoch empfindet, dass dann mit allen Mitteln versuchen wird die Schulden zu reduzieren? Wenn nun gleichzeitig die Guthaben weiter steigen sollen, was genau soll da herauskommen?

Insofern hast Du Recht, es passt mit dem verlinkten Goldseiten-Artikel zusammen: die sozialen Folgen in Griechenland sind letztlich auch das Ergebnis von Schuldenbildchen-Starrerei.

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Tsipras ist anscheinend ziemlich früh

Leser68 @, Mittwoch, 24.06.2015, 11:41 vor 3862 Tagen @ helmut-1 1900 Views

eingeknickt, wenn man sich diesen Artikel von Prof. James Petras bei Globalresearch.ca anschaut


Syriza: Plunder, Pillage and Prostration: How the ‘Hard Left’ Embraces the Policies of the Hard Right
By Prof. James Petras
Global Research, June 15, 2015
Early on, the Syriza leadership, headed by Alexis Tsipras, adopted several strategic positions with fatal consequences - in terms of implementing their electoral promises to raise living standards, end vassalage to the ‘Troika’ and pursue an independent foreign policy.

We will proceed by outlining the initial systemic failures of Syriza and the subsequent concessions further eroding Greek living standards and deepening Greece’s role as an active collaborator of US and Israeli imperialism.
http://www.globalresearch.ca/syriza-plunder-pillage-and-prostration-how-the-hard-left-e...

Gefunden habe ich den Artikel bei Hartmut Barth-Engelbart:

“Die Tsipras-Regierung versagt auf der ganzen Linie – jammerschade!”
(Prof. Dr. James Petras)
Veröffentlicht am 18. Juni 2015

http://www.barth-engelbart.de/?p=42258

Einzelne Personen kann man erpressen, bestechen oder bedrohen. Die Masse kann man nur täuschen, aber auch nur für eine gewisse Zeit.

Abwarten

Leserzuschrift @, Mittwoch, 24.06.2015, 13:28 vor 3862 Tagen @ helmut-1 1687 Views

Lieber Helmut,
werte Foristas,

Ihre Entruestung hinsichtlich des denkbaren Wendehaltsmanoevers vermag ich gut nachzuvollziehen.

Zunaechst bleibt jedoch abzuwarten, ob Tsipras wirklich eingeknickt ist und wie er diese etwaige Haltung seinen Mitstreitern im Parlament servieren will.

Wie bereits dargelegt, ist der MP in allererster Linie gegenueber der eigenen Bevoelkerung in der Pflicht.

Zugleich hat er aber auch den Entscheidungen des obersten Verwaltungsgerichts seines Landes Folge zu leisten, das die bereits vollzogenen Rentenkuerzungen als rechtswidrig bewertet und die Ruecknahme dieser Beschluesse angeordnet hat.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/gericht-rentenkuerzungen-i...

Am heutigen Mittwoch tagen erneut die Finanzminister der Eurozone. Es ist zu erwarten, dass unter Anwesenheit von EZB und IWF, das am Montag uebermittelte Reformpapier der griechischen Regierung hinsichtlich Umsetzbarkeit und fiskalischen Effekten diskutiert wird, wobei es dem Vernehmen nach zwischen den Institutionen bereits unterschiedliche Meinungen geben soll.

Man wird fuer den am Donnerstag stattfindenden turnusgemaessen EU-Rat-Summit entsprechende Empfehlungen entwickeln, denen die Staatschefs gemaess ihrer Rolle als Uncle Sam-Puppets nach Abwaegung aller pros und cons wohl folgen werden.

Danach ist sowohl das Votum im Bundeskasperl-Theater einzuholen, welches trotz publikumswirksamen Theaterdonners wohl erteilt wird.

Etwas schwieriger könnte sich die fuer Sonntag Abend angesetzte Abstimmung im hellenischen Parlament gestalten.

In diesem Zusammenhang sei an das Pruefungsergebnis des Athener Parlamentsausschusses erinnnert, das die Zahlungsforderungen der internationalen Glaeubiger an Athen als „illegal“ eingestuft und deren Rueckzahlung kategorisch ablehnt hat.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/gericht-rentenkuerzungen-i...

(siehe auch: “Executive Summary of the report from the Debt Truth Committee“):

http://cadtm.org/Executive-Summary-of-the-report

Mancher Beobachter mag jene Haltung als schlechten Scherz betrachten, was sich jedoch als Trugschluss herausstellen könnte.

An der Stelle sei an die von Alexander Nahum Sack [russischer Minister und nach der Russischen Revolution Professor des Rechts in Paris] entwickelte voelkerrechtliche Begriffsschoepfung „Odious debts“ (verabscheuungswürdige Schulden, auch Diktatorenschulden) erinnert.

Zwar ging dieser Begriff in seiner Gesamtheit bisher nicht in geltendes Voelkerrecht ein und auf klar definierte Kriterien, ab wann Schulden 'odious debts' sind, konnte man sich bislang auch noch nicht einigen.

Es gibt jedoch einige Praezedenzfälle, z.B. 2003 die Entschuldung Iraks durch die USA oder 2008 in Ecuador.

Dazu bemerkte Noam Chomsky anlaesslich eines am 17.04.2015 geführten Euronews-Interviews:

http://de.euronews.com/2015/04/17/noam-chomsky-die-usa-sind-ein-schurkenstaat-europa-is...

“Wie sind diese Schulden entstanden? Wem schuldet man sie? Teilweise wurden diese Schulden durch Diktatoren gemacht. In Griechenland war es die von den USA unterstuetzte faschistische Diktatur, die einen großen Teil der Schulden machte. Meiner Meinung nach waren die Schulden brutaler als die Diktatur.
Das ist ein Begriff aus dem Völkerrecht, Diktatorenschulden muessen nicht zurückgezahlt werden. Das ist ein Prinzip, das von den USA in internationales Recht eingefuehrt wurde, als es in ihrem Interesse war.
Ein Grossteil der restlichen Schulden, die Hilfspakete fuer Griechenland, sind eigentlich Zahlungen an Banken, deutsche und franzoesische Banken, die aeusserst riskante Kredite mit nicht sehr hohen Zinsen gegeben hatten und jetzt mit der Tatsache konfrontiert werden, dass sie nicht zurueckgezahlt werden koennen.”


Sollte also das griechische Parlament den MP auffordern, diese Karte zu ziehen, wird es so richtig spannend, manch hochroten Köpfe zu beobachten.

Hinzu kommt, dass Amerikas Pachtvertraege zur Exploration von Owl- und Gasvorkommen abgelaufen sind und bislang nicht erneuert wurden.

An der Stelle darf einmal geraten werden, wer daran Interesse haben könnte. :-)

Es liegt also auf der Hand, dass in dem Vozeigeland “totalitärer Volldemokratie” (eine von Karl Poppler entliehende Wortschoepfung) bei der Vorstellung huebsche Marineeinheiten in der Aegäis bewundern zu duerfen, kein wirkliches Excitement aufzukommen vermag.

Selbstverstaendlich wird man dies im weltweit operierenden “Verteidigungsbuendnis” ebenso sehen.

Vor diesem Hintergrund wird eine auf den Zuschauerraengen entstehende Fassungslosigkeit ueber willfaehrige Politik unter Inkaufnahme von irreversiblen Schaeden im eingen Land bei allen Beschuetzern unseres “demokratischen Wertekanons” bestenfalls als langweilige, rueckwaertsgewandte “Fehlorientierung” wahrgenommen werden.

Got the picture?

https://oconomicus.wordpress.com/2015/06/22/euro-meltdown/

Ihr Oeconomicus

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