Ilse Koch und der Lampenschirm - Update der KZ Geschichte nach 70 Jahren Gehirnverschmutzung
Mein lieber Schwan
Da wird nun endlich die Gruselstory vom Lampenschirm der Ilse Koch aus Menschenhaut nach sage und schreibe 70 Jahren bei Telepolis als Lüge enttarnt - die bösen Rechten behaupten das seit vielen Jahrzehnten - aber bis man zum entscheidenden Detail durchkommt, wird man sehr lange am Band durch die abgesteckte Arena geführt, damit auch ja keine weiteren Zweifel aufkommen können und sich Fragen einstellen wie z.B.
Wenn das gelogen war, was könnte dann noch gelogen sein?
Ein Hans Schmid erklärt seinen Lesern, daß Ilse Koch wohl doch nicht so grausam gewesen war, wie es der Antifa- Mythos behauptet.
Da liest man u.a.: Bilder vom Buchenwald-Tisch mit "Ilse Kochs Lampenschirm" tauchten diesseits und jenseits des Atlantiks in Wochenschauen auf.
Um das gleich vorwegzunehmen: Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Lampenschirm nicht mit Menschenhaut bespannt, und Ilse Koch gehörte er sowieso nicht, weil sie nach ihrer Verhaftung durch die SS im August 1943 nicht auf den Ettersberg zurückkehrte und man ihre Wohnungseinrichtung - offenbar im Herbst 1943 - in ein Kaff an der Eger brachte, in dem ihr Gatte zuletzt gewohnt hatte. Harry Stein, Kustos der Gedenkstätte Buchenwald, vermutet, dass im April 1945 der - aus handelsüblichen Materialien hergestellte - Lampenschirm aus Hermann Pisters Dienstzimmer gezeigt wurde (Pister war Kochs Nachfolger als Kommandant). Derselbe Harry Stein behauptet in Mark Jacobsons The Lampshade, dass Ilse Koch ihrem Mann einen Lampenschirm aus tätowierter Menschenhaut zum Geburtstag geschenkt habe.
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45048/2.html
Aber zuvor und dann danach wälzt man sich durch allerlei „Kram“, der auch hätte entfallen können, wenn man die Botschaft hätte überbringen wollen.
Doch möglicherweise liegt genau hier das Problem.
Wenn diese Lüge in 5 Sätzen erklärt worden wäre, hätte sich wahrscheinlich ein bestellter Sturm der Entrüstung erhoben.
Also verbaut man den „Eckstein“ irgendwo mittendrin, damit er im allgemeinen Gebrabbel nicht so auffällt.
Übrigens, Tätowierungen wurden tatsächlich in Buchenwald untersucht und gesammelt.
Im Juni 1940 vergab Friedrich Timm, Professor am Institut für gerichtliche Medizin der Universität Jena, das Thema für eine Doktorarbeit: "Ein Beitrag zur Tätowierungsfrage". Wagner, Timms Doktorand, interessierte sich besonders für den Zusammenhang zwischen "Tätowierung und Verbrechertum" und konnte die fertige Arbeit bereits im November 1940 abgeben. "Das Material, das ich an 800 Tätowierten der verschiedensten Bevölkerungsschichten (Vorbestraften und nicht Vorbestraften) gesammelt habe, entstammt einem großen Gefangenenlager", schreibt er in der Einleitung.
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Für Wagners Doktorarbeit wurden rund hundert Photos von Tätowierungen gemacht. Der in Buchenwald inhaftierte Widerstandskämpfer Paul Grünewald, Schreiber im Häftlingsrevier, gab später an, dass er den Großteil der Arbeit an der Dissertation geleistet habe.
Die Fotos sind also belegt.
Nur wird es dann bei der echten Haut wieder nebulös.
Das Konservieren tätowierter Menschenhäute ist demnach keine Legende. Da das Leben eines Häftlings keinen großen Wert hatte ist nicht auszuschließen, dass die SS nicht nur eines "natürlichen Todes" gestorbene Insassen häutete (also die Opfer der menschenunwürdigen Umstände und der täglichen Misshandlungen), sondern auch gezielt mordete, um an die Tätowierungen zu kommen. Alles andere ist anekdotisch überliefert und daher Spekulation.
Es könnte sein und es wäre nicht auszuschließen, vermengt mit menschenunwürdig und Misshandlungen. Die Tür ins Zimmer der Spekulation ist wieder aufgetan.
Trotzdem, kleiner Dank an Herrn Schmid. Wenig ist immer noch besser als nichts.
Wie windig die Geschichte um Ilse Koch war, meldete der SPIEGEL schon 1950!
Da ist der Fall des Zeugen Kurt Titz. Während einer kurzen Abwesenheit Ilse Kochs hatte er sich einmal von ihren Schnaps- und Weinvorräten sinnlos betrunken, die seidene Unterwäsche der Kommandeuse angezogen, sich von oben bis unten mit einer Flasche ihres französischen Parfüms begossen und in pervertierter Raserei die Spiegel und Möbel im Zimmer der Koch zertrümmert. Doch 1947 war Titz noch am Leben und konnte gegen die Koch aussagen. Das erschütterte den amerikanischen Juristen den Glauben an die angebliche Mordwut der Kommandeuse.
Aehnlich lagen die Dinge beim Hauptbelastungszeugen Froeboeß. Der hatte sich stets, auch vor Gericht, als Franziskanermönch ausgegeben, obwohl er keiner war. Nach seiner Befreiung hatte er sich in dieser Rolle als Entlastungszeuge für SS-Offiziere gegen eine entsprechend hohe Belohnung angeboten. Vor dem Dachauer Gericht hatte er exakte Einzelheiten über die Verbrechen eines jeden der 31 Angeklagten aussagen können. Die Revisionsjuristen fanden es zu anstrengend, ihm zu glauben. Auch hatte er sich im Kreuzverhör im Gestrüpp seiner eigenen Aussagen verheddert: Einmal wollte er das Segelschiff Jean Collinettes auf einem Lampenschirm im Hause Koch gesehen haben, ein anderes Mal auf Ilses Fotoalbum.
Dem Revisionsstab gelingt es auch, die Sache mit dem Fotoalbum aus Menschenhaut ganz aufzuklären. Mr. Solomon Surowitz von der amerikanischen Anklagebehörde hatte nämlich einen Fehler gemacht. Während des Verfahrens hatte er das Fotoalbum der Ilse Koch zwei amerikanischen Korrespondenten von "Newsweek", James O'Donnell und Toni Howard, gezeigt. Die sahen auf den ersten Blick: Das Album war nicht aus Menschenhaut, von Collinettes Segelschiff war nichts zu sehen. "Ein ganz gewöhnliches Fotoalbum aus schwarzer Pappe, wie man es bei Woolworth kaufen kann", stellte O'Donnell fest und ließ die interessantesten Bilder mitgehen.
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447388.html
Sehr aufschlußreich ist vor allem dieser Satz: Mr. Solomon Surowitz von der amerikanischen Anklagebehörde hatte nämlich einen Fehler gemacht.
Aha, die Aktion die zur Wahrheit führte, war also ein Fehler.
So investigativ, wie es vielen Leuten heute scheint, ist wohl der SPIEGEL nie gewesen.
mfG
nereus
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