Ilse Koch und der Lampenschirm - Update der KZ Geschichte nach 70 Jahren Gehirnverschmutzung

nereus @, Dienstag, 23.06.2015, 08:09 vor 3863 Tagen 6796 Views

Mein lieber Schwan

Da wird nun endlich die Gruselstory vom Lampenschirm der Ilse Koch aus Menschenhaut nach sage und schreibe 70 Jahren bei Telepolis als Lüge enttarnt - die bösen Rechten behaupten das seit vielen Jahrzehnten - aber bis man zum entscheidenden Detail durchkommt, wird man sehr lange am Band durch die abgesteckte Arena geführt, damit auch ja keine weiteren Zweifel aufkommen können und sich Fragen einstellen wie z.B.
Wenn das gelogen war, was könnte dann noch gelogen sein?

Ein Hans Schmid erklärt seinen Lesern, daß Ilse Koch wohl doch nicht so grausam gewesen war, wie es der Antifa- Mythos behauptet.

Da liest man u.a.: Bilder vom Buchenwald-Tisch mit "Ilse Kochs Lampenschirm" tauchten diesseits und jenseits des Atlantiks in Wochenschauen auf.
Um das gleich vorwegzunehmen: Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Lampenschirm nicht mit Menschenhaut bespannt, und Ilse Koch gehörte er sowieso nicht, weil sie nach ihrer Verhaftung durch die SS im August 1943 nicht auf den Ettersberg zurückkehrte und man ihre Wohnungseinrichtung - offenbar im Herbst 1943 - in ein Kaff an der Eger brachte, in dem ihr Gatte zuletzt gewohnt hatte. Harry Stein, Kustos der Gedenkstätte Buchenwald, vermutet, dass im April 1945 der - aus handelsüblichen Materialien hergestellte - Lampenschirm aus Hermann Pisters Dienstzimmer gezeigt wurde (Pister war Kochs Nachfolger als Kommandant). Derselbe Harry Stein behauptet in Mark Jacobsons The Lampshade, dass Ilse Koch ihrem Mann einen Lampenschirm aus tätowierter Menschenhaut zum Geburtstag geschenkt habe.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45048/2.html

Aber zuvor und dann danach wälzt man sich durch allerlei „Kram“, der auch hätte entfallen können, wenn man die Botschaft hätte überbringen wollen.
Doch möglicherweise liegt genau hier das Problem.
Wenn diese Lüge in 5 Sätzen erklärt worden wäre, hätte sich wahrscheinlich ein bestellter Sturm der Entrüstung erhoben.
Also verbaut man den „Eckstein“ irgendwo mittendrin, damit er im allgemeinen Gebrabbel nicht so auffällt.

Übrigens, Tätowierungen wurden tatsächlich in Buchenwald untersucht und gesammelt.

Im Juni 1940 vergab Friedrich Timm, Professor am Institut für gerichtliche Medizin der Universität Jena, das Thema für eine Doktorarbeit: "Ein Beitrag zur Tätowierungsfrage". Wagner, Timms Doktorand, interessierte sich besonders für den Zusammenhang zwischen "Tätowierung und Verbrechertum" und konnte die fertige Arbeit bereits im November 1940 abgeben. "Das Material, das ich an 800 Tätowierten der verschiedensten Bevölkerungsschichten (Vorbestraften und nicht Vorbestraften) gesammelt habe, entstammt einem großen Gefangenenlager", schreibt er in der Einleitung.
..
Für Wagners Doktorarbeit wurden rund hundert Photos von Tätowierungen gemacht. Der in Buchenwald inhaftierte Widerstandskämpfer Paul Grünewald, Schreiber im Häftlingsrevier, gab später an, dass er den Großteil der Arbeit an der Dissertation geleistet habe.

Die Fotos sind also belegt.
Nur wird es dann bei der echten Haut wieder nebulös.

Das Konservieren tätowierter Menschenhäute ist demnach keine Legende. Da das Leben eines Häftlings keinen großen Wert hatte ist nicht auszuschließen, dass die SS nicht nur eines "natürlichen Todes" gestorbene Insassen häutete (also die Opfer der menschenunwürdigen Umstände und der täglichen Misshandlungen), sondern auch gezielt mordete, um an die Tätowierungen zu kommen. Alles andere ist anekdotisch überliefert und daher Spekulation.

Es könnte sein und es wäre nicht auszuschließen, vermengt mit menschenunwürdig und Misshandlungen. Die Tür ins Zimmer der Spekulation ist wieder aufgetan.

Trotzdem, kleiner Dank an Herrn Schmid. Wenig ist immer noch besser als nichts.

Wie windig die Geschichte um Ilse Koch war, meldete der SPIEGEL schon 1950!

Da ist der Fall des Zeugen Kurt Titz. Während einer kurzen Abwesenheit Ilse Kochs hatte er sich einmal von ihren Schnaps- und Weinvorräten sinnlos betrunken, die seidene Unterwäsche der Kommandeuse angezogen, sich von oben bis unten mit einer Flasche ihres französischen Parfüms begossen und in pervertierter Raserei die Spiegel und Möbel im Zimmer der Koch zertrümmert. Doch 1947 war Titz noch am Leben und konnte gegen die Koch aussagen. Das erschütterte den amerikanischen Juristen den Glauben an die angebliche Mordwut der Kommandeuse.
Aehnlich lagen die Dinge beim Hauptbelastungszeugen Froeboeß. Der hatte sich stets, auch vor Gericht, als Franziskanermönch ausgegeben, obwohl er keiner war. Nach seiner Befreiung hatte er sich in dieser Rolle als Entlastungszeuge für SS-Offiziere gegen eine entsprechend hohe Belohnung angeboten. Vor dem Dachauer Gericht hatte er exakte Einzelheiten über die Verbrechen eines jeden der 31 Angeklagten aussagen können. Die Revisionsjuristen fanden es zu anstrengend, ihm zu glauben. Auch hatte er sich im Kreuzverhör im Gestrüpp seiner eigenen Aussagen verheddert: Einmal wollte er das Segelschiff Jean Collinettes auf einem Lampenschirm im Hause Koch gesehen haben, ein anderes Mal auf Ilses Fotoalbum.
Dem Revisionsstab gelingt es auch, die Sache mit dem Fotoalbum aus Menschenhaut ganz aufzuklären. Mr. Solomon Surowitz von der amerikanischen Anklagebehörde hatte nämlich einen Fehler gemacht. Während des Verfahrens hatte er das Fotoalbum der Ilse Koch zwei amerikanischen Korrespondenten von "Newsweek", James O'Donnell und Toni Howard, gezeigt. Die sahen auf den ersten Blick: Das Album war nicht aus Menschenhaut, von Collinettes Segelschiff war nichts zu sehen. "Ein ganz gewöhnliches Fotoalbum aus schwarzer Pappe, wie man es bei Woolworth kaufen kann", stellte O'Donnell fest und ließ die interessantesten Bilder mitgehen.

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44447388.html

Sehr aufschlußreich ist vor allem dieser Satz: Mr. Solomon Surowitz von der amerikanischen Anklagebehörde hatte nämlich einen Fehler gemacht.

Aha, die Aktion die zur Wahrheit führte, war also ein Fehler.
So investigativ, wie es vielen Leuten heute scheint, ist wohl der SPIEGEL nie gewesen.

mfG
nereus

Taetowierung und Verbrechertum ...

CrisisMaven ⌂ @, Dienstag, 23.06.2015, 10:56 vor 3862 Tagen @ nereus 3841 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 23.06.2015, 11:01

Zur Einordnung einer medizinischen "Dissertation" (noch dazu unter Kriegsbedingungen) als "Beweismittel":

Im Juni 1940 vergab Friedrich Timm, Professor am Institut für gerichtliche Medizin der Universität Jena, das Thema für eine Doktorarbeit:

Eine medizinische Doktorarbeit, d.h. schon mal keine, die den ueblichen an Promotionsarbeiten anzulegenden Massstaeben genuegen musste ...

"Ein Beitrag zur Tätowierungsfrage".

... und daher typisch unspezifisch tituliert wurde. Findet man nur bei Dr. med.s so.

Wagner, Timms Doktorand, interessierte sich besonders für den Zusammenhang zwischen "Tätowierung und Verbrechertum"

Was ein Witz ist. Der typische laenger einsitzende "Verbrecher" (und Verbrechen hat eine Mindeststrafdauer) laesst sich von entsprechend erfahrenen Mitgefangenen taetowieren, das hat Tradition und hat auch etwas damit zu tun, dass Maenner koerperliche Beruehrungen unter Maennern nur in bestimmter ritualisierter Form nicht tabuisieren.

und konnte die fertige Arbeit bereits im November 1940 abgeben.

Weil es eben eine medizinische war. Die sind alle Kurzlaeufer mit Ausnahme einiger weniger, deren Autoren dabei bereits eine ganz bestimmte anschliessende Habilitation im Auge haben.

"Das Material, das ich an 800 Tätowierten der verschiedensten Bevölkerungsschichten (Vorbestraften und nicht Vorbestraften) gesammelt habe, entstammt einem großen Gefangenenlager", schreibt er in der Einleitung.

Da die Nationalsozialisten in die KL auch "Gewohnheitsverbrecher", d.h. Menschen einwiesen, die ihre Strafe verbuesst hatten, war der Anteil der Straftaeter mit Taetowierungen (s.o.) dort neben den aus religioesen (Bibelforscher), politischen (Kommunisten, Widerstand, Zentrum, Bekennende Kirche) und "rassischen" (Juden, "Zigeuner") "Gruenden" einsitzenden besonders hoch.

Für Wagners Doktorarbeit ... rund hundert Photos von Tätowierungen ...

Was nicht eben viel ist angesichts des dort sicher reichhaltigen Materials. Da man aber damals auf eigene Kosten seine Diplom- und Doktorarbeiten drucken lassen musste, bestand bei dem gewoehnlich geringen Umfange einer medizinischen Dissertation (oft nur zweistellige Seitenzahlen) an ueberbordendem Bildmaterial kein Bedarf noch haette es in groesserem Umfang reprografisch Eingang finden koennen.

An einer solchen "Arbeit" eine Theorie "aufzuhaengen" ueber speziell dafuer "gehaeutete" "Prachtexemplare" ist kompletter Bloedsinn (gewesen). Was anderes waren die Mengelschen Asservate aus der Zwillings"forschung" u.a. Praeparate.

Das ganz typische, das den ganzen Sturm im Wasserglas enttarnt, ist, dass jeder der beteiligten Strafrechtspraktiker, also auch und gerade die Anklaeger damals, Umfang und Zweck der Haeftlings-Taetowierungspraktiken kannten und daher wissen konnten, dass sie hier einen wenig tragfaehigen Ballon aufblasen.

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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Offenbar glatter Rufmord...

Reffke @, Mittwoch, 24.06.2015, 03:50 vor 3862 Tagen @ nereus 2270 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 24.06.2015, 04:09

Anläßlich der 70-jährigen Befreiung Buchenwlds wurde dieser dramatisierte Film vom mdr gesendet:
Ilse Koch - Die Hexe von Buchenwald
Hier das Chatprotokoll zur Sendung:
http://www.mdr.de/geschichte-mitteldeutschlands/chatprotokoll264.html
Man sollte dabei bedenken, das Billy Wilder damals vor Ort eine Doku "inszeniert" hat, deren hysterisch-propagandistische Wirkung - besonders in den USA! - Ilse Koch fatal geworden ist...:
Der "Fall Ilse Koch" wurde zum Politikum! [[zwinker]]

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Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit, weil die Wahrheit so verlogen ist. André Heller
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==> Fundgrube zur Lage: www.paulcraigroberts.org

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