Gedenktage - und ihre Bedeutung
Jetzt bin ich zwar Österreicher, der in Siebenbürgen lebt, - vielleicht ticke ich deswegen anders. Aber ich bin ein sehr konservativer Mensch, insbesonders, was die Geschichte betrifft. Konservativ im richtigen Sinne, was da heißt, das Gute und Positive zu bewahren und das, was sich nicht bewährt hat, durch Besseres auszutauschen.
Aber ich kenne auch die Geschichte. Weit bis ins letzte Jahrhundert hinein. Eines der markanten Punkte für mich war der 17. Juni 1953. Die Bereitschaft, sich für die Freiheit auch mit bloßen Händen gegen die Panzer zu stellen. Es gibt auch noch den 4. März 1919, wo die Deutschen im Sudetenland für ihr von Wilson versprochenes Selbstbestimmungsrecht demonstriert haben. Das tschechische Militär schoß damals in die Zivilbevölkerung, - 54 Tote, darunter viele Alte, Frauen und Kinder.
Nun - zurück zum 17. Juni. Ich kenne die Reden der deutschen politischen Führer im Parlament damals, 10 Jahre später, 20 Jahre später, 30 Jahre später, 40 Jahre später. usw.
Das Interessante: Wenn ich die Rede damals von Adenauer mit den darauffolgenden im 10-Jahresrhythmus vergleiche, - dann haben sie zwar an Umfang zugenommen, - aber es wurde immer weniger dabei ausgesagt. Und was ist heute? Heute spricht gar niemand mehr vom 17.Juni . Die einzige Veranstaltung war dieses Jahr vom Berliner Regierenden Bürgermeister. Im Parlament hat man den Tag vergessen, der Bundespräsident sowieso, - wenn ich mir den Kalendertag des 17. Juni im Net ansehe, dann müßte man auflachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.
Ich hab eigens einige Tage abgewartet, ob dazu von irgendeiner Seite was kommt. Sind diese Leute also damals umsonst gestorben? Es ist so wie überall in der Politik. Wenn nur entsprechend genügend Gras über eine Sache gewachsen ist, dann wird aus Unrecht automatisch Recht. So war es mit der Vertreibung der Deutschen nach 1945, so wird es mit Srebreniza sein, usw.
Wenn etwas im Bewußtsein erhalten bleiben muß, - bis in die Ewigkeit zum Jüngsten Gericht - dann sind es die Nazi-Verbrechen im 3. Reich. Über alles andere lohnt es sich nach einer Reihe von Jahren nicht mehr, drüber zu sprechen.
Es wird der Stacheldraht genauso in Vergessenheit geraten wie der Todesstreifen, genauso wie die armen Menschen, die beim Versuch, in die Freiheit zu gelangen, umgekommen sind. In dem Bewußtsein, dass Recht immer Recht bleiben muß, dass Unrecht auch nach Jahren niemals zu Recht werden darf, habe ich auch in der deutschen Stadt, in der ich jahrzehntelang gewohnt habe, die Gedenkveranstaltungen für den 17. Juni (u.a.) organisiert. Auch, wenn diese Stadt mehr als 600 km vom Ort des Geschehens entfernt war.
Vielleicht bin ich ein Spinner, - aber ich schäme mich für diejenigen, die sich deutsch nennen und dabei viel zu schnell ihre Landsleute vergessen, die für ihr Recht, für ihre Interessen damals umgekommen sind.