Hallo Monterone!
Seit einiger Zeit vernehme ich immer wieder letztlich gleich-lautende Äußerungen über die Demokratie von dir. Deine Hinweise zielen dabei immer auf die Interpretation dahingehend, dass das, was wir heute politisch erleben eben (bereits) Demokratie sei. Demokratie wäre also etwas, was tunlichst zu vermeiden wäre. So stellt sich nun die Frage, was denn wohl statt einer Demokratie von uns zu errichten sei. Da ich kein kleines Kind mehr bin, meine ich schon zu wissen, dass wieder nur so eine Anarchie-Utopie den Hintergrund deiner Feststellung bedeuten kann.
Das, was gemeinhin als Staat bezeichnet wird, ist aber unabdingbarer Ausdruck der kollektiven Sphäre einer jeden Gesellschaft. Die gestellte Aufgabe besteht darin, die kollektiven und die individuellen Elemente in der Gesellschaft in Harmonie zu versetzen.
Hallo Leisereiter,
Demokraten, im wörtlichen Sinne von: Das Volk regiert und entscheidet
selbst, sind sie ja nicht.
Du machst den gleichen Fehler, den auch ich jahrzehntelang gemacht habe
und klammerst Dich am Wort selbst fest, um nicht zu sagen, dessen
Buchstaben.
Es stimmt schon, wenn man den griechischen Ausdruck Demokratie in's
Deutsche übersetzt, kommt Volksherrschaft heraus.
Genau hierüber wird übrigens gestritten, und m.W.n. ist das eigentlich nicht zutreffend, wie @Mephistopheles bereits im selben Faden festgestellt hat.
Offenbar hat die Arbeit eines Rahim Taghizadegan in den vergangenen Jahren viel Wirkung hinterlassen.
http://wertewirtschaft.org/analysen/Demokratie.pdf
Viele Protagonisten der „Neuen Aufklärung“, wie auch der ansonsten gescheite und redegewandte Andreas Popp, folgen nun der vom o.g. Autoren vorgegebenen Richtung. Hier etwa sagt Popp:
Demos heißt das Volk, sagen viele – so wird es auch unterrichtet (…) Demos heißt nicht das Volk, sondern Demos heißt das Dorf. (…) Die „Deme“ ist die Führungsriege (!). Die Deme wurde nicht gewählt (!) – die Deme war eine aristokratische Führung. Eine Diktatur (!) gewissermaßen. Aber in einem Dorf, und wenn eine Diktatur in einem Dorf ist, dann kann sie durchaus funktionieren (!)…Â
https://www.youtube.com/watch?v=CB7VDtp7nAk&t=2m25s
Der hier zu erblickende Irrtum verhält sich wie ein Elefant im Wohnzimmer. Nur, weil nun endlich auch niemand mehr weiß, was eigentlich Demokratie bedeutet, wird nun schon der Forderung nach einer Diktatur applaudiert. Last uns doch bitte die alten Griechen die selben bleiben, und Demokratie bedeutet bitte weiterhin die Selbstbestimmung der Völker, und damit auch weiterhin die einzige akzeptable gesellschaftliche Ausrichtung.
Nur wird es niemandem auf der Welt gelingen, die real existierende
Demokratie mit Volksherrschaft und Volkssouveränität in Übereinstimmung
zu bringen.
Irgendwas paßt also nicht zusammen!
Na, so unbestimmt an diesem Punkt?!
Was genau das sein könnte, versuche ich so zu erklären:
Bei der Demokratie haben wir es mit begrifflichem Falschgeld zu tun. In
Wahrheit ist nämlich etwas ganz anderes gemeint:
Plutokratie, Geldherrschaft!
Was also völlig richtig ist deine eigene Analyse selbst. Wir erleben also die Plutokratie, und deshalb (in diesem Rahmen) eben NICHT die Demokratie. Dieses also im klaren Widerspruch zu den von dir typischen Aussagen, welche du daher nun als Irrtum betrachten solltest.
Darüber sollte man sich im klaren sein und automatisch Plutokratie denken, wenn von Demokratie die Rede ist.
Worüber man sich also im Klaren sein sollte, ist der heute betriebene Etikettenschwindel, mit welchem uns eine Plutokratie als Demokratie verkauft wird. Die logische Schlussfolgerung wäre also die, dass wir auch wirklich haben wollen was wir beanspruchen, und nicht das was uns in betrügerischer Absicht, und nur mit einem Demokratie-Etikett versehen angedreht wird.
Der erste Schritt zur wirklichen Demokratie – ausgelegt als Selbstbestimmung des Volkes – wäre die Beseitigung der Sperrklauseln bei Parlamentswahlen. Auf diesen Punkt habe ich übrigens schon öfters hier im Forum hingewiesen, so wie auch vor Kurzem erst in einem Beitrag zu Pegida-Demonstrationen:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=357017
Darüber sollte man sich im klaren sein und automatisch Plutokratie
denken, wenn von Demokratie die Rede ist.
Diese Definition hat den großen Vorteil, daß man sie bis in die Anfänge
des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen und von dort aus die Entwicklung bis
heute ohne die geringsten logischen Brüche mühelos erklären und
verstehen kann.
Ich selbst neige übrigens zu der simplen Interpretation, dass die Menschen also gegen die ihnen von den Monarchen auferlegte Fremdbestimmung aufbegehrten, was also den Anspruch auf Mitsprache des Einzelnen und Selbstbestimmung des Kollektivs – also die Forderung nach Demokratie – bereits impliziert. Diesen logischen Anspruch hat man also nun mittels Etikettenschwindel nur zum Scheine erfüllt.
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... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...