Zur 3. Art von Geldscheinen gelingt mir die Zuordnung nicht:
Ein Hunderteuroschein, der im Tresor der Bundesbankfiliale Hannover liegt und noch nie von einer Hand zur anderen wanderte, wird nicht als Fälschung bezeichnet.
Nein, ebensowenig wie eine Cartier-Uhr, die noch bei Cartier im Safe liegt und nicht zum Verkauf ansteht. Auch wenn es ein Produktfaelscher schaffen wuerde
a) eine perfekte Replika herzustellen, waere das eine Faelschung, so wie ein vom Original nicht zu unterscheidender Rembrandt kein Rembrandt waere.
b) Selbst wenn ein Produktfaelscher es schaffte (auch wenn er dann keinen Gewinn mehr davon haette, aber zur Verdeutlichung), wenn er es schaffte, seine Replika in den Tresor von Cartier zu schaffen, so dass Cartier sie gutglaeubig (!) dann verkauft, waere es eine Faelschung.
Die Verwirrung entsteht erstmal daraus, ob man eine Faelschung unterscheiden kann vom Original oder nicht.
Wer sie nicht unterscheiden kann, haelt dennoch eine Faelschung in Haenden, denn der legitime Urheber hat sie nicht autorisiert. Bei "Kuckuckskindern", von denen es von 0,4% bis zu 25% geben soll, ist das auch nicht anders, nur ist es bei allen anderen "Produkten" nicht gelungen, ein so eindeutiges "Sicherheitsmerkmal" wie die biologische DNA/DNS zu erfinden.
Aber: auch diese waere theoretisch gentechnisch zu faelschen, nur eben nie im Zeugungsakt selbst.
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Nun zurueck zu der Frage, was mit einem bisher nicht ausgegebenen Geldschein passiert, der durch Diebstahl entwendet und dann unbefugt in Umlauf gebracht wird: er ist gueltiges Zahlungsmittel, anders als jede Faelschung. Banken und deren Geschaeftspartner erwerben ihn gutglaeubig (es sei denn, sie stecken mit dem unbefugten Inverkehrbringer unter einer Decke!) und er verbleibt gueltig im Geldkreislauf, bis er entdeckt wird.
Wie wuerde er entdeckt?
Niemals an
- den Sicherheitsmerkmalen
noch
- an der Seriennummern-Logik (die geheim und daher schwer zu faelschen ist; die britischen Pfund-Faelschungen des Dritten Reiches waren darum so erfolgreich, weil deutsche Mathematiker auch noch diese Seriennummer-Vergabe-Logik "geknackt" hatten - aber das ist eine komplizierte Geschichte).
Er wuerde einzig daran entdeckt, dass die ausgebende Notenbank feststellt, dass
a) ihr Geldscheine fehlen ("Audit the Fed")
und/oder
b) im Verkehr auffaellt, dass der Schein nicht zu den (absichtlich) in Verkehr gebrachten Seriennummern passt.
Auch das ist analog Cartier, die feststellen
a) dass ihnen diese Uhren fehlen
oder
b) dass bei einem Vertragsuhrmacher eine zur Reparatur gebracht wird oder bei Sothebys zur Schaetzung, die nie offiziell ausgegeben war.
Einzig die "perfekten" Faelschungen, von denen es bisher m.W. nur welche aus dem Dritten Reich und heutzutage aus Nordkorea gibt, fallen nur noch dann auf, wenn
- dieselbe Seriennummer gleichzeitig von einem Geldtransporter in der Zentralbank rueck-eingeliefert wird
UND
- deren System auf Detektion zufaellig in ihrem Besitz vorhandener Duplikate programmiert ist.
Danach kann die Bank aber nicht (per obiger Definition) entscheiden, welcher falsch ist und daher MUSS sie beide gutschreiben und -mit schlechtem Bauchgefuehl- einen oder -mit "Verlust", aber zur Bereinigung der Angelegenheit- BEIDE einziehen UND deren Seriennummer fuer ungueltig ("aufgeboten") erklaeren.
Letzteres wird sie tun, allein, um mit immer groesserem Forschungsaufwand dann doch noch ein Merkmal zu entdecken, an dem man die Faelschung kuenftig doch noch erkennen koennte.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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