Seit Anfang der 90er Jahre habe ich mir mit dem Support von Macs im Bereich der Druckvorstufe (DTP) ein gutes Zubrot verdient. Die Umstellung von System 9 auf X war in vielen Betrieben ein Problem, weil proprietäre Software nicht mehr lief und teure Hardware (Trommelscanner, Satzbelichter, Speichersysteme) nicht mehr angesteuert werden konnte. Für alles habe ich eine Lösung gefunden, die teilweise bis heute noch im harten Tagesgeschäft funktioniert. Ich schicke dies vorweg, um die Bandbreite der Probleme zu verdeutlichen, mit denen ich über die vielen Jahre hinweg konfrontiert wurde.
Mit Einführung von OSX 10 Yosemite erreichten die Probleme eine neue Qualität. Apple hat neue Netzwerkprotokolle für SMB und andere Dienste implementiert und auch die Indexierungsprotokolle für Spotlight überarbeitet. Dies sei nötig gewesen, um zwischen dem Mac, iPhone und iPad Daten besser abzugleichen zu können. So ist es beispielsweise seit Yosemite möglich, einen Anruf am Mac anzunehmen und am iPhone fortzusetzen (und umgekehrt). Für einige Anwendergruppen ist das interessant, für die Produktionsumgebung in den Druckvorstufenbetrieben, bzw. Druckereien jedoch vollkommen nebensächlich. Immer wieder kam es dort zu kritischen Situationen, weil die Netzwerkdienste alle Prozessorkerne bis zum Anschlag für sich beanspruchten und ein sinnvolles Arbeiten nicht mehr möglich war. Zum Ende des letzten Jahres habe ich die Reissleine gezogen und den Dienstleistungsbereich Systemsupport aufgegeben.
In vielen Fällen gelang es mir bis dahin, die Mac Hardware der Kunden auf System 10.8 oder 10.9 zu downgraden, wodurch alle Probleme schlagartig gelöst waren. Bei den seit 2014 von Apple auf den Markt gebrachten Macs geht das zum überwiegenden Teil nicht mehr. Seit 2015 ist der Ofen ganz aus: entweder man leidet mit Yosemite – oder gehört zu den wenigen Glücklichen, bei denen dieses OS läuft. Ein Downgrade auf 10.8 oder 10.9 ist bei den aktuellen Neugeräten (bis auf eine Ausnahme) nicht mehr möglich.
Apple hat mittlerweile auf das Debakel reagiert und im letzte Woche vorgestellten OS X 11 (El Capitan) den problematischen discoveryd Prozess wieder raus geworfen. In der Szene wird nunmehr Yosemite auf eine Stufe mit Windows Vista gestellt und eine stabile Version von Yosemite wird nicht mehr erwartet.
Sehr interessant sind die Bemühungen (und Erfolge) von experiementierfreudigen Anwendern, die sich maßgeschneiderte PCs mit ordinärer Windows-Hardware bauen und dort ein superstabiles OSX 10.8 oder 10.9 fahren. Teilweise mit einem Bruchteil der Kosten im Vergleich zu einem ähnlich leistungsfähigem Mac. Nachdem Apple den konzeptionell guten Mac Mini im Jahr 2014 von der Leistung und Ausbaufähigkeit degradiert hat, werden in diesem Marktsegment ähnliche Konzepte wie der Gigabyte Brix oder der Intel NUC höchst interessant. Die sind zwar für Windows ausgelegt, ermöglichen aber die Installation von OSX 10.8 oder 10.9.
Die Strategie von Apple ist aus der Sicht professioneller Anwender nicht mehr nachvollziehbar. Die Hardware-Komponenten werden miteinander verklebt und sind nicht mehr zugänglich (Erweiterung oder Reparatur) – oder das RAM wird direkt auf das Motherboard gelötet. Das Betriebssystem verzahnt sich immer stärker mit den Cloud-Diensten von Apple und gaukelt dem Anwender eine Sicherheit und Kompetenz vor, die nicht der Realität entspricht. Apple schafft es nicht, diese Dienste stabil zu hosten, in vielen Foren liest man vom Frust der Anwender. Ich könnte endlos fortfahren, schließe aber mit der dringenden Empfehlung, Yosemite im besten Fall in der virtuellen Maschine laufen zu lassen, um dort Datenkonvertierungen vorzunehmen, die eine Übernahme der Daten in 10.8 oder 10.9 ermöglichen. Für den zuverlässigen Einsatz in Produktionsumgebungen ist Yosemite definitiv ungeeignet.
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