Hausdurchsuchung und 30 Tagessätze, wenn man Jacob Cohen zitiert

Monterone @, Samstag, 06.06.2015, 11:32 vor 3876 Tagen 10251 Views

Liebe Mitglieder, Leser und Freunde des gelben Forums,

weil ich in einer E-Mail an Markus Hörwick, Mediendirektor des FC Bayern, aus einem offenen Brief Jacob Cohens zitiert habe, ließ die Staatsanwaltschaft am 16. Dezember 2014 meine Wohnung durchsuchen und das Notebook beschlagnahmen.

Im Folgenden stelle ich meine Erfahrungen etwas ausführlicher dar. Über meinen eigenen Fall hinaus sind sie vielleicht aufschlußreich und können dem einen oder anderen als Warnung dienen.

Bevor man sich schriftlich Luft macht, sollte man wissen, welches Risiko damit verbunden ist. Hätte ich geahnt, welche Folgen es hat, bei Jacob Cohen abzuschreiben, wäre die E-Mail sicher anders ausgefallen oder völlig unterblieben.

Bei genauerer Betrachtung bestand die Beleidigung aus zwei Teilen: der von Jacob Cohen übernommenen Bemerkung und einer Ergänzung.

Anklageschrift und Strafbefehl beziehen sich jedoch ausschließlich auf Cohen, der vielleicht nicht ganz unproblematische Zusatz *Sie verdienen, daß man Ihnen ...* wurde in nicht einem Schriftsatz aufgegriffen, weder von Staatsanwaltschaft noch dem Gericht.

Zum besseren Verständnis der Angelegenheit sollte man wissen, das Zitat stammt aus einem offenen Brief an Präsident François Hollande.

Am 20. Juli 2014, dem 70. Jahrestag von Stauffenbergs Attentat, wurde das Schreiben von Jacob Cohen auf dessen Blog veröffentlicht und von jeder Menge Internet-Adressen übernommen, u.a. Alain Sorals E&R, einem der meistgelesenen Blogs Frankreichs.

Gibt man in Google *Lettre ouverte au président de la république + Jacob Cohen* ein, kommen 97.800 Treffer.

Bis heute wurde gegen Jacob Cohen kein Strafverfahren eröffnet. Sieht ganz so aus, als reagiere der Präsident Frankreichs bei öffentlich vorgebrachten Beleidigungen lange nicht so sensibel wie der Mediendirektor des FC Bayern im Fall einer E-Mail, die außer ihm und mir kein Mensch zu Gesicht bekommen hat.

Ein knappes halbes Jahr, nachdem ich morgens um 8:00 vom Staatsschutz Besuch bekam, stellt das Amtsgericht München folgenden Strafbefehl aus: 30 Tagessätze!

Warum eine bis an die Grenzen der Belastbarkeit hin mit Arbeit überhäufte Justiz überraschenderweise Kapazitäten frei hat und drakonische Strafen verhängt, wenn es mehr oder weniger um Bagatelldelikt wie Beleidigung geht, deutet folgende Bemerkung aus dem Strafbefehl an, die mit der Anklage selbst nichts zu tun hat:

*Inhaltlich nahm Ihre E-Mail im übrigen Bezug auf einen Besuch von Spielern des FC Bayern München bei Asylbewerbern in der Bayernkaserne, wozu Sie sich in Ihrer E-Mail kritisch äußerten.*

Darum hat das bayerische Rechtswesen, nehme ich an, auch den Staatsschutz eingeschaltet und das Notebook beschlagnahmt. Die Beleidigung scheint eher ein Vorwand gewesen zu sein, die Justizmaschinerie anzuwerfen.

Ich vermute stark, die bayerische Justiz legt vor allem deshalb solchen Eifer an den Tag, weil ich in der E-Mail meine Verärgerung durchblicken ließ, daß der FC Bayern Asylanten mit Fürsorglichkeit und Geschenken überhäuft, obwohl es 300.000 deutsche Obdachlose gibt, die man mehr oder weniger im Dreck verrecken läßt.

Da man die inkriminierte Äußerung nicht öffentlich machen kann, ohne ein weiteres Verfahren zu riskieren, bitte ich jeden, der den genauen Inhalt der Beleidigung wissen möchte, per E-Mail nachzufragen.

Trotz des Ärgers bemühe ich mich, das Positive zu sehen. Ich habe ganz entscheidend dazugelernt und weiß jetzt

1. In der BRD ist es weniger schlimm, pädopornographisches Material aus dem Intenet zu ziehen als Jacob Cohen zu zitieren. Das Verfahren gegen Sebastian Edathy wurde nach Zahlung von 5.000 €, was einer Geldbuße von weniger als 30 Tagessätzen entspricht, still und leise eingestellt

2. Wenn man Bundestagsabgeordneter ist und mit Beleidungungsvorwürfen zu tun hat, geht es ohne Staatsschutz, Hausdurchsuchung und Beschlagnahme des PCs ab. Nachdem er ein Wahlplakat satirisch verfremdet hatte, bekam Lars Winter (CDU) von Volker Beck (Grüne) eine Strafanzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung.

Die Sache wurde über Twitter verbreitet, war also anders als bei mir ein öffentlicher Angriff auf die Ehre eines Dritten. Nichtsdestoweniger ließ es die Justiz gegenüber Lars Winter damit bewenden, ihn lediglich zu einer schriftlichen Stellungnahme aufzufordern.

Bitte hier nachlesen: https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/03/06/volker-beck-zeigt-mitglied-des-arbeitsk...

Monterone

Starker Tobak ...

FESTAN, Samstag, 06.06.2015, 12:55 vor 3876 Tagen @ Monterone 6943 Views

weiß nicht, ob ich das so auf mir sitzen ließe. Da würde ich doch mal einen guten Anwalt bemühen (sofern nicht schon geschehen). Auf jeden Fall sieht Deine Schilderung doch sehr nach absoluter Willkürjustiz aus. Gratulation an die Besatzer.

Grüße, FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Du kannst einen Anwalt nehmen oder das Geld auf andere Weise aus dem Fenster schmeißen

Monterone @, Samstag, 06.06.2015, 13:12 vor 3876 Tagen @ FESTAN 6754 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 06.06.2015, 13:30

weiß nicht, ob ich das so auf mir sitzen ließe. Da würde ich doch mal
einen guten Anwalt bemühen (sofern nicht schon geschehen). Auf jeden Fall
sieht Deine Schilderung doch sehr nach absoluter Willkürjustiz aus.
Gratulation an die Besatzer.

Vergiß es. Einen Anwalt zu nehmen, heißt nur, das Geld aus dem Fenster zu schmeißen.

Meiner hat 450 € gekostet, erreicht hat er gar nichts, nicht einmal die Herausgabe des beschlagnahmten Notebooks.

Den Rest des Verfahrens habe ich dann ohne Anwalt bestritten, kraft eigener Blödheit und Inkompetenz.

Juristisch gesehen mit gleichem Ergebnis, aber deutlich weniger Ausgaben.

Es empfiehlt sich, folgende Grundregel zu beherzigen: als Deutscher hast Du vor BRD-Gerichten nicht den Hauch einer Chance, egal, ob mit oder ohne Anwalt.

Diese Regel gilt zu 100 Prozent, sowohl was Straf-, aber auch Zivilsachen betrifft, sobald Banken, Konzerne und Versicherungen Deine Gegner sind.

Dann betrachte die 30 Tagessätze als Auszeichnung, ...

FESTAN, Samstag, 06.06.2015, 13:18 vor 3876 Tagen @ Monterone 6481 Views

die Dir in Zukunft zur Ehre gereichen wird, spätestens wenn das Regime abgetreten wurde (Sie Einträge unten über den Zustand der "Republik").

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

30 Tagessätze – Kommentar dazu

Leserzuschrift @, Samstag, 06.06.2015, 13:32 vor 3876 Tagen @ Monterone 7506 Views

Den Beitrag möchte ich nicht unkommentiert belassen.

In Hamburg wurde auf einem Wochenmarkt an einem SPD-Wahlkampfstand ein Bundestagsabgeordneter nach dem Inhalt des ESM-Vertrages, dem er seinerzeit zugestimmt hatte, von einem braven Bürger befragt.

Der Politiker konnte/wollte die Frage NICHT beantworten.

Damals wurden er und seine Kollegen überparteilich von der ARD befragt und wussten auch keine Antworten!

Trotzdem stimmten sie aus Parteiraison dafür ab.

Der brave Bürger sagte dem SPD Mann, dass dieser für ihn ein Politkrimineller sei, weil durch den ESM ein unermesslicher Schaden dem Land zugefügt werde.

Dann ging es ganz schnell: Handy, Polizei, Strafbefehl ohne Gerichtsverfahren über € 600,-- , ersatzweise 30 Tagen Haft.
Der Haftbefehl war von einem Rechtspfleger handschriftlich mit einer Paraphe unterzeichnet und genügte der Polizei zur Verhaftung.

Die 30 Tage musste der brave Bürger insgesamt absitzen, weil er im Knast nicht arbeiten durfte. Hätte er gearbeitet, wären 5 Tage erlassen worden. Die Anstaltsleitung ließ Arbeit nicht zu wegen der "schwere des Vergehens"!!!

Vielleicht hätte der "brave Bürger" auf seine eigene Meinung verzichten sollen, dann wären ihm 30 Tage Knast erspart geblieben:

https://habercininyeri.wordpress.com/2011/03/09/erdogan-hayrani-alman/erdogan-hayrani-a...

Ich schäme mich für diesen "Staat".

Manchmal kommt man mit Schamlosigkeit weiter

Monterone @, Samstag, 06.06.2015, 13:51 vor 3876 Tagen @ Leserzuschrift 7039 Views

Lieber Leser,

für Ihre Zuschrift darf ich mich herzlich bedanken. Es wäre nur zu begrüßen, würden Bürger endlich den Mut fassen, ihre Erfahrungen mit der BRD in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ich schäme mich für diesen "Staat".

Bei allem Respekt, aber Scham halte ich nicht für die angemessene Reaktion. Dadurch wird man nur in der Unterwürfigkeitshaltung festgenagelt.

Es käme eher darauf an, in sich selbst den Geist und die Kraft zum seelischen Widerstand zu finden.

Statt Scham halte ich diesem Staat gegenüber Abneigung, auch in ihrer intensivsten Form, für bei weitem adäquater. Mir will auch nicht einleuchten, weshalb ich mich für Dinge schämen soll, für die ich nichts kann?

Mit Ihrer Einstellung, geschätzter Leser, hätten sich Tschechen, Polen, Dänen, Norweger, Holländer und Franzosen wegen der Hitler-Besatzung schämen müssen.

Niemand dort käme auf diese ausgefallene Idee. Warum also sollten wir uns schämen, besiegt und besetzt zu sein?

Ich schäme mich nicht für den Staat (und auch niemanden sonst)

Prophet @, Samstag, 06.06.2015, 14:04 vor 3876 Tagen @ Leserzuschrift 6680 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 06.06.2015, 14:50

Ich schäme mich für diesen "Staat".


Sich für jemanden anderen schämen ist allerdings nicht zielführend.
Hättest du besser gesagt: "Ich hasse diesen Staat."

Ich habe mal ein Buch bei ebay angeboten. Das stand auf der Liste der jugendgefährdenden Medien (war ein Fachbuch aus der Neuzeit (kein Nazikram, kein Porn), dessen Inhalt ich gar nicht kannte, weil ich es nicht gelesen hatte. Es stammte aus einer Wohnungsauflösung.). Vier Wochen nach Ende der Auktion wurde ich von 2 Polizisten und 5 Leuten vom LKA morgens um fünf Uhr aus dem Bett getrommelt: "Geben Sie das Buch heraus, aber sofort, hier ist der Durchsuchungsbeschluss! - Wenn Sie nicht freiwillig öffnen, verschaffen wir uns gewaltsam Zugang zur Wohnung!" (Brüll, Brüll). Ich so: "Das Buch habe ich verkauft und verschickt, was sonst? Wie soll ich es Ihnen herausgeben?" - Die dann: "Gut, dann nehmen wir Ihren PC mit, und durchsuchen Ihre Wohnung, ob Sie noch mehr illegale Bücher besitzen!". Die haben gleich das volle Programm aufgefahren, als ob ich ein Schwerverbrecher wäre. Auch noch die ganze Strasse mit Autos und Lieferwagen zugeparkt. Wohlgemerkt wegen eines einzigen Buches, welches als Privatperson für ganze 1,50 EUR bei ebay versteigert wurde. [[freude]]

Dumm an der Sache war, dass es überhaupt keine frei einsehbare Liste der Bundesprüfstelle gibt. Es kann dich also in diesem Unrechtstaat - in dem, ich zitiere: "eine Zensur nicht stattfindet" - jederzeit erwischen, indem du einfach dem Staat nicht genehme Bücher bei ebay versteigerst.*)

Es muss eine unglaubliche Angst vor dem eigenen Bürger vorhanden sein. Und das Verhältnis wird nach solchen Aktionen - wie von dir beschrieben - sicherlich nicht problemloser. Dieser Staat hat längst abgewirtschaftet und zeigt langsam aber sicher seine (schon immer vorhandene) hässliche Fratze. Und das wird natürlich noch viel schlimmer in Zukunft.

Ich schäme mich daher nicht für diesen Staat. Ich mag ihn einfach nicht mehr. Die haben den ersten Stein geworfen, nicht ich. Ich bin noch bei niemandem um 5 Uhr früh mit Waffengewalt in eine fremde Wohnung eingedrungen. Die schon.

Grüße,
Prophet

PS: Resultat der Hausdurchsuchung war natürlich null, auch keine Strafe (die Dorfpolizisten kannten mich ja persönlich und haben an dem Tag auch nur den Kopf geschüttelt). Ärgerlich war der Tumult, die Unordnung und 4-6 Wochen ohne PC leben zu müssen. Frage mich heute noch, was der Aufriss gebracht hat. Ausser Ärger für mich und hohe Kosten für den Schutzgeld- äh, Steuerzahler.


*) Zensur gibt es in dem Sinn nicht, dass du alles schreiben, drucken, verlegen und herausbringen kannst, ohne es vorher absegnen lassen zu müssen. Aber trotzdem werden deine Publikationen ggf. gleich nach erscheinen auf den Index gesetzt, was faktisch einem Verkaufsverbot gleichkommt. Die Zensur geschieht daher von Hinten durch die Brust ins Auge, und findet natürlich in diesem Unrechtssystem sehr wohl statt, was ganz klar dem GG zuwiderläuft. Wie eben so vieles, und daher die ganzen Grundrechte nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Langsam dürfte auch dem Dümmsten klar geworden sein, dass der die Gesetze macht und durchsetzt, der die nötige manpower an Waffenträgern hat. Das und nichts anderes ist das System: eine billige, primitive Räuberpistole.

Strafbefehl...

SFA @, Samstag, 06.06.2015, 16:32 vor 3875 Tagen @ Leserzuschrift 6648 Views

ist immer ohne Verfahren - kannste akzeptieren oder auch nicht. Steht da aber auch drin.

Möchte dazu anmerken, dass ein Strafbefehl im Recht sowas wie die Ankündigung "VHB" bei Kleinanzeigen ist.. Zahl oder stirb. Oder lass dir was einfallen, weil so ganz sicher sind wir uns nicht :) (Und später dann: Zahl den Anwalt und stirbt nur zur Hälfte *g*)

Der Staat guckt, schätzt und sagt - ei! soviel kostet dich das, damit wir nicht weiter draufrumreiten - Hauptsache du gibst es zu. Gut für die Statistik (Fall gelöst), gut fürs Gericht (keine Arbeit). Gut für den Staat (evtl. kommt nicht heraus, wie er an die Infos gelangt ist). Ein bisschen gut für dich (keine Gerichtskosten).

Es ist allerdings immer möglich (innerhalb der dort angegebenen Frist, IIRC 2 oder 4 Wochen), gegen den Strafbefehl Einspruch zu erheben - entweder selbst oder per Anwalt [kostet aber auch wieder ein paar Hunderter, und ist meist nur ein Brief mit: "Ich erhebe Einspruch gegen Vorwurf xyz" - einmal gemacht und nach der Kostenrechnung mich lieber selber vertreten] und ich würde jedem dazu raten (ich bin aber kein Anwalt).
Für mich sieht die Strafbefehlsregelung so aus, dass geschaut wird: Was nimmt der Knilch denn widerspruchslos hin, damit wir das nicht verhandeln müssen? Und dann schickt man den los, und in geschätzt 70% der Fälle geht das auch gut.

Bei so nem Fall wie bei dir würd ich aber schauen, dass §153 (Edit: STPO, cf. http://dejure.org/gesetze/StPO/153.html) irgendwo anfing zu gelten.

Handy, Polizei, Strafbefehl ohne Gerichtsverfahren über € 600,-- ,
ersatzweise 30 Tagen Haft.
Der Haftbefehl war von einem Rechtspfleger handschriftlich mit einer
Paraphe unterzeichnet und genügte der Polizei zur Verhaftung.

Hm Haftbefehl kann locker nach dem Akzeptieren eines Strafbefehls und Nicht-Zahlen der Summer erfolgen. Meist erfolgt aber dazwischen noch etwas Korrespondenz. Und ein Haftbefehl genügt immer zur Verhaftung - haha. Daher ja der Name.

https://habercininyeri.wordpress.com/2011/03/09/erdogan-hayrani-alman/erdogan-hayrani-a...

Der Mann könnte auch ein Schild hochhalten, auf dem steht: Jeder, der oben ist, versucht, die anderen unten zu halten :) - Was hat das mit deiner Schilderung zu tun?

--
“If there is evil in the world, it lies within the heart of mankind”
Knowledge - Communication - Tolerance

Beleidigung / Strafmaß

Leserzuschrift @, Sonntag, 07.06.2015, 12:11 vor 3875 Tagen @ Leserzuschrift 4265 Views

Hall,

allgemein dürfte nicht bekannt sein, dass die "normale" Beleidigung (§185 StGB Strafmaß bis zwei Jahre) nicht bei einer "im politischen Leben des Volkes stehende Person" greift. In diesem Fall ist §188 StGB einschlägig. Strafmaß ist drei Monate bis - Achtung - fünf Jahre.

Democracy worx.

Gruß

Üble Nachrede

Orlando ⌂ @, Sonntag, 07.06.2015, 12:41 vor 3875 Tagen @ Leserzuschrift 4214 Views

Das gilt für "üble Nachrede" welche klar als die Verbreitung unwahrer Behauptungen definiert ist.

Wo ist da ein Problem? "Üble Nachrede" in bezug auf Politiker soll erlaubt sein, oder was?

Natürlich funktioniert Demokratie, sonst existierte sie nicht.

Vielleicht hätten alle jene, für die "Demokratie" offenbar die allerschlimmste mögliche Herrschaftsform darstellt, mal die Güte, kurz darzustellen, was besser wäre.

Da kommt dann meistens: nichts.

Repräsentative Demokratie funktioniert bislang so, wie sie soll...

Leserzuschrift @, Sonntag, 07.06.2015, 20:30 vor 3874 Tagen @ Orlando 3830 Views

…hat aber nichts mit dem Bürgerwillen zu tun.

Hallo Orlando,

ist halt Bevormndung. Wer es mag.

Zitat Leserzuschrift:


"In Hamburg wurde auf einem Wochenmarkt an einem SPD-Wahlkampfstand ein Bundestagsabgeordneter nach dem Inhalt des ESM-Vertrages, dem er seinerzeit zugestimmt hatte, von einem braven Bürger befragt.

Der Politiker konnte/wollte die Frage NICHT beantworten.

Damals wurden er und seine Kollegen überparteilich von der ARD befragt und wussten auch keine Antworten!

Trotzdem stimmten sie aus Parteiraison dafür ab."

Dazu Zitat Orlando:

"Natürlich funktioniert Demokratie, sonst existierte sie nicht."

Ich find es auch gut, repräsentative Demokratie halt. Volk entmündigt. (Und komm mir keiner mit Wahlen, sobald Alternativen, und seien sie noch so schlecht, auftauchen, beginnt der MSM-Shitstorm.)

Hoffentlich erinnert sich mal jemand an den Typen in Hamburg, wenn es den ESM wirklich mal zerreißen sollte. Wer leichtfertig die Kohle an die Faulenzer (meint: nicht wirklich untätig, aber in Relation zu den Ansprüchen/Ausgaben/Verschuldung/Konsum halt einfach Faulenzer und Minderleister, warum bräuchten sie sonst jemand, der sich laufend für sie verbürgt bzw. zahlt?) vergibt, sollte dann leiden müssen.

Demokratisch scheint die Umstellung auf ein Binnen- statt eines Exportmodells sowie die nach dottore saubere Boom- und Bust-Ökonomie ohne Aufwärts ohne Ende nicht gewünscht. Vermögensakkumulation dann nur sehr schlecht möglich? Interessen?

Grüße
s

Und - wo bleibt die Alternative?

Orlando ⌂ @, Montag, 08.06.2015, 12:01 vor 3874 Tagen @ Leserzuschrift 3354 Views

Hundert Prozent gut oder hundert Prozent schlecht gibt es nicht.

Im Leben zählt, ob die Vorteile die Nachteile ÜBERWIEGEN.

Und genau das ist meiner Ansicht nach bei der repräsentativen Demokratie der Fall.

Es ist einfach, Defizite zu kritisieren und gegen "das System" geheimnisvoll zu raunen, am Ende gar den Teufel ins Spiel zu bringen, sich aber einer Diskussion über echte Alternativen zu entziehen.

Was heisst denn "entmündigtes Volk"? Das Volk entmündigt sich doch selbst. Wer glotzt denn TV, wer rennt denn ins Stadion, wer konsumiert denn den ganzen Müll, wer frisst und säuft denn Zucker von früh bis spät, wer frisst denn die ganzen Medikamente usw usw und hält dadurch die Sache so am Laufen wie sie halt läuft.

Glaubt jemand im Ernst, bei Volksabstimmungen würde das Ergebnis anders ausfallen als an der Ladentheke oder im Zeitungskiosk oder an der TV-Fernbedienung?

Alternative zur Demokratie oder zur repräsentativen Demokratie?

Leserzuschrift @, Mittwoch, 10.06.2015, 12:51 vor 3872 Tagen @ Orlando 3214 Views

Hallo Orlando,

Zitat: "Im Leben zählt, ob die Vorteile die Nachteile ÜBERWIEGEN.

Und genau das ist meiner Ansicht nach bei der repräsentativen Demokratie der Fall."

Fragt sich halt immer, für wen. Gut wenn Du oben dabei bist.

In dem Abgeordneten-ESM-Fall muss ich sagen, da hat sich die Alternative eigentlich ganz gut gezeigt, wohlgemerkt innerhalb der repräsentativen Demokratie.
Das Durchdrücken von ESM etc. könnten bspw. Russlandhasser auch als putinesque bezeichnen. Wird halt nicht gemacht, ist halt EU und nicht Putin <img src=" />.
Mit dem Teufel bin ich nicht gekommen, der soll sich erst kümmern, nachdem sich jemand an den erinnert hat.

Dein Blick auf das Volk hat etwas vom DDR-Politbüro, da war es ja auch die demokratische?


Zitat: "Glaubt jemand im Ernst, bei Volksabstimmungen würde das Ergebnis anders ausfallen als an der Ladentheke oder im Zeitungskiosk oder an der TV-Fernbedienung?"

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich den Satz interpretieren soll. Aber ich habe den Eindruck, Dir scheint die "repräsentative Demokratie" gerade deswegen zu gefallen, weil sie echte Demokratie verhindert und Volkes Wille (böse, populistisch) nicht umgesetzt werden muss.

Würde ich eher als Demokratur bezeichnen.

Hätte man das Volk demokratisch abstimmen lassen, gäbe es keine Euro, wir müssten nicht zahlen und bürgen (Export von Wohlstand).
Die wirtschaftlichen Probleme, die wir möglicherweise als Exportnation gehabt hätten, hätte man politisch durch die Umstellung auf ein erweitertes Binnenmodell abfedern können, man wäre nicht mehr in diesem Ausmass vom Export abhängig gewesen (ob die Chinesen ohne Euro nichts von uns gekauft hätten, ist ohnehin die Frage). Gute Produkte wären weiterhin produziert worden, zum Teil auch für den dann verminderten Export, aber die Bevölkerung hätte von den Früchten ihrer Arbeit selbst profitiert, statt etwas gegen Kredit ins Ausland zu verkaufen und diese Kredite dann später übernahmen zu müssen.

Die Umstellung auf das Binnenmodell hätte natürlich von politischen Anreizen zur verstärkten Binnenkreditaufnahme geprägt sein müssen, klar. Am Ende müsste man genauso bürgen, aber für die eigenen Leute, der rechnerische Vorteil ergibt sich daraus, dass die Leistungserbringung aber im Land geblieben wäre. (Könnte damit sogar als Sicherheit dienen). Wahrscheinlich hätten wir dann auch den ganzen ABS-Ami-Kram nicht kaufen können/müssen.

Das wäre eine Alternative gewesen, Demokratie halt. Du fragst aber wohl eher nach einer Alternative zur Demokratur (repräsentative Demokratie), wenn ich es richtig verstehe.

Grüße
s

Binnenmodell interessiert niemanden

Zarathustra, Mittwoch, 10.06.2015, 13:01 vor 3872 Tagen @ Leserzuschrift 3293 Views


Hätte man das Volk demokratisch abstimmen lassen, gäbe es keine Euro,
wir müssten nicht zahlen und bürgen (Export von Wohlstand).
Die wirtschaftlichen Probleme, die wir möglicherweise als Exportnation
gehabt hätten, hätte man politisch durch die Umstellung auf ein
erweitertes Binnenmodell abfedern können, man wäre nicht mehr in diesem
Ausmass vom Export abhängig gewesen (ob die Chinesen ohne Euro nichts von
uns gekauft hätten, ist ohnehin die Frage). Gute Produkte wären weiterhin
produziert worden, zum Teil auch für den dann verminderten Export, aber
die Bevölkerung hätte von den Früchten ihrer Arbeit selbst profitiert,
statt etwas gegen Kredit ins Ausland zu verkaufen und diese Kredite dann
später übernahmen zu müssen.

Die Umstellung auf das Binnenmodell hätte natürlich von politischen
Anreizen zur verstärkten Binnenkreditaufnahme geprägt sein müssen, klar.
Am Ende müsste man genauso bürgen, aber für die eigenen Leute, der
rechnerische Vorteil ergibt sich daraus, dass die Leistungserbringung aber
im Land geblieben wäre. (Könnte damit sogar als Sicherheit dienen).
Wahrscheinlich hätten wir dann auch den ganzen ABS-Ami-Kram nicht kaufen
können/müssen.

Das wäre eine Alternative gewesen, Demokratie halt.


In der Schweiz kommt die Bevölkerung, die direkte Demokratie ausübt, nicht im Traum auf die Idee, auf dein Binnenmodell umzusteigen. Der Aussenhandelsanteil ist noch höher als in Deutschland.

Grüsse, Zara

Das Volk ist nicht politisch interessiert

Orlando ⌂ @, Mittwoch, 10.06.2015, 14:10 vor 3871 Tagen @ Leserzuschrift 3364 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 10.06.2015, 14:45

Hallo s

Zitat: "Im Leben zählt, ob die Vorteile die Nachteile ÜBERWIEGEN.

Und genau das ist meiner Ansicht nach bei der repräsentativen Demokratie
der Fall."

Fragt sich halt immer, für wen. Gut wenn Du oben dabei bist.

Für das Land als Ganzes. Dass es unten und oben gibt, ist nunmal so.

Das Durchdrücken von ESM etc. könnten bspw. Russlandhasser auch als
putinesque bezeichnen. Wird halt nicht gemacht, ist halt EU und nicht Putin

Der ESM ist verfassungswidrig zustande gekommen?

Zitat: "Glaubt jemand im Ernst, bei Volksabstimmungen würde das Ergebnis
anders ausfallen als an der Ladentheke oder im Zeitungskiosk oder an der
TV-Fernbedienung?"

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich den Satz interpretieren soll. Aber
ich habe den Eindruck, Dir scheint die "repräsentative Demokratie" gerade
deswegen zu gefallen, weil sie echte Demokratie verhindert und Volkes Wille
(böse, populistisch) nicht umgesetzt werden muss.

Von böse oder populistisch habe ich nicht gesprochen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass das Volk nicht besonders interessiert ist an Politik. Dass es sich von den Leitmedien berieseln lässt und die existierenden Möglichkeiten der politischen Teilhabe nicht ausnutzt - siehe Wahlbeteiligung, siehe aktive Mitarbeit in politischen Parteien etc. Deshalb bin ich ganz froh über die dämpfende Wirkung der repräsentativen Demokratie. In einer direkten Demokratie würden die interessierten Kreise natürlich noch viel massiver Werbung für ihre Positionen machen und "das Volk" ist nunmal anfällig für Werbung - siehe Konsumverhalten oder TV-Gewohnheiten.

Anders ausgedrückt: direkte Demokratie gibt die Entscheidung in die Hände von Leuten, von denen ein Gutteil bekanntermaßen inkompetent ist. Das hat nichts mit Herabsetzung zu tun, es muss sich nicht jeder für politische Fragen im Detail interessieren - aber eben dann auch nicht über die Details entscheiden.

Wenn das Volk mehrheitlich gegen bspw. den ESM gewesen wäre, hätte die AfD doch locker die 5 %-Hürde nehmen müssen.

Hätte man das Volk demokratisch abstimmen lassen, gäbe es keine Euro,

Siehe oben, die Leute verstehen doch noch nicht mal ihren Händivertrag.

In der BRD ist die FDP jahrzehntelang auf den Zweitstimmen geritten, weil ein großer Teil der Wähler nicht weiß, dass allein die Zahl der Zweitstimmen über die Zusammensetzung des Parlamentes entscheidet.

wir müssten nicht zahlen und bürgen (Export von Wohlstand).

Dass wir durch den Euro mehr "zahlen und bürgen" müssen als zuvor, halte ich für einen Trugschluss.

Man nehme nur mal stichprobenartig die Bundesbankbilanzen 1985, 1995, 2005 und 2014 im Vergleich.

1985: 25% Dollarforderungen
1995: 33% Dollarforderungen
2005: 11% Dollarforderungen
2014: 6,5% Dollarforderungen

Das heißt im Klartext: wir als Überschussland haben zu DM-Zeiten die USA finanziert und finanzieren nun die EU-Staaten. Als Überschussland muss man immer jemanden finanzieren - da ist es doch besser, man finanziert Europa als Übersee.

Wahnsinn!

Isländer @, Mittwoch, 10.06.2015, 15:00 vor 3871 Tagen @ Orlando 3312 Views

Das heißt im Klartext: wir als Überschussland haben zu DM-Zeiten die USA
finanziert und finanzieren nun die EU-Staaten. Als Überschussland muss man
immer jemanden finanzieren - da ist es doch besser, man finanziert Europa
als Übersee.


Copperfield fällt ins Essen, wenn er das liest.
Die genialste Tarnung von Reparationszahlungen...

Einfach Klasse
Isländer

--
Alle meine Beiträge stelle ich unter Vorbehalt zukünftiger Erkenntnisse.
Die Zeiten des direkten Beweises sind vorbei.
18tm4vxxbKH878xhLWGMhdhtx3rJ16Jc2P

Orlando, wir waren schon mal nicht einer Meinung... Auch: @Weiner

Bernadette_Lauert, Sonntag, 07.06.2015, 21:44 vor 3874 Tagen @ Orlando 3709 Views

bearbeitet von Bernadette_Lauert, Sonntag, 07.06.2015, 21:51

Vielleicht hätten alle jene, für die "Demokratie" offenbar die
allerschlimmste mögliche Herrschaftsform darstellt, mal die Güte, kurz
darzustellen, was besser wäre.

Da kommt dann meistens: nichts.

...aber hier stimme ich Dir zu.

Wenngleich klar ist, dass wir unser demoktatisches System irgendwie verbessern müssen. Erst mal ist die Schweiz ein gutes Vorbild. Aber selbst das kann es nicht gewesen sein. Ich hab mich mal für Liquid Demokracy stark gemacht, beziehungsweise fand die Richtung gut. Ist sie immer noch. Aber mit den Piraten ist zumindest gegenwärtig kein gescheiter Blumentopf zu gewinnen.

Versuche mich gerade in Weiners Idee einzuarbeiten. Bin zur Zeit aber ganz hibbelig wegen den Geschehnissen im Donbass, G7 und dem anstehenden Bilderberger-Treffen. Aber es klingt schon mal "irgendwie Okay".

Gruß, Bernadette

antideutsch

Leserzuschrift @, Sonntag, 07.06.2015, 12:13 vor 3875 Tagen @ Leserzuschrift 4431 Views

Ich habe gerade von der Beleidigung gelesen. Ich wurde von einem Schwarzen wegen Beleidigung angezeigt, weil ich gesagt hatte, er soll sich nach Hause scheren. Ich wurde wohl auch vom Staatsschutz eingeladen und 47 Minuten verhört, die Polizei hätte nicht soviel Zeit gehabt. Wir müssen anfangen, solche Fälle zu sammeln, dieser Staat arbeitet gegen uns Deutsche. Er ist antinational, um nicht zu sagen antideutsch.

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.