Hallo Wallenstein,
worauf stützt Du denn Deine Überzeugung und wann meinst Du, dass es
soweit sein könnte?
Also bis Ende 2016 wird es noch so gehen. Ab dann kommt auch das Bail-In-Verfahren zum Tragen und spätestens jetzt wird Bargeld eine unschöne Freiheit (für den Bürger). Also wird es rund um diesen Termin auch erste Beschränkungen im Bargeldbereich geben.
Das Verbot, was man natürlich viel schöner bezeichnen wird, kommt dann vielleicht 2018. Das sind reine Vermutungen.
Siehst Du ein plötzliches Verbot über Nacht oder ein allmähliches
Auslaufen des Bargelds?
Nein, erst wird es quantitative Beschränkungen geben. Keine Geschäfte über x-tausend Euro und keine Abhebungen über und dann auch kein Bargeld-Besitz über. Wenn dann langsam alle Schafe voll auf Karte oder was auch immer umgestiegen sind, ist die finale Abschaffung so oder so nur noch ein kleines Problem.
Und wenn es weltweit bei vielen Staaten zeitgleich kommt, müssen diese Staaten untereinander keine Kapitalverkehrskontrollen einführen. In und aus Staaten, die Bargeld zulassen, werden alle Zahlungen scharf kontrolliert und es werden jeweils im Einzelfall Nachweise erforderlich. Damit gibt es viele neue Möglichkeiten, die Staaten, die nicht gehorchen und mitmachen, zu schikanieren und zu bestrafen. Z.B. Zahlungen aus und in diese Länder willkürlich zu blockieren, indem Nachweise angezweifelt werden. Das kann Firmen in nicht teilnehmenden Staaten in massive Schwierigkeiten bringen.
Und wie soll das Bargeld in der Schweiz abgeschafft werden, das ginge dort
nur über eine Volksabstimmung und der Widerstand wäre groß!
Da wird die Schweiz schon alleine drauf kommen, dass es keine gute Idee ist, der einzige Bargeld-Anbieter in der zivilisierten Welt zu sein.
Wenn nämlich alle Leute mit "Bargeld-Bedürfnis" selbiges nur noch in de Schweiz realisieren können, dann würde die Nachfrage nach Schweizer Franken noch einmal stark ansteigen.
Hat ein Zustrom von ausländischem Kapital noch gewisse Vorteile, wenn die Banken damit arbeiten können, wird es jedoch zum größeren Problem, wenn das Geld den Banken über die Bargeld-Haltung gleich wieder entzogen wird.
Dafür empfehle ich ggf. noch einmal den Beitrag zum Schuldgeld.
Wenn man verstanden hat, dass Geld nur dann von Bank zu Bank geht, wenn die Sicherheiten ebenfalls von Bank zu Bank weitergereicht werden, wird alles klarer. Dafür muss jede Bank, die an Transfers teilnimmt, gewisse Mindestreserven bei der Zentralbank (als ZB-Geld) vorhalten, indem zulässige Wertpapiere eingereicht werden. Aus Vereinfachungsgründen lasse ich die zeitlichen Beschränkungen, die Wertpapiere eigentlich immer haben, weg, weil sie die Erklärung des Systems unnötig verkomplizieren würden. (Dies ist übrigens auch ein Grund, warum heute fast nur noch Staatsanleihen als Sicherheiten eingesetzt werden, weil die bei zeitlichem Ablauf viel einfacher zu tauschen sind. Ist aber gerade alles OT.)
Täglich saust unheimlich viel Geld zwischen den Banken hin und her. Spätestens am Ende des Tages muss einmal entsprechend dem saldierten Giral-Geldtransfer auch die Deckung des Geldes (was früher mal Gold war) weitergegeben werden. Dafür wird dann jetzt das ZB-Geld, also die eingelagerten Wertpapiere, von einer Bank oder Bankengruppe zur anderen (anteilig entsprechend der Giral-Geld-Salden) weitergereicht. Diese Geschäfte werden entweder untertägig oder spätestens am Ende des Tages alle abgeschlossen.
Bargeld hat nun zunächst erst mal keine andere Aufgabe, als den Transfer von Werten zu realisieren. Und zwar universell im gesamten Währungsgebiet. Letztlich bedeutet das für die Banken nichts anderes, als ein verzögerter, anonymer Transfer von Giralgeld. Denn fordert eine Bank entsprechende ZB-Noten bei der ZB an, wird entsprechend der Menge der Noten der entsprechende ZB-Geld-Betrag vom ZB-Konto der Bank abgebucht. Die Wertpapiere werden also bei der ZB geparkt. Kommt ein Kunde, hebt Geld ab, wird Giralgeld in Bargeld (Zentralbanknoten) umgewandelt. Kommt ein (anderer) Kunde in eine (andere) Bank, zahlt dort Zentralbanknoten ein, erhält er Giralgeld auf seinem Konto gutgeschrieben. Die Bank kann dann die ZB-Noten bei der Zentralbank abgeben. Liefert eine Bank ZB-Noten an, werden die zwischenzeitlich geparkten Wertpapiere in entsprechender Höhe der abliefernden Bank auf ihrem ZB-Konto zugeschrieben.
Werden nun ausländische Guthaben im großen Stil in die Schweiz verschoben, und sollen dort in Bargeld umgetauscht werden, passiert folgendes:
Das Geld kommt bei den Schweizer Banken an, und mit dem Geld werden von ZB zu ZB die Wertpapiere, weitergereicht, die diese dann an die entsprechenden Banken "gutschreiben". Ein Geld-Transfer in die Schweiz ist erst einmal kein Problem, wenn der Geldbetrag in der Schweiz in der Fremdwährung vorgehalten wird, in der er auch eingetroffen war. Dann bleiben einfach die vom Ausland eingetroffenen Wertpapiere im Bestand und gut ist.
Wenn jetzt aber eine Gutschrift auf einem SFR-Konto erfolgen soll, muss ein Umtausch erfolgen und auch die Sicherheit muss damit eine andere werden. Denn jeder Franken, der auf dem Guthabenkonto des Kunden auftaucht, muss vorher über einen Kredit bei einer Bank entstanden sein. Und für diesen Franken gibt es eine zugehörige Sicherheit. Werden diese von Ausländern gehaltenen Franken jetzt auch noch in Bargeld getauscht, um im Banktresor eingelagert zu werden, wird es ganz schnell eng. Dann müssen die Banken nämlich die Sicherheiten für diese Franken alle bei der ZB (und dann relativ dauerhaft) parken. Das wird richtig teuer, weil es dem System erhebliche Mengen an Liquidität entziehen würde, die für normale Geldtransfers innerhalb der Schweiz nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Risiko von Transfers von SFR durch Ausländer war i.d.R so oder so meist begrenzt. Wenige haben Realwerte in der Schweiz gekauft. Viele haben Geld geparkt, ausschließlich um es später wieder in ihren Landeswährung zurück zu tauschen.
Was bei Giralgeld also noch relativ neutral war, weil die Mindestreserven zwar durch das ausländische Kapital steigen, wird bei Bargeldhortung durch Ausländer ganz schnell zum Problem. Denn die Banken müssen dann viel mehr Wertpapiere vorhalten und damit wird der gesamte SFR-Transfer für die Schweiz insgesamt deutlich teurer.
Gepaart mit den Nachteilen der Kapitalverkehrskontrollen an den Grenzen, werden die Schweizer sehr schnell einsehen, dass Bargeld bei ihnen ebenfalls abgeschafft werden muss.
Grüße
Moprheus
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Wir - für die unbeschränkbare Freiheit.