"Nudging: die staatliche Zwangsbeglückung"
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 27.05.2015, 13:12
Die Titelzeile erschien gerade da oben, im Nachrichtenfenster von MMnews. Ich möchte den Artikel kurz kommentieren:
http://www.mmnews.de/index.php/politik/45881-nudging24
„Das Wort Nudging wird in letzter Zeit immer öfter verwendet. Im Prinzip geht es darum, dass eine Gruppe [von Politikern - Anm.d.Verf.] einer anderen Gruppe [von Bürgern - Anm.d.Verf.] beibringt, was diese gut zu finden hat. Das Ganze findet statt, ohne dass die Betroffenen die Meinungs-Manipulation merken. Es ist eine Art kaum merkbarer Bevormundung.“
Ich finde, der Autor hat etwas sehr Wichtiges nicht verstanden:
Die heutigen Politiker sind unsere politischen Vormünder, von uns als solche bestellt. Und was ist die Aufgabe von Vormündern? Zu bevormunden natürlich, was denn sonst!? Und genau das tun sie auch.
Ich nehme an, dass der Autor regelmäßig auf schriftliche amtliche Aufforderung hin zu den sog. Wahllokalen ("Amtsgericht") geht, um sich dort seine Vormünder für die jeweils nächste Vormundschaftsperiode zu bestellen. Er kreuzt dort verbindlich seinen von ihm gewünschten Vormund auf einem Zettel an, was der Unterschrift unter eine Selbstentmündigung gleichkommt.
Nun meine Verständnisfrage: Hält er sich nun eigentlich für mündig genug, um selbst alle wichtigen politischen Entscheidungen im Rahmen einer Basis-/Bürgerdemokratie zu treffen, oder eher für unmündig?
Wenn er sich für unmündig und unqualifiziert hält, politische und gesellschaftsrelevante Entscheidungen zu treffen, so braucht er ganz gewiss einen Vormund, der ihm solche Entscheidungen auch ohne Rücksprache mit ihm abnimmt .. bevor er sich ja selbst Schaden zufügt. Das ist doch der Sinn und Zweck jeder, nicht nur der politischen Entmündigung.
Tja, manche Menschen oder Journalisten sind doch eigenartig schizophren .. wenn nicht gar psychopathisch. Sie wollen zwar einen Vormund haben, aber nicht bevormundet werden. Und sie verstehen nicht den wesentlichen Unterschied zwischen einer Demo'Kratie und einer Politiker'Kratie**.
Soll ich nun darüber schmunzeln oder traurig sein?
Mit Gruß, Beo2
*) -kratie = Herrschaft