OSBEEE und INFOMONEY- Fantasien

Silberengel @, Dienstag, 26.05.2015, 10:26 vor 3886 Tagen 4080 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 26.05.2015, 11:09

Hallo

Die Hörmännchen dieser Welt sind imho Geschäftsmänner hinter dem Deckmäntelchen gesellschaftsutopischer Fantasien, die uns vorgaukeln, es bräuchte keine Schulden (sondern einfach „Eigenkapital an Kassa"), weil wir alle freiwillig kooperieren und freiwillig in die Hände spucken und ohne Gewinnsteigerung und private Eigentumsvermehrung wirtschaften. Doch diese Idee der globalen Genossenschaft /Allmende hatten schon viele andere vor ihm.

Infomoney, OSBEEE, dahinter stecken schon wieder Ideen, wozu es erst mal eines ganz neuen bewussten und unkonditionierten Menschen bedarf.

Was Herr Hörmann zudem seinen Studenten über das Geldsystem und das Bilanzwesen verzapft, nur um von seiner Idee zu überzeugen, ist nicht alles aber zumindest teilweise blanker Unsinn.

Infomoney kommuniziert teilweise in populistischer Manier mit Desinfos und Nebelkerzen bezgl. des fiat money, („doppelte Schuld, die böse doppelte Buchführung, undemokratische Geldschöpfung, nur Warengeld/Vollgeld ist echtes Geld und fiat money bzw. Kreditgeld generell unechtes Geld u.ä. Unsinn) und lockt mit vielen Versprechungen, um Geldgeber/ Kunden für OSBEEE zu locken.

Sämtliche heutigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme werden ergo monokausal auf das Geldsystem und den Zins zurückgeführt um dann populistisch den freiwilligen geldlosen „Weltsozialismus der Prosumenten" dagegenzusetzen.

Herr Hörmann versteht zudem nicht, dass der Mensch nicht an das Kunstprodukt Geld („Infomoney") angepasst werden kann, sondern das Geld an den Menschen angepasst werden muss

Ich wage zu bezweifeln, dass Millionen Unternehmer nun freiwillig in OSBEEE einsteigen (kritische Masse ), zudem der Anreiz für viele viel zu gering ist, sich genossenschaftlich zu engagieren.

Das können viele Unternehmen schon deshalb nicht, weil sie ihre Schulden in der staatlichen Währung bzw. in Buchgeld tilgen müssen, denn sie haben ja auf Kredit Vorleistung von anderen bezogen. Da sie sich ja weiterhin im Wettbewerb befinden und nicht einfach aussteigen können/wollen, brauchen sie weitere Verschuldung, um ihre Rechnungen zu bezahlen und weltweit Kontrakte zu erfüllen.

Ein Fallstrick ist also die konsensierte Definition von Leistung und ihrem Wert. Was für das eine „Dorf" gilt, muss noch lange nicht für das andere so sein, also entsteht in bestimmten Dienstleistungs-/Produktkategorien ein dorfspezifischer Leistungs- und Werte-Kanon-Konsens, innerhalb dessen dann OSBEEE geschöpft werden.

Was nun, wenn OSBEEE-Pools von Dörfern auf verschiedenen Leistungs-Konsensen beruhen und so nicht eins zu eins verrechenbar wären? Wie soll ergo ein Geldsystem wie OSBEEE realistisch mit einem anderen verknüpft sein, das dem diametral entgegen arbeitet?

Wirtschaft ist ja überwiegend keine Tauschveranstaltung sondern beruht auf Vorfinanzierungen, wie ich hier im Forum lernen durfte. Das heißt, ich beziehe jetzt und sofort Leistung/Vorschuss von anderen und amortisiere meinen Kredit mitunter über viele Jahre. Das kann OSBEEE imho nicht leisten. Also auch OSBEEE-Unternehmen müssen sich letztlich dem Wettbewerb stellen. Und dazu brauchen sie Kredit, welchen sie aber gemäß ihrer geldtheoretischen Philosophie nicht ausreichend schöpfen können. Sie müssen also händeringend (wie alle Genossenschaften) um Eigenkapitalsanteile werben, womit sie sich ebenfalls im Wettbewerb um Eigenkapital befinden.

Doch sie haben keinen besseren Anreiz als andere Genossenschaften zu bieten außer eine Utopie und viele leere Versprechungen, was gesellschaftlich nun alles besser wird.
Wenn sich schon fairer Wettbewerb nicht politisch herstellen lässt in Massengesellschaften, ist es schon naiv zu glauben, dass nun alle plötzlich fair sind und sich OSBEEE oder Infomoney und damit dieser Ideologie anschließen wollen.

Zum anderen haben viele nicht vor, in Genossenschaften einzusteigen, weil sie anders konditioniert sind (vgl. „utilitaristischer Individualismus") und Gewinne machen wollen bzw. sich über das Leistungsprinzip, Besitz und Macht definieren und der Wettbewerb und die Aussicht auf Gütervermehrung sie erst richtig beflügelt. Sie wollen sich nicht in ein NEUES „Überwachungs- und Kontrollsystem" integrieren, zudem ein OSBEEE-System zwangsläufig führen muss, je größer die Veranstaltung wird.

Doch in einer ressourcenbasierten Wirtschaft müsste zwangsläufig egalisiert werden, und auch viele monetäre Berufe entfallen wie z. B. Rechtsanwälte, Bankiers, Versicherungsagenten, Verkaufs- und Werbepersonal, Vertreter und Börsenhändler u.v.a.
Doch gerade über diese Berufe (David Graebers „Bullshitjobs") definieren sich auch viele, und was die einen als sinnlos ansehen, macht anderen wiederum Spaß.

Es steckt eine Lüge in der hinter infomoney verborgenden Utopie, wenn behauptet würde, dass wir genug Rohstoffe hätten bzw. keine Knappheit, um jedem Erdbewohner einen sehr hohen Lebensstandard zu ermöglichen. Denn Menschen haben verschiedene Vorstellungen von „hoch".

Dass zukünftig alle 8 Mrd. Menschen auf dem Globus unseren materiellen Lebensstil haben können, ist unmöglich. Und es ist die unerreichbare Utopie, dass wir in den Erst-Welt-Ländern keine hohen Abstriche machen müssten. Ich halte das für reichlichen Blödsinn, denn der Ressourcenverbrauch der aufsteigenden Schwellen- und Entwicklungsländer wird die Erst-Welt-Länder dazu zwingen, ihren übertrieben hohen Lebensstandard zu senken.

Es ist ergo immer Knappheit da, je nachdem, wie hoch man den Güterlimit pro Haushalt ansetzt. Und diese Knappheit wird heute in einer anonymen Gesellschaft prinzipiell durch Leistung und über Marktpreise überwunden. In einer Allmende müsste das Leistungsprinzip aufgegeben werden. Es hat sich aber empirisch immer wieder gezeigt, dass die Motivation und die Leistung nachlässt in sozialistischen Gesellschaften. Viele Menschen sind halt nicht nur durch Freude an der Arbeit motiviert sondern auch durch Aussicht auf einen hohen materiellen Lebensstandard (Luxusgüter etc.). Wenn alle mehr oder weniger das gleiche bekommen, wozu dann noch groß anstrengen.

Und wenn Unternehmer heute sozial sein wollen, wollen sie das durch Spenden oder Stiftungen in ihrem sozialen Umkreis selbstbestimmt machen. Sie sind ergo „liberal" eingestellt und nicht kollektivistisch/genossenschaftlich orientiert. Der Mensch ist halt nicht NUR kooperativ sondern auch egoistisch.

Von daher muss OSBEEE schon im Ansatz scheitern, ähnlich wie das Rheingoldprojekt aus Düsseldorf, aus dem die Idee (Kasse an Eigenkapital) übrigens abgeleitet/von Herrn Hörmann „abgekupfert" ist. Es fehlt schlicht die kritische Masse, die für eine „globale Allmende" freiwillig bereit wäre und es geht zudem von einem falschen Menschenbild aus.

Der „kooperative Individualismus" ist demnach nur in kleineren sozialen Systemen (auch begrenzt überregional vernetzt) möglich. Doch da wir global arbeitsteilig wirtschaften – in einer anonymen Massengesellschaft – muss dieser dezentrale Ansatz auch von daher schon scheitern. Denn
je komplexer und entpersonifizierter soziale System werden, wie wir aus empirischen Erfahrungen wissen, desto mehr Probleme und Interessenskollisionen gibt es, da nun mal nicht alle Menschen gleichgeschaltet sind. Es ist also illusorisch, von einem weltweiten „kooperativen Individualismus" zu fabulieren.
Da reicht es auch nicht, wenn überregional aus verschiedenen Ländern jeweils ein geringer Anteil an Unternehmen mitmacht, um den Kapitalismus bzw. die Anonymität zu überwinden.

Eine Vernetzung über Computersysteme kann die Beziehung von Mensch zu Mensch (wie zum Beispiel in einer kooperativen Gemeinde) kaum ersetzen und damit die Anonymität nicht überwinden. Von daher sind Allmenden auch nur sehr begrenzt möglich und nicht global übertragbar. Was dazu führt, dass das OSBEEE-System ebenfalls nur ein komplementäres am staatlichen Geld ausgerichtetes Subsystem bleibt, welches weiterhin in Konkurrenz (um die Ressourcen) zu anderen Systemen steht und sich somit dem globalen Preissystem beugen muss und sich somit vom „fiat-money" kaum unabhängig machen kann.

Es wird hier eine utopische Hysterie / Masche gestrickt, dass die Welt sich nun dezentral transformieren könne und alle 8 Mrd. Menschen friedlich und kooperativ die Ressourcen teilen können, nur um Mitglieder für OSBEEE zu ködern.

Es scheint alles in allem nicht MEHR als ein neues Marketingprojekt mit gesellschaftsutopischen Anstrich zu sein, um Mitglieder zu ködern. Oder irre ich hier ? :-)

Ich freue mich über weitere Anregungen und Perspektiven zu diesem Thema. Vielleicht sehe ich das ja alles zu eindimensional?


Sonnige Grüße

Es gibt sicher einige Systeme, die funktionieren könnten

Morpheus ⌂ @, Dienstag, 26.05.2015, 18:09 vor 3886 Tagen @ Silberengel 4128 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 26.05.2015, 18:17

Hallo Siblerengel,

(leider habe ich mein erstes Posting aus Versehen zu früh freigegeben, also zweiter Versuch:)

Ich gebe zunächst zu, dass ich den OSBEEE-Beitrag nicht gelesen habe und nicht lesen werde. Solch ein Unsinn kommt immer wieder auf und du beschreibst das mMn schon richtig.

Jedes System, das ohne den aktuell herrschenden Zwang auskommen will, kann nicht (mehr!) funktionieren. Das Geldsystem ist nicht einmal im Ansatz die Quelle der Probleme. Im Gegenteil unser Schuldgeld-System ist so gar sehr sinnvoll.

Aber selbst wenn ein wie auch immer geartetes System funktionieren würde, könnten wir es niemals einführen. Denn die Umstellung des heutigen Systems auf das neue funktionierende System stellt eine unlösbare Aufgabe dar.


Ich kenne ein System, das nach debitistischen Ansprüchen funktionieren könnte. Es würde Sicherheit und Eigentum garantieren, Krontrakte, Kredite und Zinsen zulassen. Aber es würde nicht den Zwang ausüben, den wir heute haben. Den staatlichen Zwang, den wir heute kaum noch als solchen wahrnehmen, weil er ja durch Gesetze ausgeübt sind, die als legitim im Rahmen der Verfassung bezeichnet werden. Das ist aber natürlich nur eine selbst-referentielle Rechtfertigung des Zwangssystems, in dem es selbst damit den von ihm ausgeübten Zwang als anständigen und guten Zwang definiert. Es bleibt dabei natürlich Zwang und dieser Zwang wird auch nicht zum Hauptnutzen der Menschen ausgeführt, sondern überwiegend zum Nutzen des staatlichen Zwangssystems.
Niemals in der Geschichte der Menschheit gab es so viele Gesetze mit einer so hohen Komplexität, wie in den heutigen "Demokratien". Keine Diktatur könnte sich derart viel Zwang erlauben. Es würde damit nur unnötiger Widerstand erzeugt werden. (Deshalb konnte auch keine Diktatur den USA wirklich etwas entgegen setzen. Ist aber ein anderes Thema.)


Wir nehmen den auf uns ausgeübten Zwang in seinem gesamten Umfang gar nicht mehr wahr, weil er schier unbegreiflich ist. Wir haben nämlich absichtlich oder indirekt in vielen Bereichen die von Zwängen betroffenen Tätigkeiten an Spezialisten ausgelagert (Z.B. Steuerberater oder Steuerberatungssoftware, aber auch Versicherungsvertreter und Krankenkassenmitarbeiter sowie das Lohnbüro des Arbeitgebers, Architekten, Wasserversorger, Handwerker, Ärzte). Sie alle bearbeiten unsere Angelegenheiten unter Beachtung der komplizierten Gesetze.

Selbst diesen Spezialisten fällt es aber immer schwerer, mit der Flut der Zwänge und deren laufenden Anpassungen klar zu kommen. Nichtsdestotrotz begrüßen die Spezialisten solche Änderungen fast immer. Rechtfertigen sie doch ihre Existenz und sichern sie ihnen ihr Einkommen, schützen sie mit dem Spezialwissen auch vor unliebsamer Konkurrenz. Deshalb gibt es da auch schnell gute Übereinkünfte zwischen Staatsapparat und den erzwungenen Spezialisten.

Es ist also offensichtlich: Die Existenz unzähliger Spezialisten hängt vollständig und die anderer Spezialisten teilweise an der Existenz des staatlichen Zwangssystems.

Würde dieses Zwangssystem nun abgebaut oder eingeschränkt, entfallen ganze Arbeitsgebiete und damit die Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen und Steuern zu zahlen sowie Schulden zu tilgen. Wenn diese drei Dinge gemeinsam in einem mittleren Umfang auftreten, ist ein Kollaps des heutigen Systems nicht mehr abwendbar. Dann wird neben den Tätigkeiten nämlich auch ganz rasch die gesamte Infrastruktur des staatlichen Zwangssystems (unzählige Fabriken/Büros/Theater etc. aber auch die Städte insgesamt) ungeeignet, um die dann wieder notwendige Basis-Versorgung der (viel zu vielen) Menschen zu sichern / zu fördern.

Deshalb muss der Zwang in unserem System ständig moderat weiter steigen. Dazu gibt es als Alternative nur Gewalt, Anarchie und Hungersnot. Nur durch die weitere Zunahme des Zwangs kann das System weiter erhalten werden. Bei keinem System, das ohne Zwang auskommt bzw. auskommen würde, gäbe es nämlich so viele Menschen, die noch dazu so eng aufeinander (in Städten leben) würden.

Man muss leider erkennen:
Es gibt viel zu viele Menschen, die so nur noch von unserem Zwangssystem am Leben gehalten werden (können). Wird der Zwang aufgehoben, kommt es zum Kollaps. Leider bleibt jedes noch so schön theoretisch funktionierende System damit eine Illusion, weil jedes funktionierende System nur mit vielleicht 500 Millionen Menschen auf dem gesamten Planeten "umgehen" könnte. Mehr Menschen wären in diesen alternativen Systemen niemals in die Welt gesetzt worden und sind deshalb auch nicht ohne den "gesamten heutigen Wahnsinn" zu ernähren. Es müsste bei jeder System-Umstellung also zu einer erheblichen Reduzierung der Menschen auf dem Planeten kommen.

Aus diesem Grund und dem ganz simplen Selbsterhaltungstrieb bin ich inzwischen voll auf dem Trip, das jetzige System möglichst lange laufen zu lassen. Nur wenn der Zwang permanent maßvoll erhöht wird, kann alles weiter laufen. Parallel dazu bin ich aus dem System ausgestiegen und versuche mir langsam, eine Ernährungsgrundlage außerhalb des bestehenden Systems zu generieren. Das ist eine mühselige und Zeit- / Kosten-aufwendige Sache.

Jede Suche nach einem funktionierenden Alternativ-System, das ohne die Nachteile des bisherigen Zwangssystems auskommen will, kann für die große Mehrheit der Menschen nicht (mehr) funktionieren, weil sie darin schlicht weg überflüssig wären. Keiner der vielen schlauen Leute versteht das. Ich habe dafür auch Jahre gebraucht, um mir diese doch sehr unangenehme Tatsache zu erkennen und dann auch noch als unabwendbar zu akzeptieren.

Aber vielleicht kommt ja jetzt jemand mit einem ganz tollem System heraus, das tatsächlich ohne die heutigen Nachteile funktionieren kann und bei dem auch die Umstellung des Ist-Zustandes auf das neue System möglich ist.

Mich würde die Existenz eines derartigen Alternativ-Modells mit Umstellungsmöglichkeit sehr freuen!

Grüße
Morpheus

--
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Wir - für die unbeschränkbare Freiheit.

Sehr guter Beitrag von Dir - Noch mal eine Frage zu Ashitakas Aussage

Silberengel @, Mittwoch, 27.05.2015, 17:15 vor 3885 Tagen @ Morpheus 2018 Views

Hallo Siblerengel,

(leider habe ich mein erstes Posting aus Versehen zu früh freigegeben,
also zweiter Versuch:)

Ich gebe zunächst zu, dass ich den OSBEEE-Beitrag nicht gelesen habe und
nicht lesen werde. Solch ein Unsinn kommt immer wieder auf und du
beschreibst das mMn schon richtig.

Jedes System, das ohne den aktuell herrschenden Zwang auskommen will, kann
nicht (mehr!) funktionieren. Das Geldsystem ist nicht einmal im Ansatz die
Quelle der Probleme.
Im Gegenteil
unser Schuldgeld-System ist so gar sehr sinnvoll
.


Hallo

Danke für Deinen verlinkten Beitrag.

Auch der von Ashitaka war sehr erhellend:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=351068


Folgendes Zitat habe ich nicht verstanden:

Debitisten fragen nun: Warum aber bekommen diese Banknoten und Münzen erst durch und über die Laufzeit geldpolitischer Geschäfte ihren Wert, der sie bei der Zentralbank erst passivierungsfähig macht?

Die Antwort lautet: Weil etwas nur einen Wert hat, wenn es eine Person haben muss (also nicht hat) bzw. schuldet. Erst dadurch, dass jemand mit dem Kreditinstitut ein Schuldverhältnis eingeht, sich der Kreditnehmer dazu verpflichtet, eine bestimmte Geldsumme zurückzuzahlen, kann diese Geldsumme im Rahmen geldpolitischer Geschäfte überhaupt entstehen, passiviert werden.


Also dass der Druck, sein Eigentum durch Pfändung zu verlieren, den Kreditnehmer dazu zwingt, zu wirtschaften, kann ich nachvollziehen. Und auch die Steuerschuld muss zum Termin beglichen werden, damit das Finanzamt nicht das (Geschäfts-)Konto pfänden oder sperren lässt.

Nun wirtschaften aber auch Unternehmen, die keinen Kredit haben. Sie wirtschaften nur aus dem Motiv der Gewinnmaximierung heraus bzw. damit sie im Konkurrenzkampf nicht ihr Eigenkapital verlieren.

Würde letzterer Druck nicht schon allein ausreichen, dem Geld Wert zu verschaffen, selbst ohne Abgaben-/ und Tilgungszwang?

Sonnige Grüße

Der systematisch, ursächliche Druck

Ashitaka @, Donnerstag, 28.05.2015, 20:11 vor 3884 Tagen @ Silberengel 2061 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 28.05.2015, 20:33

Hallo Silberengel,

Folgendes Zitat habe ich nicht verstanden:

Debitisten fragen nun: Warum aber bekommen diese Banknoten und Münzen
erst durch und über die Laufzeit geldpolitischer Geschäfte ihren Wert,
der sie bei der Zentralbank erst passivierungsfähig macht?

Die Antwort lautet: Weil etwas nur einen Wert hat, wenn es eine Person
haben muss (also nicht hat) bzw. schuldet. Erst dadurch, dass jemand mit
dem Kreditinstitut ein Schuldverhältnis eingeht, sich der Kreditnehmer
dazu verpflichtet, eine bestimmte Geldsumme zurückzuzahlen, kann diese
Geldsumme im Rahmen geldpolitischer Geschäfte überhaupt entstehen,
passiviert werden.


Also dass der Druck, sein Eigentum durch Pfändung zu verlieren, den
Kreditnehmer dazu zwingt, zu wirtschaften, kann ich nachvollziehen. Und
auch die Steuerschuld muss zum Termin beglichen werden, damit das Finanzamt
nicht das (Geschäfts-)Konto pfänden oder sperren lässt.

Die Schuld ex nihilo, die Abgabenforderung der Zentralmacht, sie ist die erste systamtische Voraussetzung für die Entstehung von Eigentumsrechten und die Entfaltung der Wirtschaftsräume. Eigentum kann ohne das finanzierte Zentralmachtsystem (seine Gewalten) nicht entstehen, da keine Rechtsordnung mangels Rechtsinstitut entstehen kann. Eigentum ist eben keine bloße Sachherrschaft, sondern die umfassende Sachherrschaft, die eine Rechtsordnung zulässt (d.h. dem Subjekt einräumt und verteidigen kann).

Ohne Abgaben-/Steuerschuld wäre mangels vorhandener Besicherung der Verschuldung der Zentralmacht nichts davon finanzierbar. Es geht eben immer ursächlich darum, dass die Zentralmacht einen wie auch immer von den Untertanen verlangten Kapitaldienst leisten kann (Redistribution, Staatsausgaben). Sie kann nicht nur versprechen. Die Abgaben bringen den systematischen Zeit- bzw. Termindruck ursächlich ins Spiel.

Nun wirtschaften aber auch Unternehmen, die keinen Kredit haben. Sie
wirtschaften nur aus dem Motiv der Gewinnmaximierung heraus bzw. damit sie
im Konkurrenzkampf nicht ihr Eigenkapital verlieren.

Ja, aber das sind Einzelfallbetrachtungen. Die Zentralmacht duldet dies nur solange, wie sie sich 1. ausreichend verschulden kann (über Anleihenmärkte, Kassenkredite etc.) und 2. das Steueraufkommen aller Untertanen ausreicht, um die Verschuldung zu besichern (d.h. Staatsausgaben bzw. Zinszahlungen leisten zu können). Gerät die Finanzierung der Staatsmacht in Gefahr, schlachtet sie alles und jeden. Derzeit versucht man die Schlachtbank dadurch beiseite zu kehren, dass man alle erdenklichen Prolongationen, gepimpt über Fonds und Zentralbankpolitik, anbietet. Doch da diese Instrumente die Gefahren nur weiter aufschieben, wird es am Ende jeden Insassen, so fett seine Jahre auch waren, zerreißen. Die Spitzenabgabenlast und aktuell niedrige Unternehmensbesteuerung, wie wir sie derzeit genießen (für KMU typisch bei Einzelunternehmen/Personengesellschaften die Gewerbesteueranrechnung oder das Schachtelprivileg für 95% meiner Zielgruppe), die wird sich später jeder wieder zurück wünschen. Der Sozialstaat wird eh abgeschafft, brutal über kleinste Konfilkte auf kommunalen Ebenen. Die Verschiebung der Finanzen für Soziales auf die kleinsten Haushalte ist eine ganz feine Sache für Berlin, sichert das Machtgefüge enorm.

Würde letzterer Druck nicht schon allein ausreichen, dem Geld Wert zu
verschaffen, selbst ohne Abgaben-/ und Tilgungszwang?

Nein, weil der Druck/Zwang nur systematisch durch Zentralmachten entstehen kann. Weil die Wirtschafts-, Kredit- bzw. Haftungsräume allesamt auf diesen Zwängen installiert sind und nur durch einen Abgaben/Steuern erhebenden Staat entstehen. Der Druck entsteht systematisch und derzeit noch sehr erträglich. Die Eigentumsrechte der Privaten, die kreditbasierte Wirtschaft, es sind zeitliche Stretching-Maßnahmen der Machtkreisläufe. Dadurch, dass Geld heute ausschließlich kraft Schuldverhältnis (Schuldgeld) über geldpolitische Operationen der Zentralmacht (über deren autorisierte Zentralbanken) geschaffen wird und sich jeder Untertan darin geübt sieht, alles für eine Schuldbefreiung zu geben, funktioniert es länger als alle vorherigen Abgaben-/Zentralmachtsysteme. Sowas hat es noch nie gegeben. Doch es ändert nichts an der Tatsache, dass die Verschuldungen (Kredite, Staatsschulden)nur durch Aufschuldungen getilgt werden können. Alle haben das Vorher-Nachher-Problem und kommen nur gegen weitere Verschuldung an Guthaben / Geld.

Das System hat keinen Error, denn das System ist endlich, die Druckerhöhung nicht unendlich.

Danke für deine Texte und wichtigen Fragen.

Herzlichst,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.

OSBEEE ein Plagiat!!!

greenmann @, Donnerstag, 18.06.2015, 22:54 vor 3863 Tagen @ Silberengel 2183 Views

Das tut schon körperlich richtig weh, wenn da ein schlechtes Plagiat so enthusiastisch beworben wird. OSBEEE ist nichts anderes als der billige Abklatsch von TREEEC. Selbst Formulierungen wurden von OSBEEE eins zu eins übernommen. Und sogar die drei “E”.

Das entscheidende Problem ist aber, dass OSBEEE offenbar die Vorlage TREEEC nicht einmal verstanden hat und nur heiße Luft verbreitet. Selbst Prof. Hörmann scheint erkannt zu haben, dass T:MONEY, das Geldsystem von TREEEC besser und praktikabler ist als sein eigenes.

Wer das Original kennen lernen will, kann sich freuen. Ende Juni 2015 startet die Betaphase bei TREEEC: http://www.treeec.de .

Und dann beginnt es mit echten Lösungen.

Im Blog http://blog.treeec.xyz wird TREEEC kommentiert, aber auch das Plagiat OSBEEE und andere mehr oder minder vergleichbare Systeme.

Übrigens, gute Leute sind eingeladen. Zu TREEEC.

Herzliche Grüße

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Wandere aus, solange es noch geht.