SAP & NSA

Leserzuschrift @, Freitag, 22.05.2015, 19:38 vor 3890 Tagen 4867 Views

Hallo,

ich habe schon sehr lange (+20 Jahre) beruflich mit SAP zu tun.
Es gab bereits schon länger Gerüchte, daß SAP mit der NSA zusammenarbeitet.
http://www.zeit.de/digital/internet/2015-03/nsa-sap-uberwachung-technik/komplettansicht
http://www.danisch.de/blog/2015/01/30/der-bnd-die-zeit-und-die-meta-daten/

Ich würde dazu gerne noch mehr Meinungen bzw. Informationen haben. Besonders zu SAP HANA http://de.wikipedia.org/wiki/SAP_HANA und SAP Sybase ESP http://en.wikipedia.org/wiki/Event_stream_processing
http://www.sap.com/germany/pc/tech/database/software/sybase-complex-event-processing/in...

Also nicht technische Informationen, sondern Hintergrundinfo bzw. Insiderwissen.

Gruß
Leser

Ich bezweifle, dass man das so unumwunden beantworten kann ... (SAP und Geheimdienste) ...

CrisisMaven ⌂ @, Freitag, 22.05.2015, 20:23 vor 3890 Tagen @ Leserzuschrift 4878 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 22.05.2015, 20:31

Es gab bereits schon länger Gerüchte, daß SAP mit der NSA zusammenarbeitet.
Also nicht technische Informationen, sondern Hintergrundinfo bzw. Insiderwissen.

Hierzu gibt es zwei Dinge zu sagen [auch wenn Sie das nach 20 Jahren SAP selbst wissen, aber eben andere Leser meist nicht]:

A) SAP ist zwar nicht "Open Source" sondern ein proprietaeres System, aber der Quellcode in der SAP-eigenen Programmiersprache ABAP liegt offen, insofern ihn jeder mit den entsprechenden Rechten in einem laufenden SAP-System einsehen kann.

B) SAP hat verschiedene Branchenloesungen (Industry Solutions). Darunter auch eine militaerische Auspraegung "SAP for Defense & Security":

"Whether you manage a military force, a national security agency, border protection, emergency management, or a law enforcement authority, the SAP for Defense & Security solution offers real-time resource information so command-and-control personnel can continuously determine the status of operational readiness."

("Ob sie nun Streitkraefte, Polizeikraefte, Grenzschutz, Katastrophenschutz oder Strafverfolgungsbehoerden betreiben, die Branchenloesung SAP Verteidigung und Sicherheit gibt Ihnen Echtzeitloesungen, damit das Personal in der Befehlsstruktur sich jederzeit ueber die Einsatzbereitschaft im Klaren ist.")

"Meet any threat with our defense & security software"

Mit ihrer Branchenloesung "aerospace & defense" fuer die Waffen- und Luftfahrtindustrien ist SAP weiterhin natuerlich direkt mit dem militaerisch-industriellen Komplex verflochten. Man kann ja nun schlecht fuer eine Branche Software entwickeln, ohne in deren intimsten Betriebsgeheimnisse eingeweiht zu sein.

Und logischwerweise muss ein SAP-Mitarbeiter oder einer aus einem Beratungshaus, der solche SAP-Loesungen implementiert, geheimdienstlich "freigegeben werden", wenn er/sie in sicherheitswichtigen Bereichen eingesetzt werden soll. Da werden dann die letzten zwanzig Jahre Urlaub analysiert, auch wenn man selber nicht mehr weiss, wo man da war ...

Vor Jahren schon hat der deutsche BND-Bundesnachrichtendienst u.a in seiner Materialverwaltung (MM) und Instandhaltung (PM) SAP eingesetzt - der Einfuehrungspartner war Siemens SBS (Siemens Business Systems, das Siemens-eigene Beratungshaus, seit 2010 an ATOS Origin verkauft).

Weiterhin hat die Bundeswehr eines der bisher groessten Projekte der SAP-Geschichte am Laufen (auch anfaenglich Materialwirtschaft; so kann man abgestuerzte Airbus besser ausbuchen).

Aus obigem Punkt A) folgt, dass NSA und andere Geheimdienste den Quellcode fuer SAP kennen und evtl. somit auch Schwachstellen, die man zur Spionage oder Sabotage nutzen koennte, wenn es welche gibt.

Aus B) folgt, dass SAP selbst in jedem Falle, im Guten wie im Schlechten, mit den Geheimdiensten "vertrauensvoll zusammenarbeiten" muss, wenn es ueberleben will. Denn saemtliche Fortune100-Unternehmen betreiben SAP-Systeme und dies ist auch ein wirtschaftlicher Risikofaktor.

Es gibt daher dort eben entsprechende Mitarbeiter(innen) mit entsprechendem "Clearing" und entsprechender Anbindung.

Den Rest darf jeder selbst weiterspekulieren.

Dasselbe gilt aber auch fuer Unternehmen wie Siemens, AEG, Bosch, schlicht jeden, der Hochtechnologie und/oder Software herstellt oder wartet (!), die in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt werden.

Konkreter wird keiner werden (koennen/wollen) und ... das, was man offiziell erfaehrt und was Journalisten "vertraulich" gesteckt wird, ist immer auch Teil einer absichtlichen Desinformationskampagne.

---

P.S.: Alles geheuchelt und gelogen ...

--
Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
Atomkraft | in English

Alle Achtung! Sehr gut auf den Punkt gebracht. (oT)

Todd @, Freitag, 22.05.2015, 20:28 vor 3890 Tagen @ CrisisMaven 3169 Views

- kein Text -

So einfach....

QuerDenker @, Freitag, 22.05.2015, 21:06 vor 3890 Tagen @ CrisisMaven 3836 Views

Hallo CM,

A) SAP ist zwar nicht "Open Source" sondern ein proprietaeres
System, aber der Quellcode in der
SAP-eigenen Programmiersprache ABAP liegt offen, insofern ihn
jeder mit den entsprechenden Rechten in einem laufenden SAP-System einsehen
kann.

Eines der THEORETISCHEN Probleme auch bei Opensource ist ja leider potentiell immer auch der Compiler (und Nebenwerkzeuge wie Linker usw. - und bei Java und die zahlreichen 'außenrumgebautes' Sprachen wie z.B. Clojure auch die VMs, die Zwischencode/Microcode dann interpretieren bzw. ausführen)

Die normalen OpenSource-Tools sind hier auch 'quelloffen'.

Da ABAP 'proprietär' ist, ist es also auch der Compiler...

'Disclaimer':
Es will hier natürlich niemand 'Closed-Source' irgendetwas unterstellen, sondern nur das Fehlen von Transparenz - und damit des Fehlen der Möglichkeit des Einblickes durch den Anwender - aufzeigen...

Kleiner aufenzwinkernder Rückblick:
In Zeiten von direktem Programmieren in Assemblerpseudocode (oder klene PRogramme gar direkt in binär/hex waren nunmal keine Compiler notwendig, war 'quellcodeidentiät' einfach einfacher festzustellen [[zwinker]]


Beste Grüße

QuerDenker

--
10cc: 'communication is the problem to the answer' <img src=" />

Vergleich Firefox

Leser68 @, Freitag, 22.05.2015, 22:06 vor 3890 Tagen @ QuerDenker 3881 Views

Der Sourcecode von Firefox ist komplett offen. Aber das sind inzwischen etwa 13 Mio. Zeilen Code (ohne Kommentare und Leerzeilen - s. http://de.wikipedia.org/wiki/Lines_of_Code ):


Mozilla Firefox
Project Summary, Analyzed 2 days ago based on code collected 3 days ago.
In a Nutshell, Mozilla Firefox...
...
has had 252,521 commits made by 3,482 contributors
representing 12,970,401 lines of code
https://www.openhub.net/p/firefox

Und dann gibt es inzwischen tausende Flags (in URL-Feld about:config eingeben), die man einstellen kann. Von denen gibt es einige, die auch mit Datenweitergabe u.a. an die Mozilla Foundation zu tun haben. Nur um DAMIT sich auszukennen, muss man ziemlich viel Zeit investieren, also ganz zu schweigen vom Finden von Hintertürchen in 13 Mio. Zeilen Code.
So ähnlich ist es dann bei anderen komplexen Programmen: MS Office, CAD-Programme, FEM-Programme etc. - aber auch Opensource-Programme wie LibreOffice!

Schulteranzahl

QuerDenker @, Freitag, 22.05.2015, 23:25 vor 3890 Tagen @ Leser68 3312 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 23.05.2015, 15:44

Hallo Leser68,

has had 252,521 commits made by 3,482 contributors
representing 12,970,401 lines of code
https://www.openhub.net/p/firefox

Das würde rückwirkwend zunächst bedeuten, jedes der rund 253k Commits auf relevante Änderungen geprüft zu haben...
Das bedeutet umgekehrt aber, dass nur die Änderungen zu prüfen waren und nicht jedesmal 13 Mio. Zeilen! Und das mit den kanpp 13 Mio. Codezeilen relativiert sich auch weiter dadurch, dass ja hier auch der Code diverser 'konstanter' Bibliotheken mitgezählt werden, die bei OpenSource auch schon unabhängig viele Augenpaare gesehen haben.

Noch dazu wäre ja, um bei dem Beispiel des Fadens zu bleiben, der Fokus nur darauf zu richten, wo z.B. I/O über Netzwerk oder Ähnliches wie named pipes usw. stattfindet; also hier vereinfacht gesagt erstmal zu schauen, ob irgendwo URLs oder IPs fest codiert sind usw.

Und dann gibt es inzwischen tausende Flags (in URL-Feld about:config
eingeben), die man einstellen kann. Von denen gibt es einige, die auch mit
Datenweitergabe u.a. an die Mozilla Foundation zu tun haben.

Und jedes dieser Flags hat ein paar (oder ein paar mehr) Zeilen Code, den es zu sichten gilt/galt. [[top]]

Nur um DAMIT
sich auszukennen, muss man ziemlich viel Zeit investieren, also ganz zu
schweigen vom Finden von Hintertürchen in 13 Mio. Zeilen Code.
So ähnlich ist es dann bei anderen komplexen Programmen: MS Office,
CAD-Programme, FEM-Programme etc. - aber auch Opensource-Programme wie
LibreOffice!

Wenn sich das dann auf '10000e Schultern draufsehende' verteilt, sind auch 13 Mio. Zeilen nicht mehr so viel, wie es erscheint.
Bei Closedsource sind es zweifelsfrei weniger 'Draufseher'!

Nichtsdestotrotz ist natürlich OpenSource damit auch nur ein Stück transparenter.

Aber der Unterschied liegt genau in dieser Transparenz. [[smile]]


Grüße

QuerDenker

--
10cc: 'communication is the problem to the answer' <img src=" />

Alles Schmarrn.

YooBee, Samstag, 23.05.2015, 01:37 vor 3889 Tagen @ CrisisMaven 3622 Views

bearbeitet von YooBee, Samstag, 23.05.2015, 01:43

A) SAP ist zwar nicht "Open Source" sondern ein proprietaeres
System, aber der Quellcode in der
SAP-eigenen Programmiersprache ABAP liegt offen, insofern ihn
jeder mit den entsprechenden Rechten in einem laufenden SAP-System einsehen
kann.


Das ist wohl wahr, der Code von Applikationen ist offen, wenn man die Berechtigung zum Debuggen hat. Was für Entwickler großartig ist [[top]]. Das heißt aber nicht, dass erkennbar ist, was der Interpreter/Compiler tatsächlich innerhalb der ABAP-Befehle so tut...

Glaubt jemand wirklich, internationale Großkonzerne würden SAP oder auch Oracle einsetzen, wenn sie sich leicht ausspionierbar fühlen würden?? Ein solches System hängt vielmehr an sauberen Zugangs- und Berechtigungssperren. Aber hackbar ist so ziemlich alles... wobei es einfacher ist, einen Mitarbeiter der "Basis" zu kaufen, der einem den kompletten Zugang gewähren kann.

Es wird ja viel gemunkelt, das Microsoft, Oracle, SAP etc. "Hintertürchen" in ihre Systeme einbauen... ich denke, die NSA hat das gar nicht nötig.

Shai Agassi war von 2001-2007 bei SAP und ab 2002 Vorstandsmitglied. (mT)

DT @, Freitag, 22.05.2015, 23:59 vor 3889 Tagen @ Leserzuschrift 4589 Views

http://de.wikipedia.org/wiki/Shai_Agassi

Agassis Vater Reuven Agassi (* 1941) war Oberst in der israelischen Armee und später in der Telekommunikation tätig.

1986 trat Agassi seinen Wehrdienst als Programmierer bei der militärischen Aufklärung der israelischen Armee an. Im Anschluss studierte er am Technion und schloss dort 1990 seinen Bachelor in Informatik mit Auszeichnung ab.

Aufklärung = anderes Wort für Spionage.

Noch Fragen, Kienzle?

[image]
Shai Agassi (geb. 1968)

Bevor Agassi Vorstandsmitglied bei der SAP AG wurde, war er Vorstandschef der Firma SAP Portals, die 2002 komplett in die SAP AG integriert wurde.

SAP Portals wiederum ging aus der israelischen Firma TopTier Software hervor, die von der SAP AG im Jahre 2001 für 400 Millionen US-Dollar übernommen wurde. TopTier war 1992 von Shai Agassi gegründet worden. TopTier entwickelte Portal-Software auf Basis von Microsoft-Technologien. Agassi leitete dabei die Technologie-Entwicklung und hatte später auch die Firmenleitung inne. Er setzte sich 1996 für den Umzug von TopTier nach Kalifornien ein.


Als der SAP-Mitbegründer Hasso Plattner Mitte 2003 den Vorstand der SAP AG verließ, wurde Agassi von den Medien bereits als dessen Nachfolger für den Vorstandsvorsitz gehandelt. 2003 wurde Agassi vom TIME Magazine und CNN zu einem der 20 einflussreichsten Geschäftsleute 2003 gewählt.

Am 29. Oktober 2007 gründete er die Firma Project Better Place. Im Mai 2008 präsentierte die Firma einen Prototyp des Autos. Anfang Januar 2009 verkündete er: "Ich bin das Ende des Öls." Er wollte die großen Automobilhersteller dazu bringen, in den nächsten 15 Jahren viele neue Elektroautos herzustellen.


Am 26. Mai 2013 hat Better Place in Israel vor Gericht beantragt, einen Insolvenzverwalter einzusetzen, um eine geordnete Abwicklung einzuleiten, nachdem letzte Finanzierungsgespräche gescheitert waren.

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.