Das britische Schachspiel vor dem 2. Weltkrieg

Falkenauge @, Montag, 18.05.2015, 09:06 vor 3897 Tagen 4568 Views

Hier zum Ausgleich des vorangegangenen körperlichen Trainingsprogramms eine wichtige geistige Übung.

Die offizielle Geschichtsschreibung hat in bezug auf den 2. Weltkrieg und seine Vorgeschichte überwiegend, um nicht zu sagen fast ausschließlich, das Nazi-Regime und seine Verbrechen im Focus. Da gibt es ja auch viel zu schreiben.

Zu kurz kommen dabei aber die originären strategischen Ziele der Briten z. B. und das deutsch-polnische Verhältnis zwischen 1919 und 1939. Der amerikanische Wirtschaftshistoriker Guido Preparata kommt in einer Forschungsarbeit zu der These: „Die Briten waren niemals geteilter Ansicht in der Frage, was mit Hitler geschehen solle. Das war ganz offensichtlich: zerstört ihn zu gegebener Zeit und richtet Deutschland zugrunde! Das verlangte die Logik des Empires.“

Dabei wendeten sie verschiedene Mittel an: freundliche Hofierung und Schmeichelei, Drohung, Instrumentalisierung für scheinbar gemeinsame Ziele und Ausspielen gegen die Ziele einer stark chauvnistischen polnischen Elite.

Diese für ein Gesamtverständnis der Ereignisse wichtigen Hintergründe werden in der herrschenden Geschichtsschreibung weitgehend ausgeblendet.

Im folgenden Artikel bin ich dem etwas nachgegangen:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/05/15/das-britische-schachspiel-die-instrume...

Buchtipp dazu!

stocksorcerer @, Montag, 18.05.2015, 14:15 vor 3897 Tagen @ Falkenauge 3151 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 18.05.2015, 14:34

Zum tieferen Einstieg in die Materie empfehle ich Gerd Schultze-Rhonhof: "1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte. Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg" OLZOG Verlag GmbH, München, 650S.

http://www.amazon.de/dp/3957680883/?tag=dasgelbeforum-21

Das Buch ist erschöpfend, was WKII angeht, und herrlich zielführend, weil es von einem Generalmajor a.D. geschrieben wurde, der in der Logistik der Streitkräfte bewandert ist. Daher wählt er unter anderem auch eine militärische Perspektive, die ausgehend von "Hitlers Machtergreifung" den langen Prozess der Rüstung Deutschlands und seiner Nachbarn sichtet, beschreibt und analysiert. Dabei schildert er auch eindrucksvoll, dass Deutschland überhaupt keine Wahl zur Aufrüstung blieb, weil das Reich ständig Angriffen und Übergriffen seiner Nachbarn ausgesetzt war und sich nicht hinreichend verteidigen konnte. Darüber hinaus beschreibt er das bewusste Versäumnis der WKI-Siegermächte, selbst abzurüsten, wie das Versailles und St. Germain vorsahen.

Einziger Mangel des Buches sind meines Erachtens die nach heutigem Kenntnisstand nicht ausreichend beleuchteten Personen der ersten und zweiten Reihe im Empire, die schon maßgeblich am Kreieren des Ersten Weltkriegs beteiligt waren. Zum Beispiel bietet einer der unverzichtbaren, willfährigen Wegbereiter, nämlich Lloyd George, in der Analyse bei Docherty und Macgregor ein deutlich verkommeneres Bild als bei Schultze-Rhonhof. Zu WKI hätte es deutlich mehr zu sagen gegeben, aber das war schlussendlich ja auch nicht der Titel seines Buches.

Jedenfalls riskiert man bei der Lektüre, wenn man noch nicht tief in der Thematik steckt, dass einem der Hals anschwillt bis zu der Stärke eines Oberschenkels, wenn man vergleicht, was uns am Ende in den Schulen zu WKII erzählt wurde und leider immer noch wird. ;)

Gruß
stocksorcerer

Guter Buchtipp

Falkenauge @, Montag, 18.05.2015, 16:02 vor 3897 Tagen @ stocksorcerer 2357 Views

Vielen Dank für die Ergänzung. Das Buch von Gerd Schulte-Rhonhof habe ich und kann es auch wärmstens empfehlen. Weil ein Artikel in der Länge nur begrenzt sein kann, werde ich erst im nächsten Artikel für gewisse Vorgänge zwischen Polen, Deutschland und England darauf zurückgreifen.

Mit freundlichem Gruß

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