OT-Wochenendfrage: Wie wehrt ihr euch gegen Mitmenschen, die euch als Mülleimer missbrauchen?

Ankawor, Samstag, 16.05.2015, 17:23 vor 3898 Tagen 5258 Views

Zum Wochenende mal eine Frage zum menschlichen Zusammenleben, die mir schon einige Zeit auf der Zunge liegt.

Bei mir (Besitzer eines 30jährigen Autos, von dem ich nur weiß, wie es angestellt wird, und den Rest auch gar nicht wissen will) kommt ein Mitmensch in den Garten und sagt ohne Einleitung:

"Es ist für dich vielleicht nicht so interessant, aber BMW hat neu ... unglaublich ... Turbo ... elektronisch ... Verbrauch ... Beschleunigung ... Sonderausstattung ... im Gegensatz zu Mercedes ... und weißt du auch warum ... und so weiter"

und ich muss mir das dann 20 Minuten lang anhören. Immerhin habe ich mich schon so weit trainiert, dass ich nicht nicke, keine Nachfragen stelle und auch kein Hmm mehr brumme, sondern meine Tätigkeit fortführe. Trotzdem ist das lästig, wenn ich 10 Minuten mit dem Finger am Einschalter der Bohrmaschine höflich warte, bis das Thema erschöpft ist.

Ich kenne ungefähr 5 Leute, die mich regelmäßig mit sowas beglücken, etwa über Download-Geschwindigkeiten auf unterschiedlichen Straßenseiten oder mit Witzen, über die kein Mensch lachen kann, die den Erzähler aber immer sofort an einen Folgewitz denken lassen.

Diese Vorkommnisse werden anscheinend immer mehr.

Es ist halb ironisch, aber auch halb ernst. Denn ich ertappe mich dabei, wie ich Vorkehrungen treffe, um solchen Müllabladern zu entgehen (etwa Arbeit im Garten nur vor 7 Uhr morgens), aber das ist schwierig. Wenn ich wie im ersten Fall sofort sage: Du hast recht, das interessiert mich überhaupt nicht, dann muss ich es mir trotzdem anhören.

Es würde mich mal interessieren, ob andere sowas auch erleben, und wenn ja, wie ihr euch dagegen (wirksam) wehrt.
Vielleicht bin ich ja auch nur überempfindlich.

Danke und schönes Wochenende

Ankawor

PS: Ein 93-jähriger Verwandter ist ganz konsequent. Er will kein "Rentnergelaber" über Krankheiten hören und steht sofort auf und geht raus, wenn jemand mit irgendwelchen Zipperlein anfängt. Das bringt ihm viel Bewegung. [[freude]]

Eventuelle Antwort

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 16.05.2015, 18:04 vor 3898 Tagen @ Ankawor 4451 Views

Schwierig ,sowas, ich kenne das auch. Andererseits ist es ein soziales Problem. Das sind in der Regel Menschen, die entweder keinen Ansprechpartner mehr haben (schicksalsmäßig oder auch selbst verschuldet, weil sie jeden vergraulen), oder die zuhause nichts mehr zu sagen haben, aufgrund eines dominanten Ehepartners.

Es gibt nur die Möglichkeit, - entweder die Leute mit einem rhetorischen Trick von ihrem Evangelium abzubringen, oder sie vor den Kopf zu stoßen, indem man das Gespräch mit ihnen meidet oder sogar abbricht, oder den diplomatischen Weg mit Gartenarbeit um 7 Uhr morgens.

Das Zweite finde ich schade, - wir sprechen ohnehin zuwenig miteinander, das Miteinander geht immer mehr in Richtung Abschottung zurück. In D in den Großstädten schon viel zu viel verbreitet, - auf den Dörfern gehts noch. Einer der Punkte, die mir in Rumänien gefallen, da nimmt man noch am Leben der anderen teil, spricht miteinander, auch wenn es nur Belangloses ist. Geht allerdings in den großen Städten auch langsam zurück.

Das Dritte ist auch machbar, - aber kompliziert und nervt irgendwie. Wenn man bei dem Beispiel Gartenarbeit bleibt, dann gibt es noch einen Trick, den ich auch schon probiert habe: ich habe für diesen Fall immer etwas neben mir, was Krach macht. Entweder der Rasenmäher, oder die Heckenschere, oder sonst irgendein Motorwerkzeug. Wenn derjenige dann wieder anfängt mit unnützem Gelaber ,dann schalte ich das Ding ein, hebe die Stimme, um das zu übertönen, er natürlich auch, aber ihm wirds spätestens dann zu blöd, wenn ich das dritte Mal beim selben Ausspruch wieder frage: "Was hast du gesagt?", weil ich es nicht gehört hätte. Auch wenn ichs 10 x verstanden habe.

Nun zum ersten Beispiel, der rhetorische Trick. Das ist komplizierter,. aber hilft oftmals. Nicht unbedingt beim ersten Mal, aber doch nach dem dritten oder vierten Mal. Ich will das an dem Beispiel mit dem BMW verdeutlichen:
Er sagt, wie perfekt der Anlasser bei der 7er Serie vom Baujahr xy funtioniert. Ich antworte drauf, dass ich es aber ganz schlecht finde, dass diese Serie nicht mehr mit 4-Gang Schaltgetriebe hergestellt wird, weil das ja viel besser wäre. Klar weiß jeder ,der nur einen Funken Kenntnis von Autos hat, dass ein 4-Gang Getriebe mehr Sprit verbraucht und uneffizient ist. Heute hat man 5-Gang und 6-Gang-Getriebe.

Ich mache also nichts anderes, als im selben Thema irgendeinen anderen Bereich herauszugreifen und da völligen Unsinn zu erzählen. Schön. Was bewirke ich damit? Er bekommt den Eindruck, dass ich von der Sache keine Ahnung habe, einfach zu bescheuert bin, um das Thema zu begreifen, und gibts dann über kurz oder lang auf, mich dahin zu belehren. In seinen Augen bin ich eben eine geistige Null auf diesem Gebiet, und damit kann ich leben. Aber er kommt nicht mehr auf derartige Themen zurück.

Funktioniert natürlich nur bei Leuten, die eine Vorliebe für ganz bestimmte Themen haben. Wenn jemand aus Prinzip über alles und jedes schwafelt, dann schwenkt er um und erzählt was über den verstopften Abfluß bei der Spüle.

So, das waren meine - hoffentlich nicht zu ausführlich geschwafelten - Ideen zu der Problematik. Trotzdem solllten wir versuchen, mit den Nachbarn, Freunden und Bekannten im Gespräch zu bleiben. Der TV und der PC haben ohnehin schon viel zu viel davon verschluckt.

"Blablabla"

Rybezahl, Samstag, 16.05.2015, 18:28 vor 3898 Tagen @ Ankawor 3937 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 16.05.2015, 18:37

Trotzdem
ist das lästig, wenn ich 10 Minuten mit dem Finger am Einschalter der
Bohrmaschine höflich warte, bis das Thema erschöpft ist.

"Blablabla"
"Wart mal kurz" - Bohrmaschine einsetzen.
"Blablabla"
"Jo" - Bohrmaschine einsetzen.

Ich nehme da keine Rücksicht. Wenn mich jemand nervt mache ich meine Arbeit einfach weiter und nach einiger Zeit merkt die Person schon, dass sie fehl am Platz ist.

Und in ganz seltenen Fällen kommt dann die Frage:
"Hörst du mir eigentlich zu?"
Und ich sage dann:
"Ehrlich gesagt nur so nebenbei, muss das hier fertig machen, sorry!"

Blöd ist es nur, wenn man gerade nichts fertig bekommen will. Ein Buch in der Hand ist z.B. keine gute Ausrede. [[freude]]
Man starrt ohne zu lesen auf die Seite: "Mhm." - "Mhhh." - "Mhhhmmm."

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Genau das meinte ich mit der 2. Lösung, - perfekt so. (oT)

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 16.05.2015, 18:36 vor 3898 Tagen @ Rybezahl 2726 Views

- kein Text -

Anderer Aspekt zum Thema.

mangan @, Samstag, 16.05.2015, 18:39 vor 3898 Tagen @ Ankawor 3286 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 16.05.2015, 20:32

Bin nicht mehr der Jüngste und erlebe selbst und im Umfeld Ähnliches.
Ein unangenehmer Vorfall, z.B. Verkehr usw. bleibt als Müll/(Ärger) im eigenen Kopf zurück.
Nach ca. dreimaligem Erzählen ist dieser negative Erlebnismüll aus dem eigenen Kopf entfernt. Bei den zufälligen Zuhörern ist kein Schaden entstanden. Sie haben lediglich als kostenlose Psychologen funktioniert.

Meine Zuhörer wissen um den Zusammenhang und zum Entgelt funktioniert es beim nächsten mal gerne umgekehrt.
Alles eine vertraute Übung unter uns Älteren. Kommt ständig vor.

Allerdings Weltbeglückern mit unpersönlichen Themen, wie z.B. Deine Autogeschichte, würde ich ohne Gewissensbisse sofort die kalte Schulter zeigen.
Schließlich ist das keine psychologisch Hilfe auf Gegenseitigkeit, wenn es auch vordergründig ähnlich scheint.

MfG
m

Wo ist das Problem?!? + todsicherer Tipp

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 16.05.2015, 18:42 vor 3898 Tagen @ Ankawor 3721 Views

Zum Wochenende mal eine Frage zum menschlichen Zusammenleben, die mir schon
einige Zeit auf der Zunge liegt.

Bei mir (Besitzer eines 30jährigen Autos, von dem ich nur weiß, wie es
angestellt wird, und den Rest auch gar nicht wissen will) kommt ein
Mitmensch in den Garten und sagt ohne Einleitung:

"Es ist für dich vielleicht nicht so interessant, aber BMW hat neu ...
unglaublich ... Turbo ... elektronisch ... Verbrauch ... Beschleunigung ...
Sonderausstattung ... im Gegensatz zu Mercedes ... und weißt du auch
warum ... und so weiter"

und ich muss mir das dann 20 Minuten lang anhören.

Prima. Und nicht vergessen, immer interesssiert nachzufragen.
Und dann du:
"Ach das ist ja interessant. Sag mal, könntest du mir deine Gurke mal übers WoEnde ausleihen, das ich das selber mal testen kann?"
oder, wenn anderes Thema:
"könntest du mir mal helfen bei..."

Wirkt 100pro.
Wenn du Glück hast, dann hilft er/leiht er den Wagen dir tatsächlich und kniet sich über Stunden rein....
Das ist doch 20min geduldiges Zuhören wert, oder? [[freude]]

Wenn nicht, bist du ihn ein für allemal los. [[zwinker]]


Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Zuhörer und Quasselstrippen

Leserzuschrift @, Samstag, 16.05.2015, 20:24 vor 3898 Tagen @ Ankawor 3287 Views

Nach meiner schon etwas längerer Lebenserfahrung gibt es zwei Typen von Mitmenschen, die Zuhörer und die Quassel-Tanten und -Onkels. Das Problem der Zuhörer ist, daß sie zu höflich und sensibel sind, um den an Logorrhö leidenden Mitmenschen einfach ins Wort zu fallen und den Redestrom zu stoppen. Sie versetzen sich nämlich in den Menschen, der sie ungefragt zumüllt, hinein und stellen sich vor, wie peinlich es ihnen wäre, von ihrem Gegenüber rüde über den Mund gefahren zu bekommen. Das wollen sie ihrem Redner, auch wenn er sie zumüllt, gern ersparen und hören deshalb höflich und geduldig zu.

Damit begeht man als geborener Zuhörer vermutlich einen Irrtum. Der Quasselstrippe ist es nicht peinlich, wenn Sie sie kurz abfertigen, denn wäre sie sensibel für sich und andere, würde sie nicht andere dauerbequatschen. Ich kenne Leute, die mir sogar mit einem forschen "gell, vergiss dei`Rede net" und etwas völlig anderem mitten in den Satz gefallen sind.Es gibt häufig(!)Telefongespräche, bei denen ich nach einer halben Stunde verblüfft feststelle, daß ich nun mal wieder alles vom Anrufer weiß, weil ich auch aktiv nachgefragt habe, aber mein Gegenüber kein einziges Mal nach mir gefragt hat. Das ist halt so.

Entweder muß ich meine eigene Sensibilität über den Haufen werfen und dem Quassler rüde über den Mund fahren (- es wird ihm nicht so peinlich sein wie mir selbst -) oder ich füge mich in die Rolle als "Zuhörer", was für mein Gegenüber durchaus einen therapeutischen Wert hat ("...was Du getan hast dem geringsten meiner Brüder, das hast Du mir getan...").

Gedichte als Ergänzung

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 16.05.2015, 20:49 vor 3898 Tagen @ Leserzuschrift 2883 Views

Stimme ich zu. Auch ich bin schon einiges über 60, - und habe mir deshalb sowohl im Büro als auch zuhause im Wohnzimmer ein schönes Gebet eingerahmt und an die Wand gehängt, dass es immer in meinem Sichtbereich bleibt:

O Gott, Du weißt besser als ich, daß ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde,
Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein. Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst, o Gott, daß ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu - und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, daß ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Heiliger sein – mit Ihnen lebt es sich so schwer -, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Gott, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Allerdings gibt es noch ein anderes Gedicht, dass auch sehr nachdenklich macht, - es eignet sich gut zum Muttertag:

Denk es Mutter
Wenn deine Mutter alt geworden
Und älter du geworden bist,
Wenn ihr, was früher leicht und mühelos
Nunmehr zur Last geworden ist,
Wenn ihre lieben treuen Augen
Nicht mehr wie einst ins Leben seh’n,
Wenn müd’ gewordnen Füße sie
Nicht mehr tragen woll’n beim Geh’n,
Dann reiche ihr den Arm zur Stütze,
Geleite sie mit froher Lust;
Die Stunde kommt, da du sie weinend
Zum letzten Gang begleiten mußt!
Und fragt sie dich, so gib ihr Antwort,
Und fragt sie wieder, sprich auch du,
Und fragt sie nochmals, steh’ ihr Rede,
Nicht ungestüm, in sanfter Ruh’!
Und kann sie dich nicht recht versteh’n,
Erklär’ ihr alles froh bewegt;
Die Stunde kommt, die bitt’re Stunde,
Da dich ihr Mund — nach nichts mehr frägt.


So schön das Gedicht auch ist, wie es auch nachdenklich macht, - man darf es nicht als schön empfinden.
Warum?
Es ist in Deutschland verboten, den Namen des Dichters zu nennen. Es wurde unter dem Titel “Denk es” in der Morgenpost, München, 14. Mai 1925, veröffentlicht.

Vielleicht, weil sie Angst haben, Dinge zu hören, die sie nicht verarbeiten können?

Leserzuschrift @, Samstag, 16.05.2015, 20:57 vor 3898 Tagen @ Ankawor 2902 Views

Hallo Ankawor,

Menschen interagieren, reflektieren andauernd. So auch, wenn die einen nur den kleinen Teller kennen und die anderen den weiten Umkreis drumherum. Diejenigen, die nur den Teller sehen, die spüren den weiteren Horizont der anderen und bekommen sofort und vollkommen unbewusst Angst, unterlegen zu sein.
Gleichzeitg fühlen sie sich aber sicher, wie in Abrahams Schoß, denn hart an sich arbeitender Geist strahlt immer so etwas wie Friedfertigkeit und Verständnis aus.

Aus diesen beiden Gründen fangen die Menschen auf dem kleinen Teller an, alles zu erzählen, was ihnen gerade in den Sinn kommt und sie sind auch erst zufrieden, wenn ihr Mangel an eigenem Frieden gedeckt ist. Den Sie als Zuhörer spenden, einfach weil Sie da sind und ihren "Flügel ausbreiten".

Vielleicht also wäre es für beide Seiten angenehmer, wenn die einen sich nicht gelangweilter geben, als unbedingt nötig, sondern den Erzählenden in vollem Bewusstsein Wärme spenden. Sie haben doch genug davon, sonst würde man ihre Aufmerksamkeit gar nicht suchen wollen... :) - Ich weiß, das ist mitunter mehr als lästig. Und dennoch wird eine Meisterung dieser Aufgabe auch Sie selbst ein gutes Stück nach vorne bringen...

Liebe Grüße und viel Ausdauer ;)
Blue

Habe das gegenteilige Problem...

Hyperion @, Samstag, 16.05.2015, 23:01 vor 3898 Tagen @ Ankawor 3219 Views

Es würde mich mal interessieren, ob andere sowas auch erleben, und wenn
ja, wie ihr euch dagegen (wirksam) wehrt.
Vielleicht bin ich ja auch nur überempfindlich.

Ich habe genau das gegenteilige Problem. Wenn ich konzentriert bin, "im Flow", dann krieg ich von "draußen" nichts mehr mit. Da kommen Leute und erzählen mir was, über Minuten. Mein Körper reagiert, z.B. lächle ich, nicke, sage manchmal aus Reflex "Ja". Aber der Geist ist ganz woanders und löst Probleme, denkt nach, oder steuert irgendeine Tätigkeit. Irgendwann wache ich auf und denke mir: "War da nicht gerade jemand? Hat der nicht irgendwas gesagt?" Falls derjenige noch greifbar ist, oder vielleicht sogar noch vor mir steht und sein Mund sich bewegt, kann ich ihn wenigstens noch Fragen, was er mir sagen will. Falls nicht, gab's das Gespräch für mich nicht.

Leider passiert mir das für meinen Geschmack zu häufig. Und vor allem auch bei Menschen, mit denen eine gewisse Kommunikation wichtig wäre (Ehefrau, Kollegen).

Derzeit arbeite ich daran, dem anderen frühzeitig und freundlich zu kommunizieren, dass es gerade nicht geht, damit er nicht erst nach Minuten merkt, dass niemand zuhause ist. Ist aber schwierig.

Da muß ich lächeln.

mangan @, Sonntag, 17.05.2015, 01:22 vor 3898 Tagen @ Hyperion 3428 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.05.2015, 12:43

Leider passiert mir das für meinen Geschmack zu häufig. Und vor allem auch bei Menschen, mit denen eine gewisse Kommunikation wichtig wäre (Ehefrau, Kollegen).

Da muss ich lachen.
Ein Problem aus jüngeren Jahren. Nämlich an den richtigen Stellen 'ach was, wirklich, na sowas' usw., zu sagen.
Nur dem Schein entsprechend.
Meine damalige Frau merkte z.B. sofort, wenn ich an der falschen Stelle 'bla bla,' sagte.
Das ist normal, wenn man die 'Höflichkeit' wahren muss/will.
Bitte damit leben oder noch geschickter zu Lasten des aktuellen Problems sein.

:-)

gut beschrieben

Dieter, Sonntag, 17.05.2015, 11:09 vor 3897 Tagen @ Hyperion 2153 Views

Hallo Hyperion,
so geht es mir auch, obwohl ich nicht das Gefühl habe, daran etwas ändern zu wollen.
Die eigene Gedankenwelt ist halt stärker als die Außensignale.

Gruß Dieter

Weiterführende Frage

Rybezahl, Sonntag, 17.05.2015, 01:52 vor 3898 Tagen @ Ankawor 2505 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.05.2015, 01:56

Wie geht ihr mit Menschen um, die in eurer Gegenwart über andere Menschen lästern?

Und zwar so, dass diese Menschen nur in eurer Gegenwart lästern, also in trauter Zweisamkeit - man weiß ja selten, was so gequatscht wird, wenn man nicht dabei ist. Ich gehe davon aus, dass in meiner Abwesenheit diese Personen nicht anders über mich reden.

Also - wie umgehen mit Lästermäulern?

Für mich im Übrigen ziemlich bedauernswerte Charaktere, aber ich will ja nicht lästern. [[freude]]

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Prinzipien

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 17.05.2015, 03:33 vor 3898 Tagen @ Rybezahl 2449 Views

Nun, das kann jeder halten, wie er will. Wenn die Frage aber allgemein im Raum steht, wie der Einzelne damit umgeht, dann kann ich das an meinem Beispiel erläutern.

Es dreht sich logischerweise nur um Personen, die bekannt sind, - bei Fremden kann das nicht funktionieren, weil man diese Personen ja nicht kennt. Ausnahme sind Personen des öffentlichen Lebens, z.B. Politiker.

Jetzt gehen wir zu den Personen, die im persönlichen Umfeld sind. Da habe ich folgende Eigenart:

Da ich ein einfacher Mensch vom Bau bin, geht das bei mir sehr rasch mit dem "Du". Alle diejenigen, mit denen ich per Du bin, sage ich das, was ich denke, ins Gesicht. Dadurch habe ich zwar schon manche Verbindung verloren, aber jeder weiß bei mir, woran er ist. Manche schätzen das sogar. Hinten rum ziehe ich über niemanden her, wenn er nicht bei der Diskussion dabei ist, - das breche ich dann in der Regel ab.

Bleiben noch die, mit denen ich per Sie bin. Das ist ein Personenkreis, dem ich gewöhnlich nicht ins Gesicht sage, was ich über denjenigen denke. Das kommt schon daher, weil das ein bestimmtes Klientel ist.

Per Sie bin ich mit dreierlei Gruppen von Leuten:
- von denen ich Geld zu bekommen habe,
- denen ich Geld zu zahlen habe,
- die ich nicht leiden kann.

Da ist es durchaus möglich, dass ich über denjenigen rede, auch wenn er nicht anwesend ist, - z.B. bei meinem Anwalt, wenns mit jemanden Knatsch gibt.

Nun, das ist so im Groben meine Einteilung und Vorgehensweise. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber selten.

Mit Ehrlichkeit oder mit Politik (edit)

Positiv @, Sonntag, 17.05.2015, 07:27 vor 3897 Tagen @ Ankawor 2476 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.05.2015, 08:03

Hallo Ankowar,

wie wäre es mit freundlicher und direkter Ehrlichkeit? Die Anderen werden Deine Grenzen solange austesten, bis Du sie (wiederholt) klar und deutlich ziehen kannst.

Konkrete Beispiele, z.B. um Sauger sofort abzublocken:

„Hey Du, ganz ehrlich: das interessiert mich gerade überhaupt nicht.“

Oder:

„Schau mal: ich mache gerade (Tätigkeit) und als Mann kann ich nicht arbeiten und gleichzeitig zuhören.“

Eine etwas verbindlichere Variante:

„Ich habe gerade wirklich den Kopf voll. Aber erzähl mir das doch gern heute Abend / nächste Woche / ...“ (nur verwenden, wenn es denn stimmt)

Falls der Monologisierende noch nicht versteht, kannst Du auch einfach 5 Minuten lang jeden Handgriff kommentieren, den Du gerade machst – ihn also einfach nicht zu Wort kommen lassen, bis er die Lust verliert...

Sozialverkehr ist wie ein Tanz – mal führt der Eine und mal der Andere. Man wirft sich spielerisch den Ball hin und her. Wenn einem nicht gefällt, wohin sich das Gespräch entwickelt, setzt man neue Impulse, führt also den Gesprächspartner zu einem anderen Thema, oder distanziert sich freundlich aber bestimmt, wenn man gerade nicht tanzen mag.

Oder kürzer: „Führe, folge - oder verpiss Dich.“ [[top]]


Beste Grüße,

Positiv

P.S. Sollte es sich um Leute handeln, auf die Du garantiert für immer verzichten möchtest (bist Du Dir dessen sicher?), kann man verbal auch etwas gröber werden, von
"Erzähl das doch Deinem Frisör." bis
"Das interessiert mich wirklich überhaupt nicht UND DU UND DEIN LANGWEILIGES LEBEN interessiert mich noch viel weniger."

edit:

Wenn ich wie im ersten Fall sofort sage: Du hast recht, das interessiert mich überhaupt nicht, dann muss ich es mir trotzdem anhören.

Kommunikation ist das, was ankommt. Mache einen Schritt auf ihn zu und schaue ihm bei diesem Satz mit aufrechter und offener Körperhaltung direkt in die Augen und mache dann für 5 Sekunden (sic) eine rhetorische Pause, während Du den Blickkontakt hälst. Wiederhole den Satz ein weiteres (letztes) Mal, wenn nötig.

Kann funktionieren

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 17.05.2015, 09:22 vor 3897 Tagen @ Positiv 2229 Views

Aber nur, wenn zwei Dinge vorhanden sind:
Ein bestimmter Charakter und ein Bildungsniveau auf einem bestimmten Level.

Lösung für Bequatschte

Leserzuschrift @, Sonntag, 17.05.2015, 12:25 vor 3897 Tagen @ Positiv 2272 Views

Hallo Foristi,

ich habe immer gedruckte Kärtchen bei mir:

"Verehrte/r Gesprächspartner/in,
bitte widmen Sie sich kurz dem folgenden Gedankengang: Ist es wirklich für Sie erforderlich und dem Gespräch dienlich, mir alle Interna und alle Details mit höchster Präzision inklusive aller denkbaren Abweichungen zu schildern - oder können Sie ganz einfach, schnell und prägnant zum Punkt kommen? Danke.

Demnächst soll ZEITDIEBSTAHL unter Strafe gestellt werden"

Für krasse Fälle habe ich noch Kärtchen mit der Rufnummer der Telefonseelsorge auf der Rückseite.

Ist 'Zeit' ein debitistisches Phänomen?

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Sonntag, 17.05.2015, 12:46 vor 3897 Tagen @ Leserzuschrift 2051 Views

Demnächst soll ZEITDIEBSTAHL unter Strafe gestellt werden"

Danke Leserzuschrift,

eine interessante und praktische Lösung.

Ich habe nur ein großes Problem mit dem Begriff 'Zeitdiebstahl'.

Dass man physisches Eigentum hat, kann ich ja noch nachvollziehen (nicht gutheißen!), aber dass man Zeit sein eigen nennt, halte ich mehr als für vermessen. Ich halte es für verrückt.

Die Krönung derselben Hybris ist: Zeit ist Geld.
Das wäre doch mal was für die Diskussion unter Debitisten zum Geldbegriff ![[freude]]

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Physisches Eigentum

Leserzuschrift @, Sonntag, 17.05.2015, 16:33 vor 3897 Tagen @ Hinterbänkler 2082 Views

Hallo Hinterbänkler,

ein Problem mit "physischem Eigentum" sollte man nicht haben: Wem gehört schließlich der eigene Körper und der eingeatmete Sauerstoff?

Jenseits aller Metaphorik sollte klar sein, dass Menschen stets Win-win-Situationen anstreben, wie ja bekanntlich Freude, Glück und Liebe geteilt mehr sind als im singulären Fall.
Ja, sogar das Leid ist geteilt nur halb so schlimm. - was z.B. im täglichen Verkehrs-Stau auch zum Ausdruck kommt.

Wer uns aber blockiert, wird als mehr wie lästig empfunden.
Der Staat nimmt beim Straftäter nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern auch Lebenszeit "weg.".

Gruß! webmax

win-win-Situation

Silberengel @, Sonntag, 17.05.2015, 18:05 vor 3897 Tagen @ Leserzuschrift 1893 Views

Hallo Hinterbänkler,

ein Problem mit "physischem Eigentum" sollte man nicht haben: Wem gehört
schließlich der eigene Körper und der eingeatmete Sauerstoff?

Jenseits aller Metaphorik sollte klar sein, dass Menschen stets
Win-win-Situationen anstreben, wie ja bekanntlich Freude, Glück und Liebe
geteilt mehr sind als im singulären Fall.
Ja, sogar das Leid ist geteilt nur halb so schlimm. - was z.B. im
täglichen Verkehrs-Stau auch zum Ausdruck kommt.

Hallo

...wird aber nur von gleichwertigen Partnern angestrebt. Die Auswirkungen auf Dritte sind dabei ebenfalls zu berücksichtigen. Was für zwei oder eine kleine Gruppe nutzenmaximierend sein kann, kann gesamtsystemisch oder für eine andere Gruppe auch wieder eine win-lose-Situation herbeiführen.

Dieses Menschenbild ist zu optimistisch und und auch nicht richtig.
Es gibt auch viele Menschen, die eine win-lose-Situation anstreben.


Wenn beispielsweise die Vorstandsmitglieder eines Unternehmens einander hohe Gehälter zugestehen, dies aber bei den Mitarbeitern zu Lohneinbussen oder Kündigungen führt, ist das kein Win-Win.


Grüße

Warum kann man nicht ganz ehrlich aber freundlich sagen, dass einem das Thema nicht so interessiert?

Silberengel @, Sonntag, 17.05.2015, 18:11 vor 3897 Tagen @ Ankawor 2011 Views

Zum Wochenende mal eine Frage zum menschlichen Zusammenleben, die mir schon
einige Zeit auf der Zunge liegt.

Bei mir (Besitzer eines 30jährigen Autos, von dem ich nur weiß, wie es
angestellt wird, und den Rest auch gar nicht wissen will) kommt ein
Mitmensch in den Garten und sagt ohne Einleitung:

"Es ist für dich vielleicht nicht so interessant, aber BMW hat neu ...
unglaublich ... Turbo ... elektronisch ... Verbrauch ... Beschleunigung ...
Sonderausstattung ... im Gegensatz zu Mercedes ... und weißt du auch
warum ... und so weiter"


Es sagt ja selbst schon, dass es für dich vielleicht nicht so interessant ist.
Dann kannst Du ihm ja freundlich aber nicht vor dem Kopf stoßend mitteilen, dass er richtig geahnt hat :-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

Grüße

Einfache Antwort

helmut-1 @, Siebenbürgen, Montag, 18.05.2015, 11:47 vor 3896 Tagen @ Silberengel 1881 Views

<Warum kann man nicht ganz ehrlich aber freundlich sagen, dass einem das Thema nicht so interessiert?>

Einfache Antwort: Weils Hornochsen gibt, die das eben partout nicht verstehen (wollen).

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.