Griechische "Faulheit" = deutsches Beggar thy Neighbor

politicaleconomy @, Mittwoch, 13.05.2015, 11:13 vor 3901 Tagen 2907 Views

Jeder debitist versteht sofort, daß ein Land mit Leistungsbilanzüberschüssen, das dadurch Forderungen gegenüber dem Ausland anhäuft, das nur schafft, wenn dem gleich hohe Leistungsbilanzdefizite des Auslands gegenüberstehen. Diese führen zu den Verbindlichkeiten (Schulden) gegenüber den Überschussländern (wie hier genauer beschrieben).

Das Aufblasen des "griechischen Faulheitsproblems" und das Totschweigen der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse in der deutschen Presse entsprechen sich ebenso. Verdrängung plus Überkompensation.

Der Telegraph hat dazu einen schönen Artikel gebracht:

http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/ambroseevans_pritchard/11584031/Germanys-rec...

"Chronic surpluses are a way of stealing demand from elsewhere. They export unemployment to other countries. This matters in an era of "secular stagnation" and excess global savings. Societies are entitled to retaliate once this gets out of hand. "

"Historians will view the Schroder/Merkel era as a series of policy blunders.

The sooner Germany abandons fiscal fetishism and invests its own money in its own country for its own good, the better it will be for everybody. "

Jetzt werden sicher die gewohnheitsmäßigen Deutschlandverteidiger kommen und sagen, die Anglos wollen uns schon wieder unterdrücken.

Woran man leider sehen würde: auch bei denen hapert es bei der Makroökonomie gewaltig - die totale Handlungsunfähigkeit Europas hat auch einen übersehenen Grund: ideologische Verwirrung, und der Mangel an einer kohärenten politischen Ökonomie.

Deutscher Leistungsbilanzüberschuß

Rotweintrinker @, Freitag, 15.05.2015, 10:26 vor 3899 Tagen @ politicaleconomy 1639 Views

Wo liegt das Kernproblem? Darin, dass die Deutschen gerne arbeiten. Ja, sie arbeiten gern! Und da Genießen (in konkreto) nicht ihre Stärke ist, genießen sie lieber in abstrakto, erfreuen sich also an ihrem Ersparten. Stellen sich vor, was sie sich alles damit leisten könnten. Könnten, aber nicht können!
Von der Feier des Lebens halten sie sich mit ernster Miene fern, arbeitend und sparend. Echte Spielverderber also.

Wenn das stimmen würde (und nicht platter Nonsense wäre)

Mephistopheles @, Datschiburg, Freitag, 15.05.2015, 11:46 vor 3899 Tagen @ Rotweintrinker 1553 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 15.05.2015, 16:16

Wo liegt das Kernproblem? Darin, dass die Deutschen gerne arbeiten. Ja, sie
arbeiten gern!

dann könnten sie ja die Produkte ihrer Arbeit genau so gut verschenken.
Warum machen sie das nicht?

Und da Genießen (in konkreto) nicht ihre Stärke ist,

Der Genuss liegt ja nach deiner Aussage im Arbeiten

genießen sie lieber in abstrakto, erfreuen sich also an ihrem Ersparten.

Wieso Erspartes? Was hat Erspartes mit Arbeit zu tun?
Arbeit ist an sich wertlos oder trägt, wie du meinst, ihren Wert in sich, nämlich darin, das gerne gearbeitet wird.

Stellen sich vor, was sie sich alles damit leisten könnten. Könnten, aber
nicht können!

Natürlich können sie sich etwas leisten: Sie können es sich leisten, zu arbeiten. Und das machen sie ja nach deiner Aussage gerne.

Von der Feier des Lebens halten sie sich mit ernster Miene fern, arbeitend
und sparend. Echte Spielverderber also.

Ich habe gedacht, die Feier des Lebens besteht im Arbeiten?


Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Wer gerne in seinem Garten arbeitet

Rotweintrinker @, Freitag, 15.05.2015, 15:24 vor 3899 Tagen @ Mephistopheles 1525 Views

verschenkt doch deswegen nicht seine Radieschen! Hatte eine substantiellere Kritik erwartet. Außerdem: Verteilen wir Deutsche nicht mittelbar weltweit unablässig Geschenke, ja holen uns nicht sogar noch Hunderttausende jedes Jahr in unser Land, um sie beschenken zu können? Wären die Gaben sauer erarbeitet und nicht gern erarbeitet, liefe das nicht so 'alternativlos'.


Und da Genießen (in konkreto) nicht ihre Stärke ist,

Der Genuß liegt ja nach deiner Aussage im Arbeiten

Hier wird meine Aussage auf den Kopf gestellt, die ja im Kern lautet: weil sie nicht genießen können, flüchten sie in die Arbeit.
Wer z.B. orgasmusunfähig ist, predigt gerne Enthaltsamkeit, erlebt aber deswegen doch nicht während seiner Predigt einen Orgasmus.

genießen sie lieber in abstrakto, erfreuen sich also an ihrem

Ersparten.

Wieso Erspartes? Was hat Erspartes mit Arbeit zu tun?

Ja, was hat die Abfassung einer Steuererklärung mit einer Steuerrückerstattung, die ich dann auf die hohe Kante lege, zu tun?

Arbeit ist an sich wertlos oder trägt, wie du meinst, ihren Wert in sich,
nämlich darin, das gerne gearbeitet wird.

Dass Arbeit ihren Wert in sich trägt, mag eine weitverbreitete Meinung - vor allem eben in Deutschland sein -, ist aber eine Meinung, die ich überhaupt nicht vertreten habe.


Stellen sich vor, was sie sich alles damit leisten könnten. Könnten,

aber

nicht können!

Natürlich können sie sich etwas leisten: Sie können es sich leisten, zu
arbeiten. Und das machen sie ja nach deiner Aussage gerne.

Von der Feier des Lebens halten sie sich mit ernster Miene fern,

arbeitend

und sparend. Echte Spielverderber also.


Ich habe gedacht, die Feier des Lebens besteht im arbeiten?

Denk das mal nur weiter! Und wenn Du noch weiter denkst, verstehst Du schließlich auch den Sinn meines Beitrags, und der vermeintliche Unsinn verklärt sich zu einer fruchtbringenden Erkenntnis. Das ist jedenfalls meine bescheidene Hoffnung.
Es grüßt: RTW

Wäre dem so ...

politicaleconomy @, Dienstag, 19.05.2015, 20:30 vor 3895 Tagen @ Rotweintrinker 1249 Views

... dann würden sie ihre Überschüsse in den Aufbau realer Produktionskapazitäten stecken - damit sie endlich wieder alle schön viel arbeiten können. Ganz so, wie es Mises&Co sich vorstellen ...

Träum weiter, und trink mehr Rotwein.

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