Entwicklung Kreditsummen- bzw. -vergaben | Gespräch mit Vorstand einer Genossenschaftsbank

Ashitaka, Freitag, 08.05.2015, 18:07 (vor 3903 Tagen)2822 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 08.05.2015, 18:19

Hallo Zusammen,

ich möchte an dieser Stelle noch mal auf den Leserbrief von Max eingehen, der sich fragte, ob nun eventuell ein Ende der Negativentwicklung in den Kreditvergaben absehbar ist. Er stolperte bei Zerohedge über die EZB-Pressemitteilung aus dem ersten Quartalsbericht 2015, in der berichtet wurde, dass die Kreditvergaben im März 2015 erstmalig um 0,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind.

Ich habe heute Vormittag mit einem befreundeten Vorstand (treuer Leser früherer Tage des Gelben Forums, Debitist) über seine Meinung zur derzeitigen Entwicklung gesprochen. Als ich ihm von den 0,1% Steigerung berichtete, hat er mir erklärt, dass der Prozentsatz alle MFI's einschließe und nicht nur die Kreditinstitute. Er hat mich damals auch am Stehtisch auf die Besonderheit der Kreditinstitute i.V.m. dem Kreditwesengesetz und der Voraussetzungen für die Geldschöpfung des Systems hingewiesen. Nach dem Gespräch wurde klar: Auch ich vergesse immer wieder eine wichtige Differenzierung, wenn man sich die Kreditsummen bzw. die Entwicklung der Kreditvergaben ansieht:

1. Kredite von MFI's die Kreditinstitute sind (KWG Kreditgeschäfte).
2. Kredite von MFI's die keine Kreditinstitute sind.
3. Kredite von Nicht-MFI's

Erstere sind seit lt. Daten der EZB seit Ende 2011 um gewaltige 1,5862 Billionen Euro eingebrochen. Insoweit ist mein Hinweis auf 460 Milliarden in der Antwort auf Max etwas daneben. Mir wurde empfohlen, die konsolidierten Darstellungen der MFI-Bilanzen durch die Bundesbank zu vergessen, da diese nicht die Kreditvergaben von Kreditinstituten an übrige MFI's berücksichtigen. Die Darstellungen der BuBa beziehen sich in der Assetbetrachtung nicht ausschließlich auf Kreditinstitute, sondern schließen ebenso wie die Hoffnung weckende Pressemeldungen der EZB, alle Forderungen der MFI's mit ein.

Wir müssen zwischen Kreditgeschäften der Kreditinstitute (neue Geldsummen schaffend) und den übrigen Bankgeschäften (nur umherreichend bzw. nur am Markt verleihend) unterscheiden. Solange man mit den 0,1 % auf alle MFI's blickt, sieht es nach einer sich besserenden Entwicklung aus. Das Gegenteil ist weiterhin der Fall.

Warum? Wir brauchen nicht steigende vertragliche "Umherreichungen" (durch alle MFI's), deren Summen dann als Kreditvergaben verkleidet von der EZB als positives Signal gezählt werden und die Wirksamkeit der EZB-Krisenprogramme bezeugen sollen.

Wir brauchen neues Geld aus Kreditgeschäften der Kreditinstitute (Verträge an der Zeit schaffenden Basis -> Debitismus). Denn den vorhandenen Geldsummen (Passiva EZB) stehen spiegelbildlich schließlich Kreditforderungen mit festen Terminen im System gegenüber. Wenn wir also nur dafür sorgen, dass das vertragliche "Umherreichen" zunimmt, dann sorgen wir in Wahrheit dafür, dass immer mehr Kreditforderungen an Werthaltigkeit verlieren werden, eben weil sie mangels neuer und länger werdender Kreditzeiträume mit der Zeit uneinbringlich werden. Die Trennung macht das Zeitproblem deutlich, welches bei vielen Geldfans oft vergessen wird. Geld hat ein Verfallsdatum, egal wie sehr wir die Umherreichungen (auch durch Anleihenprogramme) steigern.

Herzlichst,

Ashitaka

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