Wir haben uns daran gewöhnt (vom Hinterbänkler inspiriert)

Kurz_vor_Schluss @, Mittwoch, 06.05.2015, 08:17 vor 3906 Tagen 3215 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.05.2015, 08:48

Wir haben uns daran gewöhnt, Experten zu vertrauen,
wir haben uns daran gewöhnt, nicht in uns selbst zu schauen.
Wir haben uns daran gewöhnt, die Fremden zu erhöhen,
wir haben uns daran gewöhnt, uns selber nicht zu sehen.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass Sicherheit sehr recht ist,
und wenn dafür die Freiheit leidet, dies nicht unbedingt schlecht ist,
wir haben uns daran gewöhnt, die Reichen immer reicher –
und da darüber kaum geredet, ist’s gleich und immer gleicher.

Wir haben uns daran gewöhnt, für Toleranz zu werben,
vergessen sind dabei Geschichte, die Ahnen und die Erben.
Wir haben uns daran gewöhnt, Fleischesser zu bedauern,
und nicht zu sehn, dass sehr wohl auch Fleischlose mal „versauern“,
bzw. sauer werden – mit Fleisch und wohl auch ohne –
es wird so gerne missioniert in selbstgerechtem Tone.

Wir haben uns daran gewöhnt, zu glauben wir wärn frei.
Üns tätowiern, uns epiliern, doch was ist schon dabei?
Die Freiheit, jung und stark zu scheinen, die kostet Zeit und Geld –
und wer oft diesem Drange folgt, ist nicht frei in der Welt.
Wir haben uns daran gewöhnt, Demokratie zu loben,
und exportieren sie metallisch – aus Flugzeugen – von oben
fällt Bombenlast auf Bombenlast und bringt den Völkern Frieden –
Afghanistan, Irak und Syrien, auch Jemen jetzt und Libyen.

Wir haben uns daran gewöhnt, manches nicht mehr zu denken –
und denen, die uns raten: Macht dies! Zunächst Glauben zu schenken.
Egal ob gegen Rassen, Frauen, Behinderte und Juden –
ist hier ein Wort zu viel gesagt, so heisst es: Was willst DU denn?
Du bist doch frei, zu kritisieren, zu sagen, was DU willst –
Solange DU damit nicht etwa böse Triebe stillst…..
Denn Kritik ist heut an manchen Stellen ein Ausdruck nur von Hass.
Und zeigt Dein Wesen in diese Richtung, so rät dies Werk nur: Lass.
——————
Denn wir haben uns daran gewöhnt, mit schiefem Blick zu schauen,
und Schlagworten genauso wie einst Schlägen zu vertrauen.
Und kommt da einer und hebt an, was ganz anderes zu sagen.
so scheint es uns als wolle dieser Mensch uns damit schlagen.
Wir haben uns daran gewöhnt, potenziell krank zu sein.
Und schmeißen uns daher auch gerne recht viel Tabletten ein.
Egal ob Depression, ob Leid, ob Schmerzen oder Kummer,
die einen werfen Pillen ein, die andern essen Hummer.

Wir haben uns daran gewöhnt, uns vor andern zu verbergen,
und träumen davon, Riesen zu sein (und zählen uns zu Zwergen),
die Wünsche werden mit den Jahren bei den Meisten immer kleiner,
doch wird mit kleinen Wünschen auch der Mensch nicht immer feiner.
Wir haben uns daran gewöhnt, die Glotze anzubeten,
und farblich-bunt und laut und schrill die Stille abzutöten,
so dass wir Stille nicht ertragen, wenn sie dann einmal da ist –
ein Griff zu Smartphone/Fernbedienung – damit es wieder klar ist.
Wir haben uns daran gewöhnt, immer mehr abzustumpfen,
Erbrochenes essen, immer mehr essen, und dabei zu versumpfen…
Denn was ist vieles in den Medien heut‘ andres als erbrochen?
Ist Galle, unterdrückte Wut, ein Nagen wie an Knochen.
——————
Wir haben uns daran gewöhnt, die Sprache zu missbrauchen,
und sind nun immer wen’ger bereit, in Altes einzutauchen –
so gehn dahin die Ahnen alle – der Luther wie der Schiller.
(Die Bild bildet derweil weiter Leute und warnt vor einem Killer).
Wir haben uns daran gewöhnt, Verstand nicht einzusetzen,
bzw. ihn manches Mal durch Gefühl zu ersetzen.
Bei Tugce ist der Täter klar, bei MH 17 auch –
Prüfung von Sachverhalten? Forensik? Ach was – hier herrscht der Bauch.

Wir haben uns daran gewöhnt, die Kinder zu vergöttern,
und machen sie zu unsern Freunden, zu Engeln, Wundern, Rettern,
und dabei sind es – KINDER nur, so wie wir auch mal waren…..
und damals konnten sich UNSRE Eltern noch manchen Unfug sparen…..
Wir haben uns daran gewöhnt, beobachtet zu werden,
Big Brother Rundumüberwachung und überall auf Erden.
Gefilmt zu werden, Selfies knipsen, was ist denn schon dabei?
Und wieder ist ein Augenblick des Spürens grad vorbei…..
Wir haben uns daran gewöhnt, den Mammon anzubeten,
und dafür – wenn es nötig ist – selbst Bestimmung abzutöten,
denn GELD und MEHR und NOCHMAL MEHR, das ist der neue Götze…
und ihm nur immer nachzujagen - das ist die neue Krätze…..

Wir haben uns daran gewöhnt, Zuwanderung zu begrüßen.
Und sehen nicht wie andere Länder sich genau davor verschließen –
Australier, Kanada, Neuseeland – tun die Ausländer hassen?
Wie kommts, dass Einwanderungsländer, die schlicht nicht zu sich lassen?
Wir haben uns daran gewöhnt, den Kopf unten zu halten,
bieten uns technische Geräte doch so viel hübsch Gestalten.
Wir haben uns daran gewöhnt, auf Bildschirme zu stieren,
den Nachbarn nicht zu grüßen und – wenns sein muss – zu prozessieren,
ragt da ein Zweig aufs Grundstück rüber, machen die Kinder Lärm,
regt sich die Kampflust in der Brust – wir prozessieren gern.
——————
Wir haben uns daran gewöhnt, an soviel tausend Sachen…..
Wir haben es uns abgewöhnt – einfach herzlich zu lachen.
Wir haben es uns abgewöhnt, den andern sehn zu wollen –
Gelernt haben wir neu dafür das Stalken, Haten, Trollen.
Die Sprache spricht nicht aus dem Herz, das Wesen ist verschüttet –
Es ist ein dumpfer, tauber Schmerz – das Sein, es ist zerrüttet.

Zerrissen in zigtausend Fetzen, wie Stille auch zerstört…
Ach, dass doch die, die gerne hetzen, sich selber mal gehört.
Doch bleibt die Hoffnung beim Gewöhnen an all die schlechten Dinge –
Es bleibt der Drang zum Guten, Schönen, zum Lachen und zum Singen.
Und solange dies nicht vergeht, solange lohnt*s zu leben –
Vergeben, was man Böses sieht, und lieben, teilen, geben.
Das ist es.

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Sag mir wo die Blumen sind

Leser68 @, Mittwoch, 06.05.2015, 10:51 vor 3906 Tagen @ Kurz_vor_Schluss 2078 Views

Sag mir wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben
Sag mir wo die Blumen sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?
...
Sag wo die Soldaten sind,
wo sind sie geblieben?
Sag wo die Soldaten sind,
was ist geschehen?
Sag wo die Soldaten sind,
über Gräben weht der Wind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?
...

Songtext vom US-amerikanischen Songwriter Pete Seeger. Von Max Colpet unter dem Titel "Sag mir, wo die Blumen sind" ins Deutsche übertragen.

Müssen wir den vielen Menschen in Somalia, Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan etc. nicht dankbar sein, dass sie sich kostenlos als Waffentest-Dummies zur Verfügung stellen?
Hängen nicht hunderttausende von Arbeitsstellen allein in Deutschland direkt oder indirekt vom Verkauf unserer Waffen ab?
Was haben "wir" selber, d.h. unsere Eltern und Großeltern, unseren geflüchteten Landsleuten(!) aus den deutschen Ostgebieten an Wohlwollen entgegengebracht - im Sinne von "Wir sitzen alle in einem Boot"?

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