Für Leserzuschrift:
Ich hab mir Deine Argumentation zweimal durchgelesen, auch die danach, und dann erst mal darüber nachgedacht. Deshalb schreibe ich nicht sofort, sondern erst nach reiflicher Überlegung. Ich muß zugeben, dass es Argumente sind, die mich nachdenklich gemacht haben. Trotzdem unterschreibe ich Deinen Einwand nicht. Ich habe dazu einfach einen anderen Standpunkt, respektiere aber Deinen.
Als Erstes spreche ich die Dinge an, die m.E.n. nicht zusammenpassen:
Man lese dazu die RUSSISCHEN Zeugen Lev Kopelev und Alexander Solschenizyn.
Das paßt zeitlich nicht zusammen. Die genannten Personen kennen die Gräuel um Stalin, aber sie kennen nicht die Nachtwölfe, weil sie schon lange tot sind. Es ist immer schwierig, aktuelle Vorgänge mit historischen zu vergleichen.
.....\"Nachtwölfe\", zuweilen eine Fahne mit dem Bild Stalins mit sich führend, der Eroberungsroute der Roten Armee folgend ist eine Erniedrigung der Opfer jener Roten Armee,......
Ich habe bemerkt, dass sie manchmal eine Fahne mit dem Bild Stalins gehabt haben, auch die mit den kommunistischen Symbolen (Hammer und Sichel). Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Gruppe durch Deutschland oder Österreich mit solchen Fahnen fahren würde. Ob diese Gruppe diese Fahnen deshalb verwendet, um die zivilen Opfer der Roten Armee zu erniedrigen, halte ich für etwas weit hergeholt. Natürlich kann man es so sehen, - aber ich bin der Meinung, dass diese Leute schon aufgrund ihres Alters daran gar nicht denken.
Vorweg muß ich zur geschichtlichen Seite etwas sagen: Da ich familiär belastet bin (mein Großvater ist im Widerstand umgekommen) hat mich die Zeit des Dritten Reiches im Besonderen interessiert, um auch die Gründe und näheren Umstände herauszufinden, warum ich meinen Großvater nie gekannt habe. Deshalb begann ich schon in jungen Jahren, - das ist schon 50 Jahre her – mich intensiv mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Ich hatte das Glück, mit vielen Zeitzeugen sprechen zu können, - ich habe vieles authentisch erfahren.
Dazu habe ich eine sehr umfangreiche Literatur, die man seit langem nicht mehr kaufen kann (oder gar nicht darf), Originaldokumente aus dieser Zeit, und habe die Jahre der Weimarer Republik bis in die 50er Jahre, als noch Vertreibungen und Deportationen stattgefunden haben, eingehend studiert. Nicht nur aus deutscher Sicht, auch aus Sicht der jüdischen Mitbürger, der Russen, der Tschechen, usw.
Meine daraus gewonnene Erkenntnis lautet:
„Krieg ist eines der grausamen Spiele, wo immer die Einen für etwas bezahlen müssen, was eigentlich ganz Andere verschuldet haben...“
Obwohl ich ganz genau weiß, wie sehr die Vorgesetzten der deutschen Wehrmacht auf die Korrektheit der Soldaten geachtet haben (insbesonders was Sauereien an der Zivilbevölkerung betrifft, - natürlich auch Vergewaltigungen), - mir sind daraus resultierend auch standrechtliche Erschießungen bekannt – so verfüge ich doch über erlebte Berichte von Landsern, was sich in Russland so abgespielt hat. Auf beiden Seiten der Front. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Russen ca. viermal so viele Opfer im 2. WK zu beklagen hatten, im Vergleich zu den deutschen.
Das nur zur Information, - keinesfalls zur Rechtfertigung irgendwelchen Vorgehens, - weil man niemals die Verbrechen auf der einen Seite mit denen auf der anderen Seite aufwiegen oder erklären kann. Welcher Unsinn dabei rauskommt, ist - nur als Beispiel - schon daran zu erkennen, dass man die Vertreibung der Sudetendeutschen mit dem verlorenen Krieg begründet; - dass die Verbrechen an der deutschen Voksgruppe von seiten der Tschechen schon kurz nach dem 1. WK begonnen haben, - fällt dabei unter den Tisch, genauso wie die Toten vom 4. März 1919.
Nun zu den aktuellen Ereignissen und meine Begründung dafür: Diese Leute fahren die Route ab, die die Rote Armee genommen hat,- was auch nur symbolisch zu sehen ist, - weil die Divisionen nicht über die Bundesstraße gefahren sind. Wenn sie das im Gedenken an die Zeit machen, die sie ohnehin nicht erlebt haben, dann sehe ich da nichts Provozierendes dabei. Das ist die Sichtweise von diesen Leuten, die ich respektieren würde. Wenn sie dann an bestimmten Stellen einen Kranz niederlegen und der Toten gedenken, ist das nur recht und billig.
Genauso gibt es Leute, die dem Zug der deutschen Wehrmacht nachgegangen sind, bis sie kurz vor Moskau standen. Einfach aus Interesse, um zu sehen, was ihre Vorfahren durchgemacht haben. Hohen Respekt habe ich auch vor der deutschen Kriegsgräberfürsorge, die sich nach wie vor um die Gräber der Gefallenen im Osten, darunter auch in Russland, kümmert. Wenn die einen Kranz dort niederlegen, ist das für mich ein Gedenken, - nicht mehr und nicht weniger.
Als provozierend würde ich es sehen, wenn bei dem Totengedenken eine Stalinfahne von den Russen vorgezeigt wird, oder – umgekehrt – ein Hitlerbild am russischen Grab eines deutschen Soldaten.
Generell habe ich nichts dagegen, wenn sich da irgendwelche Leute mit Motorrädern zusammenschließen und ihren Vorstellungen nachgehen. Genauso sollen es irgendwelche Glatzköpfige machen, indem sie ihre Springerstiefel anziehen und Lieder aus den 30er Jahren nachsingen, deren Bedeutung sie gar nicht verstehen. Sollen die Anhänger der kommunistischen Ideologie ruhig ihre Internationale singen, - und die Mao-Jünger aus der gleichnamigen Bibel zitieren.
Ich habe bei alledem nichts dagegen, solange man nicht versucht, dem Andersdenkenden seine Meinung aufzuzwingen, weder mit psychischem oder gar physischem Druck. Jeder soll doch nach seiner Facon selig werden, wenn es ihm so gefällt, - Hauptsache, er belästigt andere damit nicht.
Natürlich sind gerade in Deutschland und auch Österreich Gesetze entstanden, die die Verwendung gewisse Embleme aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts unter Strafe stellen. Dazu kann man stehen, wie man will, - ich habe da eine andere Sichtweise. Gerade in einem Land wie Rumänien, das zu den korruptesten in Europa gehört, hat man heutzutage mehr Spielraum für Meinungsfreiheit als wo anders. Ich habe das ausprobiert. Geh mal mit einem Hitlerbild hier durch die Straßen, oder mit einem Bild von Stalin, oder einem Bild von Ceaucescu, - man schüttelt hinter Dir vielleicht den Kopf, aber man wird nicht verhaftet.
Wenn die meisten unter uns die Quintessenz der Demokratie nicht verstanden haben, dann mag das auch mit dem von oben „verordnetem“ Trauma unserer Volksvertreter zusammenhängen. Wir müssen langsam den elementaren Sinn eines berühmten Zitates von Voltaire begreifen, wenn wir zu einem demokratischen Mit- und Nebeneinander im Staat und auch in Europa kommen wollen:
“Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, daß du es sagen darfst.â€
Aus diesem Grunde habe ich nichts gegen ein paar russische Motorradfahrer, solange sie mir nicht über die Füße fahren (praktisch und im übertragenen Sinn). Merkel hingegen hat sich dadurch eine Blöße gegeben. Klar – wie Du auch sagst, - gehört das zum vorgegebenen Programm der Amis, - aber wenn die Merkel-Gaukler immer davon sprechen, dass der 8. Mai für Deutschland ein Tag der Befreiung war und man den Allierten für diese Befreiung dankbar sein müßte, - dann vergessen sie anscheinend, dass bei den Alliierten auch die Russen dabei waren.
Deutschland hätte hier Größe und vor allem Souveränität an den Tag legen sollen, - und sich nicht in Kleinkrämerei wegen der Sichtweise der Amis über Putin vor den Karren spannen lassen sollen. Wäre der Gaukler auf die Idee gekommen, die Nachtwölfe ins Schloß Bellevue auf ein Bier einzuladen, dann hätte er wenigstens einen demonstrativen Schritt in die Richtung unternommen, dass es Deutschland – 70 Jahre nach Kriegsende – langsam satt hat, immer noch besetzt zu sein. Und sei es „nur“ von unseren „Freunden“.
Ums klar zu sagen: Ich sehe das Vorgehen um diese Nachtwölfe in einem anderen Rahmen, respektiere aber genauso auch Deine Sichtweise.