Die Fracking-Blase platzt - und zwar mit Ansage!

smiths74 @, Dienstag, 28.04.2015, 13:02 vor 3914 Tagen 8695 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 28.04.2015, 15:17

Hallo Zusammen,

Art Berman, ein amerikanischer Geologe mit 36 Jahren Erfahrung im Öl- und Gasgeschäft, hat einen aus meiner Sicht sehr bemerkenswerten Artikel über den derzeitigen Ölpreisverfall geschrieben. Seiner Meinung nach führt Saudi-Arabien nicht "Krieg" gegen die "Fracking-Industrie", sondern gegen die Investmentbankben und das "stupid money", das hunderte Milliarden in Bohrlöcher versenkt, ohne den Hauch einer Chance, dieses Geld je wieder zu sehen, schon gar nicht mit einem dem Risiko angemessenen Rendite!

Aber der Reihe nach:
Die letzten Zahlen aus Saudi Arabien legen nahe, das diese ihre Produktion zuletzt sogar noch ausgeweitet haben:
[image]

Warum tun Sie das?
Sie wollen langfristig ihren Marktanteil behalten!
Saudi-Arabiens kann seinen Marktanteil behalten und die langfristige Nachfrage nach Öl steigern, wenn die Weltwirtschaft wächst und das tut diese bei niedrigeren Ölpreisen! Dafür muss die Überproduktion aus den teuren unkonventionellen Ölen beseitigt werden. Überproduktion deswegen, weil die globale Nachfrage seit 2008 stagniert und seit 2013 die Produktion die Nachfrage sogar übersteigt:

[image]

Befeuert wurde der Boom der unkonventionellen Öle, vor allem der von Light Tight Oil, das mit Hilfe der Fracking-Technolgie gewonnen wird, durch die historisch einmalig niedrigen Zinsen der amerikanischen Zentralbank:
[image]

Diese Maßnahmen haben kaum zu einer wirtschaftlichen Erholung geführt, aber dazu beigetragen, die höchsten, nachhaltigen Ölpreise in der Geschichte zu produzieren. In diesem Nullzinsumfeld wurde viel dieses Geldes mit großartigen Versprechungen in die Fracking-Industrie gelockt. Aber, war es dort gut angelegt, das viele Geld?
NEIN, wie folgende Übersicht zeigt. Die Zahlen beziehen sich auf Ende 2014:

[image]

Die 40 größten Unternehmen im Bereich Fracking (Öl und Gas) in den USA hatten laut Berman Ende 2014 rund 170 Mrd. Dollar Schulden und fast durchweg negative Cash-Flows. Die meisten Firmen im Ölbereich haben es also bei Ölpreisen von 95 Dollar (Durchschnittspreis der letzten 4 Jahre) nicht geschafft, einen einzigen Dollar zu verdienen. Das erste Quartal 2015 hat für WTI einen Durchschnittspreis von 48 Dollar...
Wann werden diese Preise auf die Bilanzen durchschlagen? Die Schulden der Firmen bleiben gleich, aber das Pfand für die Schulden, die angeblichen Tight Oil Reserven sind nur noch halb soviel wert... Da ist der "marginal call" wohl zwingend, oder?

Spätestens im Oktober dieses Jahres, meint Art Berman in diesem Vortrag, wird einem Großteil dieser Firmen nicht weiter übrig bleiben, als Insolvenz zu beantragen.
Art Berman- Shale Plays Have Years, Not Decades of Reserves

Selbst der Chef von Schlumberger, einem der größten Ausrüster für Bohrunternehmen, geht davon aus, dass Tight Oil im Durchschnitt rund 75 Dollar pro Fass braucht, um profitabel zu sein. Man achte auf die Größenverhältnisse der Kreise "Land conventional", die über 40% der globalen Ölförderung ausmachen, und Tight Oil, das etwa 5% der globalen Förderung ausmacht, aber fast genauso viel Geld verschlingt...
[image]

Nochmal der Unterschied in Zahlen:
Ende 2014 waren in den USA 1912 Bohranlagen im Ölsektor aktiv (Tendenz stark fallend), in Saudi Arabien 143! Und beide Länder produzieren rund 10 Mio. Fass am Tag (all liquids).

Hier der Artikel von Art Berman im Original:

Saudi Arabia’s Oil-Price War Is With Stupid Money

Also, im Oktober sind wir schlauer...

Beste Grüße

smiths74

Danke! Nebeneffekt. Kein Fracking in D?

Ankawor, Dienstag, 28.04.2015, 14:18 vor 3914 Tagen @ smiths74 5204 Views

bearbeitet von Ankawor, Dienstag, 28.04.2015, 15:25

Danke für die interessante Zusammenstellung. Nun ist ja vor kurzem "ein bisschen" Fracking in D erlaubt worden, auch wenns keiner mitgekriegt hat (am 1. April).

Wie siehst du die Auswirkungen der von dir genannten Entwicklung auf Deutschland? Wenn die Ami-Firmen in großer Zahl pleite gehen, wird in D dann überhaupt noch angefangen mit dem Fracken?

Eine Pleitewelle kann ich mir nicht vorstellen

Albert @, Dienstag, 28.04.2015, 14:48 vor 3914 Tagen @ smiths74 5371 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 28.04.2015, 15:34

Lieber Smith,

das die Saudis irgendwas gegen die USA machen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Die sind doch die Lebensversicherung der Saudis. Und man kooperiert mit denen und umgekehrt sicher zu 100 %.

Der Hintergrund dürfte eher in Bezug auf Russland zu sehen sein, denen mit dem niedrigen Ölpreis der Hahn abgedreht wird (werden soll). Sowie Ankurbelung der stotternden Weltwirtschaft.

Genauso, wie man vermutlich im Konzert der westlichen Zentralbanken den Euro nach unten manipuliert hat - BIZ gibt das als Losung aus - die Zentralbanken und die angeschlossenen großen Geschäftsbanken setzen es um.

Und das die US Fracking Unternehmen pleite gehen? General Motors war auch pleite - nationales Interesse - : Also gerettet. In Fiat Money Zeiten ist es doch ein leichtes, ein paar Milliarden extra wo hinzuschieben.

Wäre ich die USA und weiß, das ich da im Nahen Osten die große Umgestaltung vollziehe, dann würde ich als eiserne Reserve für den Fall der Fälle (deren übliche Ölfluß kann ja im schlimmsten Fall mal für einige Monate gestört sein) auch eine eigene Fracking-Industrie behalten wollen. Als Notreserve sozusagen. Auch wenn der Dollar mal kollabieren sollte...

Im Prinzip wären die Überlegungen in einem marktwirtschaftlichen Umfeld alle richtig; nur ist der Westen in vielen Bereichen längst zu einer Planwirtschaft mutiert. Und da geht nur pleite, was pleite gehen soll.

Meint Albert

Keine Manipulation

CalBaer @, Dienstag, 28.04.2015, 17:59 vor 3914 Tagen @ Albert 4601 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 28.04.2015, 18:04

Der Hintergrund dürfte eher in Bezug auf Russland zu sehen sein, denen
mit dem niedrigen Ölpreis der Hahn abgedreht wird (werden soll).

Sicher ist das ein Nebeneffekt, aber den Oelpreis hat man deswegen nicht manipuliert, weil es gar nicht moeglich ist. Im Oelgeschaeft sitzen zu viele Beteiligte mit unterschiedlichsten Interessen. Aber selbst wenn es die Amis koennten, waere der Preis extrem hoch. Mit ein paar Millionen Dollars an "Grants" fuer Softpower-Organisationen in den jeweiligen Laendern kann man viel mehr bewirken, wie man im Fall der Ukraine sieht.

Und das die US Fracking Unternehmen pleite gehen? General Motors
war auch pleite - nationales Interesse -... dann würde ich als eiserne Reserve für den Fall
der Fälle (deren übliche Ölfluß kann ja im schlimmsten Fall mal für
einige Monate gestört sein) auch eine eigene Fracking-Industrie behalten
wollen.

Es sind Hunderte Firmen und viele werden pleite gehen, die Technologie wird allerdings verwertet von den "Geiern". Wenn diese Industrie am Boden liegt, wird "Big Money" das billig einsammeln, die bereits gefrackten und versiegelten Quellen gleich mit - Wall St wie sie leibt und lebt. Man muss dann nur noch abpumpen, wenn der Preis wieder stimmt.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

Zustimmung

Brauer @, Dienstag, 28.04.2015, 18:04 vor 3914 Tagen @ CalBaer 4447 Views

Es sind Hunderte Firmen und viele werden pleite gehen, die Technologie
wird allerdings verwertet von den "Geiern". Wenn diese Industrie am Boden
liegt wird "Big Money" das billig einsammeln, die bereits gefrackten und
versiegelten Quellen gleich mit - Wall St wie sie leibt und lebt. Man muss
nur noch abpumpen, wenn der Preis wieder stimmt.

Vielleicht wurde da tatsächlich etwas langfristiger geplant.
Durch den (extra angeheizten?) Boom haben die Amerikaner nun die Bohrlöcher und Anlagen dastehen, selbst wenn die erstmal wieder dichtgemacht werden.
Das macht flexibel und erweitert den möglichen Gestaltungsspielraum.

Unterschied in der Mentialität

helmut-1 @, Siebenbürgen, Dienstag, 28.04.2015, 16:13 vor 3914 Tagen @ smiths74 5162 Views

Danke für diese Aufstellung, - das hat sicher Arbeit gemacht. Bin zwar kein Volkswirtschaftler, aber ich hab mich durchgebissen, durch dieses Werk.

Im Zusammenhang mit den Rückzug aus dem Frackinggeschäft habe ich das Beispiel aus Rumänien gebracht. Allerdings in einem österreichischen Forum, wo man sich darüber beschwerte, dass man über die Hintertür Fracking ins Land bekomt.

http://www.unzensuriert.at/content/0017617-TTIP-Fracking-koennte-erlaubt-werden

Dazu habe ich folgenden Kommentar geschrieben:

"Selbst, wenn man mich nun als Nestbeschmutzer bezeichnen würde, - was wahr ist, soll auch wahr bleiben:
Was soll denn das Gejammere um TTIP oder Fracking, - uns gehört es doch nicht anders.
Wir jammern, raunzen, sind grantig, - aber was ändern - kommt nicht in Frage.
Typische Wiener Einstellung. Ich nehme mich da nicht aus, - bin selbst Wiener.
"Da gehörat ja eigentlich, da müassat ma doch,..." usw.
Die Rumänen machens vor. Die haben mehr Eier in der Hose als wir alle zusammen:
http://www.deutschlandfunk.de/fracking-ein-rumaenisches-dorf-rebelliert-gegen-us-konzer...

Was kam danach:
http://www.industriemagazin.at/a/chevron-stoppt-schiefergas-projekt-in-rumaenien

Ich kenne viele von denen persönlich, die sich dagegen gestellt haben. Die haben auch Krankenhausaufenthalte in Kauf genommen, gebrochen Arme, etc. durch die Ordnungskräfte.
Wir sind doch alles Hosensch. im Vergleich zu denen, - uns gehts halt zu gut."

So. Jetzt übertragt mal das ganze auf Deutschland. Ist es da anders?
Das Eigenartige: Einer der Hauptagitatoren gegen Fracking in Rumänien war ein deutschstämmiger Biobauer. Ein Familienvater mit 5 Kindern, der auch hunderte von km zu den Demonstrationsorten gefahren ist, in der vordersten Reihe stand, und dem man dabei den Arm gebrochen hat. Er wollte eigentlich nur, dass seine Kinder auch noch in Jahrzehnten im Brunnen sauberes Wasser haben.

In Stuttgart wurden hunderte Demonstranten z.T. schwer verletzt, weil

Leser68 @, Mittwoch, 29.04.2015, 05:08 vor 3913 Tagen @ helmut-1 4236 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.04.2015, 05:17

sie friedlich gegen Stuttgart 21 demonstrieren wollten - das war am 30. September 2010. Es waren ältere Menschen und Kinder unter den Verletzten, die durch Polizisten verletzt wurden. Rettungskräften wurde der Einsatz am Ort des Geschehens untersagt. Die Täter werden bis heute geschützt.

Genützt hat dieser Einsatz der Gesundheit von hunderten Menschen nichts. Dafür wurden die Menschen, die z.B. für die hunderte Jahre alte Bäume im Stuttgarter Schlossgarten oder den damals noch sehr gut funktionierenden Hauptbahnhof auf die Strasse gegangen sind, Ende des Jahres von den Medien als Wutbürger betitelt.

Man könnte diesen Begriff so deuten, dass die Bürger die Wut des Staates (der "Staatsdiener") zu spüren bekommen haben.

Richtigstellung

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 29.04.2015, 06:08 vor 3913 Tagen @ Leser68 4161 Views

Das stimmt, das war ein gutes Beispiel, und ich hab gar nicht mehr dran gedacht.
Vielleicht auch deshalb, weil es zu einem völlig andern Thema war, - trotzdem.
Damals ging der Protest durch alle Schichten der Bevölkerung.
Gebracht hats insofern was, weil man von Seiten der Politik nicht mehr diese Ignoranz an den Tag legt, alles am Bürger vorbei zu entscheiden.

50 % der Ausgaben der "BRD-Bürger" fließen sowieso an Israel

Isländer @, Dienstag, 28.04.2015, 18:52 vor 3914 Tagen @ smiths74 4949 Views

Viel Spaß beim Zahlen

wünscht den Ungläubigen

Spek

--
Alle meine Beiträge stelle ich unter Vorbehalt zukünftiger Erkenntnisse.
Die Zeiten des direkten Beweises sind vorbei.
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Das ist nicht plausibel

Tyler Durden @, Mittwoch, 29.04.2015, 01:11 vor 3913 Tagen @ smiths74 4356 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.04.2015, 01:28

Hallo smiths74,

ich schätze deine Beiträge, aber die Theorie, dass Saudi Arabien einen Krieg gegen die (amerikanischen) Investmentbanken führt, klingt nicht plausibel.
Warum sollte es das?
Sollte es wirklich zu massiven Kreditausfällen im Frackinggeschäft kommen und die Investmentbanken in Schieflage geraten, wird der Staat einspringen. Als Folge, aus den Turbulenzen an der Wallstreet, würde eventuell die Weltwirtschaft einbrechen. Damit hätten sich die Saudis aber ins eigene Bein geschossen, da eine Wirtschaftskrise die weltweite Ölnachfrage einbrechen ließe.
Sind religiöse Gründe im Spiel? Wallstreet-Money ist zwar nicht im Sinne des Islams, aber es ist trotzdem schwer vorstellbar, dass die Saudis hier einen ideologischen Kampf führen.
Allein schon der Name Saudi Aramco (Arabian-American Oil Company) zeigt doch schon die extrem engen Verbindungen zu den USA in der Vergangenheit und Nichts hat bisher auf einen Bruch zwischen den beiden Ländern hingedeutet.
Angenommen viele amerikanische Fracking Firmen gehen pleite, das Öl-Angebot verknappt sich, der Öl-Preis geht wieder steil in die Höhe, dann werden in den USA postwendend neue Investoren auf den Plan treten und das Fracking wieder aufnehmen. Davon ist auszugehen, bei der Menge an Geld, was nach Rendite lechzt. Was hat dann Saudi Arabien gewonnen? Nichts, sondern nur eine Zeitlang geringere Einnahmen aufgrund des niedrigen Ölpreises.
Geht man von den Erkenntnissen von Matthew Simmons in seinem Buch "Wenn der Wüste das Öl ausgeht" aus, dann sollte Saudi Arabien jede Gelegenheit nutzen, ihre alten Ölfelder zu schonen, denn neue nennenswerte Ölquellen wurden in Saudi Arabien schon seit Jahrzehnten nicht mehr gefunden. Sie beuten 40 Jahre alte Felder aus und profitieren lediglich von technologischen Fortschritten. Auch in Saudi Aarabien erhöht sich der Förderaufwand immer mehr.
Noch ein Satz zum "Marktanteil halten": In der klassischen Unternehmenspolitik ist der Marktanteil von extremer Bedeutung. Faktoren wie Bekanntheitsgrad, Marktführerschaft oder Preisvorteile bei größeren Absatzmenge sind für den Erfolg eines Unternehmens elementar. Aber ich würde behaupten, dass diese Faktoren für Saudi Arabien praktisch komplett irrelevant sind.

Grüße Tyler

Letzte Ausfahrt Russland

el_mar @, Donnerstag, 30.04.2015, 12:58 vor 3912 Tagen @ smiths74 3499 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 30.04.2015, 13:18

Da hatte ich schon mal auf die Absicht der Saudis hingewiesen:
hier


Auch weil die Fracker fertig haben, versuchen sich die Imperialisten Russland und dessen Öl unter den Nagel zu reissen.
Letzte Ausfahrt

Wohl auch der letzte Vorstoß des schwächelnden Hegemon.

Geschichte wiederholt sich - bis zum Ende:

Killer

He came dancing across the water
With his galleons and guns
Looking for the new world
And a palace in the sun.

Saludos

el mar

--
Ave Big Pharma, morituri te salutant

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