Hallo pe,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort (meine ich Ernst!, ohne Hintergedanken).
(hoffentlich mussten Sie nicht zu viel Kreide fressen, um in die Niederungen eines dummen und mit Haß erfüllten Vasallen des Hegemon Ihre Zeit zu hinabzusteigen)
> Geht es Ihnen um eine neue Art der Hegemonie (Hegemoniewechsel) oder um
[quote]den Wechsel zu einen neuen Hegemon?[/quote]
Um einen neuen Hegemon, der (u.a.) die Macht hat, das Weltwährungssystem, das seit 1944 (Bretton Woods) den US-Interessen dient, im eigenen Interesse neu zu organisieren. Kandidat: eurasische Union, wenn man sagt, EU+BRICS, sind auch Brasilien und Südafrika noch dabei. Ist sinnvoll.
Hintergrund - wie die USA 1944 in Bretton Woods den Keynes-Plan in einer Nacht- und-Nebel-Aktion kippten und das Dollarsystem installierten - samt Details des von den Chinesen favorisierten Keynes-Plans - bei Massimo Amato und Luca Fantacci:
Back to which Bretton Woods? Liquidity and clearing as alternative principles for reforming international finance.
in: Maria Cristina Marcuzzo (Hrsg.): Speculation and Regulation in Commodity Markets: The Keynesian Approach in Theory and Practice. Rom 2010, S.225-242
http://mpra.ub.uni-muenchen.de/44131/1/MPRA_paper_44131.pdf
Hegemonie heißt Ordnungsmacht.
Ja, und der Hegemon hat die MACHT, eine ihm genehme Ordnung zu etablieren und durchzusetzten.
Nach WK II haben die USA für eine gewisse Zeit diese Rolle gespielt und bis zu einem gewissen Punkt mit den Europäern kooperiert, allerdings nur, weil im Osten Kommunismus drohte. Nach 1989 wurden sie zunehmend (wieder) zum imperialistischen machtpolitischen Alleingänger (alles klar beschrieben bei Helmut Schmidt: Die Mächte der Zukunft). Das ruft Feindschaft hervor.
Nein. Sie haben diese Rolle nach WKII übernommen und bis heute behalten.
Sie waren immer imperialistisch orientiert, deshalb heiße Kriege und Kalter Krieg.
Sie haben nie mit den Europäern kooperiert, sie haben die Europäer in die ihnen genehme Ordnung integriert.
Sie haben uns völlig vereinnahmt mit ihrer Macht, aber auch mit Cola und Rock&Roll.
Sie haben uns eingesponnen in ein umfassendes Netzwerk, ohne sichtbare Repression, aber mit umfangreicher Kontrolle (siehe heute NSA). Und nicht nur uns!
Vieles haben wir freudig angenommen, gegen vieles haben wir nicht rechtzeitig opponiert.
Nein. Nach 1989 hatten sie erstmals die Möglichkeit, RU auch in die ihnen genehme Ordnung einzubeziehen; hätte Jelzin eine längere Verweildauer gehabt, wäre das auch gelungen.
Erst der Mann vom KGB hat erkannt, dass sein Land verkauft wird und hat sich dagegen gewehrt.
(musste dafür aber auch Jelzin die Absolution erteilen und ihm Sicherheit garantieren)
(und Putin braucht wohl bei seinem Abgang irgendwann auch einen Garanten – hat er derzeit nicht, deshalb ist er noch da)
In der EU wird so was schon zu Lebzeiten der Protagonisten geregelt durch vollständige Immunisierung und über das Recht stellen derselben (ESM). Ähnlich bei BIZ und IWF. Warum wohl?
Nach 1989 wurde auch der gesamte ehemalige Ostblock (excl. RU) in ihre Ordnung eingesponnen, der es auch freudig begrüßt hat (endlich weg vom alten Unterdrücker, der neue ist ja viel sympatischer).
Und seine Ordnung hat strategisch bedacht ALLE Bereiche abgedeckt:
-Militärbasen global
-Weltleitwährung mit, dann ohne Golddeckung
-Petrodollar
-IWF mit Veto
-BIZ mit Veto
-UNO mit Veto
-Keine Mitgliedschaft bei ihm ungenehmen Organisationen (Haager Gerichtshof)
-Keine Ratifizierung ihm ungenehmer Verträge
-Nato mit alleinigem Führungsanspruch .......
Also: Die Ordnung einer WELTMACHT (viel umfassender, als jemals eine Weltmacht zuvor, dazu viel weitsichtiger und auf lange Zeit ausgerichtet – das Jahrhundert der VSA ).
Nun, die US-Hegemonie wackelt ja schon (siehe z.B. hier).
Bei den bestehenden Kräfteverhältnissen und dessen bestehende globale
Vernetzung scheint mir der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein.
Militärisch ja, ökonomisch und ideologisch nicht mehr.
Es kommt darauf an, daß die Beherrschten sich nicht mehr durch Teilung beherrschen lassen, sondern Allianzen bilden. Die BRICS zeigen einen Weg.
Richtig, aber bitte die derzeitige Gewichtung beachten und analysieren, ob da überhaupt neue Pfade getrampelt werden oder nur mehr Mitmachen und Mitspracherecht im bestehenden System eingefordert wird (?).
Gerade bei der ideologischen Kriegsführung unterlaufen die Russen mit RT die ideologische Dominanz der US-kontrollierten Medien.
RT ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
YT- Videos ebenfalls, wenn man sich die Klicks betrachtet.
Aber in Europa sieht man nicht, daß sich daraus die Aufgabe der
eigenständigen Strategie und des Schmiedens neuer Allianzen ergibt,
sondern folgt offensichtlich weiter wie gewohnt dem Hegemonen und nimmt
sein Denken für die Wahrheit. Hinzu kommen noch die spezifischen
Probleme, die "vereinigten Staaten von Europa" entgegenstehen. Schon eine
gemeinsame Sprache gibt es ja nicht, es mangelt an leadership, etc. Es lohnt sich,
Helmut Schmidt zu lesen ("Die Selbstbehauptung Europas", "Mächte der
Zukunft") und anzuhören (z.B. hier), meine ich.
Er betrachtet all das sehr realistisch, und dennoch hat er klare Ziele
und eine feste Strategie (und hat diese verfolgt).
Die Zeichen einer guten Strategie sind mMn Konsistenz, Realitätsnähe und
Durchsetzbarkeit.
Welche Strategie kann derzeit D entwickeln, die auch nur im Ansatz diesen
Kriterien entspricht?
Kann es derzeit überhaupt eine Strategie geben, die gegen VSA gerichtet
ist, die diesen Kriterien entspricht?
Nur durch Allianzen, und die fangen in den Köpfen an. Da zeigen sich zwar Risse in der Dominanz des vom Hegemonen installierten Weltbilds. Aber leider noch keine kohärenten Alternativen.
Richtig, auch noch nicht bei RU und BRICS. Leider.
....
Richtig! Die Durchdringung ist über die letzten 65 Jahre permanent
gewachsen – in ALLEN Bereichen – und fängt heute in den Kitas an.
So ist es.
Die Köpfe zu beherrschen (Deutungshegemonie) ist viel effektiver als
direkte Gewalt, und das ist Teil der US-Strategie der "Full Spectrum
Dominance".
Richtig, ein Teil. Ein weiterer Teil ist aber die militärische Macht, die
gewünschte Dominanz fast überall in der Welt durchsetzen zu können.
Ja, natürlich. Hier ist nur Rußland ein ernstzunehmender Gegner, daher ja der US-Rakenabwehrschutzschild.
RU ist ein ernstzunehmender atomarer Gegenpol, aber kein ernstzunehmender Gegner in Bezug auf globale Präsenz und Aktionsfähigkeit.
Die Einschränkung bezieht sich auf die „gallischen Dörfer“ auf der
Weltkarte, bei denen die Durchsetzung der Dominanz mit zu viel Risiko
verbunden ist oder das Einsetzen von Verwaltern (noch) nicht möglich ist.
Für einen Teil dieser Dörfer wurde eine passende Übergangslösung
gefunden und verwirklicht.
Bleiben wir kurz dabei und betrachten die SU während des Kalten Krieges.
Hat die SU gegenüber ihren Satellitenstaaten eine andere Strategie
verfolgt?
Ja, eindeutig.
Die Durchdringung ist nur im Bereich der Überwachung erfolgt, die
Gefolgschaft durch die permanente militärische Bedrohung und, wenn nötig,
deren Anwendung.
Alle anderen Bereiche wurden vernachlässigt, überhaupt nicht bedacht
oder waren nicht in den eigenen Möglichkeiten.
Sehe ich nicht so. Gerade auf dem Gebiet der ideologischen Kriegsführung hatte die SU mit dem - auf dem deutschen Idealismus (Hegel, Kant) und der britischen politischen Ökonomie beruhenden - Marxismus eine potente gefährliche ideologische Waffe, die für viele westliche Intellektuelle interessant war und deshalb von den Anglos massiv bekämpft wurde (z.B. neoklassische Ökonomie, Chicago-School, etc.).
Bin kein Intellektueller, habe mich mit Feinheiten nie beschäftigt, verabscheue Ideologien und verdummende Kampfbegriffe und suche bei jedem Thema erst mal den roten Faden, möglichst mit Blick von oben.
Bin ein Freund klarer Gedanken und einfacher Sprache.
Mein Weltbild zeigt, dass der Kommunismus im Westen nach WKII keine Chance hatte und von den VSA als Gespenst für den Kalten Krieg und seine gewünschte Ordnung dankbar genutzt wurde. (auch im eigenen Land)
Diese Waffe ist heute wirkungslos, genau deswegen hat die USA heute die uneingeschränkte ideologische Deutungshoheit, die zwar seit 2008ff. etwas bröckelt und Durchschüsse aufweist, aber noch nicht kollabiert ist.
Nein. Es war nie eine Waffe; wäre sie eine gewesen, hätte sie ja wenigstens in den Satellitenstaaten positiv wirken und zufriedene Vasallen produzieren können. Deshalb kein Ost-Netzwerk, keine Durchdringung.
Deshalb gibt es heute kein funktionierendes Netzwerk der Dörfer, welches
auch nur ansatzweise über so lange Zeit gewachsen ist und einen solchen
Durchdringungsgrad erreicht hat (und wegen der Sprach- und Kulturhemmnisse
auch in den nächsten Jahrzehnten nicht erreichen kann).
Das ja, aber aus anderen Gründen.
Welche?
Hätte man nach Putins Rede im Bundestag 2001 den Aufbau eines Netzwerkes
begonnen und permanent intensiviert, ... Hätte, hätte, Fahrradkette
(wäre auch nur im Einvernehmen mit unseren Freunden möglich gewesen, den
kleinen und dem großen)
Es fehlt bisher die kohärente und machtvollere, weil schlüssigere Gegenideologie und Strategie.
Richtig! Es ist auch am weiten Horizont keine in Sicht.
Diese meine Einschätzung lässt mich daran Zweifeln, dass in er nächsten
Zeit irgendeine fundamentale Änderung der geopolitischen Situation des
Westens möglich und gewünscht ist, OHNE die wie auch immer geartete
friedliche Einwilligung der VSA.
Schon möglich. Trotzdem muß man über die Möglichkeiten neuer Allianzen als Alternative zu einer US-dominierten, unipolaren Weltordnung nachdenken, ebenso wie über deren ideologische und strategische Fundierung.
Gut, aber doch nicht nur im Sinne von Hegemonwechsel, von neuem Block, in dem sonst alles gleich bleibt.
Wie wär’s denn mal mit OHNE Ideologie, OHNE ...ismus, MIT Zusammenarbeit, MIT Reparatur anstatt Konfrontation, MIT ...
Von einem "neuen, kompetenten Personal" ist leider noch wenig zu sehen
bisher. Zwar brodelt es seit 2008 an den ökonomischen Fakultäten der
Unis, aber bis daraus ein breiterer Strom des Denkens wird, der eine
neue Generation von Ökonomen produziert (wie nach 1929ff. die Generation
von Keynesianern) wird das noch dauern.
Mann oh Mann, für Strategien baucht man keine Ökonomen, man braucht
MACHT.
Das bestreitet doch kein Mensch. Macht ist aber nur formierbar über eine gemeinsame, kohärente Deutung der Welt und eine darauf basierende Strategie.
Nein. Macht ist aktuell vorhanden, die Welt ist von dieser Macht gedeutet, die Strategie ist vorhanden und wird machtvoll durchgesetzt.
Ein Gegenentwurf ist NIRGENDS zu sehen, weder Macht noch Deutung noch Strategie.
Mein Weltbild zeigt, es drängen mehr aufsteigende Länder darauf, respektiert zu werden und mitmachen zu dürfen, mehr sehe ich leider nicht.
Der Marktfundamentalismus (Chicago School) war die dominierende Ideologie seit Ende der 70er bis 2008, und führt jetzt ein untotes Nachleben.
1929ff. folgte darauf ein Hegemoniwechsel (British Empire -> gescheiterter deutscher Versuch -->USA) und ein keynesianisches Zeitalter (1945-1971).
2008ff. sind die Gegenkräfte bzw. die Kräfte der Neuordnung viel schwächer als 1929ff. (damals lag 1917 gerade 12 Jahre zurück).
Versuchen Sie mal, losgelöst von Ideologien und emotionsfrei unsere erste
Riege unter den geschilderten Gesichtspunkten zu betrachten und zu
beurteilen.
Tauschen Sie gedanklich unseren FM mit irgend einem Nobelpreis-Ökonomen
– würde sich was verbessern? Und wenn ja, für wen?
Natürlich. Sie kennen offensichtlich meine Position dazu nicht. Ich werde sie hier nicht wiederholen, falls es Sie interessiert (den Eindruck habe ich nicht), bitte im Forumsarchiv seit 2006 suchen ("moneymind", "politicaleconomy").
Bitte nur den Namen des Ökonomen und für wen sich was verbessert.
Tauschen Sie unsere K’in mit irgendeinem Politiker/in – und dieselben
Fragen.
Hätte einer von ihnen den Handlungsspielraum für die von ihnen
eingeforderten Änderungen?
Vor allem nicht den nötigen Weitblick. Putin dagegen zeigt einen alternativen Weg auf und propagiert diesen nach außen hin effektiv (über russisches Staatsfernsehen - RT - weltweit). Natürlich steht dahinter auch eine ganz andere Militärmacht als bei Deutschland, dem alle Zähne gezogen wurden.
Russland entwickelt eine Strategie mit China, Brasilien, Indien, Südafrika.
Welche Strategie? S.o.
Ich kann bei BRICS absolut nichts Neues erkennen, vielleicht was Gleiches Eigenes, weil man am Bestehenden nicht ausreichend beteiligt wird.
Doch, es ist in der Gruppierung der Hegemon noch nicht offiziell ernannt; ohne den (wen?) wird es wohl längerfristig nicht gehen.
Könnten sie auf einen verzichten, wäre es ja so was wie die Vereinigung der Vaterländer, respektvoll, souverän und eine gute Adresse für andere. (funktioniert nicht mal in Europa)
LePen in Frankreich z.B. will raus aus der NATO, der EU und mit RU kooperieren. Das sind alles Ansätze.
Es wird nicht passieren, der Hegemon wäre sicher not amused.
Wenn Sie die Fragen mit nein beantworten, brauchen Sie andere strategische
Gedanken.
Na, dann klären Sie mich mal auf.
Geht noch nicht, meine Kristallkugel hat immer noch blinde Flecken.
Bei ja, haben Sie den Heilsbringer gefunden; engagieren Sie ihn und alles
wird gut.
Ach, hören sie doch auf mit dem Unsinn. Varoufakis ist kein Heilsbringer, aber erkennt und bennent klar, was läuft (USA für ihn ein "globaler Minotaurus", bitte selber nachlesen). Daß einer wie er Politik macht, ist noch Ausnahme, muß aber Schule machen.
Ich habe nicht von Varoufakis gesprochen, sondern von irgendeinem Politiker/in.
Daß ich in ihm keinen Heilsbringer sehe, habe ich schon gepostet.
Beim richtigen Erkennen ist er einer unter Vielen, beim darüber Sprechen als aktiver Politiker sicher ein Exot.
Sein Problem ist die Politikunfähigkeit, heißt er scheint nicht in der Lage zu sein, Allianzen zu bilden oder frühzeitig die Realitäten richtig einzuschätzen, heißt, dass die eigene, vielleicht sogar objektiv richtige Meinung nicht mehrheitsfähig, nicht gewünscht ist.
Wir werden seinen Werdegang verfolgen.
Strategie ist nicht alles, ohne Strategie ist alles nichts. Richtig? NEIN
Das Wort Strategie muß durch das Wort MACHT ersetzt werden!
Richtig. Schlüssel dazu ist Kooperation gegen den Hegemon, statt sich teilen und beherrschen zu lassen.
Warum ist das Ihre einzige Option? Speziell wenn sie mit viel Risiko für alle verbunden ist?
Warum nicht Kooperation mit Gleichgesinnten und Rückführung des Hegemons auf den Pfad der Tugend?
(Wird wahrscheinlich schon an der Suche nach Gleichgesinnten scheitern. Gibt halt so viele Bornierte mit Eigeninteressen).
Warum nicht Reparatur der vorhandenen globalen Institutionen in Funktion und Wirksamkeit?
Freundliche Grüße
KK
Zweifel an der eigenen Wahrheit macht demütig.
> PS Sollte ich Sie in einer meiner Wortmeldungen unfair angesprochen haben,
[quote]bitte ich dies zu entschuldigen. [/quote]
Beleidigungen bleiben Beleidigungen.
Zwecks Vermeidung von Wiederholungen meinerseits bitte um ein Beispiel meiner Verfehlungen.
Auf Gegenbeispiele werde ich verzichten. Bin ja keine Lebewurst.
> Meinen Hang zu Ironie und Sarkasmus kann ich nicht immer bändigen.
[quote]Ist aber nie persönlich gemeint, zumindest fast nie.[/quote]
Das nehme ich ihnen nicht ab.
Das Is mich schnurzegal.