Grüss dich Positiv und alle Interessierte,
ich bin dann "glücklich" oder erfühle ein "Glück", wenn in der Begegnung mit einem Menschen etwas geschieht, das uns näher bringen lässt.
Zum Beispiel hat mich dein Bericht über das Leben in der DDR (oder muss man "DDR" schreiben?) so berührt, dass ich sagen könnte: Ist das ein Glück für uns Leser, dass @Positiv das so gut beschrieben uns uns darum so gut übermitteln konnte! So ist eine Nähe, eine Verständigung geschehen -- etwas, das mit uns in uns und um uns im Leben geschieht, ist verständlicher geworden, das ist ein Merkmal für mich z. B. fürs "glücklich" werden.
Das Wissen darum, was das Leben für uns so alles bereithält, kann trotz Schwierigkeiten nun seine Geborgenheit uns schenken.
Von Ausbalanciert-Sein, Geborgen-Sein im Leben und Erleben (auch im Ausleben), von Verstanden-Sein, Geschätzt- und Geliebt-Sein beschenkt zu sein, ist das, was "Glück" wohl konstituierend ausmacht.
Anderes Beispiel im kleinen Rahmen: Auf dem Weg zur Arbeit kommt mir ein kleiner Schulbub entgegen, ganz gefangen in seiner eigenen Welt. Obwohl ich noch so traditionell denke, eigentlich müsste er mich zuerst grüssen, mache ich den ersten Schritt zum Gruss. Davon ganz aufgeschreckt sind wir beide schon an uns vorbeigelaufen, ohne dass eine Reaktion von ihm kam. Sie passierte aber dennoch, wohl in seinem Innern. Eine Woche später ist der Augenkontakt schon hergestellt bei unserer Begegnung mit entgegengesetzten örtlichen Zielen. Ein leiser Gruss kommt nun über die Lippen. Ab der dritten Begegnungsgelegenheit funktioniert dann die Wahrnehmung und der damit verbundene (blickende oder ausgesprochene) Gruss schon ganz natürlich.
Glück ist für mich, wenn Menschen als solche sich sein dürfen und als solche wieder wahrgenommen werden.
Glück ist auch, wenn wir Begegnenden Reisende und Bereiste uns in der hintersten Ecke im fernen Myanmar (ja, so darf man Burma auch hier im Westen wieder schreiben) mit Einheimischen trotz gegenseitiger, fehlender Sprach- und Schriftkenntnisse "nur" über Gesichtsmimik und Interesse uns mit-teilen zu verstehen wissen. Die unzerstörbare Wesensgleichheit des Menschen, das Verbunden-Sein mit-einander, aber auch mit dem, was uns in der Mit- und Um-Welt umgibt, das kann Glücksgefühle auslösen. Innere Zufriedenheit.
Die Menschen in Myanmar rangieren weit abgeschlagen in der Rangfolge des Bruttosozialprodukts und anderen, ökonomischen Wertgrössen. Im Inneren sind diese Menschen - im Gegensatz zu uns Schweizern z. B. - aber (noch) viel komplettere, ausgefülltere Menschen. Noch nicht so arg "zerfetzt" in multi-tasking und multi-living, obwohl auch dort z. B. das Handy im Eiltempo das Land erobert...
Der nun gestern veröffentlichte "World Happiness Report 2015" setzt ausgerechnet diese geistig und psychisch "zerfetzten" Schweizer auf Rang 1 des gemessenen, mit Zahlen dekorierten Glücklichseins. Wie kommt so etwas zustande für ein kulturell und sprachlich zusammengewürfeltes Volk einer sog. "Willensnation", dessen gute Hälfte den Psychiater und Beruhigungs- bzw. Aufpeitschpillen braucht, um den Schein eines gelebten Lebens zu wahren...?
Nun denn, die OECD hat also Richtlinien betreffend Messung des individuellen Wohlergehens die Empfehlungen einer früheren Kommission für die Messung des wirtschaflichen und gesellschaftlichen Fortschritts übernommen, die da u. a. lauten:
- Kognitive (also: übers Denken wahr-genommene, über den Intellekt erkannte) Bewertungen übers eigene Leben
- Positive (also: wohltuende, aufbauende) Emotionen wie Freude, Entückung, Jubel, Selbst(wert)gefühl, ...
- Negative (also: schädigende, abbauende) Emotionen wie (Lebens)Mühe, (Lebens)Vedruss, Groll, Sorgen und Kummer, ...
Die OECD schaue dann auch an, was in einem Land an minimalen "Lebens-Bedingungen" überhaupt vorhanden sein müsse, damit ein Individuum damit beginnen kann, ein sinnvolles bzw. zweckerfülltes Leben zu führen.
Die Frage bleibt, ob diese Messung denn selber überhaupt "Sinn macht"...?
Denn ganz offensichtlich sind die öffentliche Infrastruktur, das wirtschaftliche Netz, das gesellschaftliche Leben, usw. so gut ausgefüllt und angehoben in der Schweiz, dass dieser "Basis-Effekt" das Individuum (egal wie zerfetzt und leer es sich auch fühlen mag) schon mal ganz wie von selbst weit über den (Un)Glücksindex eines z. B. Burmesischen Bergbauern hinauskatapultiert.
Nun, lassen wir diesen Exkurs mal für den Moment, und wenden uns noch der Herkunft und Bedeutung von "Glück" zu: Es gebe einen Bedeutungszusammenhang mit dem französischen "destinée", was Festsetzung, Bestimmung, Beschluss ins Spiel bringt. Im Altniederfränkischen habe sich "gilukki" später zu "lukan" verändert, was bedeuten kann: (be)schliessen", (fest)setzen, (be)stimmen.
Wildheuers etymologische Deutung geht also in die Richtung: Wenn es STIMMT in meinem Leben, wenn ich weiss, wo ich meinen SITZ habe, weiss welche Rolle ich spiele, es keine VerständnisLÜCKEN mehr gibt, mein Leben in diesem Sinne einen SCHLÜSSIGEN Sinn hat, so darf sich der Mensch, der all dies von sich behaupten darf, wohl glücklich schätzen.
Wünsche dir @positiv und allen Lesern nicht bloss ein schönes "Wochenende", nein, vielmehr einen GELUNGENEN Samstag und ZUFRIEDENEN, SELIGEN*, GLÜCKLICHEN Sonntag.
*P. S.:
Wenn ich meinem ur-eigenen Empfinden meiner SEELE* in meinem Leben zum Durchbruch verhelfen kann, dann kann ich mich glücklich schätzen. Weil dann bin ich mit mir selber in Einklang.
P. P. S:
Die Gedanken von @modesto und @nemo haben mir, nebst anderen, auch ganz gut getan - Danke für diese Glücksmeldungen!