Indoktrinierung schon in der Grundschule

stocksorcerer @, Dienstag, 14.04.2015, 15:55 vor 3926 Tagen 5199 Views

Hallo zusammen,


So scheint es mir zumindest. Meine Kleine liest derzeit in der vierten Klasse ein Kinderbuch von Willi Fährmann mit dem Titel: "Der überaus starke Willibald".

Es handelt sich dabei um eine ganz besonders starke und schlaue Maus, die eine kritische Albinomaus ausgrenzt, die herrschende Ordnung kippt und sich selbst zum Herrscher des Mäuserudels aufschwingt. Dabei gibt er sich als jedermanns Freund, hat aber eine Menge harter Regeln, die die Rechte aller anderen beschneiden... Dass er dabei falsch spielt, wissen nur sehr wenige.

Mir schien in Unkenntnis des Buches und nach einer knappen Zusammenfassung meiner Tochter im ersten Moment, dass die "Fabel" auf die aktuelle Situation übertragen werden könnte; der überaus starke Willibald die Vereinigten Staaten sein könnten und die willfährigen, ängstlichen und gehorsamen anderen Mäuse die diversen europäischen Staaten. Weit gefehlt, obwohl es nahe lag. ;)

Natürlich aber liefert der gebürtige Duisburger Autor, der das Dritte Reich als Jugendlicher miterlebt hat, als Zeitzeuge da eine ganz bestimmte Interpretation gleich mit, die man teilweise schon namentlich in seinem "Mäusebuch" erkennen kann. Der überaus starke Willibald ist A.H.; Mäusejosef ist Goebbels, die Hermannmaus ist Göring, die Widerstandsmaus Mausephilipp könnte Schaeffers oder Stauffenbergs Platz einnehmen...

Ich habe mich schon längst darauf eingestellt, dass unsere Tochter genau den gleichen, einseitigen Geschichtsmüll aus geschönter Siegerperspektive schön breit ausgewalzt über sich ergehen lassen muss, dem wir alle als Schüler ausgesetzt waren.

Mich ängstigt aber vor allem, wie früh das geschieht und wie da das Begleitmaterial die Kinder gleich einnordungstechnisch in den Mainstream jagt.

"Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Demokratie. Demokratie bedeutet: "Volksherrschaft". Alle Bürger sollen die Regeln des Staates mitbestimmen. Weil aber nicht alle Menschen zu jeder Sache befragt werden können, wählen die Bürger Politiker als Vertreter. Sie sollen Entscheidungen treffen, die für alle gemeinsam das Beste sind..."

Und das in einer vierten Klasse. Megaätzend.


Gruß
stocksorcerer

Ja, so ist das

Falkenauge @, Dienstag, 14.04.2015, 16:27 vor 3926 Tagen @ stocksorcerer 3397 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.04.2015, 16:56

Und welchen Schluss ziehen wir daraus?

Die staatliche Schule ist in obrigkeitsstaatlichen Zeiten entstanden. Der absolutistische Staat übernahm das Schulwesen sukzessive aus der Hand der Kirchen und gestaltete es über verbindliche Lehrpläne und Prüfungen in seinem Sinne aus. Die Schule wurde "primär für die Zwecke des Staates okkupiert. Sie
sollte den einseitigen politischen Absichten des monarchischen Staates dienstbar gemacht und durch sie die nachwachsende Generation den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden."

Das Ziel war, die Schüler zu konservativen Untertanen zu erziehen, die durch ihre Leistungen zur Vermehrung der wirtschaftlichen, der politischen und der militärischen Macht des Staates beitragen sollten. Man benutzte die Schulen zur Festigung der überkommenen, statischen Ordnungen. Die Leistungsanforderungen sollten daher auch – verstärkt in der Volksschule – die Schüler nicht zum Bewusstsein ihrer Freiheit und Selbstverantwortlichkeit führen. Nicht das Wachsen und Reifen der Schüler, denen die Leistungsanforderungen in der Schule zu dienen haben, stand im Vordergrund, sondern die einseitige Ausrichtung auf den künftigen Zweck, auf die Verwendbarkeit des Erwachsenen."
(Prof. Carl-Ludwig Furck: Das pädagogische Problem der Leistung in der Schule, Weinheim/Berlin 1967)

Daran hat sich bis heute doch im Prinzip nichts geändert! Die jeweils Herrschenden bestimmen über das Schulsystem, Lehrpläne, Prüfungen die Bildung in ihrem Sinne. Das hat mit Demokratie nichts zu tun.

Ein mit den Grundelementen der Demokratie verbundenes Schulwesen kann nur aus der Selbstbestimmung der Betroffenen, der Lehrer und Eltern, hervorgehen. Das freie Selbstbestimmungsrecht des mündigen Bürgers nach Art. 2 GG verlangt, dass Schulen nur von Staat und Wirtschaft unabhängige, freie Einrichtungen sein können, in denen die Lehrer aus ihrer fachlichen Kompetenz und ihren konkreten Erfahrungen und Erkenntnissen vor Ort die Unterrichtsinhalte, Methoden und Organisationsformen selbst bestimmen. In der entstehenden Vielfalt von Bildungseinrichtungen werden sich die Eltern aus ihrer Erziehungsverantwortung für das ihnen zusagende Schulprofil frei entscheiden können. Dem Staat kann nur eine Rahmen setzende, rechtliche Aufsichtsfunktion zukommen.

Aber das obrigkeitsstaatliche Denken sitzt bei den meisten Menschen, gerade auch bei den demokratischen Untertanen, noch sehr tief. Man kann es sich auch nicht anders vorstellen. Es muss ja doch welche geben, die allen sagen, wo´s langgeht.

Analyse und Überlegungen auf:
http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/12/20/das-staatliche-schulsystem-als-relikt-d...

Dagegen hilft nur die (modifizierte) Zwei-Welten-Theorie (und -Praxis).

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 14.04.2015, 16:32 vor 3926 Tagen @ stocksorcerer 3321 Views


Mich ängstigt aber vor allem, wie früh das geschieht und wie da das
Begleitmaterial die Kinder gleich einnordungstechnisch in den Mainstream
jagt.


Und das in einer vierten Klasse. Megaätzend.


Gruß
stocksorcerer

Hallo @Stocks. (weiter abkürzen trau ich mich nicht [[zwinker]] ),

bringe Deinem Kind bei, daß es zwei Welten gibt:
1. die da draußen für die Schule, die Lehrer und das Fernsehen
2. die drinnen in der Familie und unter engsten Freunden.

"In der Schule sagst du das, was der Lehrer von dir hören will! Wenn du den Eindruck hast, daß da was nicht stimmt, besprichst du das vorher mit Mamma oder Papa."

Hört sich beschxxxen an, ich weiß; aber wir sind wieder soweit!

--
Beste Grüße

GRIBA

Es gibt aber noch eine andere Welt

satsangi @, Dienstag, 14.04.2015, 16:51 vor 3926 Tagen @ Griba 3225 Views

Hallo

bringe Deinem Kind bei, daß es zwei Welten gibt:
1. die da draußen für die Schule, die Lehrer und das Fernsehen
2. die drinnen in der Familie und unter engsten Freunden.

Da gibt es noch eine andere Welt, ohne Illusionen, die ist in dir drinnen.

Lass Dich nicht zudecken von den nutzlosen Schein-Welten.

Der Sinn des Lebens ist "Selbsterkenntnis/Gotterkenntnis".

Beste Grüsse
satsangi

P.S.Tägliches Zitat, 17. März 2015
Die Energie des Ärgers, die wir in das Universum aussenden, kommt irgendwann zu uns zurück. Wir fragen uns vielleicht, warum wir nur zum Opfer des Ärgers anderer werden, doch wir erkennen die Möglichkeit nicht, dass nur etwas auf uns zurückfällt, was wir selbst verursacht haben.
SANT RAJINDER SINGH

Das ist aber noch nichts für kleine Kinder - damit kann man in Vor-Pubertät anfangen...

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 14.04.2015, 16:58 vor 3926 Tagen @ satsangi 2941 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.04.2015, 17:01

Wenn die Fragen im Religions- oder Konfirmandenunterricht auftreten - oder wenn die Oma die Kinder damit verwirrt [[top]]

Für (kleinere) Kinder sind Außen und Innen noch untrennbar verbunden, weshalb sie unter Dissonanzen (in der Familie, aber auch im Freundeskreis) besonders leiden.

--
Beste Grüße

GRIBA

Denunziation der Eltern durch die Kinder im dritten Reich

Olivia @, Mittwoch, 15.04.2015, 07:47 vor 3925 Tagen @ Griba 2256 Views


"In der Schule sagst du das, was der Lehrer von dir hören will! Wenn du
den Eindruck hast, daß da was nicht stimmt, besprichst du das
vorher mit Mamma oder Papa."

Hört sich beschxxxen an, ich weiß; aber wir sind wieder soweit!

..............

Ich habe vor etlichen Jahren kurzzeitig mit einem Österreicher zusammengearbeitet, der seine Kindheit in der Nazi-Zeit verbrachte. Er erzählte mir, dass er als Kind in großen Konflikten war, weil er meinte, seine Eltern anzeigen zu müssen, da sie ihm andere Dinge erzählten als das, was er in der Schule zu hören bekam. Er wollte alles "richtig" machen und die Schule war überzeugend. Angezeigt hat er sie dann wohl nicht, aber er war ständig auf der Kippe, weil er meinte, er müsse dies tun.

Es hat mich gegruselt, mir vorzustellen, was mit den Eltern passiert wäre, wenn der Junge sie wirklich angezeigt hätte. Ich glaube, sie haben BBC gehört.

--
For entertainment purposes only.

Das war in der DDR auch nicht viel anders.

Griba @, Dunkeldeutschland, Mittwoch, 15.04.2015, 09:35 vor 3925 Tagen @ Olivia 2028 Views


Ich habe vor etlichen Jahren kurzzeitig mit einem Österreicher
zusammengearbeitet, der seine Kindheit in der Nazi-Zeit verbrachte. Er
erzählte mir, dass er als Kind in großen Konflikten war, weil er meinte,
seine Eltern anzeigen zu müssen, da sie ihm andere Dinge erzählten als
das, was er in der Schule zu hören bekam. Er wollte alles "richtig" machen
und die Schule war überzeugend. Angezeigt hat er sie dann wohl nicht, aber
er war ständig auf der Kippe, weil er meinte, er müsse dies tun.

Es hat mich gegruselt, mir vorzustellen, was mit den Eltern passiert
wäre, wenn der Junge sie wirklich angezeigt hätte. Ich glaube, sie haben
BBC gehört.

Deshalb ist es so wichtig, das in der Familie ein Konsens darüber und absolute Offenheit herrscht. Und um ein "Verplappern" der Kinder zu vermeiden, sollten sie sich an politischen Diskussionen in der Schule nicht beteiligen bzw. diesen Ausweichen (Wichtig: den Kindern Vormulierungen dazu vorgeben).

--
Beste Grüße

GRIBA

Teilweise eine Folge der "Outputsteuerung" im Schulwesen

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Dienstag, 14.04.2015, 18:39 vor 3926 Tagen @ stocksorcerer 2821 Views

Zur Erläuterung:

Ich kann zwar nicht direkt für die Grundschule sprechen, aber in den "höheren" Klassen ist es mittlerweile so, dass die Schule auf "Outputsteuerung" umgestellt wurde. D.h. es wird relativ detailliert vorgegeben, was die Schüler wann können und wissen müssen (klingt erst einmal gut, oder?). Da es mittlerweile immer mehr zentrale Prüfungen und Lernstandsvergleiche gibt (nicht nur im Abitur sondern auch in der Mittelstufe, z.B. sogenannte "Vergleichsarbeiten), führt das dazu, dass in allen Fächern, d.h. auch in den Sprachen (also auch im Deutschunterricht) und in den Gesellschaftswissenschaften die zu lesende Literatur und die zu behandelnde Themen von den Kultusministerien genau vorgegeben werden, denn sonst könnte man die Inhalte ja auch nicht "zentral", d.h. für alle Schüler einer Jahrgangsstufe innerhalb eines Bundeslandes gleich, abprüfen. Deshalb MÜSSEN bestimmte Themen behandelt werden, auch wenn die Lehrkräfte, könnten sie alleine entscheiden, vielleicht andere Themen behandeln würden (und ich möchte nicht das veröffentlichte Geschrei lesen, falls eine Lehrkraft ein bestimmtes Thema nicht behandelt hat und dieses dann im Zentralabitur abgeprüft wird...).

Da man den Lehrkräften aber in der veröffentlichten Meinung nicht mehr zutraut, eigenverantwortlich zu handeln (Stichwort: "Faule Säcke"), ist die hier beklagte Entwicklung durch die "zentralen" Vorgaben der Kultusministerien nur folgerichtig: Das Volk bekommt genau das, was es verlangt.

Gruß,
Phil.M.

"Politiker sollen die Entscheidungen treffen", nicht die Bürger

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 14.04.2015, 20:26 vor 3926 Tagen @ stocksorcerer 2566 Views

"Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Demokratie. Demokratie bedeutet: "Volksherrschaft". Alle Bürger sollen die Regeln des Staates mitbestimmen. Weil aber nicht alle Menschen zu jeder Sache befragt werden können, ...

Warum denn nicht? Warum ist es denn in der Schweiz möglich?

... wählen die Bürger Politiker als Vertreter. Sie sollen Entscheidungen treffen, die für alle gemeinsam das Beste sind..."

Ach so! "Die Politiker sollen die Entscheidungen treffen" .. deshalb!?

Gruß, Beo2

Anti-Demokrat

Rybezahl, Dienstag, 14.04.2015, 20:56 vor 3925 Tagen @ Beo2 2571 Views

"Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Demokratie. Demokratie bedeutet:

"Volksherrschaft". Alle Bürger sollen die Regeln des Staates mitbestimmen.
Weil aber nicht alle Menschen zu jeder Sache befragt werden können, ...

Warum denn nicht? Warum ist es denn in der Schweiz möglich?

... wählen die Bürger Politiker als Vertreter. Sie sollen

Entscheidungen treffen, die für alle gemeinsam das Beste sind..."

Ach so! "Die Politiker sollen die Entscheidungen treffen" .. deshalb!?

Dieses von dir geäußerte Gedankengut, "[d]as geht natürlich ganz wunderbar zusammen mit der "Wir sind das Volk"-Selbstverklärung der Pegidisten, mit der ganzen Selbstermächtigungsrhetorik dieser Straßen- und Wiesenmarschierer." *

Ab in die Ecke, schäme dich, du Anti-Demokrat!

* Quelle:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-04/wilders-pegida-dresden-kundgebung

Anti-Demokrat?

stocksorcerer @, Mittwoch, 15.04.2015, 08:19 vor 3925 Tagen @ Rybezahl 2122 Views

Gemäß der heute üblichen Praxis wird man das vielleicht irgendwann einmal wie ein Ehrenzeichen mit sich herumtragen dürfen.

Im Prinzip ist das alles nicht neu. Wenn ich mir da alte Zeiten genauer betrachte, ist das meist eine Frage der Perspektive. Mir fällt da nämlich sofort der Hessische Landbote ein. Georg Büchner.

Er versuchte in seinen Werken zu beschreiben, wie die Welt wirklich ist und setzte damit den Kontrapunkt zu Schillers Werken, der die Welt in der Regel idealtypisch beschrieb, also so, wie sie sein sollte.

https://www.youtube.com/watch?v=_eP9T6ASb2w

Wenn man die Dinge beim Namen nennen will, darf man den Begriff Demokratie im Zusammenhang mit unserem Land eigentlich nicht mehr verwenden. Zu viel wird von der Regierung, sprich Regierungschefin, auch unter Zuhilfenahme von kompakten und eiligen Zeitplänen und diversen Kunstgriffen am Parlament vorbeigeprügelt, den Rest erledigt die jeweilige Parteidisziplin.

Das System ist einfach nur durch und durch morsch und verkommen.

Gruß
stocksorcerer

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