Die Autoindustrie und das dt. Wohlergehen

Fidel @, Sonntag, 12.04.2015, 14:58 vor 3928 Tagen 4480 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 12.04.2015, 20:38

Hallo,
in diesem Artikel schreibt „Die Welt“, wie bedeutend die deutsche Autoindustrie für das Wohlergehen der BRD ist.
http://www.welt.de/wirtschaft/article139427042/Deutschlands-Wohlergehen-haengt-an-den-A...

Festhalten möchte ich, dass sich der Kapitalstock der Branche (Bruttoanlagevermögen) zwischen 2000-2012 um 34 % erhöht hat,
während die Industrie insgesamt einen Rückbau von 1 % erlebte.
Ferner ist die Wertschöpfung der Branche dreimal mehr gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Das kann man an allen Standorten der Premiumhersteller sehen und schlägt sich ebenso in den Erfolgsprämien der Mitarbeiter nieder.
Dabei sehe ich einen Zusammenhang zwischen der Geldpolitik und den immer attraktiveren Finanzierungsangeboten der Hausbanken aller Hersteller.

Meiner Meinung nach profitieren die dt. Hersteller (Renommee) besonders vom Euro in der Konkurrenz gegen die anderen europäischen Autobauer (VW Caddy vergleichbar mit Fiat Doblo) und von ihren Standorten in Europa außerhalb der Währungszone (z.B. Ungarn, Polen).

Es mag verwundern, dass sich z.B. Volkswagen Rettungsgeld der EZB besorgt hat…. http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE82E06H20120315
So wie die Tatsache, dass die EZB bei ihrem Anleihekaufprogramm ABS Verbriefungen akzeptiert.

Mein Fazit ist, dass die Autoindustrie in allen Staaten zu viel Bedeutung hat. Das Klumpenrisiko ist kein deutsches allein. Mich besorgt dabei das Risiko der Restwerte finanzierter Autos (aller Hersteller) im Falle einer echten/harten/offenen Deflation und die Rückkopplung auf den Außenwert der finanzierenden Währung (Euro).
Dabei wurden Kapazitäten errichtet, ohne Rücksicht auf Ursachen und mögliche Risiken in der Zukunft. Die Risiken wurden auch hier kollektiviert mit Finanzierung der Zulieferer durch örtliche Banken (Sparkassen etc.) in denen Kommunalpolitiker die Aufsichtsgremien stellen. Die gleichen Kommunalpolitiker gründeten zusätzlich Industriefördergesellschaften, welche Hallen als Güterverteilzentren errichten und an Zulieferer verpachten.
Natürlich gab es daraus auch eine Binnennachfrage nach Bauleistungen, nicht zuletzt für Wohnimmobilien der krisensicheren Autowerker.

Für mich ist das Ganze eine ungeheure Blase, die sich zuletzt darin äußert, dass im seehoferischen Ministerpräsidentendorf der Quadratmeter Baufläche ~1000€ kostet – nur weil ein Premiumhersteller mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

Für die übrige Industrie war Inlandswachstum sehr staatsabhängig, d.h. durch die Energiewende (Windräder bis Polystyrolverpackungen v. Häusern) oder einfach nicht möglich. In 12 Jahren ein Rückbau im Bruttoanlagevermögen von 1 % ist Deflation…

Bin ich mit dieser Beobachtung alleine?

Grüsse
fidel

Scheinwohlstand

Philip Marlowe @, Location: Europe's Paymaster, Sonntag, 12.04.2015, 15:34 vor 3928 Tagen @ Fidel 4063 Views

Prinzipiell liegts du mit deinen Gedanken vollkommen richtig.

Die extrem exportlastige deutsche Autoindustrie generiert einen Scheinwohlstand. Man muss sich nur klar machen, wie die Exporte finanziert werden. JEDEM Warenexport steht ein zahlungsbilanzmäßiger Kapitalexport in derselben Höhe gegenüber (vernachlässigen wir hierbei einmal die Übertragungen an das Ausland ohne Gegenleistung, z.B. Zahlungen an die EU, UN usw.). D.h. deutsche Ersparnisse (= deutscher Konsumverzicht) finanziert deutsche (Auto-)Exporte. Es werden als Resultat Forderungen (letzendlich der Kreditinstitute, welche die Exporte finanzieren) an das Ausland aufgebaut. Effekt: Die Gewinne der Autoindustrie werden privatisiert (Gewinne der AGs, Dividenden an die Aktionäre, weit überdurchschnittliche Gehälter der dort Beschäftigten inkl. jährlichem Bonus der in die zig-tausende Euro geht). Die Risiken bleiben im Finanzsystem und werden letztendlich kollektiviert, entweder direkt (Bankenbailout, siehe 2009ff.) oder indirekt (ESM, EZB).

Und je "weiter entwickelt" die Exportindustrie ist, umso schwerer ist es, sich der kollektiven Haftung zu entziehen. Würde eine erneute akute Finanzkrise ausbrechen, wäre der deutsche Export und damit ein Großteil der deutschen Wirtschaftsleistung bedroht. Sehr schön zu sehen am DAX, der sich in der diversen Krisen gerne einmal viertelt (2002ff.) bzw. halbiert (2009ff.). Es fehlt eben die stabilisierende Binnenwirtschaft (und -kaufkraft!).

Deutsche Exportindustrie (speziell Autoindustrie): Aufwärts ohne Ende bis zum (bitteren) Ende.

Gruß,
Phil.M.

Piëch gegen Winterkorn: Nur ein Nebenschauplatz oder mehr?

Apostroph @, Down Town (Switzerland), Sonntag, 12.04.2015, 22:03 vor 3927 Tagen @ Fidel 3009 Views

http://www.welt.de/wirtschaft/article139441574/Der-ganze-Konzern-droht-handlungsunfaehi...

Die Frage muss gestellt werden: Können Märkte solche Personen-Kämpfe verkraften oder spielt Psychologie eine grössere Rolle?

Volkswagen (VW) wollte gerade, bzw. war eben dabei Toyota als Nr. 1 zu überholen.


Es könnte durchaus ins Auge gehen, wenn Titanen sich streiten. Verkalkung muss nicht, kann aber folgenschwere Konsequenzen haben!


Apo'

--
"Wir können nicht alle Helden sein, weil ja irgendeiner am Bordstein stehen und klatschen muss, wenn sie vorüber schreiten."

W. Adair

Es ist doch eine bloede Idee, Toyota ueberholen zu wollen.

Dragonfly @, Montag, 13.04.2015, 03:38 vor 3927 Tagen @ Apostroph 2537 Views

Ich wuerde viel sein wollen. Der innovativste Hersteller, der profitabelste Hersteller, aber ganz sicher nicht der groesste Hersteller. Das wird ins Auge gehen.

Es geht doch dabei nicht um Toyota überholen

der_Chris @, Nördl. Ruhrgebiet, Montag, 13.04.2015, 08:11 vor 3927 Tagen @ Dragonfly 2184 Views

Piech ist alt genug und reich genug um zu verstehen, dass Winterkorn die Karre an die Wand klatscht.
Piech will eine echte Konkurenz zu Dacia innerhalb des Konzerns, weil er weiss wie die Glocken läuten, während Winterkorn in seiner Macht-und Bonigeilheit weiter Premium trällert.
Und das dürfte mittelfristig schief gehen.

--
Gruß
Der_Chris

Verhaltensregeln gegenüber deutschen Politkern:
*Verachten* Auslachen* Verhöhnen* Ignorieren*
Und niemals Aufmerksamkeit schenken!

Staatskonzerne als Innovationstreiber?

Fidel @, Montag, 13.04.2015, 08:31 vor 3927 Tagen @ Apostroph 2010 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.04.2015, 09:00

Mich stört viel mehr, dass quasi Staatskonzerne zu Pfeilern des Wohlstandes werden. Das ist in Frankreich oder Italien identisch.
Staatskonzerne sollen die Innovationen hervorbringen um zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten? Diese Frage stelle ich auch gegen die asiatischen Staatskonzerne z.B. in Korea. Dabei ist es leicht mit kollektiver Subvention (Schwerindustrie bis Elektronik) private Investition zu ersetzen und ohne Gewinn zu fahren (Nullzins).

Die ganze Autoindustrie ist nur auf Konsum ausgerichtet. Unser Kapitalstock kann m.M.n. nicht durch Konsumgüter erhalten werden. Selbst Innovation in Konsumgütern erhalten den Kapitalstock nicht wirklich. Verglichen mit den alten Industrien laufen die Preise in Konsumgütern wie Immobilien oder Autos davon ohne Produktivitätsgewinne je an Kunden weiter zu geben - den staatlichen Eingriffen sei Dank....
(von Finanzierung bis Gewerksschaften)

Dabei lässt sich eine Preisbereinigung nur aufschieben, niemals aufhalten. Am Ende produzieren wir premium zu teuer und sind unfähig preisgünstige Waren für reale Nachfrage anzubieten. (Nullzins finanzierte Leasingoberklasseschlitten sich irreal)


Es könnte durchaus ins Auge gehen, wenn Titanen sich streiten. Verkalkung
muss nicht, kann aber folgenschwere Konsequenzen haben!

Mit dem VW Gesetz im Rücken kann ein FÜHRER wie Piech viel Blödsinn machen ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Grüsse
fidel

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