Kleiner Reisebericht aus Belgrad (mT)

DT @, Freitag, 10.04.2015, 20:55 vor 3930 Tagen 10818 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 10.04.2015, 21:50

Diesmal hat es mich nach Serbien verschlagen, bis vor kurzem terra incognita und komplett weiß auf meiner persönlichen Landkarte. Nach mehreren Tagen in Belgrad muß ich sagen: Die Stadt ist unbedingt eine Reise wert und hat mich in vielerlei Hinsicht sehr positiv überrascht.

Ich beginne gleich einmal mit dem Fazit: Serbien scheint ein Land zu sein, in dem die Zeit noch ein wenig stehen geblieben ist, in guten und schlechtem Sinne. In gutem Sinne: man fühlt, daß der Moloch EU, das ganze Terrorzeugs, das Gender Mainstreaming etc. noch nicht angekommen ist. In manchen Momenten habe ich mich gefühlt wie in Moskau oder Ostberlin oder Leipzig in den 80er Jahren, was das Interieur von manchen Hotels oder auch Gaststätten angeht. Das Rauchverbot wird auch nicht super streng durchgesetzt. Frauen dürfen noch Frauen sein, und Männer Männer. Zum Teil scheint die Stadt von langbeinigen dürren Supermodels populiert zu sein, die Bevölkerung ist noch nicht durch Amifraß fett ernährt, sondern sieht auch noch aus wie Amis aus den 70ern oder Deutsche aus den 80er Jahren, eher schlank und rank.

Vom Leben, vom Zeitgeist her habe ich mich ein bisschen gefühlt wie in Berlin zu Beginn der 90er, Freiheit, Aufbruch, Kreativität, Künstler, Galerien, in einer doch noch relativ heruntergekommenen Umgebung, bevor der große Investmentboom kam und die „Schwaben“ den Prenzlauer Berg gentrifiziert haben.

Die Preise sind auch fantastisch für deutsche Augen: der Hin- und Rückflug ist für weniger als 300 EUR zu haben, Sitze und Flugbegleiter sind auch noch eher wie in den 80ern, Stewardessen sehen noch so aus wie man das erwartet und nicht wie fette Amiweiber, die sich in ihren Beruf reingeklagt haben, obwohl sie längst jenseits des Verfallsdatums und jenseits der Größe 36 sind.

In der Stadt fühlen sich auch die Preise wie vor 20 oder 30 Jahren an, man bekommt ein komplettes Essen draußen in der Fußgängerzone für ca 10 EUR, eine 500 ml Flasche Cola oder Fanta gibt’s ohne Probleme noch für 65 cent, (ca 110 Dinar = 1 EUR), die Sandwiches für zwischendurch kosten ca 1.50 EUR. 4-Sterne Übernachtungen in älteren Hotels Marke DDR gibt es schon für 50 EUR, und selbst moderne 4+ Sterne Übernachtungen sind für knapp 80 EUR zu haben, direkt an der Fußgängerzone im Stadtzentrum, Frühstück inclusive.

Die Stadt ist wunderschön und verströmt einen Flair, der eine seltsame Mischung aus k.u.k. Monarchie (Wien, Budapest, etc) und osteuropäischem Kommunismus (Prag, Warschau etc.) ist, schöne alte Jugendstil-Gebäude, dazwischen wieder häßlicher kommunistischer Baustil aus den 70ern. Nach dem Ende Jugoslawiens sind keine so großen Investitionswellen des Westens über Belgrad hinweg gegangen, die Sättigung mit McD, KFC, etc. hält sich in Grenzen, es gibt noch viele kleine Geschäfte, auch Lebensmittelläden. Außer den großen Ketten wie Zara, Mango, Max Mara etc. in der Fußgängerzone gibt es noch jede Menge kleiner Läden.

An der Burg, hoch über der Save und Donau gelegen, kann man die lange Geschichte spüren. Entlang der sehr schönen und sehr jung belebten Fußgängerzone mit vielen Cafes im Freien bei schönem Wetter kann man zur größten orthodoxen Kirche der Welt laufen, 70m hoch und innen noch roher Beton, der Saint Save Tempel. Unterwegs kann man einen kleinen Abstecher machen und steht vor dem ehemaligen Verteidigungsministerium, das die Amis 1999 aus der Luft bombardiert haben.

http://www.br.de/radio/bayern2/politik/breitengrad/serbien104~_v-img__16__9__xl_-d31c35...

Die Serben haben dieses Gebäude wie auch ihr Fernseh- und Radiozentrum, das ebenfalls bombardiert wurde, stehen lassen, und ich muß sagen, es ist das eindrucksvollste Mahnmal gegen den Krieg, das ich je gesehen habe. Die Gedächtniskirche in Berlin ist eher halbe Ruine, aber diese beiden recht neuen Gebäude mit ihren fast kreisrunden Löchern, aus denen die dicken Stahlgeflechte nach außen aufgebogen sind und die Betonplatten zum Teil noch raushängen, der Geruch, der selbst nach 17 Jahren noch ein wenig nach Feuer riecht, das Gefühl, als wäre das erst kürzlich passiert, die Lage mitten in der Stadt nicht weit von der belebten Fußgängerzone weg, die Höhe der Gebäude und wie man davorsteht und eigentlich nur den Kopf schüttelt und sich fragt „WARUM?“, das alles hat mich tief beeindruckt.

Wenn man sich überlegt, daß Jugoslawien mit seiner unabhängigen Rolle ein Dorn im Auge der Strategen wie Brezinski war, der seinen Cordon um Rußland enger ziehen wollte, der den Balkan in die westliche Imperialstrategie mit einbeziehen wollte, wie die gekauften Judasse Joschka Fischer und Scharping das deutsche Volk belogen haben und mit den Propagandahuren den Chor des Genozids angestimmt haben, der sich im Nachheinein als Scharade herausgestellt hat, wenn man das alles Revue passieren läßt, wenn man vor diesen Gebäuden steht, dann wird es einem ganz anders und man kann mit Händen die schreiende Ungerechtigkeit und den terroristischen Imperialismus der Besatzer und unserer speichelleckenden Hündchen in der Regierung greifen.

Im Gespräch mit den Serben kommt zum einen eine sehr große Unabhängigkeit zum Vorschein, eine kritische Haltung bzgl. EU wie auch gegenüber den Amis, aber auch gegenüber der Sowjetunion und gegenüber dem Kommunismus. Sie erscheinen mir wie ein unbändigbares Völkchen, fast wie das kleine gallische Dorf, das damals von den Römern umzingelt war.

Die Leute sprechen gut englisch, viele auch deutsch, man ist eigentlich trotz der Massaker an den Partisanen im 2. WK nicht negativ gegenüber den Deutschen eingestellt. Ich habe einige gefragt, ob sie gerne in die EU wollen, aber von keinem kam ein überzeugtes „Ja“. Viele sehen die sozialen Problem und auch die Probleme der Übernahme durch große Firmen und den Verlust der Selbständigkeit aus herannahmendes Problem.

Interessant war, daß in Belgrad nach wie vor viele Buchläden sind, auch draußen haben viele second-hand Buchhändler ihre Stände aufgebaut, und ich hatte noch nicht das Gefühl, daß die Bevölkerung komplett wie im Westen oder vor allem in Asien am Smartphone hängt.

Die Serben selber scheinen ein bisschen selbstironisch zu sein, sehr stolz, in der Tradition doch noch k.u.k., griechisch-orthodox (man sieht überall viele Ikonen), man ist zT noch nicht komplett der Service-Mentalität verfallen, um es mal vorsichtig auszudrücken, in manchen Restaurants wollte die Bedienung lieber nicht gestört sein [[zwinker]].

Ich habe übrigens selten eine Stadt gesehen, die mir von der Bevölkerung her so homogen erschien. Kaum Touristen, kaum Ausländer, fast keine Deutschen oder Engländer, hauptsächlich Serben, ein paar Bosnier vielleicht (Frauen mit Kopftuch), auch kaum Sinti oder Roma. Man hat sich sehr sehr sicher gefühlt, es gab nicht einmal im Ansatz ein mulmiges Bauchgefühl, wie es einen doch immer mehr auch in deutschen Städten nachts in der Ubahn oder SBahnunterführung beschleicht, was man früher eigentlich nur aus dem Amiland kannte (immer wachsam sein und nicht in die wrong neighborhood geraten).

Nachts ist richtig was los, in den vielen Klubs derStadt wird live Musik gemacht, und die Serben verstehen zu feiern. Essenstechnisch sind Fleischliebhaber sowieso im Vorteil, aber das kennt man ja schon von der jugoslawischen Küche mit Cevapcici und griechischen Einflüssen.

In der Stadt wird der öffentliche Nahverkehr noch groß geschrieben, alle paar Minuten fahren die alten Oberleitungs-Busse wie früher in der DDR oder wie ganz früher auch noch in Weststädten, und auch die Straßenbahnen sind noch vom Typ Ostberlin 1975. Im Straßenbild findet sich noch der ein oder andere Yugo oder alte Audi 80 (Typ 80er Jahre), aber auch viele neue Mercedes und Range Rover sowie Porsche Panamera, nicht ganz so extrem wie in Shanghai.

Was ich leider verpaßt habe, war das Nikola Tesla Museum (er ist ja auch ein Idol vieler Foristen hier). Im Flieger habe ich eine Werbeanzeige gesehen für eine Art iPad mit dem Namen „Tesla Tablet H890W“, www.tesla.info). Ich wußte nicht, daß es nicht nur die Autos dieses Namens gibt.

Was mir aufgefallen ist: die Serben gehen eigentlich sehr liebevoll mit einander um, viele Paare, auch ältere, halten Händchen, man ist höflich zueinander. Die Stadt ist eigentlich sehr sauber, ein paar Gebäude bräuchten wirklich einen neuen Anstrich, aber es gibt auch sehr viele Parks, die Stadt ist insgesamt sehr grün, vor allem, wenn man von der Burg auf die andere Seite der Donau schaut, wo sich ein riesiges Feucht-Naturschutzgebiet anzuschließen scheint, das dann in die extrem fruchtbare pannonische Ebene Richtung Ungarn und Rumänien übergeht.

Mein Fazit: der Balkan ist unbedingt eine Reise wert. Viel südlicher als Pecs in Ungarn war ich bisher noch nicht gekommen, und die ganzen Länder wie Montenegro, der Kosovo, Bosnien-Herzegowina oder Albanien oder auch Mazedonien oder auch Bulgarien, Rumänien, Moldavien oder auch die Ukraine sind auf meiner persönlichen Landkarte noch weiß. Da das ganze ja auch leicht per Auto erreichbar ist, werde ich wohl ein paar Erkundungsfahrten in diese Richtung einplanen müssen.

Wer die Gelegenheit dazu hat und nur kleines Geld ausgeben möchte, aber dabei eine verborgene Schönheit und einen Geheimtipp kennen lernen möchte, dem sei Belgrad ans Herz gelegt.

DT

Danke - es gibt also noch das lebenswerte und lesenswerte Alte Europa!

Langmut @, Freitag, 10.04.2015, 21:23 vor 3930 Tagen @ DT 6532 Views

Hallo DT,

jau, das ist mal eine Freude, per Reisebericht zu hören, dass noch nicht alles amigerecht den prekären Bach hinuntergeht und sich die Belgrader Einheimischen untereinander das Leben ohne viel Schnickschnack freud- und friedvoll gestalten.

Mir hat ein Kollege mit bulgarischen Wurzeln einst geschildert, dass ihm bei seiner Einreise Ende der 90er als erstes in D aufgefallen ist, dass in den Bussen und Bahnen kaum gelesen wird, während das DIE Hauptbeschäftigung der Menschen in Sofia war.

Überhaupt - stille Freizeitbeschäftigungen wie Briefmarken- oder Münzensammeln, Lesen, Modelle aller Art basteln usw. sind wohl heutzutage vollkommen aus der Mode gekommen.

Stattdessen: Smartphone-Nacken und "Copy and Paste" allerorten (natürlich auch hier im Gelben).

Werde mir wohl demnächst die osteuropäischen, aber auch die baltischen Hauptstädte genauer ansehen, bevor die Anti-Putinversteher diesem Treiben Einhalt gebieten (Reisesanktionen?!? Weiß man's).

Gruß
Langmut

Du hast Dich fast selbst übertroffen - druckreif und hoch interessant

azur @, Freitag, 10.04.2015, 21:25 vor 3930 Tagen @ DT 6583 Views

Hallo DT,

meine Bewunderung für diesen sehr gelungenen Text. Große Bewunderung.

Danke, dass man durch Dich immer wieder so interessante Details und Sichten aus allerlei Winkeln der Welt erfährt! Dass Du Dir die Zeit nimmst, und andere mitnimmst.

Druckreif, bis auf Judasse Fischer und Scharping, um nur einige zu nennen. Also so was denkt man doch nicht mal [[ironie]] [[freude]] [[top]]

Aber ob dieses wichtige Erlebnis, oder viele andere Betrachtungen - prima sind sie alle. Reiseliteratur vom feinsten. Viele denken ja immer, das wären Bücher, die man mit in den Urlaub nimmt, oder Reisefüherer. Aber diese waren schon immer sehr wichtig, um die Welt etwas besser kennen zu lernen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Reisebericht

Für mich bist Du ein Autor mit interessanten Fragen und Schlussfolgerungen. Und schreiben kann der..!

Große Bewunderung, danke sehr und viele freundliche Grüße

azur


Edit: fast selbst übertroffen, weil die vorigen ja auch schon klasse sind!

--
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Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Vielen Dank für Deinen Bericht - ein weiterer Geheimtipp: Minsk

Plancius @, Freitag, 10.04.2015, 21:32 vor 3930 Tagen @ DT 7019 Views

Vielen Dank DT,

Du bleibst weiterhin der Reiseweltmeister des Forums. Auch Europa hat noch einige relativ weiße Flecken zu bieten, die da sind Serbien, Mazedonien, Albanien und Weißrussland.

Wenn Du Wert auf eine gepflegte Stadt und viele hübsche Frauen legst, kann ich Dir Minsk wärmstens ans Herz legen. Minsk als Hauptstadt von Lukaschenkos Imperium ist die sauberste Hauptstadt, die ich bisher gesehen habe. Die Stadtreinigung und viele Babushkas sind den ganzen Tag unterwegs, um Straßen und Gehwege zu fegen, die vielen Mülleimer (dort "Urna" genannt) und die Parks sauber zu halten.

Wenn man die dortigen top gepflegten Parks und Gehwege sieht, merkt man erst einmal, in welchem Dreck wir hier in Deutschland eigentlich hausen. Über von Hunden vollgeschissene Geh- und Parkwege, städtische Parks voller Müll und Laub der letzten Jahre brauche ich Dir ja nichts zu erzählen. Leider nehmen die Deutschen all den Dreck im öffentlichen Raum nicht mehr wahr.

Auch die die öffentliche Infrastruktur ist beispielhaft. Neben Metro und Bussen fahren private Expressbusse, wo man nach spätestens 15 min Wartezeit überall hinfahren kann.

Eine weitere sehr gepflegte Stadt in Belarus ist Witebsk. Weniger ansehnlich ist dagegen Orscha.

Gruß Plancius

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Danke Plancius (mT)

DT @, Freitag, 10.04.2015, 21:42 vor 3930 Tagen @ Plancius 6301 Views

in Minsk war ich schon einmal kurz nach der Jahrtausendwende, und in Moskau, St. Petersburg (damals noch Leningrad) und einigen russischen Städten um Moskau herum sowohl vor als auch nach der Jahrtausendwende. Auf ein weiteres Mal Moskau freue ich mich schon für später diesen Sommer.

Damals kurz nach der Jahrtausendwende kam mir Minsk sehr nackt vor, nackter Beton, weitläufig, nur wenige Autos auf den großen Prospekten, gerade vor dem Palast der Republik. Es gibt ja auch diese Unterführung, wo einmal etliche Leute bei einem Platzregen ertrunken sind, das war damals kurz vorher passiert.

Ich habe damals leider am Abend zum ersten Mal gesehen, wie das ist, wenn 2-3 Schläger einem Einzelnen am Boden liegend noch gegen den Kopf treten, das Geräusch, wie eine Melone die auf den Boden fällt, werde ich nie vergessen. Daß derjenige überhaupt noch aufgestanden ist wundert mich bis heute.

Ich war damals auch bei Kollegen zuhause und entsetzt über die Zustände in den mehrstöckigen Beton-Wohnhäusern. Das war schlimmer als zu schlimmsten DDR Zeiten, Kommunismus pur eben.

Das was Du sagst mit dem Dreck ist mir auch aufgefallen. Ich sitze grade in der SBahn auf dem Weg vom Flughafen weg, und sowohl der Gestank von gewissen Mitfahrern als auch der Dreck sind ein sehr negativer Kontrast gegenüber Belgrad. Ich habe gerade gesehen bei Wikipedia, daß Slowenien bereits fast das BSP pro Kopf von Deutschland erreicht hat (ca 28000 USD p.a.). Nicht schlecht.

Danke! (oT)

Phoenix5, Freitag, 10.04.2015, 21:43 vor 3930 Tagen @ DT 5671 Views

- kein Text -

Danke

Martino @, Freitag, 10.04.2015, 22:38 vor 3929 Tagen @ DT 5885 Views

Vielen Dank, inspirierend und sehr interessant! Muss nicht immer Toskana oder Provence sein...

Ich werde nächste Woche auch einen weißen Flecken auf meinem Radar genauer betrachten und werde dann - Deinem Beispiel folgend - von meinem Trip (teils geschäftlich, teils privat) nach Estland berichten.

Schönes Wochenende.
MfG
Martino

Hier noch ein schönes Luftbild, das die Lage von Belgrad oberhalb von Save und Donau zeigt (mB)

DT @, Freitag, 10.04.2015, 22:47 vor 3929 Tagen @ DT 7696 Views

[image]

Unterhalb der Festung "Kalemegdan" sind noch Bögen aus römischer Zeit zu sehen. Belgrad selber ist an der Kreuzung dieser beiden prähistorischen Verkehrswege schon seit 8000 Jahren besiedelt.

Im Hintergrund ein wunderschöner Blick auf die sehr fruchtbare pannonische Tiefebene, die sich nach Ungarn, Rumänien und bis in die Ukraine hinein erstreckt.

Auch die Römer hatten schon eine Provinz "Pannonia".

http://de.wikipedia.org/wiki/Pannonische_Tiefebene

Weil mir das grad zufällig untergekommen ist...

Indica @, Deutschland, Freitag, 10.04.2015, 23:17 vor 3929 Tagen @ DT 6759 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.04.2015, 12:47

Danke für den Bericht. Zufällig eben beim Surfen auf Welt gefunden.

So pompös soll Belgrad werden
In Belgrad soll ein neues Stadtviertel mit luxuriösen Hochhäusern entstehen. Araber liefern das Geld, Kritiker vermuten Korruption. Und welche Serben sollen sich das überhaupt leisten können?

Weiter auf:

Welt Online

Bin frueher auch gern auf den Balkan rumgereist

CalBaer @, Samstag, 11.04.2015, 01:19 vor 3929 Tagen @ DT 6676 Views

Leider nur durch Ungarn, Rumaenien und Bulgarien. Das damalige Jugoslavien blieb uns versperrt.

Unbedingt sehenswert ist Siebenbuergen. Vor 30 Jahren fuehlte man sich dort bei den historisch erhaltenen Innenstaedten, Burgen und Holzhaeusern auf dem Lande fast ins Mittelalter zurueckversetzt. Gueter wie z.B. Weinfaesser wurden vom Fassmacher noch mit dem Pferdefuhrwerk zum Abnehmer transportiert. Caucescue hatte gottseidank nicht die wirtschaftlichen Mittel, diesen schoenen Landesstrich zu verunstalten, auch wenn es hier und da Dreckecken gab (aber die gibt es ja in den Industrielaendern heute auch). Das faszinierenste an Siebenbuergen war die deutsche Kultur. Fast jeder sprach deutsch fliessend - im Bus, im Zug, auf dem Land, im Geschaeft, im Museum oder der Kirche. Die Siebenbuergendeutschen aber auch Rumaenen waren sehr hilfsbereit und haben uns zu Essen gegeben (denn in den Laeden gab es so gut wie nichts). Es gab ueberall deutsche Buecher und Zeitschriften. Die meisten gingen zu Fuss, fuhren Rad oder mit dem Zug. Es fuhren kaum Autos, denn Benzin war knapp und teuer. Zigeuner zogen mit langen Planwagentrecks durch das Land. Man fuehlte sich wie auf einer Zeitreise in eine unbekannte Zeit in der Vergangenheit.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

Das britische Pendant zur Gruppe Ulbricht? Churchills Umerziehungslager für Deutsche Demokraten @Udo - Edit:

azur @, Samstag, 11.04.2015, 02:18 vor 3929 Tagen @ DT 6815 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.04.2015, 02:43

Hallo DT,

es gehört hier eigentlich nicht her, aber es interessiert Dich sicherlich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilton_Park

Wer wohl die Absolventen kennt? Später wurden dort deutsche Jounalisten vom britischen Geheimdienst angeworben, so liest sich das bei Udo:

"MI6 etc.+Journalisten: Britische Geheimdienste lenken deutsche Journalisten mit bezahlten Reisen (!!!) - z.B. englische Geheimdienste in Wilton Park
<Ausländische Geheimdienste haben mir auch Reisen finanziert. Etwa die britischen Dienste zu Geheimdienstkonferenzen nach Wilton Park. Der britische Landsitz war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein Umerziehungslager der Briten für ausgewählte Deutsche und wurde eben auch später dazu benutzt, Deutsche zu lenken, etwa Journalisten wie mich. Finanziert haben es die britischen Dienste. Kein Wort davon bei den Enthüllungen des Geheimdienst-Whistleblowers Edward Snowden. Das scheint nicht in seinen Dokumenten zu stehen.> (S.46)"
http://www.hist-chron.com/eu/D/kr/gekaufte-journalisten/gr001-simulierte-pressefreiheit... (schöne Zitatesammlung).

Sonst ist nicht viel zu finden, nur das es recht edel zugeht (klar, der britischen Reichtum eben): https://www.wiltonpark.org.uk/your-stay-at-wilton-park/

Man kümmert sich noch immer hinreißend um uns:
"Wilton Park heute

1948 wurde Wilton Park zu einer deutsch-britischen Tagungsstätte. Wilton Park ist seither eine gemeinnützige unabhängige Hochschuleinrichtung." (siehe wiki oben."

Genauer: https://www.wiltonpark.org.uk/about-us/history-of-wilton-park/
"History of Wilton Park

A full history (PDF document) of Wilton Park is available for download.

1946 Wilton Park is founded by Heinz Koeppler.

The institution takes its name from the Wilton Park estate in Buckinghamshire, which is used as a Prisoner of War camp during World War II.

Between January 1946 and June 1948 more than 4,000 Germans attend re-education classes where they discuss democratic processes with visiting political figures and intellectuals. These include philosopher Bertrand Russell, social reformer Lord William Beveridge, and Lady Astor, the first female UK Member of Parliament.

One German participant says of his time at Wilton Park: “I was a Nazi; I came to Wilton Park and it changed my life.”

1948 The last PoW course takes place and Wilton Park begins to introduce civilian courses."


Und die ganze Welt: https://www.wiltonpark.org.uk/about-us/

" About us
An international forum for strategic discussion

Wilton Park organises nearly 65 events a year in the UK and overseas, bringing together leading representatives from the worlds of politics, diplomacy, academia, business, civil society, the military and the media.

We focus on issues of international security, prosperity and justice. Our meetings provide a neutral environment where conflicting views can be expressed and debated openly and calmly, allowing acceptable compromise and resolution to be achieved.

Our priorities include:

Conflict prevention, resolution and state building
Defence and security
Global economy
Human rights, good governance and faith
Multilateral institutions, key countries and regions
Sustainable development and the environment"

Wenn das keine Reise wert ist...[[freude]]

Viele freundliche Grüße

azur


Edit: Foto aus der frühen Zeit: https://www.wiltonpark.org.uk/wp-content/uploads/Early-conference-room-style1.jpg

Hintergrund, auch zu den Zeitungen die dabei entstanden: http://de.wikipedia.org/wiki/Reeducation

So sieht man dort die Entwicklung bis 2040: https://www.wiltonpark.org.uk/wp-content/uploads/WP1374-Report.pdf
(Die Zusammenarbeit mit dem britischen Verteidigungsministerium wird prominent ausgewiesen)

Und fördert weiter Strukturen: "British-German conferences (including the annual British-German Forum for young leaders)" (wer die wohl sind? Und man stelle sich das einmal anders herum vor.)

Z. B. diese Konferenz steht an: British German Forum 2015
Strengthening our resilience in a world of shocks and crises
13.-16. Juli 2015
https://www.wiltonpark.org.uk/conference/wp1413/

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Sehr interessant - das bauen Araber für 3 Mrd.? Edit: Apropos Araber

azur @, Samstag, 11.04.2015, 02:50 vor 3929 Tagen @ Indica 6213 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.04.2015, 02:57

Hallo Indica,

sehr interessant. Und das bauen Araber für 3 Mrd.? Auch wenn die Kosten sich meist noch "entwickeln": Das ist ja billiger als der BER (und auch die Elbphilharmonie kostet ja schon fast eine Mrd.: http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Elbphilharmonie-soll-789-Millionen-Euro-kosten,el... ). Hoffentlich fällt dem nicht zuviel schönes Altes zum Opfer, wie in Bukarest.

Viele freundliche Grüße

azur

PS: Apropos Araber - es tut sich viel. Die führen Militäraktionen durch und Erdogan wird nervös, weil es seine (?) geostrategischen Interessen verletzt sieht, heißt es, um dann einen interessanten Hinweis zu geben: "Ankaras Präsidialamtssprecher Ibrahim Kalın mahnt zur Gelassenheit. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern beläuft sich auf rund 13 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. "Die Lockerung der Wirtschaftssanktionen (nach dem Atomdeal, Anm. d. Red.) werden zweifellos positive Auswirkungen auf die Türkei haben. Das hoffen wir jedenfalls", betont Kahn.

Der Iran hofft das auch. Beide Länder haben noch vor Kurzem die Verdopplung ihres Handelsvolumens bis Ende des laufenden Jahres angepeilt.
"http://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-iran-101.html

Mehr: http://www.welt.de/politik/ausland/article139161738/Erdogan-besucht-Iran-trotz-politisc...
http://www.welt.de/politik/ausland/article139320373/Erdogans-naechster-Versuch-ein-mode...

Die angekündigte Umgestaltung dieser Gegend der Welt ist im vollsten Gange.

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Danke Calbaer! Habe gerade diesen Bericht (mT)

DT @, Samstag, 11.04.2015, 10:01 vor 3929 Tagen @ CalBaer 6225 Views

gelesen

http://www.swb.de/personal/elch/Rumaenien-2002.html

und bin total neugierig geworden.

Mit einer längeren Autofahrt über ein verlängertes Wochenende könnte das ja u.U. machbar sein, oder ein Flug nach Bukarest und ein Auto mieten...

DT

Danke für den Reisebericht - Hier ein Kleinod aus Deutschlands Süden: Blaubeuren!

Olivia @, Samstag, 11.04.2015, 11:40 vor 3929 Tagen @ DT 6418 Views

Diesmal hat es mich nach Serbien verschlagen, bis vor kurzem terra
incognita und komplett weiß auf meiner persönlichen Landkarte. Nach
mehreren Tagen in Belgrad muß ich sagen: Die Stadt ist unbedingt eine
Reise wert und hat mich in vielerlei Hinsicht sehr positiv überrascht.

......................

Vielen Dank für den schönen und interessanten Reisebericht.

Ich komme auch gerade von einer kleinen Reise in die Vergangenheit zurück; E
einer Vergangenheit, die 40.000 Jahre zurückreicht und direkt vor unserer Haustüre liegt. Blaubeuren, in der Nähe von Ulm.

Leider hatte ich nur sehr wenig Zeit und konnte nur einen kurzen Blick auf die schöne, alte Stadt werfen. Aber ich werde wiederkommen und mir Zeit nehmen, die interessante Umgebung zu erkunden.

Man kann dort im Urzeitmuseum für 40 Euro eine Führung buchen (+3 Euro pro Person), die etwa eine Stunde dauert. Wir haben uns speziell die etwa 40.000 Jahre alten Funde angeschaut.
Sehr beeindruckend fand ich die älteste Frauenfigur der Erde, „die Venus vom hohlen Fels“ und eine winzige Flugente, die so fein gearbeitet ist, dass man ihr Alter kaum glauben mag. Im Musikzimmer findet man mehrere sehr fein gearbeitete Flöten und kann auch Musik abspielen lassen, die mit diesen Flöten gemacht wurde. Sie haben einen wunderbaren Klang. Mir erschien er sehr viel schöner und klarer als der Klang von anderen alten, einfachen Flöten, die ich gehört hatte. Ich war sehr erstaunt.

Die ganze Umgebung ist geschichtsträchtig und lohnt eine Reise. Ganz besonders das umfangreiche Höhlensystem möchte ich demnächst anschauen.

Hier ein paar Beispiele, wie sich die Stadt selbst beschreibt:

…..“Kaum eine Stadt in Deutschland ist so mit der Geschichte der Erde verbunden, wie Blaubeuren, ein Kleinod der Schwäbischen Alb. Malerisch gelegen und voller schwäbischer Gemütlichkeit, bietet Blaubeuren seinen Gästen unerwartet viele Blickwinkel auf verschiedene Epochen der Erd- und Menschheitsgeschichte – manche noch immer voller Mythen und Geheimnisse.....“

….“So siedelten bereits der Neandertaler und der frühe moderne Mensch vor rund 40.000 Jahren in den Höhlen rund um die Karstquelle. Letzere hinterließen uns mit der "Venus vom Hohle Fels" ein einzigartiges Zeugnisse ihres handwerklichen Könnens.…..“

….“Die Siedlungsgeschichte im Blau- und Aachtal reicht zurück bis in die Altsteinzeit. In den zahlreichen Höhlen um die Stadt herum sind sowohl Funde aus der Neandertalerzeit als auch der Cromagnonmenschen nachgewiesen. Auch die Kelten haben im größeren Umfeld der Stadt gesiedelt. Mit großer Wahrscheinlichkeit war auf dem Fels der Burg Hohengerhausen (heute Rusenschloss) eine keltische Fliehburg. Siedlungsreste in der Tallage sind nicht nachgewiesen. Dies wohl deshalb, weil die sumpfigen Wiesen zur Ansiedlung nicht geeignet waren. Auch römische Ansiedlungen sind nur im größeren Umkreis um Blaubeuren herum zu finden.....“

http://www.blaubeuren.de/de/Zeitreise

--
For entertainment purposes only.

Im Ausland erkennt man die Verluste

Monterone @, Samstag, 11.04.2015, 11:55 vor 3929 Tagen @ DT 6367 Views

Ich beginne gleich einmal mit dem Fazit: Serbien scheint ein Land zu sein,
in dem die Zeit noch ein wenig stehen geblieben ist, in guten und
schlechtem Sinne. In gutem Sinne: man fühlt, daß der Moloch EU, das ganze
Terrorzeugs, das Gender Mainstreaming etc. noch nicht angekommen ist.

Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Schilderung Deiner Belgrader Erlebnisse.

Ich weiß nicht, wie's Dir geht, aber mir ist erst durch Reisen nach Italien und Frankreich klar geworden, was und wieviel der amerikanische Demokratismus bei uns großflächig und auf allen Ebenen zerstört hat.

Überall, wo wir dieses System finden, werden Länder und Völker entweder durch Kriege oder andere Methoden von innen her kaputt gemacht. Sie verlieren alles, was ihr Spezifisches ausmacht: Kultur und Sprache, wenn man es pathetisch ausdrücken möchte, ihre Seele.

Ich hab noch einen Koffer in Belgrad...

Vienna11 @, Samstag, 11.04.2015, 18:26 vor 3929 Tagen @ DT 6101 Views

Ich hatte im Rahmen meines Studiums 2013 und 2014 die Gelegenheit, diese auf ihre sehr eigene Weise schöne Stadt zu besuchen und möchte zu deinem Bericht ein wenig ergänzen.

In der Stadt wird der öffentliche Nahverkehr noch groß geschrieben, alle
paar Minuten fahren die alten Oberleitungs-Busse wie früher in der DDR
oder wie ganz früher auch noch in Weststädten, und auch die
Straßenbahnen sind noch vom Typ Ostberlin 1975.

Der Nahverkehr ist wirklich spannend, denn trotz Tatra-Straßenbahnen aus tschechischer Produktion und gebrauchten Zügen aus Basel besitzen die Belgrader Verkehrsbetriebe 30 moderne Niederflurbahnen der spanischen Firma CAF. Diese Fahrzeuge wurden quasi als Tageszulassung gekauft, weil der ursprüngliche Abnehmer (ich glaube Saragossa) vom Vertrag zurücktrat, sagte jedenfalls der Betriebsleiter.
Es gibt zwar noch Papierfahrscheine, aber die sind Träger eines elektronischen Chips, den man bei Fahrtantritt an einem Terminal im Fahrzeug validiert. Da schauen Betriebe aus Deutschland doch recht neidisch drauf.

Zum Thema Chinesen und Araber... Belgrad hat im Prinzip eine aus EU-Sicht strategisch wichtige Funktion, denn die Stadt ist ein Scharnier zwischen europäischem Kernland und Südosteuropa. Die Europäische Investmentbank (EIB) hängt bei vielen Projekten (Straßenbau, Nahverkehrs-Modernisierung, Universitäten) mit viel Kohle drin (man verzeihe mir diesen fossilen Ausdruck).

Das von den Saudis finanzierte Großprojekt "Belgrade Waterfront" http://www.belgradewaterfront.com/en/ ist in der Stadt eine große Kontroverse. Aber ebenso die Straßenbrücke westlich von Belgrad wird einfach nur "Chinesen-Brücke" genannt, weil sogar die Arbeiter aus dem Gelben Reich kamen. Das ist aus serbischer Sicht ein großes Problem. Jetzt steht beispielsweise die Grundinstandsetzung der Bahnstrecke von Belgrad nach Budapest an, dort sitzen auch die Chinesen mit am Tisch und drücken ihr Knowhow und ihre Arbeiter rein.
Diese Großprojekte wären für Serbien eigenständig nicht zu stemmen, dazu fehlen schlicht die finanziellen Mittel und so diktieren tlw. Investoren und Immobilienentwickler die Stadtentwicklung in Belgrad.

Nochwas zur Bildung, Serbien hatte recht früh den Bologna-Prozess seinen Universitäten aufoktroyiert - das wird nun wieder rückgängig gemacht und man willl bspw. an der Universität Belgrad wieder Diplomstudiengänge anbieten [[top]]

Wer die Gelegenheit dazu hat und nur kleines Geld ausgeben möchte, aber
dabei eine verborgene Schönheit und einen Geheimtipp kennen lernen
möchte, dem sei Belgrad ans Herz gelegt.

Wer sich traut, dem möchte ich noch eine Örtlichkeit für einen schönen Abend an der Save-Einmündung zur Donau (unter der ehemaligen Burg) empfehlen: "Betonhalla" Dort findet man viele Lokale, Bars und Clubs, die in einer alten Lagerhalle am Hafen entstanden sind.

LG, Vienna11

Wernher von Braun, Herman Oberth, Siebenbürgen und die Raketentechnik

Leser23 @, Samstag, 11.04.2015, 20:24 vor 3929 Tagen @ DT 5734 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.04.2015, 20:27

Halle DT,

Rumänien wird für Dich sicherlich noch interessanter, wenn Du an dieser Stelle weiterforschst:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Oberth

Ein Sachse, so bezeichnen sich die Siebenbürger selbst, ohne den Vorspann „Siebenbürger“ vor Sachse, (es gibt ja auch Schwaben ebenda) erklärte mir vor wenigen Jahren, daß manche kulturelle Entwicklung Siebenbürgens, in Teilen weit vor der Entwicklung Kerndeutschlands war, z.B. die gemischten Schulklassen, solls dort schon ca. 300 Jahre früher gegeben haben, (da haben sie in Deutschland noch vom Donnerbalken gesch...en, war seine umgangssprachliche heitere Floskel dazu, ob der Rückständigkeit, des in hunderte Fürstentümer zerstückelten Deutschlands in der bekannten Zeit vor Bismarck)

Zurück bei Hermann Oberth kommt zum Vorschein, daß die V2 oder Raketen Technik generell, mit welcher USA, als auch SU ins All flogen, abschließend zwar stark mit Wernher von Braun und dem Wissen aus seinem Umfeld, zumindest auf der deutschen sowie amerikanischen Seite einher ging, jener aber sein Rüstzeug aus Lehren Oberths und dessen wissenschaftlichen Standards Siebenbürgens zog.

Ohne Siebenbürgens Wissenschaft kein Oberth, ohne Oberth kein Braun, ohne Braun keine (funktionierende) amerikanische Raketentechnik, zumindest bei den Anfängen des letzten Jahrtausends.

Verwunderlich, als er es mir so schilderte, war jedoch für mich, daß Siebenbürgen seinen kulturellen, sowie wie erklärt, signifikanten wissenschaftlichen Vorsprung so sang und klanglos eingebüßt, und verloren hat, und daß sich heute keiner daran erinnert.

Vielleicht, wenn’s so weitergeht, werden sich in 150 Jahren gleicher Art verwundert, eine Gruppe europäischer Amerikaner über die Geschichte Deutschlands unterhalten.

Der einzige Deutsche, den Amerikaner in 150 Jahren noch kennen, wird dann wohl, wenn seine Fernseh- Omnipräsenz so anhält, Hitler sein!

Amen!

Der gegenwärtige Präsident Rumäniens ist Deutscher.
http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Johannis
Deutsche sind heute mit 2% eine vernichtend geringe Minderheit in Rumänien!

Man spürt aber eine Aufbruchstimmung, so meine jüngste Information des oben zitierten nämlichen Sachsen, als er vorletztes Jahr wider mal dort war – was immer das im Konkreten bedeuten soll.

Vielleicht findest Du oder ein anderer gegenwärtig oder fortan mit Fernweh behafteter Zeitgenosse heraus.

Wir bleiben gespannt!

--
Mahatma Gandhi:
"Ziviler Ungehorsam wird zu einer heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat."

Selbst ein Urlaub auf den Kanaren bildet ....

Meierding @, Sonntag, 12.04.2015, 12:56 vor 3928 Tagen @ DT 5636 Views

Vienna11 > Es gibt zwar noch Papierfahrscheine, aber die sind Träger eines elektronischen Chips, den man bei Fahrtantritt an einem Terminal im Fahrzeug validiert. Da schauen Betriebe aus Deutschland doch recht neidisch drauf.

Das ist mir vor 10 Jahren auf den Kanaren auch aufgefallen, das Abrechnungssystem in den Öffis war unserem weit voraus. Ebenso Elektrik, sieht zwar alles wild aus, aber der Zähler ist draussen zum abschalten bei Nicht-Zahlern und intensiver Einsatz von FIs.

@DT
Bzgl. Amifrass sehe ich inzwischen eines der Kernprobleme in mangelnder Bewegung, mir fehlte über Jahre 2 mal die Woche 1 h Rad fahren o.ä., seit dem ich das wieder mache fühle ich mich deutlich besser.

Wenn Sie nach Siebenbürgen fahren, kaufen Sie doch als Gastgeschenk ein paar Brockhaus Ausgaben. Ich habe mir neulich die vorletzte Version für 50 € gekauft. 20 Bände + 4 Zusätze, ich denke der Kaufpreis liegt dicht beim Heizwert der Bücher. Besser kann man den Wertverlust von Literatur nicht ausdrücken. Einfach widerlich.

Die Rumänen werden jetzt auch vergaukelt

Dismas der Schurke @, Sonntag, 12.04.2015, 16:15 vor 3928 Tagen @ Leser23 5363 Views

Der gegenwärtige Präsident Rumäniens ist Deutscher.
http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Johannis
Deutsche sind heute mit 2% eine vernichtend geringe Minderheit in
Rumänien!

Wir werden doch auch von einem deutschen Präsidenten vergaukelt! Deutscher als Präsident heißt nun nicht, dass die Rumänen nicht die gleiche Arschkarte gezogen hätten, wie wir.

Man spürt aber eine Aufbruchstimmung, so meine jüngste Information des
oben zitierten nämlichen Sachsen, als er vorletztes Jahr wider mal dort
war – was immer das im Konkreten bedeuten soll.

Aufbruchstimmung definitiv: Siebensachen und die Kinder eingepackt und ab ins gelobte Land als Fachkraft für Sozialhilfebezug.

Să trăieşti tovarăș și numai bine!

Dismas

Danke - und willkommen im alten Europa!

politicaleconomy @, Sonntag, 12.04.2015, 22:45 vor 3927 Tagen @ DT 5045 Views

Mein Interesse am "Osten" Europas, der während meiner Jugend für mich eine hinter dem eisernen Vorhang weggeschlossene terra incognita war, ist seit einigen Jahren auch erwacht - inspiriert auch durch die Filme von Volker Koepp. Von wegen "Osten": die erste Entdeckung bestand darin, daß ein großer Teil des damaligen "Ostblocks" eigentlich Zentraleuropa ist.

Letzten Sommer habe ich das ehemalige Ostpreußen besucht, auf der kurischen Nehrung gewohnt, und bin an der Brücke von Tilsit gestanden - an der Luisenbrücke, direkt an der EU-Außengrenze zwischen dem heutigen Litauen und der heutigen russischen Enklave Kaliningrad (ehemals Königsberger Gebiet).

Und heute baut Polen an seiner Grenze zum Kaliningrader Gebiet neue Wachttürme, die Russen postieren auf dem Kalinigrader Gebiet Raketen, die Atomsprengköpfe tragen können.

Wer die Spaltung Europas betreibt und mit welchen Mitteln - und sie schon nach WK II betrieben hat - habe ich erst in den letzten Monaten mit dem Wirbel um Friedmans Rede in Chicago wirklich begriffen.

Lassen wir "alte Europäer" uns nicht auseinanderdividieren! Reist in den Osten, und lernt das "alte Europa" kennen, das dort noch lebendiger ist als im amerikanisierten Westen. Es gibt europäische Werte, die wir gegen das amerikanische Modell des free market imperialism festhalten und durchsetzen müssen, und dafür müssen die "alten Europäer" zusammenhalten und die US-ideologisierte Brüsseler Junta des Finanzkapitals vertreiben, um ein europäisches Europa zu verwirklichen.

Eins meiner nächsten Reiseziele liegt in der Westukraine ... einst Teil der KuK-Monarchie: Czernowitz.

dazu

aprilzi @, tiefster Balkan, Montag, 13.04.2015, 09:55 vor 3927 Tagen @ DT 4875 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.04.2015, 10:07

Hi,

ich will ja nicht den Spielverderber spielen, aber irgendetwas am alten Europa ist faul.
So sind die ehemaligen Feinde der Sowjetunion die groessten Freunde Russlands geworden.
Ungarn wurden im Kommunismus als Gulasch-Komminismus von den Russen verachtend abgestempelt. Titos Yugoslawien scherte sich einen Dreck, was Moskau sagte. Und Griechenland spielte sich als das Anti-Ostblock Bollwerk auf.

Ploetzlich sind all diese ehemaligen Feinde der Sowjetunion die groessten Freunde Russlands geworden. [[freude]]

Und Putin wird diese Zwietracht ausnutzen. Nachdem es ihm nicht gelungen war Bulgarien mit dem Southstrem zu verarschen, versucht es Putin nun mit der Tuerkei, Griechenland, Serbien und Ungarn zu tun.
Das sind eher alles EU skeptische Laender.

Gruss

Siebenbürgen, "süsse Heimat"

Leserzuschrift @, Montag, 13.04.2015, 20:53 vor 3927 Tagen @ aprilzi 4950 Views

Liebes Forum

Siebenbürgen, meiner Ahnen "süße Heimat", ist eine Reise wert. Gut und günstig auch mit der Fluglinie "Blue Air" zu erreichen.
Dort sind auch noch ca. 180 evangelische Kirchenburgen, die zum größten Teil verwaist und verwahrlost mitten in den Dörfern stehen. Achtzehn wurden davon schon mit Hilfe von EU Förderungen seit 2010 saniert (Unser Bundespräsident Gauck hat auch seit letztem Jahr die Schirmherrschaft der "Stiftung Kirchenburgen" übernommen.). Die den Kirchenburgen angeschlossenen Pfarrhäuser sind oft zu Pensionen umgebaut, wo man meist recht unkompliziert übernachten kann.

Hier ein Dokumentarfilm von 1983 über die Siebenbürger Sachsen, gedreht in Michelsberg, einer Gemeinde, die, aufgrund ihrer schönen Lage und Umgebung heute ein beliebter Wohnort und Ausflugsort für wohlhabende Hermannstädter (rum.Sibiu) ist.

https://www.youtube.com/watch?v=y__Qxk6Mmos (Teil 1)

https://www.youtube.com/watch?v=ZzQpTi5dZSU (Teil 2)

Noch ein Film aus dem heutigen Siebenbürgen...

https://www.youtube.com/watch?v=L_1f8ybWPQ0 (Der Geschmack Europs: Siebenbürgen

Rumänien ist seit der Wahl des Herrn Johannis zum Präsidenten mit dem Westen und der EU enger verbunden als vorher, der Verteidigungsetat wurde mit IWF-Hilfe erhöht und es wurde um Rückenstärkung bei der NATO angefragt, deren Präsenz merklich erhöht werden soll. Der zwar jüngere Vorgänger des Johannis, Victor Ponta, war ein Zögling der alten Kader mit gewissen Sympathien für Moskau, obwohl es auch fast unüberwindliche Gräben gab, allein schon wegen des russisch ausgerichteten Staates Moldawien, welcher historisch eigentlich rumänisches Territorium ist. Noch ist der Staat Rumänien nicht übermäßig verschuldet, dies könnte sich aber mit dem neuen Vertrauen, welches auch durch Johannis vermittelt wird, ändern und aus Rumänien ein neuer größerer "Nachschuldner" werden.

Es grüßt eine langjährige Mitleserin

Southstream

Grizzly Adams @, Montag, 13.04.2015, 21:21 vor 3927 Tagen @ aprilzi 4861 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.04.2015, 12:03

Nachdem es ihm nicht gelungen
war Bulgarien mit dem Southstrem zu verarschen, versucht es Putin nun mit
der Tuerkei, Griechenland, Serbien und Ungarn zu tun.

Mich würde interessieren, inwieweit Southstream zu einer "Verarschung" Bulgariens geführt hätte, würde da gerne eine Erläuterung und mehr Einzelheiten hören. Danke.

Gazprom Chef Miller über den zukünftigen Gasmarkt

HansMuc, Dienstag, 14.04.2015, 14:05 vor 3926 Tagen @ Grizzly Adams 4584 Views

Nachdem es ihm nicht gelungen
war Bulgarien mit dem Southstrem zu verarschen, versucht es Putin nun mit
der Tuerkei, Griechenland, Serbien und Ungarn zu tun.

Mich würde interessieren, inwieweit Southstream zu einer "Verarschung"
Bulgariens geführt hätte, würde da gerne eine Erläuterung und mehr
Einzelheiten hören. Danke.


Der Chef von Gazprom über den zukünftigen europäischen und weltweiten Gasmarkt.
(Der rechte Audiokanal liefert die englische Simultanübersetzung).
Live: „Europa und Eurasien" - Gazprom Vorsitzender Miller spricht über Energiesicherheit in Berlin

Grüße
HansMuc

Geschichtsverdreher?

Oberbayer @, Dienstag, 14.04.2015, 15:24 vor 3926 Tagen @ aprilzi 4589 Views

Und Putin wird diese Zwietracht ausnutzen. Nachdem es ihm nicht gelungen
war Bulgarien mit dem Southstrem zu verarschen...

Willst Du uns verarschen, indem Du die Geschichte verdrehst? Nicht Putin hat Bulgarien verarscht, sondern die EU (namentlich ein deutscher EU-Energiekommissar Günther Oettinger) hat den South-Stream-Vertrag ausgehebelt. Sprich: Gebrochen.
http://de.wikipedia.org/wiki/South_Stream

Geschichtsklitterung gehört eigentlich nicht ins Gelbe.

Antwort

aprilzi @, tiefster Balkan, Dienstag, 14.04.2015, 19:15 vor 3926 Tagen @ Grizzly Adams 4684 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.04.2015, 19:33

Hi,

ich habe frueher mal mich hierzu geaeussert.
Also es kostet 20 Mrd Euro oder mehr. Es gibt zur Zeit ein gutes Gasnetz kommend aus der Ukraine ueber Rumaenien nach Bulgarien. Hieraus wird auch die Tuerkei und Griechenland versorgt. Wozu soviele Milliarden ins Meer setzen? Wann wird es sich rentieren? Zur Zeit bekommt Bulgarien auch so seine Transitgebuehren. Diese sind eher unbedeutend. Der Gaspreis richtet sich nach dem Oelpreis und dieser ist niedrig. Es kommen zukuenftige Gaslieferungen, TAP-Projekt, aus Aserbeidschan, Turkmenistan ueber die Tuerkei nach Griechenland, Italien.

Und die jetzige Gaspipeline zwischen Russland und der Tuerkei funktioniert mehr schlecht als recht. Diese ist nur zur Haelfte ausgelastet, so sagte es hier einmal einer.

http://en.wikipedia.org/wiki/Blue_Stream

http://de.wikipedia.org/wiki/Blauer_Strom

Was mir noch einfiel. Seit langer Zeit zahlt Bulgarien ein viel hoeheren Gaspreis als Griechenland, obwohl sein Gas durch Bulgarien transportiert wird.

Die Russen behandeln uns als zweite Klasse Leute. Und noch etwas faellt auf. Es gehen hier laufend Munitionslager in die Luft so auch gestern mal wieder eines.


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