Islands Strategie war: kein Bankenbailout. Hat funktioniert.

politicaleconomy @, Mittwoch, 08.04.2015, 00:17 vor 3933 Tagen 4547 Views

Das Interview dazu mit Islands Staatspräsident Ragnar Grimsson, geführt von Oksana Boyko, ist einen eigenen Diskussionsfaden wert:

https://www.youtube.com/watch?v=qieVZb4Ml9I

Absolut sehenswert. Grimsson ist ein völlig anderes Kaliber als die unsäglichen Schäuble/Merkel.

Gegen die isländische Lösung wird ja immer wieder vorgetragen, dass...

Bernadette_Lauert, Mittwoch, 08.04.2015, 09:04 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 3502 Views

bearbeitet von Bernadette_Lauert, Mittwoch, 08.04.2015, 09:10

Hi politicaleconomy,

das ist eine spannende RT-Sendung.
Als Gegenargument gegen die isländische Lösung wird ja allerortens vorgetragen, dass das im kleinen isländischen Maßstab vielleicht so funktioniert habe, aber im Großen die Banken über die Steuerzahlerhaftung rausgehauen werden mussten, weil sonst "das System" komplett in die Knie gegangen wäre.
Daher müsse man Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren.
Daher müsse der Ertrag (hohe Renditen) vom Risiko (höheres Staatsanleihenausfallrisiko bei Schuldenstaaten) getrennt werden.
Das ist doch alles Blödsinn, dieser Finanzkapitalkommunismus. Schon das Grunprinzip der Staatsfinanzierung ist stark verbesserungswürdig, aber diese Trennung von Rendite und Risiko verstößt gegen die eigenen Prinzipien des stark verbesserungswürdigen Systems.
Banken müssen pleite gehen können, wenn sie sich verzockt haben.
Was die Sichteinlagen der Kunden angeht, sollte der Staat einspringen (ggf. gestaffelt), nicht aber zum Schutze des Großkapitals hinter der Bank.
Oder wie siehst Du das?

Gruß, Bernadette

Ja, Grimsson hats gesagt, die fundamentale Frage war: Haben die Rechte des Volkes und die Demokratie Vorrang oder Finanz..

igelei @, Lammd des Stasi2.0-Rollcommanders, Mittwoch, 08.04.2015, 09:31 vor 3933 Tagen @ Bernadette_Lauert 3055 Views

... kapitalistische Interessen der Banken? Island hat sich für die Rechte des Volkes und die Demokratie entschieden, Merkels Europajunta fürs Kapital und für die Versklavung der Steuerbürger auf Jahrzehnte.

Genau das werden die Völker früher oder später raffen und sich entweder dagegen wehren, oder weiter brav fürs Dreckssystem der CoL und Wallstreetmafia buckeln.

Wir werden sehen ...


MfG
igelei

Natürlich müßten Banken Pleite gehen können. Werden sie auch!

Olivia @, Mittwoch, 08.04.2015, 09:41 vor 3933 Tagen @ Bernadette_Lauert 3065 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 08.04.2015, 09:45

Die ganzen Banken waren aber so ineinander verzahnt, dass die Ergebnisse unabwägbar gewesen wären.

Einen Mini-Staat wie Island kann man noch "einkapseln", genauso wie einen kleinen Infektionsherd. Wenn der ganze Köprer voller Infektionen ist, dann wird das erheblich schwieriger und der Tod ist wahrscheinlicher als das Überleben.

Wir werden ja sehen, was aus dem griechischen Drama entsteht. Ein Grexit dürfte bewältigbar sein. Das ist ja wohl auch das Ziel der griechischen Regierung. Sie sucht halt nur nach einem Schuldigen, weil das griechische Volk den Euro behalten möchte. Wenn jetzt Deutschland und die EU lange genug als "Feinde" präsentiert werden, dann kommt die dortige "herrschende" Klasse fein heraus. Die "Schuld" liegt bei den anderen und sie selbst können die Gelder, die sie in EURO aus Griechenland herausgeholt und in der Nord-EU geparkt haben benutzen, um alles Mögliche aufzukaufen. Die Zeche zahlen die einfachen Griechen und die einfachen EU-Bürger. Aber das tun sie ja bereits seit langem.

Übrigens die Zeche für die Isländer sollen britische Rentner gezahlt haben. Die britischen Rentenfonds haben wohl dort investiert. Was solls...... kriegen die halt weniger und in Island geht es bergauf. Wenn einer gewinnt, dann zahlt in unserem derzeitigen Gesellschaftssystem leider meist ein anderer, so auch in Island.

Und was meint ihr wohl, wo die deutschen Rentengelder, Lebensversicherungsgelder etc. "untergebracht" waren? Dazu muß man sich nur mal anschauen, in was diese Gesellschaften investieren "dürfen". Vor allen Dingen muß diese Investition "sicher" sein. :-)))) - so sicher wie der Bauboom in .......... und so sicher wie Staatsanleihen in ........

--
For entertainment purposes only.

Die Einwände gehen an der Sache vorbei

politicaleconomy @, Mittwoch, 08.04.2015, 11:18 vor 3933 Tagen @ Bernadette_Lauert 3079 Views

Hi BL,

Banken müssen pleite gehen können, wenn sie sich verzockt haben.
Was die Sichteinlagen der Kunden angeht, sollte der Staat einspringen
(ggf. gestaffelt), nicht aber zum Schutze des Großkapitals hinter der
Bank.
Oder wie siehst Du das?

So:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=350653

Statt den Banken Steuergelder zu schenken, kauft "der Steuerzahler" die bankrotten Banken zu Spottpreisen (=sehr marktkonform). Das Personal wird ausgewechselt, die Kleinsparer gerettet, ansonsten werden die Verluste in sinnvoller Weise auf die Gläubiger verteilt.

Die dadurch ausgefallene "Nachfrage" wird durch fiskalische Stimuli in realwirtschaftlich sinnvollen Bereichen ersetzt, was gleichzeitig eine Stärkung der Realwirtschaft bedeutet.

Die Finanzmärkte werden strikt reguliert, wie nach 1929ff (New Deal, Roosevelt: Glass Steagall Act, etc.).

Anschließend werden die rekapitalisierten Banken reprivatisiert: der Staat verkauft sie (mit Gewinn) wieder, die Gewinne kommen "den Steuerzahlern" zugute.

Damit haben die Skandinavier in den 90ern gute Erfahrungen gemacht, wie z.B. hier beschrieben. Wie man es speziell für die Eurozone machen könnte, zeigt Varoufakis in seinem "bescheidenen Vorschlag".

Damit liegst Du goldrichtig, finde ich. (oT)

Bernadette_Lauert, Mittwoch, 08.04.2015, 11:32 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 2583 Views

- kein Text -

Dank f.d. Video

Apostroph @, Down Town (Switzerland), Mittwoch, 08.04.2015, 09:17 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 2835 Views

Soros, Bear Stearns und Konsorten welche das kleine Land ruinierten.

Bear Stearns hat zum Glück den Diebstahl nicht überlebt. Während Soros
munter und ungebremst von Beutezug zu Beutezug weiter unterwegs ist . Zuletzt Russland, welcher Bär ihm noch Mores lehren wird.

Vielen Dank.


Apo'


PS: Das Beispiel Island wird noch Schule machen: Griechenland wird nichts anderes übrig bleiben?

--
"Wir können nicht alle Helden sein, weil ja irgendeiner am Bordstein stehen und klatschen muss, wenn sie vorüber schreiten."

W. Adair

Falls die taz unter MSM fällt ...

Oberbayer @, Mittwoch, 08.04.2015, 12:13 vor 3933 Tagen @ Kropotkin 2905 Views

Warum hören wir davon nichts in den Massenmedien?

Bitteschön: http://www.taz.de/!101198/

Zitat: "Island rettet in der Finanzkrise die Bürger, nicht die Banken"

MfG

Weil Konzernmedien und Nachrichtenagenturen im Besitz der Finanzmafia sind (Wes Brot ich ess', des Lied ich sing!) (oT)

Bernadette_Lauert, Mittwoch, 08.04.2015, 12:17 vor 3933 Tagen @ Kropotkin 2632 Views

- kein Text -

Ja, 'Marktfundamentalismus', Austerität, Hire and Fire hat funktioniert

Zarathustra, Mittwoch, 08.04.2015, 15:29 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 2756 Views

Zehn Prozent aller Arbeitsplätze in Island hat man eliminiert, statt etatistisch am Leben erhalten; das Budget der Staatsmafia wurde zurückgefahren, statt weiter hochgewuchtet. Wäre Island von den Krugmännern, Flassbecks und Keynesioten ähnlichen Kalibers betreut worden, dann gute Nacht Island!

[image]

Fröhliche Grüsse, Zara

Nicht vergessen, dass man bei Islands Banken v.a. ausl. Sparer rasierte

pigbonds @, Mittwoch, 08.04.2015, 20:08 vor 3932 Tagen @ Zarathustra 2675 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 08.04.2015, 20:13

Zehn Prozent aller Arbeitsplätze in Island hat man eliminiert, statt
etatistisch am Leben erhalten; das Budget der Staatsmafia wurde
zurückgefahren, statt weiter hochgewuchtet. Wäre Island von den
Krugmännern, Flassbecks und Keynesioten ähnlichen Kalibers betreut
worden, dann gute Nacht Island!

[image]

Fröhliche Grüsse, Zara

In Island wurden viele ausländische (Klein)Sparer rasiert, also Leute
ohne Lobby.
Auf Zypern, beim Bail-In, hat es die Russen sehr hart erwischt, ebenfalls
Leute ohne Lobby (auf EZB/EU bezogen).

Wie der Klassiker von Peter Schiff, "um chinesische Gläubiger zu bedienen, die
Steuern erhöhen? Wähler verärgern um Nichtwähler zu bezahlen?" ;)
https://www.youtube.com/watch?v=NkEtArDFNYA

WER rasiert wird, ist variabel

politicaleconomy @, Donnerstag, 09.04.2015, 00:08 vor 3932 Tagen @ pigbonds 2474 Views

Hi,

In Island wurden viele ausländische (Klein)Sparer rasiert, also Leute
ohne Lobby.
Auf Zypern, beim Bail-In, hat es die Russen sehr hart erwischt, ebenfalls
Leute ohne Lobby (auf EZB/EU bezogen).

Such is the market.

Nach Kauf der bankrotten Banken kann allerdings der Staat ziemlich frei entscheiden, WELCHE Gläubiger dieser Banken bluten sollen ...

Nein, Aktionäre können nicht selektiv Gläubiger bluten lassen

pigbonds @, Donnerstag, 09.04.2015, 18:53 vor 3931 Tagen @ politicaleconomy 2341 Views

Hi,

In Island wurden viele ausländische (Klein)Sparer rasiert, also Leute
ohne Lobby.
Auf Zypern, beim Bail-In, hat es die Russen sehr hart erwischt,

ebenfalls

Leute ohne Lobby (auf EZB/EU bezogen).


Such is the market.

Nach Kauf der bankrotten Banken kann allerdings der Staat ziemlich frei
entscheiden, WELCHE Gläubiger dieser Banken bluten sollen ...

Nein, nein...

Das hat gar nichts mit dem Markt zu tun.

Auch können Aktionäre (der Bank) nie entscheiden, welche Gläubiger wie viel
bluten sollen.

Isländische Regierung prüft Vollgeld-Vorschlag

Indica @, Deutschland, Mittwoch, 08.04.2015, 21:38 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 2560 Views

Die isländische Regierung prüft derzeit einen Plan des Fortschrittspartei-Abgeordneten Frosti Sigurjónsson, der dem Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft vorsitzt. Der Plan sieht vor, dass zukünftig nur noch die Zentralbank entscheidet, wie viel Geld im Umlauf ist. Die isländischen Banken dürften die Geldmenge dann nicht mehr durch Kreditvergaben erhöhen.

Telepolis - Heise

Ich sag mal so "YEAH!!!"

Bernadette_Lauert, Mittwoch, 08.04.2015, 21:59 vor 3932 Tagen @ Indica 2606 Views

Sollen sie das mal ausprobieren. Wie es jetzt läuft, klappt das Finanzsystem jedenfalls hinten und vorne nicht.

Bankenrettung als Systemrettung:
Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren.
Es müsse der Ertrag (hohe Renditen) vom Risiko (höheres Staatsanleihenausfallrisiko bei Schuldenstaaten) getrennt werden. Sonst Krachboom... "Wir blickten in einen Abgrund." (Steinbrück)
Das ist doch alles Blödsinn, dieser Finanzkapitalkommunismus. Schon das Grunprinzip der Staatsfinanzierung ist stark verbesserungswürdig, aber diese Trennung von Rendite und Risiko verstößt gegen die eigenen Prinzipien des stark verbesserungswürdigen Systems.

Was Besseres muss her! Der Abgrund naht. Man kann ihn bereits am Horizont erkennen...

Survival of the Fattest (not Fittest)

politicaleconomy @, Donnerstag, 09.04.2015, 00:17 vor 3932 Tagen @ Bernadette_Lauert 2476 Views

Hi,

diese Trennung von Rendite und Risiko verstößt gegen die eigenen
Prinzipien des stark verbesserungswürdigen Systems.

Sie verstößt gegen die Ideologie des Systems (größere Rendite nur bei größerem Risiko - Risikobereitschaft wird "belohnt"), nicht gegen das Spiel selbst.

Die offizielle Spielbeschreibung besagt: es wird ein RISIKOspiel gespielt (bei gleichen Chancen für alle): Survival of the Fittest.

Tatsächlich erzielen die Banken mit "Too big to fail = Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren" ein FÜR SIE optimales Ergebnis: maximale Rendite bei minimalem Risiko, d.h. maximale Macht über andere bei minimalem eigenen Einsatz.

Tatsächlich wird ein MACHT-Spiel gespielt, heißt bei "freien Märkten" = Vorfahrt für die Mächtigen: Survival of the Fattest.

Wäre es für Dich ein Lösungsansatz monetär quasi zurück in die 90er zu gehen?

Bernadette_Lauert, Donnerstag, 09.04.2015, 00:42 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 2507 Views

...indem man Banken nicht so fett werden lässt, dass sie von Unterworfenen der Markt-Spielregeln zu Gestaltern der Regeln werden?

Gegen Planwirtschaft (sicherlich auch Finanzoligarchieplanwirtschaft) spricht die Erfahrung.
Die Erfahrung spräche hingegen für hanseatischen Kaufmannskapitalismus oder den rheinischen, bürgerlichen Kapitalismus oder die soziale Marktwirtschaft, die Deutschland reich und gebildet gemacht hat.

Sag mir, politicaleconomy - wie lässt sich der verkrebste Teil abschneiden? Die Umverteilung von Fleißig zu Reich unterbinden?
Dass nicht einem Prozent genauso viel gehört wie den restlichen 99 Prozent?
Dass nicht 85 Familien die Hälfte gehört?
Dass nicht 147 Konzerne die Weltwirtschaft prägen.

Wie wird es wieder so wie früher, als die Welt noch in Ordnung war: http://v.youku.com/v_show/id_XMzgwOTI3NzY0.html

Ich weiß, dass sie da auch nicht in Ordnung war; aber ganz so mies war der Status noch nicht.

Trennbankensystem? Vollgeld? Schattenbankgeschäfte und Derivateberge unterbinden? Finanztransaktionssteuer? Mindestens gleichwertige Besteuerung von Zinseinkünften im Vergleich zur Besteuerung von Arbeit?
Alles zusammen?

Gruß, Bernadette

Im Römischen Reich besaßen bald nur 2000 Familien ganz Rom!

sprit @, Donnerstag, 09.04.2015, 11:21 vor 3932 Tagen @ Bernadette_Lauert 2614 Views

Text im Original "Fett" gemacht von sprit.
Hierzu:
Im Römischen Reich besaßen bald nur 2000 Familien ganz Rom! Für die Produktion wurden immer mehr Sklaven eingesetzt – die selbständigen Gewerbetreibenden konnten nicht mehr konkurrieren und verarmten.
Gruß

Sag mir, politicaleconomy - wie lässt sich der verkrebste Teil
abschneiden? Die Umverteilung von Fleißig zu Reich unterbinden?
Dass nicht einem Prozent genauso viel gehört wie den restlichen 99
Prozent?
Dass nicht 85 Familien die Hälfte gehört?
Dass nicht
147
Konzerne die Weltwirtschaft prägen
.

Wie wird es wieder so wie früher, als die Welt noch in Ordnung war:
http://v.youku.com/v_show/id_XMzgwOTI3NzY0.html

Ich weiß, dass sie da auch nicht in Ordnung war; aber ganz so mies war
der Status noch nicht.

Gruß, Bernadette

--
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