Die Eurokrise kann in 2 Wochen gelöst werden

politicaleconomy @, Samstag, 04.04.2015, 17:15 vor 3936 Tagen 7915 Views

... und noch dazu ohne Fiskalunion, ohne politische Union, sogar ohne Eurobonds - mit recht bescheidenen Mitteln - wenn nur der politische Wille da wäre.

Erklärt dieser Herr hier genauer:
https://www.youtube.com/watch?v=qNItYoJhgmk#t=34m30s

Er hat diesen Weg auch hochrangingen französischen Politikern und hochrangingen deutschen Ökonomen und Politikberatern vorgeschlagen.

Sie haben zugestimmt, daß dies funktionieren würde und gemacht werden sollte.

Woran es dennoch scheitert, haben sie interessanterweise auch dazugesagt: https://www.youtube.com/watch?v=qNItYoJhgmk#t=45m2s

Das dürfte den Bauchgefühlen des Forums recht treffend entsprechen.

2 Wochen - oh - fast so gut wie der französische Staatsanwalt!

Olivia @, Samstag, 04.04.2015, 18:56 vor 3936 Tagen @ politicaleconomy 5088 Views

Und nun mein Bauchgefühl:

Finger weg!

:-)))

Ist sicherlich besser so. Alle Theorie ist grau!

Waren nicht auch die verbrieften Hypothekenkredite vollkommen ausfallsicher?

Und fast hätte er mich auch erwischt. Nur die Begründung war dann ein bißchen zu dick aufgetragen. :-))) - Gott sei Dank immerhin.

Der Michel ist halt sehr gutglaubig und zum Schluß sitzt er dann im Schlamassel. - Wie war das noch mit dem schnellen Geld mit dem die Rentner geködert wurden? ***ggggg****

--
For entertainment purposes only.

Bitte nicht einfach Stundenvideos verlinken

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 04.04.2015, 20:17 vor 3936 Tagen @ politicaleconomy 4802 Views

Hallo politicaleconomy,

nicht einfach Stundenvideos verlinken, sondern bitte den Kern zusammenfassen.
Dass "die Krise gelöst werden kann" finde ich als Resüme zu kurz.

Vielleicht kannst Du ja kurz schildern, wer sein Portemonnaie aufmachen soll?

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Bitte genauer hinschauen

politicaleconomy @, Samstag, 04.04.2015, 21:45 vor 3936 Tagen @ paranoia 4868 Views

nicht einfach Stundenvideos verlinken, sondern bitte den Kern
zusammenfassen.

Ich habe absichtlich nur direkt zu den entsprechenden Stellen des Interviews verlinkt (anklicken führt direkt zur relevanten Stelle, daher Zeitangabe am Ende des Links).

Niemand muss sein Portemonnaie aufmachen, die EIB schöpft einfach neues Geld!

FESTAN, Sonntag, 05.04.2015, 13:33 vor 3935 Tagen @ paranoia 4109 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 05.04.2015, 15:09

Angeblich aus dem Nichts, faktisch stehen dahinter neue Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur Europas. Kosten gleich Null, der Gewinn liegt in einer besseren Versorgung für die europäischen Völker.

So einfach ist das, FESTAN

P.S.: Wenn wir's nicht machen, die Chinesen machen's sicher (AIIB). Dann fallen wir halt noch weiter gegenüber den Asiaten zurück.

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Am griechischen Wesen soll Deutschland genesen

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 05.04.2015, 14:31 vor 3935 Tagen @ FESTAN 4270 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 05.04.2015, 14:45

Hallo Festan,

Angeblich aus dem Nichts, faktisch stehen dahinter neue Investitionen
insbesondere in die Infrastruktur Europas. Kosten gleich Null, der Gewinn
liegt in einer besseren Versorgung für dei europäischen Völker.

vielen Dank für die kurze knackige Zusammenfassung. Das erspart mir eine Stunde Videogucken, die ich nicht investiert hätte.

Jetzt verstehe ich:

Autobahnen, aber diesmal ohne Mefo-Wechsel.
Wenn das der Führer wüsste!

So einfach ist das, FESTAN

P.S.: Wenn wir's nicht machen, die Chinesen machen's sicher (AIIB). Dann
fallen wir halt noch weiter gegenüber den Asiaten zurück.

Wir könnten ja einfach mal für den Anfang einen neuen Flughafen in jedem Bundesland bauen. Wir brauchen die aber nicht zu benutzen, genauso wie die riesigen leeren chinesischen Trabantenstädte auch nicht genutzt werden.

Der Staat ist doch der beste Investor, schöner geht's ja gar nicht mehr!

Ich fordere zu erst einmal die Einrichtung von Lehrstühlen für Planwirtschaft an allen Universitäten mit wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät.

Das ist eine bittere Notwendigkeit, die wir unterlassen haben, nachdem wir uns nach dem Fall der Mauer der Planwirtschaft immer weiter angenähert haben.

Ich muss mal in den Koalitionsvertrag hineingucken, vielleicht ist das ja so ein verkappter Vierjahresplan!

Gruß
paranoia

Nachtrag:
Die Griechen sollten raus aus dem Euro. Dann können sie drucken so viel sie wollen, ohne dass ihnen irgendjemand Vorschriften machen müsste.

Die Nummer, fremde Währung "für einen guten Zweck" (wer wollte schon bei "Infrastrukturinvestitionen" [in die Schiffe griechischer Reeder?] nein sagen?) drucken, die erinnert mich irgendwie an das Figaro-Zitat: "Versailles ohne Krieg".

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Ich kann Deinen Standpunkt verstehen, und ...

FESTAN, Sonntag, 05.04.2015, 15:41 vor 3935 Tagen @ paranoia 3976 Views

es ist mir auch klar, dass damit letztlich die Gläubiger (Banken und reiche Privatiers) ihren Ar... retten wollen. Die Frage ist also, wem kommen solche Ausgaben zugute, und da schadet ein bisschen Umverteilung nicht, sonst kommt es zum Dottorschen Midas-Phänomen, dass nämlich die Ultrareichen an ihrem Geld ersticken.

Grüße, FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Woran es scheitert

politicaleconomy @, Samstag, 04.04.2015, 23:25 vor 3936 Tagen @ politicaleconomy 4864 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 04.04.2015, 23:42

Ab 50:20:

"The only institution - and that is the german government - that has the power to end the euro crisis fears that when it uses its power to end the crisis, it will lose its own power vis a vis Paris."

Deutschland hat deshalb ein Interesse daran, zwar den Euro zu erhalten - aber die Krise am köcheln zu halten und sie NICHT zu beenden.

Volltreffer: das dürfte etwas aussprechen, was hier im Forum viele spüren (mich eingeschlossen), aber nicht zu sagen wagen. Ich hab mir wirklich die Augen gerieben ... muß aber zugeben, das ergibt sehr viel Sinn und trifft ins Schwarze.

Das war mir vorher so nicht bewußt - da spricht er einen Zwiespalt an, den ich selber (als Deutscher) unerkannt in mir hatte und der mir jetzt bewußt geworden ist.

Wie geht's Euch - ähnlich?

Ich habe mich auch an Friedman erinnert, der auf die kritische Bedeutung von Deutschland für die Ukraine hingewiesen hat (Direktlink zu seiner diesbezüglichen Aussage ab 1:59:42).

Eine für meine, nach WK II im Kalten Krieg aufgewachsene Generation seltsame Position, in der wir Deutschen uns da befinden. Wir sind es gewohnt, daß es uns gut geht, wir ökonomisch stark sind, aber politisch macht- und bedeutungslos - damals gegenüber den Supermächten, zwischen denen Deutschland aufgeteilt war.

Ist es wirklich so, daß auch jetzt wieder so viel an Deutschlands Entscheidung hängt?

Was wäre eine sinnvolle deutsche Strategie für die Gegenwart, ein sinnvolles Ziel? Wie ließe es sich bestmöglich erreichen?

Ergebnisse der "Handlungen" einbeziehen!

Olivia @, Sonntag, 05.04.2015, 08:45 vor 3936 Tagen @ politicaleconomy 4349 Views

Mein Eindruck ist, dass dieser Mann „gebrieft“ ist. Welche der Interessenten im Hintergrund daran ein übergeordnetes Interesse haben könnten, massive Unruhe in die EU zu bringen und sie zu schwächen, das darf sich jeder selbst überlegen. Im Zusammenhang mit der derzeitigen geopolitischen Situation sicherlich sehr interessant.

Seit Beginn seiner „Amtszeit“ polemisiert und polarisiert er - und – stellt sich selbst dar. Nicht vergessen: Deutschland muß in eine gewisse „Rolle“ gepreßt werden. Den „Kern“ anzugreifen, wenn man die EU als Ganzes schädigen und schwächen will ist zwingend notwendig. Dazu paßt auch die Veröffentlichung einer Nazizeichnung von Schäuble in der Parteizeitschrift. Fürs Volk.....

Diese Art der Polemik und Manipulation hat bisher NICHT die gewünschten Ergebnisse gezeigt.

Hier die elaborierte Version!

Einem Keil zwischen Deutschland und Frankreich sollte es doch gelingen, die EU handlungsunfähig machen. Oder etwa nicht? - Jedenfalls auf französische Gemüter sollten seine Ausführungen entsprechenden Eindruck machen und den Stolz herausfordern. Dass gleich noch Erfolg beim masochistischen Deutschen erzielt werden kann, das versteht sich von selbst.

Menschen mit „gewissen“ Persönlichkeitsstrukturen sind oft für ihre Umgebung „sehr interessant“. Es lohnt sich, darüber zu googeln und sich ggf. mit der umfangreichen Sach- und Fachliteratur vertraut zu machen.

Die Ergebnisse der Handlungen sind der zentrale Punkt, der zu beachten ist!
UND - wer daran ein Interesse haben könnte!

--
For entertainment purposes only.

Du hast doch kürzlich auf den Stadermann verlinkt , ...

FESTAN, Sonntag, 05.04.2015, 13:40 vor 3935 Tagen @ politicaleconomy 4033 Views

dort wird doch im Vorwort von "Der stabile Euro
und seine Feinde" fast alles gesagt.

Gruß, FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Stadermann kann nicht strategisch denken

politicaleconomy @, Sonntag, 05.04.2015, 23:49 vor 3935 Tagen @ FESTAN 3886 Views

Hi,

dort wird doch im Vorwort von "Der stabile Euro
und seine Feinde" fast alles gesagt.

Leider ist Stadermann zu strategischem Denken unfähig - wie es Deutschland insgesamt an strategischen Denkern und Strategie mangelt. Es kommt meist nur anklägerische US-Kritik, aber keine eigenständige Strategie.

Gesamteuropa zu lähmen, ist keine längerfristig tragfähige Strategie für D. Sie wird früher oder später auf D zurückschlagen.

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer sozialen Marktwirtschaft ausbauen. Dafür fehlen Wille und Kompetenz bei Merkel/Schäuble.

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen. Dafür fehlt der Mut.

Ich plädiere für ersteres.

Die "deutsche Frage": Alleingang oder managbare europäische soziale Marktwirtschaft?

BillHicks ⌂ @, Wien, Montag, 06.04.2015, 16:36 vor 3934 Tagen @ politicaleconomy 3706 Views

Hi,

Hi PE,

dort wird doch im Vorwort von "Der stabile Euro
und seine Feinde" fast alles gesagt.


Leider ist Stadermann zu strategischem Denken unfähig

warum nicht etwas leiser [[zwinker]], z.B.: "bisher habe ich nichts zu (Geo-)Strategie von Stadermann gelesen".
Woher könntest Du wissen, dass Stadermann (grundsätzlich) unfähig dazu wäre?

- wie es
Deutschland insgesamt an strategischen Denkern und Strategie mangelt.

An veröffentlichter Strategie jedenfalls ganz sicher.
Wenn es Friedman braucht um für die Deutschen überhaupt erst darzustellen, dass sie etwas entscheiden können... was sagt das wohl über veröffentlichte (Geo-)Strategie in D?

Es
kommt meist nur anklägerische US-Kritik, aber keine eigenständige
Strategie.

Ja. Jetzt müsste man genau unterscheiden. Die öffentliche Meinung mag durchaus US-kritisch sein, die veröffentlichte Meinung ist es (noch) nicht.
Eigenständige Strategien hingegen kann ich weder in einer öffentlichen, noch in einer veröffentlichten Meinung finden. Strategien sind auch hier im Forum nicht zu finden oder sie sind zumindest Mangelware. [Dass es kein Interesse an einer staatlichen (Geo-)Strategie gibt wird sofort verständlich dann, wenn alle Staatlichkeit grundsätzlich abgelehnt wird.]

Gesamteuropa zu lähmen, ist keine längerfristig tragfähige Strategie
für D. Sie wird früher oder später auf D zurückschlagen.

Natürlich wird das früher oder später auf D zurückschlagen.
Es scheitert allerdings aktuell noch immer am Verständnis, dass das deutsche Verhalten (die deutsche Wirtschaft als Ganzes) überhaupt eine gesamteuropäische Lähmung zur Folge hat. Stichwort: Saldenmechanik. Wenn es deutsche Staatsraison sein und bleiben sollte Nettoexportüberschüsse machen zu wollen, dann muss geklärt werden wo die Nettoexportdefizite sein sollen. Der "globale Minotaurus" (die alles importierende USA) scheint dafür nicht mehr unbegrenzt und dauerhaft zur Verfügung stehen zu können. Imperium hin oder her.

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer
sozialen Marktwirtschaft ausbauen.

Das ist eine (theoretische) Möglichkeit.

Dafür fehlen Wille und Kompetenz bei
Merkel/Schäuble.

Selbst wenn sie Willen und Kompetenz hätten:
Fehlt ihnen nicht auch der politische Rückhalt in D für soetwas? Würden sie nicht in Bausch und Bogen vom Hof gejagt werden, wenn sie tatsächlich tun würden was derzeit für sinnvoll gehalten werden könnte?
Z.B.: europäische clearing union plus Recycling der deutschen Überschüsse, Lohnerhöhungen in D (mindestens 25% fehlen, wenn man die Produktivitätszuwächse in den letzten 15 Jahren berücksichtigt), außerdem Herstellung zivilrechtlicher und fiskalischer Infrastrutkurvoraussetzungen insbesondere in GR, BG, RO aber auch Verbesserungen in Teilen von IT, PT, ES.
Das Ganze müsste zudem dem "deutschen Steuerzahler" so verkauft werden, dass er einerseits nun nicht doch "für alles" zahlen muss und dem Rest Europas müsste gleichzeitig nahe gebracht werden, dass das kein "am deutschen Wesen soll die Welt genesen" ist.
Eine dafür erforderliche "Kompetenz" kann ich bis dato nicht erkennen. Wo sind die deutschen/europäischen, deutsch/europäisch finanzierten, (geo-)strategischen think tanks, die auch unbequeme Fragen stellen und bearbeiten können?

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.

Man könnte zwar, aber es würde die deutsche Wirtschaft als plötzlicher, harter Schnitt, heftig erschüttern, weil Anpassungen extrem schnell erfolgen müssten. Ob die Anpassungs-, Veränderungsgeschwindigkeiten in der deutschen Wirtschaft en gros ausreichen für so einen Schock? Es würde sicher 'irgendwie' gehen, wahrscheinlich zum Preis einer deftigen Rezession (2008 war dagegen ein Kindergeburtstag). Mutig sein für diesen Schritt (Raus aus dem Euro, eigenen Weg mit der DM 2.0) müsste man mindestens, wenn nicht ein Hazardeur.
Halte ich heute für eine kaum gangbare Lösung.

Ich plädiere für ersteres.

Verstehe ich sehr gut.
Was wird denn eigentlich aktuell gemacht:
- aktuell wird versucht die Deflation dadurch abzuwenden, dass bestimmte Vermögenspreise durch die Zentralbank hochgekauft werden, vorwiegend durch Staatsanleihenankauf; das hat zur Folge, dass zwar die Banken (Arbitrage-)Gewinne machen können, aber mehr Kredit für die KMUs gibt es von diesen Banken deshalb noch lange nicht (deshalb mein Plädoyer für ein CF 2.0)
- die tatsächliche deutsche Wettbewerbsfähigkeit (i.e. Innovationskraft, nicht billige Arbeitskraft) wird stückchenweise dadurch ausgehölt, dass die exportorientierten Unternehmen immer wieder durch den Weich-Euro warmgeduscht werden, obwohl ihnen der (relativ zum Dollar) schwache Euro nur bedingt hilft.

Der Versuch eine europäische soziale Marktwirtschaft aufzubauen erscheint mir intuitiv die gangbarste Zielrichtung. Kann mir nur schwer vorstellen, dass ein deutscher Alleingang etwas wirklich Positives bewirken könnte.

Na dann, wo sind die think tanks? Wo finden öffentliche, konstruktive Diskussionen statt? Wo wird diese "deutsche Frage" endlich ernsthaft und klar gestellt? Sogar hier im Forum lese ich immer wieder zwischen den Zeilen, dass es in D ja gerade nichts zu entscheiden gäbe. Ist dann eine sehr komfortable Position, wenn man den status quo gut findet und gerne möchte, dass alle anderen auch glauben sollen, man könne gar nicht anders.

Nachdenkliche beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

ThinkTanks

KK, Montag, 06.04.2015, 19:25 vor 3934 Tagen @ BillHicks 3586 Views

Hallo BillHicks,

Na dann, wo sind die think tanks? Wo finden öffentliche, konstruktive
Diskussionen statt? Wo wird diese "deutsche Frage" endlich ernsthaft und
klar gestellt? Sogar hier im Forum lese ich immer wieder zwischen den
Zeilen, dass es in D ja gerade nichts zu entscheiden gäbe. Ist dann
eine sehr komfortable Position, wenn man den status quo gut findet und
gerne möchte, dass alle anderen auch glauben sollen, man könne gar nicht
anders.

Na, wir haben doch schon seit langer Zeit genug think tanks im Land.
In denen wird zwar diese "deutsche Frage" nicht diskutiert, aber immerhin beantwortet.

Selbst wenn think tanks der neuen Art entstünden, sie bräuchten Köpfe der neuen Art und ebenso Medien den neuen Art zwecks Transport und Kommunikation.
Die Köpfe mag es geben; sie sind aber z.Zt. nicht gesellschaftsfähig - zu viel VT eben.

Es wird in absehbarer Zeit nicht gelingen, bestehende, seit 60 Jahren gewachsene und wohl mitlerweile ziemlich wasserdichte Strukturen zu ändern (will das überhaupt ein relevanter Teil der Gesellschaft?).

Nachdenkliche beste Grüße

Grüße
KK

Vernetzung + Spontanaktivität + kreisende Erregung = alles mögliche ist möglich

BillHicks ⌂ @, Wien, Montag, 06.04.2015, 22:46 vor 3934 Tagen @ KK 3757 Views

Hallo BillHicks,

Hallo KK,

Na, wir haben doch schon seit langer Zeit genug think tanks im Land.

deutsch/europäisch finanziert?

In denen wird zwar diese \"deutsche Frage\" nicht diskutiert, aber immerhin
beantwortet.

Jetzt frag ich mal blöd: Welche think tanks genau? Wie beantworten diese think tanks eine Frage, die nicht diskutiert wird?

Selbst wenn think tanks der neuen Art entstünden, sie bräuchten Köpfe
der neuen Art und ebenso Medien den neuen Art zwecks Transport und
Kommunikation.

Neue Köpfe, neue Medien.
Check, check.

Die Köpfe mag es geben; sie sind aber z.Zt. nicht gesellschaftsfähig -
zu viel VT eben.

Und ließe man die Verschwörungstheorien weg und konzentrierte sich auf die Strategie allein?

Es wird in absehbarer Zeit nicht gelingen,

Steigende (explodierende) Vernetzungsdichte (\"Internet\")
+
Erhöhung der Spontanaktivität innerhalb der Netze (\"Web 2.0\")
+
\"Kreisende Erregung im Netzwerk\" (z.B. Retweets usw.)
=
Man weiß nicht wann und wo und schon gar nicht wodurch ausgelöst, aber eines weiß man: es ist mit diesem Setup alles mögliche möglich.

Kruse (nun schon 5 Jahre her!):
\"Wir bekommen einen extrem starken Kunden, einen extrem starken Mitarbeiter und einen extrem starken Bürger.\"

bestehende, seit 60 Jahren
gewachsene und wohl mitlerweile ziemlich wasserdichte Strukturen zu ändern
(will das überhaupt ein relevanter Teil der Gesellschaft?).

Auf etwas zu warten - wenn man sich selbst als Teil des Systems erkennt - macht wohl nur dann Sinn, wenn man eigentlich selbst jedwede Veränderung scheut.
Das was wir hier tun, geht übrigens wahrscheinlich schon nicht mehr als reines \'Warten\' durch (auch wenn bloßes Posten in einem Online-Forum noch recht nahe dran sein kann [[zwinker]] ).
Übrigens: gerade die \"wasserdichten Strukturen\" der vergangenen 60 Jahre sind gerade rund um uns in Auflösung begriffen. Nur mal so. Überall dort wo möglichst wasserdicht gemacht wurde, steigt der Druck um so schneller. Der Dammdurchbruch wird dann entsprechend dynamisch...
Dem Netzwerk sei Dank [[top]]

Nachdenkliche beste Grüße


Grüße
KK

Vernetzte beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Strategie statt TINA - im DFG sicher nicht

politicaleconomy @, Montag, 06.04.2015, 23:44 vor 3934 Tagen @ BillHicks 3890 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.04.2015, 23:52

Hi Bill,

Hi PE,

dort wird doch im Vorwort von "Der stabile Euro
und seine Feinde" fast alles gesagt.


Leider ist Stadermann zu strategischem Denken unfähig


warum nicht etwas leiser [[zwinker]], z.B.: "bisher habe ich nichts zu
(Geo-)Strategie von Stadermann gelesen".
Woher könntest Du wissen, dass Stadermann (grundsätzlich) unfähig dazu
wäre?

Wissen kann ich es nicht, nur sehe ich nirgends irgendeinen Anhaltspunkt, daß er es könnte, wie generell nicht allzuviel kohärentes. Siehst Du welche?

- wie es
Deutschland insgesamt an strategischen Denkern und Strategie mangelt.


An veröffentlichter Strategie jedenfalls ganz sicher.

Keineswegs. Man muß nur Helmut Schmidt lesen. Leider gehört der nicht mehr zur handelnden Generation. DER fehlt jegliche Strategie. Das mit "den Besatzern" erklären zu wollen, akzeptiere ich nicht, denn den Schmidt haben die auch nicht daran gehindert, realistisch und strategisch zu denken.

Wenn es Friedman braucht um für die Deutschen überhaupt erst
darzustellen, dass sie etwas entscheiden können... was sagt das
wohl über veröffentlichte (Geo-)Strategie in D?

Oder Varoufakis. Offensichtlich ist man sich in D dieser neu erwachsenen Machtstellung bisher nicht bewußt. Es funktioniert ja auch wunderbar, diese Machtstellung so zu nutzen, daß man sich als braver neoliberaler Musterschüler der USA und Chicago ausgibt, nach dem Motto: "wir machen doch alles richtig wie vorgeschrieben - uns kann keiner was!"

Es
kommt meist nur anklägerische US-Kritik, aber keine eigenständige
Strategie.


Ja. Jetzt müsste man genau unterscheiden. Die öffentliche Meinung mag
durchaus US-kritisch sein, die veröffentlichte Meinung ist es
(noch) nicht.
Eigenständige Strategien hingegen kann ich weder in einer öffentlichen,
noch in einer veröffentlichten Meinung finden. Strategien sind auch hier
im Forum nicht zu finden oder sie sind zumindest Mangelware.

So ist es. Während ein Brzezinski oder ein Helmut Schmidt diesen Mangel nicht kennen.

[Dass es kein
Interesse an einer staatlichen (Geo-)Strategie gibt wird sofort
verständlich dann, wenn alle Staatlichkeit grundsätzlich abgelehnt
wird.]

Die Staatsablehner belügen zuerst sich selbst, dann ihre Leser. Ihre einschlägigen Vertreter machen sich ja zum Sprachrohr des Hegemonen - sei es nun bei BILD oder im DGF. Das spricht Bände. Ob nun Demokratie oder Staatsablehnung vorgeschoben werden, das cui bono ist dabei ebenso klar wie verleugnet.

Gesamteuropa zu lähmen, ist keine längerfristig tragfähige Strategie
für D. Sie wird früher oder später auf D zurückschlagen.


Natürlich wird das früher oder später auf D zurückschlagen.
Es scheitert allerdings aktuell noch immer am Verständnis, dass das
deutsche Verhalten (die deutsche Wirtschaft als Ganzes) überhaupt eine
gesamteuropäische Lähmung zur Folge hat. Stichwort: Saldenmechanik. Wenn
es deutsche Staatsraison sein und bleiben sollte Nettoexportüberschüsse
machen zu wollen, dann muss geklärt werden wo die Nettoexportdefizite sein
sollen. Der "globale Minotaurus" (die alles importierende USA) scheint
dafür nicht mehr unbegrenzt und dauerhaft zur Verfügung stehen zu
können. Imperium hin oder her.

Das auch. Dummheit kommt zur Strategielosigkeit noch hinzu.

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System

einer

sozialen Marktwirtschaft ausbauen.


Das ist eine (theoretische) Möglichkeit.

Dafür fehlen Wille und Kompetenz bei
Merkel/Schäuble.


Selbst wenn sie Willen und Kompetenz hätten:
Fehlt ihnen nicht auch der politische Rückhalt in D für soetwas?

Sicher, die "Wähler" haben ja die Regierenden "gewählt", die das exekutieren, was über 30 Jahre hinweg ALLEN als das angebliche Nonplusultra eingebläut wurde. Wir haben ein massives Wahrnehmungsproblem - das ist das Kernproblem, ähnlich wie schon nach Versailles. In Deutschland ist erstaunlicherweise dieses Wahrnehmungsproblem am massivsten - verbunden mit einem extrem verzerrten Blick auf die eigene Geschichte. Natürlich ist dieser Blick auch aufgeherrscht und war im Interesse anderer, die damit ihre nicht ganz weiße Weste reingewaschen erscheinen lassen konnten.

Würden
sie nicht in Bausch und Bogen vom Hof gejagt werden, wenn sie tatsächlich
tun würden was derzeit für sinnvoll gehalten werden könnte?

Vermutlich, wie man an den Reaktionen auf diesen Thread ja sieht.

Z.B.: europäische clearing union plus Recycling der deutschen
Überschüsse, Lohnerhöhungen in D (mindestens 25% fehlen, wenn man die
Produktivitätszuwächse in den letzten 15 Jahren berücksichtigt),
außerdem Herstellung zivilrechtlicher und fiskalischer
Infrastrutkurvoraussetzungen insbesondere in GR, BG, RO aber auch
Verbesserungen in Teilen von IT, PT, ES.
Das Ganze müsste zudem dem "deutschen Steuerzahler" so verkauft werden,
dass er einerseits nun nicht doch "für alles" zahlen muss und dem Rest
Europas müsste gleichzeitig nahe gebracht werden, dass das kein "am
deutschen Wesen soll die Welt genesen" ist.

So - plus einem massiven europäischen "New Deal" a la Varoufakis und Schulmeister (inkludiert Vermögenssteuer-Neuregelung) - müßte es sinnvollerweise laufen. Modest Proposal (Varoufakis) - New Deal (Schulmeister/Varoufakis) - European Clearing Union (Amato/Fantacci).

In die Hirne ist das derzeit nicht reinzubekommen, da kommt so gut wie überall nur klischeehafte Abwehr.

Eine dafür erforderliche "Kompetenz" kann ich bis dato nicht erkennen.

Ich auch nicht.

Wo
sind die deutschen/europäischen, deutsch/europäisch finanzierten,
(geo-)strategischen think tanks, die auch unbequeme Fragen stellen und
bearbeiten können?

In Österreich, Griechenland und Italien ... nur nicht in D.

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.


Man könnte zwar, aber es würde die deutsche Wirtschaft als
plötzlicher, harter Schnitt, heftig erschüttern, weil Anpassungen extrem
schnell erfolgen müssten. Ob die Anpassungs-,
Veränderungsgeschwindigkeiten in der deutschen Wirtschaft en gros
ausreichen für so einen Schock? Es würde sicher 'irgendwie' gehen,
wahrscheinlich zum Preis einer deftigen Rezession (2008 war dagegen ein
Kindergeburtstag).

Es ging ja vor dem Euro auch. Allerdings war da die Weltwirtschaft nicht in einer deflationären Situation. Ein Ausstieg D's würde D die Möglichkeit nehmen seine Arbeitslosigkeit über den Euro zu exportieren. Die Exportindustrie würde zurückschrauben müssen, die Arbeitslosigkeit würde steigen, ggf. auf den europäischen Durchschnitt v. 13%.

Die Weltwirtschaft dürfte auf diesen Schock auch nicht gerade mit begeisterten Wachstumsimpulsen reagieren.

Aber es wäre wenigstens ein konsequenter Schritt, kein planloses destruktives Herumgeeiere (Soros hat das ja auch vorgeschlagen: "only germany can put it right". Textversion hier).

Mutig sein für diesen Schritt (Raus aus dem Euro,
eigenen Weg mit der DM 2.0) müsste man mindestens, wenn nicht ein
Hazardeur.
Halte ich heute für eine kaum gangbare Lösung.

Ich auch nicht.

Ich plädiere für ersteres.


Verstehe ich sehr gut.
Was wird denn eigentlich aktuell gemacht:
- aktuell wird versucht die Deflation dadurch abzuwenden, dass bestimmte
Vermögenspreise durch die Zentralbank hochgekauft werden, vorwiegend durch
Staatsanleihenankauf; das hat zur Folge, dass zwar die Banken
(Arbitrage-)Gewinne machen können, aber mehr Kredit für die KMUs gibt es
von diesen Banken deshalb noch lange nicht (deshalb mein Plädoyer für ein
CF
2.0
)

Funktioniert nicht dort, wo es funktionieren soll (Gütermärkte, da wo Infla gemessen wird). Fiskalische Stimuli werden kommen müssen und WERDEN kommen. Ist nur die Frage, in welcher Form und wofür. In den 30ern war es Kriegswirtschaft.

- die tatsächliche deutsche Wettbewerbsfähigkeit (i.e. Innovationskraft,
nicht billige Arbeitskraft) wird stückchenweise dadurch ausgehölt, dass
die exportorientierten Unternehmen immer wieder durch den Weich-Euro
warmgeduscht werden, obwohl ihnen der (relativ zum Dollar) schwache Euro
nur bedingt hilft.

Durch den Weicheuro und durch das vergleichsweise niedrige Lohnniveau in D. Das nimmt Innovationsdruck raus.

Der Versuch eine europäische soziale Marktwirtschaft aufzubauen erscheint
mir intuitiv die gangbarste Zielrichtung. Kann mir nur schwer vorstellen,
dass ein deutscher Alleingang etwas wirklich Positives bewirken könnte.

Ein deutscher Alleingang kann zu nichts allzu sinnvollem führen, aber immerhin den Lähmungszustand Europas beenden.

Die Konsequenz ist: Deutschland sollte sich für die Integration entscheiden, aber seine Macht nutzen, um eine sinnvolle Konstruktion der EU - mit den von Dir angemahnten privat- und steuerrechtlichen Grundlagen - voranzutreiben.

Das würde - überspitzt gesprochen - auf eine quasi-preußische EU hinauslaufen (wer könnte den Neo-Bismarck-Part übernehmen?), die sicherlich im Süden nicht unbedingt nur auf Begeisterung stoßen würde. Ebensowenig in den USA, die einen Weich-Euro lieber sähen.

Dazu ist D derzeit unfähig - doch das Pushen für die rechtlichen Grundlagen könnte am ehesten aus D kommen und dürfte weniger aus GR, I, etc. kommen, die nicht daran interessiert sind, nicht von Soros, weil er es nicht begriffen hat und möglicherweise auch nicht daran interessiert ist (weiß ich nicht). Auch nicht aus den USA, die ebenfalls nicht an einem allzu starken Euro interessiert sein dürften.

Na dann, wo sind die think tanks? Wo finden öffentliche, konstruktive
Diskussionen statt? Wo wird diese "deutsche Frage" endlich ernsthaft und
klar gestellt?

In D leider nicht, im DGF (TINA-Forum) sicherlich erst recht nicht. Da gibt es hauptsächlich "Sink Tanks" - mit geschlossenen Augen.

Sogar hier im Forum lese ich immer wieder zwischen den
Zeilen, dass es in D ja gerade nichts zu entscheiden gäbe. Ist dann
eine sehr komfortable Position, wenn man den status quo gut findet und
gerne möchte, dass alle anderen auch glauben sollen, man könne gar nicht
anders.

So ist es: TINA ist eben bequem, und ja auch lang eintrainiert. Das Gegenteil von Proaktivität und strategischem Handeln: institutionalisierte Dummheit.

Es ist bezeichnend, daß in diesem Forum BEIDE Optionen abgelehnt oder ignoriert werden, und stattdessen mehrheitlich lähmende TINA-Kommentare kommen. Das war in diesem TINA-Forum immer schon so - vielleicht besteht ja genau DARIN auch seine ideologische Funktion: Perpetuierung von Handlungsunfähigkeit. Jedenfalls besteht sein EFFEKT darin.

Cui Bono?

Wofür fiskalische Stimuli? Wie mit den bankrotten Banken umgehen?

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 22:54 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 3575 Views

Ergänzung:

Fiskalische Stimuli werden kommen müssen und WERDEN
kommen. Ist nur die Frage, in welcher Form und wofür. In den 30ern war es
Kriegswirtschaft.

Heute war es bisher nur Bankenrettung, die sich dafür mit dem Ausbau ihrer Macht bedankten und locker sogar die Einführung einer Finanztransaktionssteuer (die nach 2008 in aller Munde war) abbogen.

Roosevelt hatte 1933 dagegen sofort die Banken reguliert (Trennbankensystem, Glass-Steagall-Act, den Clinton kippte, paar Jahre später kam konsequenterweise der Kollaps des Finanzsystems).

Die nächste "nötige Bankenrettung" kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wie sollte man vorgehen?

Dieses Mal sollten die wankenden Banken verstaatlicht werden: der Staat KAUFT die Pleitebanken für wenig Geld. Wenn der Steuerzahler zahlt, soll er auch mitreden dürfen, was mit den Banken passiert. Die Banken werden rekapitalisiert, die Pleitemanager entlassen, es wird ein Trennbankensystem und eine Finanztransaktionssteuer eingefürt, und der Staat verkauft die rekapitalisierten Banken wieder - mit Profit zugunsten der Steuerzahler. Islands Vorgehen kann als Modell dienen, von dem man lernen kann.

Der fiskalische Stimulus (New Deal) sollte in einen Marshallplan für die Südländer fließen, geknüpft v.a. an die Bedingung juristischer Reform: Einführung eines verläßlichen Privatrechts und Steuerrechts. Weiterhin in massive Investitionen im Infrastruktur- und Bildungsbereich sowie im Forschungs- und Entwicklungsbereich für Gesamteuropa. Spezielle Mittel müssen für die Entwicklung einer zureichenden politischen Ökonomie bereitgestellt werden.

Finanziert werden sollte dies über die europäische Investitionsbank (wie von Varoufakis/Holland/Galbraith in ihrem bescheidenen Vorschlag beschrieben).

Das nur als kleinen Einblick in die Fülle von Maßnahmen, die eine sinnvolle alternative Strategie für Europa beinhalten könnte.

Links, links, links, rechts, links

Rybezahl, Dienstag, 07.04.2015, 23:04 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 3170 Views

Dieses Mal sollten die wankenden Banken verstaatlicht werden: der Staat
KAUFT die Pleitebanken für wenig Geld.

Mit welchem Geld denn zum Beispiel? Mit dem Geld der Steuerzahler?

Voll daneben

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 23:19 vor 3933 Tagen @ Rybezahl 3253 Views

Dieses Mal sollten die wankenden Banken verstaatlicht werden: der Staat
KAUFT die Pleitebanken für wenig Geld.


Mit welchem Geld denn zum Beispiel? Mit dem Geld der Steuerzahler?

Mit welchem denn sonst?

Und die Steuerzahler haben ihr Geld von wem? (oT)

Rybezahl, Dienstag, 07.04.2015, 23:26 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 3192 Views

- kein Text -

Falsche Frage

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 23:33 vor 3933 Tagen @ Rybezahl 3337 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 07.04.2015, 23:45

Der Staat hat die Steuerhoheit. Er finanziert sich, indem die Regierung ausgewählten Bevölkerungsgruppen die Pistole auf die Brust setzt: Geld oder Freiheit. Daraus resultiert seine Kreditwürdigkeit. Ist 1x1 des hiesigen "debitismus", hat der dottore von Randall Wray und seiner Modern Monetary Theory übernommen: "taxes drive money".

Wir - die 90% - müssen dafür sorgen, daß die "richtigen" die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen. Die Top 10%.

Oder ist Dir lieber, daß die unteren 90% den oberen 10% nicht nur ihren Reichtum, sondern auch noch ihre Pleiten finanzieren?

Oder bist Du noch in der TINA-Trance, erfolgreich gebrainwashed?

Vielleicht mal bei Ragnar Grimsson reinschauen (hier kürzer).

Antwort

Rybezahl, Mittwoch, 08.04.2015, 11:07 vor 3933 Tagen @ politicaleconomy 3263 Views

Der Staat hat die Steuerhoheit. Er finanziert sich, indem die Regierung
ausgewählten Bevölkerungsgruppen die Pistole auf die Brust setzt: Geld
oder Freiheit. Daraus resultiert seine Kreditwürdigkeit. Ist 1x1 des
hiesigen "debitismus", hat der dottore von Randall Wray und seiner
Modern
Monetary Theory
übernommen: "taxes drive money".

Das ist durchaus denkbar. Ändert aber nichts am Aufschuldungsprozess, der Sicherheiten verlangt, was Ausbeutung der Erde bedeutet.
Man müsste zusätzlich einen regelmäßigen Schuldenschnitt durchführen. Am Ende landen wir also wieder beim Jubeljahr.

Könnte schwierig werden, aber nichts ist unmöglich.

Oder bist Du noch in der TINA-Trance, [...]?

Ich weiß nicht was das heißt, aber danke, bin auf interessante Beiträge gestoßen. Solltest du meinen, ich wäre der Meinung, die Welt, wie sie ist, sei alternativlos, liegst du falsch. Ich denke, man muss die Umstände erkennen um Lösungen zu finden. Und die Vernunftwerdung der Menschheit muss stattfinden. Möglicherweise kommt Heute noch jemand, der die ganze Welt auf den Kopf zu stellen weiß (am Besten unblutig, das wäre mir sehr lieb).

Aufschuldung vs. Clearing

politicaleconomy @, Mittwoch, 08.04.2015, 11:38 vor 3933 Tagen @ Rybezahl 3366 Views

Hi,

Ändert aber nichts am Aufschuldungsprozess, der
Sicherheiten verlangt, was Ausbeutung der Erde bedeutet.
Man müsste zusätzlich einen regelmäßigen Schuldenschnitt durchführen.
Am Ende landen wir also wieder beim Jubeljahr.

Könnte schwierig werden, aber nichts ist unmöglich.

Eine Clearing Union verhindert Aufschuldung (Liateds Thema). Eine globale CU wurde 1944 von den USA verhindert, jetzt aber wieder von den Chinesen, Dominique Strauss-Kahn, Varoufakis und anderen vorgeschlagen.

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=345504
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=348348

Eine europäische CU gab es mit der europäischen Zahlungsunion schon in den 50er Jahren. Regionale Clearing Unions können sinnvoll sein, wie Jan Kregel zeigt.

Klar ist, daß das gegen die Interessen der Finanzindustrie geht, doch die müßte wie schon nach 1929ff. einfach wieder strikt reguliert und auf die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zurückgeschnitten werden.

Oder bist Du noch in der TINA-Trance, [...]?


Ich weiß nicht was das heißt, aber danke, bin auf interessante Beiträge
gestoßen. Solltest du meinen, ich wäre der Meinung, die Welt, wie sie
ist, sei alternativlos, liegst du falsch. Ich denke, man muss die Umstände
erkennen um Lösungen zu finden. Und die Vernunftwerdung der Menschheit
muss stattfinden. Möglicherweise kommt Heute noch jemand, der die ganze
Welt auf den Kopf zu stellen weiß (am Besten unblutig, das wäre mir sehr
lieb).

Dann sind wir uns ja in dem Punkt einig.

Doppelbingo!

BillHicks ⌂ @, Wien, Mittwoch, 08.04.2015, 14:25 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3253 Views

Hi,

Hi PE,

Eine Clearing Union verhindert Aufschuldung (Liateds Thema). Eine globale
CU wurde 1944 von den USA verhindert, jetzt aber wieder von den Chinesen,
Dominique Strauss-Kahn, Varoufakis und anderen vorgeschlagen.

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=345504
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=348348

und nötiger denn je!?!

Eine europäische CU gab es mit der europäischen Zahlungsunion schon in
den 50er Jahren. Regionale Clearing Unions können sinnvoll sein, wie
Jan
Kregel zeigt
.

Bingo!

Klar ist, daß das gegen die Interessen der Finanzindustrie geht, doch die
müßte wie schon nach 1929ff. einfach wieder strikt reguliert und auf die
Kreditvergabe an die Realwirtschaft zurückgeschnitten werden.

Doppelbingo.
Wenn weniger Salden offen stehen, die finanziert werden müssen verdienen die Banken weniger.
[Sarkasmus]Das darf dann freilich keine Option sein.[/Sarkasmus]

Sooooo schwer sollte das eigentlich gar nicht sein... rein theoretisch.
Wieviel mehr als Ideologie und stupide, einzelwirtschaftliche (Klientel-)Interessenspolitik steht eigentlich zwischen diesem manisch-depressiven, positiv rückgekoppelten Irrsinn und einem architektonisch einigermaßen sinnvoll gebauten Finanzsystem?
Ich persönlich fange an deutlich klarer zu sehen!

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Clearing Unions

politicaleconomy @, Mittwoch, 08.04.2015, 23:27 vor 3932 Tagen @ BillHicks 3309 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 08.04.2015, 23:41

Hi,

Wenn weniger Salden offen stehen, die finanziert werden müssen verdienen
die Banken weniger.
[Sarkasmus]Das darf dann freilich keine Option sein.[/Sarkasmus]

Bingo.

Denk mal an Mehrlings Hierarchy of Credit. Erst Restsalden auf einer Ebene machen überhaupt "Geld" als "credit" der nächsthöheren Ebene nötig, nicht wahr? Wolfgang Stützel: "Bei Gleichschritt von Käufen und Verkäufen entsteht gar kein nennenswerter Kredit- und Zahlungsmittelbedarf" ...

Gleichschritt von Käufen und Verkäufen hieße beispielsweise global, daß alle Handelsbilanzen über längere Zeiträume hinweg im wesentlichen ausgeglichen werden. Ziel der ICU war es, genau dafür Anreize zu schaffen - und zwar symmetrisch auf Schuldner UND Gläubiger verteilte Anreize. Quasi Zins UND Negativzins gleichzeitig: Zins für Schuldner, Negativzins für Gläubiger (!!). Da merkt man auch sehr schön, wo die Verkürzungen des Hypes für "Negativzinsen statt Positivzinsen" (Gesellianer, "Guthabenkrisler" etc.) liegen ... und die grundlegendsten Fragen rund um Banken und Finanzierung stellen sich völlig neu und müssen aus der Perspektive dieser Möglichkeit neu durchdacht werden.

Keynes war mit dem Problem der Ungleichgewichte seit Versailles und den Reparationen mit diesem Problem beschäftigt (kurz beschrieben von Niko Kowall hier, ab S. 11) und im Lauf der Weltwirtschaftskrise darauf gekommen, daß Ungleichgewichte den Frieden gefährden könnnen.

Jetzt denk mal vom Standpunkt der Banken.

"Je mehr offene Salden zu finanzieren sind, desto besser ... wie können wir für möglichst hohe offene Salden sorgen, deren Finanzierung wir dann übernehmen können?".

Ist Gleichschritt gut oder schlecht für die Banken? Schlecht. Was ist gut? Kauf-/Verkaufs-UNgleichgewichte. Nicht nur auf der Ebene von Ländern - ganz generell. Worauf also werden die Banken hinwirken?

Das ist aber nur der Standpunkt des KREDITgeschäfts - Varoufakis erklärt ja schön, wer die größten ökonomischen Ungleichgewichte der Wi-Geschichte liebend gern finanziert und wie. Wie, Finanzzentrum Wall Street? Oooooch woher denn ... die sorgen doch nur für eine effiziente Ressourcenallokation, gell?

Varoufakis hat es begriffen ... dito Keynes, Kregel, etc. Von MMTlern oder Mehrling hört man diesbezüglich bezeichnenderweise nichts ... von "debitisten" meineswissens ebenfalls nicht (falls doch, bitte ich um Hinweise z.B. auf alte Postings des dottore).

Jetzt denken wir mal vom Standpunkt des INVESTMENTgeschäfts:

"Je stärker die Kurse schwanken, desto größer die Gewinnmöglichkeiten ... wie können wir für möglichst große Kursausschläge sorgen? Hm ... Deregulierung der Finanzmärkte? Börsenboom erzeugen? Viele Leute zum Aktienkaufen bringen? Massenverhalten auslösen? Oh, Privatisierung der Altersvorsorge! Werte runter-hypen / -verkaufen und dann hoch-hypen / -kaufen? Oh ... Demographie-Hype? Der ließe sich da prima funktionalisieren ... da müssen wir was dafür tun, daß die Politik das "einsieht" ... schöner Auftrag für unsere Think Tanks ... "

etc. etc. etc.

Nun zähle mal 1 und 1 zusammen.

Sooooo schwer sollte das eigentlich gar nicht sein... rein theoretisch.

Die Theorie ist deswegen ja auch schon lang vorhanden (dort Link zum Originaltext von Keynes) - und gut vergessen, seit man ihre praktische Anwendung erfolgreich verhindert hat.

Keynes zum in Bretton Woods von White (statt Keynes' ICU) durchgesetzten Plan - dem Bretton-Woods-System mit IWF und Weltbank, einem müden Abklatsch der Clearing Union, die wie das gesamte System von Bretton Woods die US-Hegemonie bewahren sollte:

"Das ist kein Währungssystem mehr, sondern eine Kneipe, in der der Wirt seine Gäste verführt, mitzuhalten. Wer unangemessen nüchtern bleiben will, fliegt raus. Der beschwipste Wirt setzt ihn eigenhändig vor die Tür."

Na, wenn das mal nicht schön ausgedrückt ist.

Wilhelm Lautenbach zum Keynes-Plan:

"Daß man vom Keynes-Plan den Rückschritt zum Währungsfonds gemacht hat, scheint zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten nicht gewillt sind, auf die Ausnutzung ihrer finanziellen Machtdisposition zu verzichten." (Quelle)

Hab das Konzept der Clearing Union aber erst in Ansätzen im Detail durchdacht, muß ich zugeben. Aber daß sich aus dieser Perspektive ganz grundlegende Fragen völlig neu stellen, ist mir schon klar.

Beispielsweise wäre klar, daß eine globale Clearing Union praktisch kein Eigenkapital bräuchte. Warum? Weil die globalen Salden sich per definitionem ja zu Null aufaddieren würden, somit Aktiva und Passiva der Clearing Union sich entsprechen würden ...

Wie genau wurde Keynes' ICU verhindert? Sehr schön kurz dargestellt von Massimo Amato und Luca Fantacci (Mailand):

Back to which Bretton Woods? Liquidity and clearing as alternative principles for reforming international finance.
in: Maria Cristina Marcuzzo (Hrsg.): Speculation and Regulation in Commodity Markets: The Keynesian Approach in Theory and Practice. Rom 2010, S.225-242
http://mpra.ub.uni-muenchen.de/44131/1/MPRA_paper_44131.pdf

Vortrag dazu von Fantacci, auf der Jahreskonferenz des International Network for Economic Research 2014:
https://www.youtube.com/watch?v=FbJz6Rf5pGk

Ähnlich auch bei Georg Zoche: WeltMacht Geld.

Wieviel mehr als Ideologie und stupide, einzelwirtschaftliche
(Klientel-)Interessenspolitik steht eigentlich zwischen diesem
manisch-depressiven, positiv rückgekoppelten Irrsinn und einem
architektonisch einigermaßen sinnvoll gebauten Finanzsystem?

Alte Wahrnehmungsprobleme ... Interessen bestimmen die Wahrnehmung.

Ich persönlich fange an deutlich klarer zu sehen!

Wir nähern uns dem Kern der "westl. Welt" samt ihrer Geschichte. Und kriegen den Eindruck, daß das, was Keynes tatsächlich bewegte, mit dem, was gewohnheitsmäßig an ihm "gebasht" wird, recht wenig zu tun hat, weil das für Keynes sekundär war; und daß das, was ihn wirklich bewegt hat, lange Zeit komplett vergessen und verdrängt wurde (Kregel hat seinen bancor-plan erst 1988 ins Deutsche übersetzt - irre angesichts der Bedeutung gerade speziell für die deutsche Geschichte).

Clearing on Top ... and down the pyramid?

politicaleconomy @, Donnerstag, 09.04.2015, 00:37 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3140 Views

Noch hierzu:

Denk mal an Mehrlings Hierarchy of Credit. Erst Restsalden auf einer Ebene
machen überhaupt "Geld" als "credit" der nächsthöheren Ebene nötig,
nicht wahr? Wolfgang Stützel: "Bei Gleichschritt von Käufen und
Verkäufen entsteht gar kein nennenswerter Kredit- und
Zahlungsmittelbedarf" ...

Was nun, wenn von der Spitze der Kreditpyramide her systematisch Anreize für clearing gesetzt werden - also weder Positiv- noch Negativzins, sondern Positivzins für Schuldner UND Negativzins für Gläubiger?

Wie verändert dies die Handlungsstrategien der Wi-Teilnehmer "down the pyramid"?

An Tagen wie diesem ... bei Fragen wie diesen ... sollte man dranbleiben.

Echt krass: christliches oder islamisches Natrium-Chlorid? ;-)

Liated mi Lefuet @, Donnerstag, 09.04.2015, 17:50 vor 3931 Tagen @ BillHicks 3285 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 09.04.2015, 17:55

Sali Bill

Ich habe mich gefreut über Deinen obigen Beitrag.

Ergänzend möchte ich noch ausführen: Wenn…

a) bspw. jenen ca. 10´000 dezentral vernetzen Geschäfts-Banken auf dem Planeten vorgeschrieben wäre, ihre bilateralen Salden (-->Salden aus dem dezentralem Clearing) einmal pro Jahren in einem Clearing House verrechnen zu lassen -sagen wir via CLS, New York- dann sänken weltweit schlagartig Guthaben und Schulden des Interbank-Sektors um Faktor 100¹. Also vom heutigen 2-stelligen Billionen-Bereich(10 hoch 14) in den vielen tieferen 3-stelligen Milliarden-Bereich.

b) Dagegen: Ein weltweites Netz-Werk aus 200 ZBen, zentral verknüpft mit einem gCH = globalen Clearing House (wie es Keynes, Varoufakis usw. vorschwebt), ergäbe noch einen viel dramatischeren Effekt: Ein solch zentral verknüpftes Netz aus 200-ZB & gCH wiese im Vergleich mit dezentralen 10´000 GB-Netz ein viele günstigere Clearing-Quote (aka: Netting ratio) von etwa 1/707¹ auf.

Kaum nötig zu erwähnen, welche dieser Clearing-Netzwerk-Varianten einem Schwarzen Schwan am wenigsten „Landefläche“ böte.

¹Falls Du zu a) und b) mathematische Details wünschst: einfach nachhaken. Nebenbei: (de)zentrale Netzwerke, hier bildlich dargestellt.

Eigentlich zeigt sich doch bei diesem Thema eine Tragödie des Homo Sapiens: Die Natur-Gesetze beim Clearing sind m.E. unabhängig davon wirksam, ob (de)zentrales Clearing weltweit in…

…einer kommunistischen *huch*;- )

…einer neoliberalen *ui-ui-ui* ;- )

…einer weltweiten Hippie-Kultur *Mama mia.*; - )

stattfände.

Anders formuliert: Das globale Clearing House ideologisch zu bekämpfen / zu verteufeln, halte ich etwa so „vernünftig“ (um es höflich auszudrücken), wie ein blutiger Streit darüber, ob christliches oder islamisches Natrium-Chlorid (aka: reines Kochsalz) besser, gesünder, giftiger, ketzerischer sei;- )

Freundlicher Gruß
Liated

Clearing (edit)

Rybezahl, Mittwoch, 08.04.2015, 14:33 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3181 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 08.04.2015, 14:42

Hallo!

Eine Clearing Union verhindert Aufschuldung (Liateds Thema). Eine globale
CU wurde 1944 von den USA verhindert, jetzt aber wieder von den Chinesen,
Dominique Strauss-Kahn, Varoufakis und anderen vorgeschlagen.

Das vorgeschlagene Szenario gleicht der Idee, das dt. Münzgesetz auf das gesamte Finanzsystem zu übertragen + Clearing der Einzelstaaten untereinander.
Das sehe ich doch richtig, oder?
Dann hat der Staat aber eben doch ein Finanzierungsproblem und muss aufschulden bzw. nach einiger Zeit einen Schuldenschnitt vornehmen.


========

Siehe: Münzgesetz (MünzG).

(Eingekürzte Version des §6, §7 und §8 des MünzG:)
Die deutschen Euro-Münzen und die deutschen Euro-Gedenkmünzen werden von denjenigen Münzstätten der Länder ausgeprägt, die sich dazu bereit erklären und die der Bund beauftragt. Die Deutsche Bundesbank bringt die deutschen Euro-Münzen nach Maßgabe der Bedürfnisse in den Verkehr. Zu diesem Zweck ist sie verpflichtet, die ausgeprägten Münzen vom Bund gegen Gutschrift des Nennbetrages zu übernehmen. Euro-Münzen und deutsche Euro-Gedenkmünzen*, die infolge längeren Umlaufs und Abnutzung an Gewicht oder Erkennbarkeit erheblich eingebüßt haben, werden von der Deutschen Bundesbank angenommen. Sie sind für Rechnung des Bundes einzuziehen.

Also:
1. Bund beauftragt Münzstätten, Münzen zu prägen.
2. BuBa muss Münzen des Bundes gegen Gutschrift des Nennbetrages der Münzen dem Bund gegenüber übernehmen.
3. Bundesbank verteilt Münzen an Geschäftsbanken.
4. BuBa nimmt "alte" Münzen für Rechnung des Bundes wieder zurück.

Man könnte auch von exponentiell steigender Inflation sprechen... (oT)

Rybezahl, Mittwoch, 08.04.2015, 14:59 vor 3932 Tagen @ Rybezahl 3218 Views

- kein Text -

Nö, Inflation für Gläubiger, gleichzeitig Deflation für Schuldner (oT)

politicaleconomy @, Donnerstag, 09.04.2015, 00:50 vor 3932 Tagen @ Rybezahl 3135 Views

- kein Text -

Leider nicht

Rybezahl, Donnerstag, 09.04.2015, 01:58 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3125 Views

Denn der Staat muss doch das Loch stopfen, das er verursacht hat. Und das - mit neu geprägten Münzen! Es führt kein Weg daran vorbei...

Wie meinst Du das?

politicaleconomy @, Donnerstag, 09.04.2015, 00:46 vor 3932 Tagen @ Rybezahl 3191 Views

Hi,

Eine Clearing Union verhindert Aufschuldung (Liateds Thema). Eine

globale

CU wurde 1944 von den USA verhindert, jetzt aber wieder von den

Chinesen,

Dominique Strauss-Kahn, Varoufakis und anderen vorgeschlagen.


Das vorgeschlagene Szenario gleicht der Idee, das dt. Münzgesetz auf das
gesamte Finanzsystem zu übertragen + Clearing der Einzelstaaten
untereinander.
Das sehe ich doch richtig, oder?

Beschreibe mal genau, was Du unter Clearing Union verstanden hast. Die hat mit Münzen nichts zu tun, sondern mit einer globalen Verrechnungseinheit. Ein Bedarf an Münzen oder Scheinen besteht da nirgends.

Gruß.

Die Einheit spielt keine Rolle, lass es von mir aus nur Zahlen sein! (oT)

Rybezahl, Donnerstag, 09.04.2015, 01:55 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3178 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 09.04.2015, 01:59

- kein Text -

Münzen und deren Clearing auf "null"

Liated mi Lefuet @, Donnerstag, 09.04.2015, 22:30 vor 3931 Tagen @ Rybezahl 3311 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 09.04.2015, 22:40

Sali Rybezahl

Eine Clearing Union verhindert Aufschuldung (Liateds Thema). Eine
globaleCU wurde 1944 von den USA verhindert, jetzt aber wieder von den
Chinesen,Dominique Strauss-Kahn, Varoufakis und anderen vorgeschlagen.


Das vorgeschlagene Szenario gleicht der Idee, das dt. Münzgesetz auf das
gesamte Finanzsystem zu übertragen + Clearing der Einzelstaaten
untereinander.
Das sehe ich doch richtig, oder?

Ja, könnte man so sagen.

Ich würde aber Deine Frage mit einem leicht abgeänderten Schumpeter Zitat¹ präziser so beantworten: Sie sollten das Geldwesen als gefährlich wucherndes, reines Clearingsystem begreifen (lernen), in dem Forderungen(+) und Schulden (-) gegeneinander aufgerechnet und die wuchernden Salden zeitlich vorwärts getragen werden. „Bargeld“-Zahlungen stellen darin nur eine weitere Variante des Clearings ohne heraus ragende Bedeutung dar.

Mit <<... - „Bargeld“-Zahlungen als banale Variante des Clearings>> meine ich : Zahlte Herr oder Firma Maier vor 150 Jahren einen Barkredit von einer Zettelbank (-->Emittent) bar zurück, clearte er seine Schulden (‘Forderung der Zettelbank an ihn’) auf null und senkte die Notenmenge im Umlauf (‘Schulden der Zettelbank ggü den Besitzern von Bargeldnoten’) entsprechend. Da aber die heutigen Zettelbanken (aka: Zentralbanken) keine Geschäfte mehr mit dem Publikum abwickeln, ist dieser Clearing Fall relativ selten geworden. Man könnte ihn sogar ganz eliminieren: Stichwort Bargeld abschaffen².

Für die Emission von Münzen gelten dieselben Fibu-Regeln bzw. müssten eigentlich laut Fachliteratur gelten. Aber der Staat foutiert sich seit vielen Generationen darum: Was heute nicht mehr so wichtig ist, da die „Bargeldmenge im Umlauf“ vergleichsweise nur (noch) winzig klein ausfällt.

Freundlicher Gruß
Liated

PS:

¹ Schumpeter’s Originalsatz lautet: <<Es könnte vorteilhafter sein....(.)…das kapitalistische Geldwesen als Clearingsystem zu betrachten, in dem Forderungen und Schulden gegeneinander aufgerechnet und die Differenzen vorgetragen werden – so dass „Geld“-Zahlungen nur als Sonderfall ohne grundlegende Bedeutung auftreten.>>
Quelle: Joseph A. Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse, [1954] 2009, S. 876


² Stichwort Bargeld abschaffen, wie offenbar vorgesehen in Schweden, Dänemark, Finnland. M.E. nicht ungefährlich: Alle könnten perfekt überwacht werden: Der Staat seine Bürger. Die Banken ihre Kunden. Und wer bewacht dann die Wächter? Aber das ist ja nicht unser Thema.

Zettelwirtschaft

Rybezahl, Freitag, 10.04.2015, 12:47 vor 3930 Tagen @ Liated mi Lefuet 3116 Views

Hallo Liated mi Lefuet!

Danke für die Ergänzung. Das Thema Münzen lässt mich nicht los, schaue mir die verlinkten Beiträge heute Abend nochmal an. So langsam komme ich dahinter, was du da sagst. Ja! - Wo ist der Passiv-Posten für die Münzen bei der ZB? Die Münzen sollen ja eigentlich, laut dt. Münzgesetz, bei Bedarf wieder an den Bund zurückwandern.

² Stichwort Bargeld abschaffen, wie offenbar vorgesehen in Schweden,
Dänemark, Finnland. M.E. nicht ungefährlich: Alle könnten perfekt
überwacht werden: Der Staat seine Bürger. Die Banken ihre Kunden. Und wer
bewacht dann die Wächter? Aber das ist ja nicht unser Thema.

Das ist ein Argument gegen die Abschaffung des Bargeldes, dem ich mich anschließe! Zahle selbst viel mit Bargeld.

Viele Grüße vom
Rybezahl.

..die, die zentralbänkeln;-)

Liated mi Lefuet @, Samstag, 11.04.2015, 10:15 vor 3930 Tagen @ Rybezahl 3121 Views

Sali Rybezahl

Wo ist der Passiv-Posten für die Münzen bei der ZB?

Lass uns "zentralbänkeln": (Hübsches Verb, finde ich;- )

Nur nicht zu weit suchen.Du hast es hier bereits richtig heraus gearbeitet:


Die ZB legt die Münzen simpel in ihre Kasse: Sie verbucht diesen Vorgang via..

...a) ihr Kasssa-Konto(ZB-Aktiven) bzw.

...b) erteilt Gutschrift via Girokonto des Staates (ZB-Passiv) und schickt ihm diese im Original und verbucht die Kopie davon.

(Fibu-Grundsatz der Belegpflicht: <<Kein Buchung ohne Beleg. Kein Beleg ohne Buchung>>


Freundlicher Gruß
Liated

Die (Pleite-)Banken werden für nur 1 € gekauft :-)

BillHicks ⌂ @, Wien, Dienstag, 07.04.2015, 23:41 vor 3933 Tagen @ Rybezahl 3379 Views

Hallo Rybezahl,

Dieses Mal sollten die wankenden Banken verstaatlicht werden: der Staat
KAUFT die Pleitebanken für wenig Geld.


Mit welchem Geld denn zum Beispiel? Mit dem Geld der Steuerzahler?

müsste europaweit wahrscheinlich über den ESM gehen. (Pleite-)Bank für (Pleite-)Bank. Deutschland, Österreich, Niederlande, ... können ihre Banken freilich auch selbst kaufen, wenn sie wollen. Manch anderer Nationalstaat in €pa hat die Option wohl nur dann, wenn die Banken tatsächlich für den sprichwörtlichen 1 € zu haben sind.

Leeson, übernehmen Sie! (ING kaufte 1995 die Barings für 1 Pfund)

Die Frage ist ob man so lange warten kann bis die Eigenkapitale tatsächlich ganz aufgebraucht, bzw. die Verluste groß genug sind oder ob aus Gründen des Produktivwirtschaftsschutzes erneut früher gehandelt wird.

Wo ist eigentlich der Politiker, der im Fall der Fälle zu den Herren der Bankrottokratie sagt: "Gentlemen, you're out."

Frage: gibt es eigentlich ein live-taugliches Abwicklungsinstrument in Europa? Also im Sinne: man ist so gut aufgestellt, dass man Banken, die sich in Schwierigkeiten spekuliert haben in Gläubigerschutz gehen lassen kann ohne das System als Ganzes zu gefährden?
Hat man die Bank erst mal in Gläubigerschutz kann man als Nationalstaat die equities sicher sehr günstig einsammeln.
Dass GR sowas nicht hat nehme ich mal an. Aber z.B. D, GB, F usw. hätten doch genügend manpower.
Also: gibt es dieses Instrumentarium?

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Die Strategie des Reiches

FESTAN, Montag, 06.04.2015, 18:52 vor 3934 Tagen @ politicaleconomy 3627 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.04.2015, 19:24

Stadermann lässt doch so einiges anklingen. Was er nicht sagen darf, ergänze ich hier:

Was macht ein militärisch geschlagenes Reich, dass de jure fortexistiert, bis 2099 besetzt sein soll mit einem (damals) überlegenen Gegner, der seine Trojaner allerorten im Vereinigten Wirtschaftsgebiet eingeschleust und die Bevölkerung 70 Jahre hirngewaschen hat, wenn die Konfrontation fortbesteht?

Drei strategische Möglichkeiten im Konflikt:

1. Flucht - Hat die Reichsdeutsche Absetzbewegung möglicherweise vollbracht.

2. Kampf - Führten Bundesbank (Status der wertstabilen Reservewährung) und
deutsche Industrie auf dem Gebiet der - überlegenen - Wirtschaft.

3. Totstellen - Heißt geduldig warten bis der Gegner sich aufgesplittert und
selbst zerlegt hat. Das erleben wir gerade.

Also, abwarten und Met trinken (der Engländer darf beim Tee bleiben), ist jetzt die Strategie der Wahl.


FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

4. Alternative

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 00:01 vor 3934 Tagen @ FESTAN 3627 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 07.04.2015, 00:26

Hi,

Was macht ein militärisch geschlagenes Reich, dass de jure fortexistiert,
bis 2099 besetzt sein soll mit einem (damals) überlegenen Gegner, der
seine Trojaner allerorten im Vereinigten Wirtschaftsgebiet eingeschleust
und die Bevölkerung 70 Jahre hirngewaschen hat, wenn die Konfrontation
fortbesteht?

Drei strategische Möglichkeiten im Konflikt:

1. Flucht - Hat die Reichsdeutsche Absetzbewegung möglicherweise
vollbracht.

2. Kampf - Führten Bundesbank (Status der wertstabilen Reservewährung)
und
deutsche Industrie auf dem Gebiet der - überlegenen - Wirtschaft.

3. Totstellen - Heißt geduldig warten bis der Gegner sich aufgesplittert
und
selbst zerlegt hat. Das erleben wir gerade.

Also, abwarten und Met trinken (der Engländer darf beim Tee bleiben), ist
jetzt die Strategie der Wahl.

Ich habe für eine 4. Möglichkeit plädiert. Nichtstun und Warten ist m.E. nicht nur keine sinnvolle Strategie, für Europa ist es der worst bet, denn seine Krise wird sich nicht von selbst erledigen, sondern es implodieren lassen.

4. Alternative:
- Modest Proposal (Varoufakis)
- New Deal (Schulmeister, download hier)
- Politische Union (Roloff) und Rechtsunion (Privat- und Steuerrecht)
- Eurasische Union

Wie Menschen auf steigende Komplexität reagieren...

BillHicks ⌂ @, Wien, Dienstag, 07.04.2015, 01:04 vor 3934 Tagen @ politicaleconomy 4137 Views

Hi,

Hi FESTAN und PE,

Also, abwarten und Met trinken (der Engländer darf beim Tee bleiben),

ist

jetzt die Strategie der Wahl.


Ich habe für eine 4. Möglichkeit plädiert. Nichtstun und Warten ist
m.E. nicht nur keine sinnvolle Strategie,

Möglichkeiten um mit steigender Komplexität umzugehen:
1. Rumprobieren oder auch "trial and error" - nette Strategie aber für ein komplexes Umfeld auf Dauer ungeeignet, stabile Ordnungen sind durch bloßes "trial and error" in einem komplexen Umfeld kaum zu erwarten
2. Ausblenden (der steigenden Komplexität) - Einfach beim alten Muster bleiben. Sehr beliebt.
3. Rationales Durchdringen, Verstehen über die Details - Sind wir seeehr stolz darauf in unserer Kultur. Leider für Komplexität ebenfalls ungeeignet, sorry. Da würden wir mit Details studieren niemals fertig...
4. Trivialisieren - also zum Beispiel schlicht behaupten: "Nein wir brauchen uns gar nicht mit unserer Lebensgrundlage beschäftigen, die schützen wir ganz automatisch, wenn wir einfach nur den CO2 Ausstoß verringern."
Und wer's glaubt wird seelig. Ganz bestimmt.
Fazit: Trivialisieren hilft auch nicht, dabei wird die Komplexität nämlich gerade zerstört und verunmöglicht so sinnvolle Entscheidungen.
5. Emotionales Bewerten, intuitives Agieren
Durch Erfahrungen, die sich aufgebaut haben durch eine lange Lerngeschichte am Rande der Überforderung, sind wir in der Lage Komplexität durch Musterbildung, die jenseits des individuellen rationalen Verstehens liegen, zu reduzieren. Hoppla!
[Quelle: Peter Kruse über steigende Komplexität]

für Europa ist es der worst bet,
denn seine Krise wird sich nicht von selbst erledigen, sondern es
implodieren lassen.

Bisher herrscht in Europa ganz sicher 2. vor. Es wird fleißig ausgeblendet. Sicher, es wird auch ein bißchen rumprobiert (1.), wenn es ganz akut wird (wie z.B. im Mai 2010), zwischendurch vielleicht ein bißchen Trivialisierung (4., "Die faulen Griechen sind schuld, wenn doch einfach alle so fleißig wie die Deutschen wären...") aber eigentlich wird hauptsächlich nichts getan. Vogel Strauß. Na servus.

4. Alternative:
- Modest Proposal
(Varoufakis)
- New Deal
(Schulmeister,
download
hier)
- Politische Union
(Roloff)
und Rechtsunion (Privat- und Steuerrecht)
- Eurasische
Union

Danke für die Zusammenstellung.

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

6. Stückwerkstechnik ...

FESTAN, Dienstag, 07.04.2015, 12:36 vor 3933 Tagen @ BillHicks 3527 Views

Moin Bill und pe,

klingt nicht so gut wie „piecemeal-engineering“. War die Strategie der Wahl für die Fabian Society, deren Symbol die Schildkröte ist, die gerade wieder auf dem Cover des Economist ein Comeback feiern durfte.

Die Strategie des Zauderns und Zögerns scheint - bei rasanten Anstieg der Komplexität - doch zur Explosion des Systems direkt in die "Katastrophe" zu führen, da die Gegensätze nicht länger überbrückbar sind. Ich bin sicher, dass es einige Kräfte gibt, die genau darauf setzen.

Beste Grüße, FESTAN

--
„…Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilde

Lernen

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 17:55 vor 3933 Tagen @ BillHicks 3397 Views

Hi Bill,

3. Rationales Durchdringen, Verstehen über die Details - Sind wir seeehr
stolz darauf in unserer Kultur. Leider für Komplexität ebenfalls
ungeeignet, sorry. Da würden wir mit Details studieren niemals fertig...

Versuchen, unterschiedlicher Detailaspekte und der Struktur des Ganzen rational zu durchdringen = Lernen/Üben. Aufbau innerer Komplexität und Differenzierung (von Wahrnehmung, Bedürfnissen und darauf basierenden Handlungsstrategien).

4. Trivialisieren - also zum Beispiel schlicht behaupten: "Nein wir
brauchen uns gar nicht mit unserer Lebensgrundlage beschäftigen, die
schützen wir ganz automatisch, wenn wir einfach nur den CO2 Ausstoß
verringern."
Und wer's glaubt wird seelig. Ganz bestimmt.

Klammern ans Ideologiegerüst - gibt Stabilität, beschränkt aber die Lernmöglichkeiten auf das, was das Ideologiegerüst zuläßt.

Fazit: Trivialisieren hilft auch nicht, dabei wird die Komplexität
nämlich gerade zerstört und verunmöglicht so sinnvolle Entscheidungen.

Meister ihres Fachs können beliebig differenzieren, kennen aber den für das jeweils vorliegende Problem/Ziel nützlichste Auflösungsgrad (der weder zu sehr vereinfacht noch zu sehr in die Details geht). Deshalb können sie effektiv und elegant handeln. Sei es nun ein Handwerksmeister, ein Meister der Improvisation an seinem Instrument, oder ein Meister eines anderen Fachs.

5. Emotionales Bewerten, intuitives Agieren
Durch Erfahrungen, die sich aufgebaut haben durch eine lange
Lerngeschichte am Rande der Überforderung, sind wir in der Lage
Komplexität durch Musterbildung, die jenseits des individuellen rationalen
Verstehens liegen, zu reduzieren. Hoppla!
[Quelle: Peter Kruse
über steigende Komplexität
]

Nun, die Qualität und Angemessenheit der Handlungen, die daraus resultiert, hängt von der Lerngeschichte ab. Wer nicht geübt und gelernt, sondern hauptsächlich ideologisiert hat, hat keine Handlungsfähigkeit aufgebaut.

Dummheit ist dadurch definiert, schon einmal gemachte Lernerfahrungen auf eine ähnliche Situation nicht anzuwenden, sondern dieselben Fehler von "damals" zu wiederholen. Das findet seit 2008ff. - mit gewissen Einschränkungen - statt (kurzfristig hat man im groben "richtig" reagiert - allerdings, indem man das zugrundeliegende Problem nicht gelöst, sondern per Banken-Bailout perpetuiert hat - außer in Island).

Die Theorie in der Mehrheit der Köpfe ist wieder dieselbe wie in den 20ern/30ern.

für Europa ist es der worst bet,
denn seine Krise wird sich nicht von selbst erledigen, sondern es
implodieren lassen.


Bisher herrscht in Europa ganz sicher 2. vor. Es wird fleißig
ausgeblendet. Sicher, es wird auch ein bißchen rumprobiert (1.), wenn es
ganz akut wird (wie z.B. im Mai 2010), zwischendurch vielleicht ein
bißchen Trivialisierung (4., "Die faulen Griechen sind schuld, wenn doch
einfach alle so fleißig wie die Deutschen wären...") aber eigentlich wird
hauptsächlich nichts getan. Vogel Strauß. Na servus.

Und wie ordnest Du da z.B. Varoufakis ein? Deine Auflistung strategischer Möglichkeiten erscheint mir ehrlich gesagt wenig nützlich ... eher trivialisierend. Wären nicht eher sinnvolle Fragen: auf welche Lernerfahrungen kann zurückgegriffen werden (Nachkriegsordnung!), welche neuen Lernschritte und Fragestellungen wären angesichts der zwar ähnlichen, aber eben doch auch spezifischen Situation (z.B. Eurozone, die zwar dem Goldstandard der 20er Jahre analog ist, aber zusätzlich Spezifika aufweist) zusätzlich nötig?

Gruß
PE

4. Trivialisieren (edit)

Rybezahl, Dienstag, 07.04.2015, 20:26 vor 3933 Tagen @ BillHicks 3318 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 07.04.2015, 20:45

Ich möchte mal behaupten, es wird in der Hauptsache trivialisiert in der Form, dass man glaubt, die Sparpolitik biete mehr als Verelendung, Rezession und Deflation.

Also zum Beispiel wird schlicht behauptet: "Nein wir brauchen uns gar nicht mit unserer Lebensgrundlage beschäftigen, die schützen wir ganz automatisch, wenn wir einfach nur weniger Ausgaben haben."

Aus meiner Sicht gibt es genau zwei Wege:
1. Schneller Schulden machen
2. Schuldenschnitt

Im Moment wird Sparpolitik favorisiert, zugleich werden Kredite gewährt. Das federt den Abschwung ab und verteilt ihn auf den Rest der EU. Der Vorstoß Griechenlands, einige Reformen (vorläufig) rückgängig zu machen, dürfte einen weiteren Abfederungseffekt haben.
Jetzt kommt es darauf an, ob sie bei anderen Schuldenmachern Schulden machen dürfen.

Kruse

Heinz @, Mittwoch, 08.04.2015, 13:34 vor 3932 Tagen @ BillHicks 3172 Views

Hi Bill!

Danke für den Link von Kruse [[top]]

--
Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?

Sehr gerne! + Link auf einen Vortrag von Prof. Kruse aus 2014

BillHicks ⌂ @, Wien, Mittwoch, 08.04.2015, 14:03 vor 3932 Tagen @ Heinz 3246 Views

Hi Bill!

Hallo Heinz!

Danke für den Link von Kruse [[top]]

Sehr gerne, hier im Forum hatte ich kürzlich einen aktuellen Vortrag von ihm verlinkt: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=348164
Die Resonanz darauf war bisher gering. Vielleicht hast Du ja Lust Dir den Vortrag von ihm anzusehen und zu schreiben was Du daraus mitgenommen hast. Für mich war ein Aha-Erlebnis dabei. Viel Spaß beim Anschauen[[top]]

Beste Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Traum vom Paradies

KK, Montag, 06.04.2015, 19:07 vor 3934 Tagen @ politicaleconomy 3637 Views

Hallo pe,

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer
sozialen Marktwirtschaft ausbauen. Dafür fehlen Wille und Kompetenz bei
Merkel/Schäuble.

Sie setzen also voraus, dass die beiden könnten, wenn sie nur wollten, aber doch nicht können, weil sie nicht wissen, dass sie könnten?

Schaut man sich die letzten Dekaden der Europäisierung an, kann man nur wenig entdecken von einem Ausbau eines handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer sozialen Marktwirtschaft.
Demnach haben sich viele Köche probiert und nichts erreicht (oder wollten etwas anderes erreichen).
Der letzte große Koch war der lange Charles mit seinem Europa der Vaterländer.

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.

Warum Mut?
Kein Land kann seinen eigenen Weg gehen, ohne souveräne Überzeugungen, ohne potente Partner und ohne ein klares, der Bevölkerung vermittelbares Ziel.
Deutschland hat derzeit nichts davon, das wissen die diversen Köche heute und vergangener Zeiten.

Ich plädiere für ersteres.

Ja, aber selbst vom Paradies haben die dabei Beteiligten völlig unterschiedliche Auffassungen.

Gruß
KK

Bullshit

politicaleconomy @, Dienstag, 07.04.2015, 23:18 vor 3933 Tagen @ KK 3346 Views

Hi,

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System

einer

sozialen Marktwirtschaft ausbauen. Dafür fehlen Wille und Kompetenz

bei

Merkel/Schäuble.


Sie setzen also voraus, dass die beiden könnten, wenn sie nur wollten,
aber doch nicht können, weil sie nicht wissen, dass sie könnten?

Merkel/Schäuble wissen nicht, wie es ginge. Ihre ökonomische Kompetenz geht gegen Null (Physikerin/Jurist).

Schaut man sich die letzten Dekaden der Europäisierung an, kann man nur
wenig entdecken von einem Ausbau eines handlungsfähigen,
wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer sozialen
Marktwirtschaft.

Weil sie über die letzten 3 Dekaden von der falschen Ideologie geleitet wurde (neoklassischer Marktfundamentalismus, made in Chicaco, USA und übernommen von Reagan/Thatcher/Schröder bis hin zu Merkels Perversion der "marktkonformen Demokratie"). Fuck that, wir brauchen demokratiekonformen Markt im Interesse der unteren 90%, nicht marktkonforme Demokratie im Interesse der oberen 1%.

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.


Warum Mut?
Kein Land kann seinen eigenen Weg gehen, ohne souveräne Überzeugungen,
ohne potente Partner und ohne ein klares, der Bevölkerung vermittelbares
Ziel.
Deutschland hat derzeit nichts davon, das wissen die diversen Köche heute
und vergangener Zeiten.

Deutschland fehlt Strategie und volkswirtschaftlich kompetente Führung. Ein Land, das nach nach einem Sandkasten-BWL-Modell ("schwäbische Hausfrau") geführt wird, leidet v.a. an einem: an Dummheit.

Ich plädiere für ersteres.


Ja, aber selbst vom Paradies haben die dabei Beteiligten völlig
unterschiedliche Auffassungen.

Daß 11 Fußballspieler 11 zu jedem Zeitpunkt unterschiedliche Perspektiven auf das Spielfeld haben, ändert nichts am allgemeinen gemeinsamen Ziel. Sondern es dient ihm.

Treffender Betreff

KK, Mittwoch, 08.04.2015, 18:17 vor 3932 Tagen @ politicaleconomy 3259 Views

Hallo pe,

Hi,

Konsequent wäre:

Entweder im Euro bleiben und die EU zu einem demokratischen und
handlungsfähigen, wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System

einer

sozialen Marktwirtschaft ausbauen. Dafür fehlen Wille und Kompetenz

bei

Merkel/Schäuble.


Sie setzen also voraus, dass die beiden könnten, wenn sie nur wollten,
aber doch nicht können, weil sie nicht wissen, dass sie könnten?


Merkel/Schäuble wissen nicht, wie es ginge. Ihre ökonomische Kompetenz
geht gegen Null (Physikerin/Jurist).

Wie was ginge?

Welche ökonomische Kompetenz?
Geht's auch mit anderer, vielleicht sogar mit wissenschaftlicher?

Schaut man sich die letzten Dekaden der Europäisierung an, kann man

nur

wenig entdecken von einem Ausbau eines handlungsfähigen,
wirtschaftspolitisch sinnvoll managbaren System einer sozialen
Marktwirtschaft.


Weil sie über die letzten 3 Dekaden
von
der falschen Ideologie geleitet
wurde (neoklassischer
Marktfundamentalismus, made in Chicaco, USA und übernommen von
Reagan/Thatcher/Schröder bis hin zu Merkels Perversion der "marktkonformen
Demokratie"). Fuck that, wir brauchen demokratiekonformen Markt im
Interesse der unteren 90%, nicht marktkonforme Demokratie im Interesse der
oberen 1%.

Falsche Ideologie? Falsch für wen?
Gibt es eine richtige Ideologie? Vielleicht Ihre?
Wie sieht die denn aus?

Ja ja, neoklassischer Marktfundamentalismus ist des Teufels.

Was ist denn marktkonforme Demokratie?
(Demokratie = Herrschaft Weniger über den Rest!!!!)
(Markt = Summe der Menschen, die Überschuss für sich erwirtschaften wollen)
Was soll denn da konformiert werden?

Ahh, also ist demokratiekonformer Markt nicht des Teufels - also eine gute Ideologie.

Oder konsequent im Alleingang aussteigen und einen eigenen Weg gehen.
Dafür fehlt der Mut.


Warum Mut?
Kein Land kann seinen eigenen Weg gehen, ohne souveräne

Überzeugungen,

ohne potente Partner und ohne ein klares, der Bevölkerung

vermittelbares

Ziel.
Deutschland hat derzeit nichts davon, das wissen die diversen Köche

heute

und vergangener Zeiten.


Deutschland fehlt Strategie und volkswirtschaftlich kompetente Führung.
Ein Land, das nach nach einem Sandkasten-BWL-Modell ("schwäbische
Hausfrau") geführt wird, leidet v.a. an einem: an Dummheit.

Welche Strategie - politische, wirtschaftliche, soziale...?

Ja ja, eine der stärksten Volkswirtschaften wird als BWL-Modell geführt.
Wissen das die Wirtschaftenden, machen die da mit?

Wenn Sie so gar keine schwäbische Hausfrau mögen, was dann?

Ich plädiere für ersteres.

Na ja, mit dem Plädieren ist noch gaaarnichts erklärt und noch gargarnichts geändert.

Ja, aber selbst vom Paradies haben die dabei Beteiligten völlig
unterschiedliche Auffassungen.


Daß 11 Fußballspieler 11 zu jedem Zeitpunkt unterschiedliche
Perspektiven auf das Spielfeld haben, ändert nichts am allgemeinen
gemeinsamen Ziel. Sondern es dient ihm.

Das Beispiel kann ja nicht mal hinken - es ist völlig beinlos.

Vielleicht können Sie ja mit etwas Gehaltvollerem antworten.
Zumindest hat der selbst gewählte Betreff zum Inhalt gepaßt.

Gruß
KK

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