"Patienten, die Lorazepam nehmen, sollten davor gewarnt werden, gefährliche Maschinen oder Motorfahrzeuge zu steuern"

sodele, Freitag, 03.04.2015, 20:56 vor 3937 Tagen 6416 Views

Die Allianz-Versicherung schätzt die Kosten des Germanwings-Absturzes auf 300 Mio $.

Da Andreas L. sowohl Tavor (=Lorazepam) als auch noch zumindest ein weiteres Antidepressivum eingenommen haben soll, dürfte die Kostenträger interessieren, was auf den Beipackzetteln dieser Medikamente geschrieben steht und was die Arzneimittelbehörden dazu verlautbaren lassen.

Die FDA schreibt hier zu Lorazepam:

"patients receiving lorazepam should be warned not to operate dangerous
machinery or motor vehicles"

Ob ein Airbus A320 zu der oben genannte Kategorie zählt, ist natürlich Ansichtssache.

Des weiteren litt Andreas L. unter Sehstörungen und Alpträumen. Beides Symptome, die bei der Einnahme von derartigen Medikamenten auftreten können.

Ob es einen Piloten optimistisch stimmt, unter Sehstörungen zu leiden, darf vermutlich bezweifelt werden. Da kann es nur von Vorteil sein, dass man Tavor parallel dazu auch als Beruhigungs- und Schlafmittel verordnen kann.

Bedanken möchte ich mich für alle konstruktiven Kommentare zu diesem Beitrag.

Wer das dort verlinkte Video noch nicht gesehen hat, bitte unbedingt anschauen und im Bekanntenkreis weiterempfehlen. Denn nur, wenn die Menschen anfangen zu begreifen, welches Leid die kriminellen Machenschaften der Pharmaindustrie anrichten, kann diesen Verbrechern irgendwann das Handwerk gelegt werden.

Danke, und euch allen frohe Ostern!

Das Barschel Medikament

aliter @, Freitag, 03.04.2015, 23:01 vor 3937 Tagen @ sodele 5052 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 03.04.2015, 23:08

allen frohe Ostern!

Das haut mich aber doch aus den Socken, wenn es denn stimmt,dass der Copilot so ein Medikament aus der Diazepamklasse geschluckt hat, dann ist er eigentlich nicht flugfähig. Allerdings sollte er dann schon gar nicht zu depressiven Aktionen neigen, da wie früher geworben wurde "Tavor nimmt der Realität den Schrecken" er sicherlich auf Wolken geschwebt hat. Nur zur Erinnerung, Barschel hatte das regelmässig seinerzeit geschluckt und möglicherweise dadurch den Mut gefunden gegen das System anzustinken; wie es ausging wissen wir ja.
Ohne Frage hochwirksam, für Dauergebrauch nicht geeignet, macht abhängig. Wenn nicht Tavor in so grossen Mengen verschrieben würde,würde man fast meinen ein Medikament, dass zu Komplikationen mit der Realität führt. Ich hoffe, sein Hausarzt hat gut dokumentiert, dass er ihn auf Abhängigkeit und mangenldes Flug bzw Fahrvermögen hingewiesen hat, sonst droht diesem möglicherweise Kunstfehler-Ungemach. mfg

Ja, und es ist so unglaublich, dass bereits 1998 Artikel wie diese erschienen sind - ohne Konsequenzen:

sodele, Freitag, 03.04.2015, 23:26 vor 3937 Tagen @ aliter 4640 Views

bearbeitet von sodele, Samstag, 04.04.2015, 12:34

Zitate:

"Nach den ersten Wochen haben psychotische Wahngebilde sein Denken überschwemmt. Um ihn davon zu überzeugen, daß er nicht sterben müsse, gingen die Pfleger mehrere Male mit ihm in den Keller und zeigten ihm, daß dort kein Sarg für ihn bereitstünde. Er hatte Angst, er könnte mit dem Messer auf andere losgehen. In einem unbewachten Augenblick war er mit aller Kraft durch acht dicke Türscheiben aus Glas gesprungen. Bei einigen hatte er mehrmals Anlauf genommen. Von dem Tag an ließen ihn die Pfleger in der Psychiatrie keine Sekunde mehr aus den Augen."

"Jetzt habe er nur noch einen Wunsch: daß dieser "Bärenkram aus dem Verkehr gezogen" werde."

der ganze Artikel

Bitte keine Geschichtsfälschung

Isländer @, Montag, 06.04.2015, 06:08 vor 3934 Tagen @ aliter 3293 Views

zur Erinnerung, Barschel hatte das regelmässig seinerzeit geschluckt und
möglicherweise dadurch den Mut gefunden gegen das System anzustinken; wie
es ausging
wissen wir ja.

Wenn da Medikamente im Spiel waren, dann gewaltsam eingeflößt.


http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=266467


LG
Spek

--
Alle meine Beiträge stelle ich unter Vorbehalt zukünftiger Erkenntnisse.
Die Zeiten des direkten Beweises sind vorbei.
18tm4vxxbKH878xhLWGMhdhtx3rJ16Jc2P

Bitte den Vorgang genau prüfen, es ist beileibe keine Fälschung

aliter @, Montag, 06.04.2015, 09:56 vor 3934 Tagen @ Isländer 3268 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 06.04.2015, 13:42

Wenn man sich den Vorgang vor Augen hält, so ist es sicherlich richtig, dass dem Deliquenten vor dessen Exitus ein Medikamentencoctail möglichweise gewaltsam eingeflösst wurde, auf den beziehe ich mich nicht in meinem og. Posting.

Aber ich beziehe mich auch die Krankenakte Barschel. Es wurde seinerzeit die Kopie der Karteikarte des behandelnden Arztes veröffentlicht - mit welchem Recht auch immer -.
Da ich mich mit der Aufzeichnungspflicht ganz gut auskenne, war ich überrascht, dass lediglich Besuchsdaten, Gebührenordnungspositionen und mit absoluter Regelmässigkeit (!) die Verordnung von Tavor dokumentiert war. Dass passt mit seiner hypomanischen Grundeinstellung (ich gebe Ihnen mein Ehrenwort...) und vielleicht auch mit der Fehleinschätzung der Macht, die ihm gegenüberstand, sehr gut zusammen.
Es ist eben in sich recht schlüssig und darauf bezog ich mich in meinem Posting.
Ich bedauere es, dass häufig im Gelben Forum in recht harscher und manchmal fast unsachlicher Form argumentiert wird. Selbst wenn ich mich geirrt hätte, aber da bin ich absolut sicher, so wäre es keine Geschichtsfälschung, vielleicht eine Fehlinterpretation oder Unkenntnis.

Ich bitte für diese Richtigstellung um Verständnis.

ergänzend noch dieser im obigen Zusammenhang makabre Satz: "das Leben ... Hunderttausender ... an den Abgrund manövriert"

sodele, Freitag, 03.04.2015, 23:01 vor 3937 Tagen @ sodele 4631 Views

Bereits 2009 erschien dieser Artikel:

Zitat: ""Ich glaube, dass es keine Erkrankung gibt, bei der die Diskrepanz zwischen der Zahl der Betroffenen und derjenigen, die in Behandlung kommen, so groß ist - die Leute werden allein gelassen"


Tavor kann Leben zerstören

Benzodiazepine können auch sinnvoll sein

Diego2 @, Samstag, 04.04.2015, 00:25 vor 3936 Tagen @ sodele 4591 Views

"Denn nur, wenn die

Menschen anfangen zu begreifen, welches Leid die kriminellen Machenschaften
der Pharmaindustrie anrichten, kann diesen Verbrechern irgendwann das
Handwerk gelegt werden."


Eine etwas differenzierte Betrachtungsweise wäre vllt. doch angebracht.

Benzodiazepine können auch lebensrettend sein und gehören ua. zur (kurzfristigen) Standardtherapie beim Status epilepticus (10 % Letalität).
http://de.wikipedia.org/wiki/Status_epilepticus

Sie wirken nicht antidepressiv und nicht suizidal, sondern angstlösend, muskelrelaxierend und antikonvulsiv (wirken gegen epileptische Anfälle) machen aber schläfrig (sedierend) und haben ein hohes Abhängigkeitspotential. Lorazepam hat eine lange Halbwertzeit, weshalb es zum Überhang kommen kann, wenn es als Schlafmittel missbraucht wird und deshalb ist man auch am Folgetag nicht voll fahr- oder verkehrstüchtig. Midazolam / Dormicum hat eine sehr kurze Halbwertzeit und ist sehr gut in der Anästhesie steuerbar (ist doch schön, wenn man von einer Magenspiegelung nichts mitbekommt und trotzdem schnell wieder wach wird, oder etwa nicht ?).

Benzos sind wegen dem Suchtpotential nur in der Anästhesie oder im stationären Rahmen (wo man sie vor Entlassung des Patienten wieder ausschleichen kann) sicher einsetzbar. Wer sie als Schlafmittel ambulant verschreibt, begeht einen ärztlichen Kunstfehler. Das Problem sind akute Angst- oder Erregungszustände, die damit gerne behandelt werden. Ich bin kein Psychiater, würde Benzos jedoch nur stationär dazu einsetzen und ambulant auf andere Substanzen ausweichen.

ja, sehe da keinen Widerspruch

sodele, Samstag, 04.04.2015, 01:59 vor 3936 Tagen @ Diego2 4112 Views

Benzos sind wegen dem Suchtpotential nur in der Anästhesie oder im
stationären Rahmen (wo man sie vor Entlassung des Patienten wieder
ausschleichen kann) sicher einsetzbar. Wer sie als Schlafmittel ambulant
verschreibt, begeht einen ärztlichen Kunstfehler. Das Problem sind akute
Angst- oder Erregungszustände, die damit gerne behandelt werden.


Bei sogenannten pathologischen Zuständen kann deren Anwendung durchaus indiziert sein.

Beim ganz überwiegenden Teil der Menschen, die dieses Zeug nehmen, geht es jedoch um etwas Anderes. Nämlich um die Vermeidung von Leiden in der Form sozialer Ängste im weitesten Sinne.

Diese Leiden lassen sich mit den Worten von Paul Watzlawick definieren als die Diskrepanz zwischen der Welt, wie ich sie mir für mich wünsche und der Welt wie ich sie jeden Tag nach dem Aufstehen antreffe, oder genauer gesagt: anzutreffen glaube.

Einverstanden?

Traumatisierungen

Nonpopulo @, Samstag, 04.04.2015, 13:34 vor 3936 Tagen @ sodele 3809 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 04.04.2015, 13:51

> Diese Leiden lassen sich mit den Worten von Paul Watzlawick definieren als
[quote]die Diskrepanz zwischen der Welt, wie ich sie mir für mich wünsche und
der Welt wie ich sie jeden Tag nach dem Aufstehen antreffe, oder genauer
gesagt: anzutreffen glaube.

Einverstanden?[/quote]

Die meisten Menschen mit Angststörungen, Panikattacken, Schizophrenien und Neurosen mit sozialphobischen Auswirkungen und Depressionen haben mit Traumatisierungen aufgrund von sexuellem Missbrauch oder körperlicher und seelischer Misshandlung zu kämpfen und nicht mit der alltäglichen Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Da die Psychiatrie und Psychotherapie zu den Hauptversagern der modernen Wissenschaft gehören, bleibt leider oft nur die Wahl zwischen Dauer- und Reservemedikation, wobei ich Reservemedikation (Benzodiazepine) für zweckmässiger halte, wenn sie nicht täglich angewendet werden muss.

Grüsse Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby

"Mutters kleine Helfer"

sodele, Sonntag, 05.04.2015, 17:41 vor 3935 Tagen @ Nonpopulo 3476 Views

bearbeitet von sodele, Sonntag, 05.04.2015, 17:53

sangen die Stones einst.

Zwei Drittel dieser Pillen werden angeblich von älteren Menschen konsumiert. Und inwieweit Traumata eine Rolle spielen, lässt sich meines Wissens mangels valider Daten statistisch nicht nachweisen.

In diesem kurzen Beitrag wird dagegen unter anderem beschrieben, was passiert, wenn`s während der Behandlung zur sog. "Wirkumkehr" kommt.

Zur Menge der Verordnungen gibt es jede Menge Zahlen, so zB hier:

"Antidepressiva sind die mit großem Abstand am häufigsten verordneten Psychopharmaka. Im Jahr 2011 wurden mit 1.257 Mio. DDD (=1,257 Millarden) („defined daily doses“, definierte Tagesdosen) verschrieben"

Darüber hinaus gibt es beispielsweise Lorazepam rezeptfrei zu kaufen.

Was die von dir vermutete Qualität nichtmedikamentöser Behandlungsweisen angeht, deckt sich meine Einschätzung mit der deinen.

Hier gibt es viel zu tun. Und um nicht nur als ständiger Nörgler dazustehen, nehme ich mir hiermit vor, demnächst in diesem Forum konkrete Ansätze und Beispiele für erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeiten zu posten.

Dir alles Gute.

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